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,/tf 237 «amstag, den 15. Ottober 1892. IS. Hahrgavg

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Deutsches Keich.

Berlin, 13. Oktober.

* Das Staatsministermm trat heute, vor der Sitzung des Bundesraths, unter dem Vorsitz deS Grafen zu Eulenburg zu einer Sitzung zusammen, an welcher der Reichskanzler Graf v. Caprivi nicht Theil nahm. Ueber den Gegenstand der Berathung wird Stillschweigen beobachtet. — Ueber die Staatsministerialsitzung vom vorigen Samstag erfährt man zuverlässig, daß in der­selben lediglich über die Militärvorlage verhandelt wurde, zu welcher daS Ministerium einstimmig seine Zustimmung gab. Ueber die Eröffnung des Land­tags und des Reichstags ist noch kein Beschluß gefaßt, die bezüglichen Termine sollen erst später fest­gestellt werden, wenn auch seit längerer Zeit bereits die Einberufung beider Parlamente im Monat No­vember, und zwar die des Landtags etwa zehn Tage vor dem Reichstag, in Aussicht genommen ist.

* Das Sparsystem bei der Eisenbahnverwal­tung führt schon zu geradezu krankhaften Auswüchsen. Durch eine aus dem September d. I. datirende Ver­fügung sollen, sofern die ,Voss. Zig.' recht unterrichtet ist, hinfort den Eifenbahn-Zugführern, Packmeistern und Schaffnern bei den Personenzügen die ihnen bisher stets unentgeltlich während des Winters verabfolgten Filzstiefel und Pelze nicht mehr gewährt werden. Gegen ein derartiges Sparen am Leibe der Eisenbahn­beamten könnte nicht entschieden genug protestirt wer­den. Man würde es nirgends verstehen, daß das Sparen bei den nothwendigsten Bedürfnissen der An­gestellten beginnen soll; am allerwenigsten aber würde man eine solche Maßregel in Einklang bringen können mit einer wahren staatlichen Sozialpolitik.

* Dem gestrigen, zu Ehren der österreichisch-unga­rischen Distanzreiter in der Kaserne des Kaiser Franz Garde-Grenadler-Regiments veranstalteten kameradschaft­lichen Zusammensein wohnte auch Reichskanzler Graf Caprivi als alter Offizier des Regiments bei. Der- felbe brachte ein Hoch auf den Kaiser Franz Joseph aus. Er sei als junger Offizier in der Liebe und Ver­ehrung zu Kaiser Franz Joseph als Chef des Regi­ments groß geworden und in seiner gegenwärtigen Stellung, da er die Verhältnisse klarer und richtiger zu beurtheilen in der Lage fei als damals, sei diese Liebe und Verehrung noch befestigt worden. Oberst von Kotz antwortete als Vertreter der österreichisch­ungarischen Offiziere mit einem Hoch auf den deutschen Kaiser.

* Ueber die Ergebnisse der diesjährigen preußischen Einkommensteuerveraulagung macht der .Staats- Anzeiger' eingehende Mittheilungen. Danach ist bei 2,437,886 Censiten an Einkommensteuer der Betrag von 124,842,848 Mark veranlagt, 45,284,021 Mk. mehr, als im Vorjahre bei 440,248 mehr Censiten. An dem Mehr sind die erst steuerpflichtig gewordenen juristischen Personen (Aktiengesellschaften, eingetragene Genossenschaften u. s. w.) mit 2018 Censiten und 10,056,743 Mk. betheiligt. Nach Abzug dieser betrug

Im Wetter geschüttelt.

Eine Erzählung aus dem Bergmannsleben von Paul v. Wildbach.

(3. Fortsetzung.)

Und der Sachsenfritz war kein schlechter Tänzer. Mit aller Eleganz und Geschicklichkeit wußte er sich mit seiner jugendfrischen Partnerin durchzuwinden und ihr dabei mit glatter Zunge noch manches schmeichelnde Wörtchen ins Ohr zu flüstern, für welches ein junges Mädchen feiten taub ist. In wohlgesetzten Worten wünschte er ihr zu dem heutigen Ereigniß Glück, welches übrigens einem so herrlichen Paare, wie sie mit Peter abgebe, gar nicht fehlen könne.

Das Blut stieg Lisbeth in die Wangen bei der gleißenden Rede, aber sie nahm sich zusammen und sagte: .

„Aber, ich muß bitten Herr Glasing, so weit ist ja die Sache noch gar nicht."

„So weit ist es noch nicht?" fragte der Sachse anscheinend hoch erstaunt, und als hege er das tiefste Bedauern, ihr weibliches Zartgefühl beleidigt zu haben, fügte er hinzu: „O, dann muß ich tausendmal um Entschuldigung bitten wegen meiner Voreiligkeit . . . Aber ich mußte eS ja annehmen . . . Peter Hochfelv hat sich doch neulich schon offen gerühmt ..."

„Wessen hat er sich gerühmt?" fuhr Lisbeth heftig heraus.

daS veranlagte Einkommen der Censiten 572,432,767 Mk. (gegen 427,370,217 Mk. im Vorjahre); davon entfallen auf die Städte 3875 Millionen, auf das platte Land 1851 Millionen. Das höchste Durch- fchnittseinkommen weist der Regierungsbezirk Wiesbaden, die niedrigsten die Regierungsbezirke Gumbinnen, Stade, Arnsberg und Trier auf. Mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mk. sind veranlagt 316,889 Censiten (gegen 254,280 im Vorjahre). Das veranlagte Ein­kommen dieser Censiten beträgt nach den einzelnen Einkommensquellen gesondert: 1) Kapitalsvermögen 911,721,201 Mk., 2) aus Grundvermögen 755,361,284 Mk., 3) aus Handel, Gewerbe und Bergbau 982 804,081 Mark und 4) aus gewinnbringender Beschäftigung 593,941,967 Mark. Das veranlagte Einkommen dieser Censiten stellte sich also insgesammt auf 2812,342,342 Mk. (gegen 1,887,440,517 Mk. im Vorjahre). In Prozenten ausgedrückt, sind im Jahre 1892/93 gegen­über dem Vorjahre Censiten veranlagt worden zu einem Einkommen von

900-3000 Mk. 86,99 (gegen 87,27) % 3000—6000 „ 8,40 ( „ 9,05) „

6000-9500 „ 2,28 ( „ 1,92) „

9500—30500 „ 1,89 ( „ 1,49) „

30500—100000 „ 0,37 ( „ 0 22) „

über 100000 ,, 0,07 ( „ 0,05) „

* Die im kaiserlichen Gesundheitsamte errichtete Cholerakommisfion hat sich gegen Einfuhrverbote auf Fleisch, Fische, Caviar und Margarine aus Cholera­orten ausgesprochen.

* Contreadmiral Valois ist unter Beförderung zum Vizeadmiral, zum Chef der Nordseestation, Kapitän z. See Aschenborn unter Beförderung zum Contre­admiral zum Inspekteur der 1. Marine-Inspektion er­nannt worden. Ferner wurden Contreadmiral Köster zum Vizeadmiral, Kapitän z. See Hoffmann zum Contreadmiral befördert. Der Generalarzt der Marine, Dr. Wenzel erhielt den Rang als Contreadmiral.

* Hier ist die Bildung einer Gesellschaft im Gange, die in Usambara (Deutsch-Ostafrika) Kaffeeplantagen anleqen will.

g g * Rektor Ahlwardt ist von der deutsch-sozialen Partei als antisemitischer Kandidat für Friedeberg- Arnswalde ausgestellt worden. Das ,Friedeberger Kreis­blatt' enthält bereits den Ausruf für ihn.

* Die Einnahme an Wechsclstempelstener im deutfchen Reich betrug in der Zeit vom 1. April bis Ende September d. I. 3,901,590 Mark (172,569 M. weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres).

* Der Reichrkommissar für die Gesundheitspflege im Stromgebiet des Rheines hat zwei weitere Kon- trollftationen, und zwar in Mannheim und in LudwigS- haven, errichtet. Der Mainzer Kontrollstation ist der Main, einstweilen bis Frankfurt, zugetheilt woiden.

* Köln, 10. Okt. In voriger Woche fand die in den Satzungen vorgesehene halbjährige Versammlung des Centralvorstandes des Afrikavereines unter dem Vorsitze des Ehrenpräsidenten, des Hoch«. Herrn Erzbisch fs von Köln, statt. Der Vorsitzende deS Ver-

„Nun, daß Alles fix und fertig sei bis auf's Leimen!" erwiderte keck der Sachse.

Lisbeth schwindelte es vor den Augen. Hier bei ihr war Peter der ehrbare, ja schüchterne Liebhaber, — und dort bei seinen losen Kameraden rühmte er sich mit kecken Eroberungen..... Sollte er am

Ende gar keine ernsten Absichten gehabt und nur sein Spiel mit ihr getrieben haben .... Oder hatte der unheimliche Sachse seine ganze Erzählung rein aus der Luft gegriffen? .... Aber er hatte so sicher ge­sprochen . . .

Sie wollte ihn auffordern, sich genauer zu erklären, aber da machte ihr Tänzer auch schon sein weltmän­nisches Kompliment, und sie sah sich wieder neben den­selben Mann gestellt, der sie so schmählich verrathen haben sollte. Ihr schauderte bei dem Gedanken — aber als sie Peter in die Augen sah, mußte sie sich sagen, daß so der Berrath nicht aussehe . . . Der falsche Sachse hatte offenbar gelogen, jedenfalls stark über­trieben — und ihm zum Trotz wollte sie jetzt erst recht fest den Arm annehmen, den ihr Peter bot. — —

Aber dazu kam sie nicht mehr. In demselben Augen­blick ertönte dicht neben ihr ein Schrei, ein lauter Fluch folgte, und in dumpfem Fall kollerte eine schwer­fällige Maffe zu ihren Füßen nieder. Es war einer der tanzenden Bauernburschen, dem offenbar Jemand ein Bein gestellt und ihn so zu Fall gebracht hatte.

waltungsausschusseS, Herr Landgerichtsdirektor Reichens­perger, gedachte zunächst in warmen Worten seines Vorgängers, des Herrn Justizrathes Sieger, der am 16. Mai d. I. durch einen unerwarteten Tod dem Afrikavereine entrisfen wurde, und schilderte dann die Lage des Vereines, der gegenwärtig aus zehn Diözesan­vereinen : Köln, Trier, Münster, Paderborn, Limburg, Fulda, Rottenburg, Osnabrück, Hildesheim, Sachsen und aus einzelnen Zweigvereinen in den Diözesen Freiburg, Straßburg, Breslau, Bamberg, Ermeland und Kulm bestehe. Obgleich der Afrikaverein feit seinem Bestehen von allen katholischen Generalversammlungen, zuletzt noch in Mainz dringend empfohlen worden sei, gebe eS noch zahlreiche Gegenden in Deutschland, in denen bis jetzt wenig für denselben geschehen sei. Die Ausbreitung der katholischen Mission, die Vermehrung der Stationen und ihres Personals verlangten aber eine fortdauernde Erhöhung der Einnahmen. Die Be­fürchtung, der Afrikaverein könne den anderen Wohl- thätigkeitSvereinen schaden, sei schon dadurch widerlegt, daß die Gemeinden, welche bereitwillig für den Afrika­verein beisteuerten, auch in den Listen der anderen nothwendigen Vereinen mit großen Gaben zu finden seien. Dazu sei der jährliche Beitrag von einer Mark so gering, daß noch viele Tausende ihn leisten könnten und gern geben würden, wenn nur die rechten Sammler sich überall fänden. Hierauf erstattete der Schatzmeister, Herr Heinrich Horten, den Kassenbericht. Vom 1. Januar bis 1. Oktober 1892 gingen im Ganzen ein: 10,349 Mark 67 Pfg. Seit der letzten Generalver­sammlung am 26. Januar 1892 wurden an die ver­schiedenen Missionen verausgabt, 102,266 M. 10 Pfg. Die Gesammteinnahme des Afrikavereins von seiner Gründung an bis jetzt beträgt: 783,127 Mark 84 Pfg. Verfügt wurde über eine Summe von 679,208 Mark 68 Pfg., so daß noch 103,919 Mark 16 Pfg. zur Verwendung für die nächsten Bedürfnisse bleiben, eine Summe, welche angesichts der großen Ausdehnung der Missionsthäiigkeit durchaus unzulänglich ist. Herr Kanonikus Hespers berichtete sodann über die Ar­beiten und Fortschritte der katholischen Missionen in den deutfchen Schutzgebieten. Der Centralvorstand be­schloß, die Summe von 45,000 Mark unter Berück­sichtigung der Bedürfnisse und der Anzahl der Stationen an die verschiedenen in den afrikanischen Schutzgebieten thätigen Missionsgenossenschaften zu vertheilen und ver­legte die nächste Hauptversammlung in den Monat März 1893. Er richtet an alle Zweigvereine die drin­gende Bitte, die Beiträge für 1892 möglichst bald ein­zusammeln und dem Schatzmeister zu übermitteln.

Ausland.

* Fast sämmtliche Wiener Blätter bringen auch heute wieder sehr sympathische Artikel anläßlich der Anwesenheit des Kaisers Wilhelm in Wien bezw. Schönbrunn, und heben besonders die hohe politische Bedeutung der alljährlichen Begegnung beider Kaiser für das mitteleuropäische Bündniß hervor. Auf die politische Bedeutung der Dccorirung des Minister-

Bei einer Gelegenheit, wie wir sie vor uns haben, ist ein solches Ereiguiß in tausend Fällen neunhundert­neunundneunzig Mal das unfehlbare Signal zu einem Kampf, nicht nur mit den Fäusten, sondern auch mit Flaschen und Gläsern, Stuhl- und Tischbeinen, oft selbst mit Messer und Dolch, wobei der AuSgang als ein sehr günstiger zu bezeichnen ist, wenn keine Tobten bleiben.

So schien es auch jetzt kommen zu sollen. Der Gefallene sprang blitzschnell in die Höhe, und auf Peter zeigend, schrie er: „Der da ist's gewesen, er hat das Bein gestellt!"

Schon drängten die anderen Feldheimer kampfbe­gierig heran, um ihrem Kameraden beizuspringen, der­jenige an der Spitze, welchem die in der Schulzeit von Peter erhaltene Lektion vorhin erst wieder in Erinne­rung gebracht worden war. Als er den alten Gegner erblickte, rief er höhnisch:

„Aha, ein alter Bekannter!" Und aus Lisbeth deutend fuhr er fort: „Und auch wieder auf der Weiberjagd, also immer in derselben Manier, — ist auch bei uns schon auf dem Anstand gewesen, freilich hat er nicht viel dabei ausgerichtet. — Mit der Dirne hier wird es wohl auch nicht Ernst sein!"

Peter stand bei der Unverschämtheit des Menschen wie versteinert, Lisbeth aber schwanden die Sinne, eS wurde ihr schwarz vor den Augen, und sie glaubte