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jy 235 Donnerstag, den 13. Oktober 1892. 19. IahrgM

FuldllkrWZkitling

Der neue Pater General der Jesuiten.

Madrid, 4. Oktober.

Am 3. Oktober haben die Jesuiten der ganzen Welt die Mittheilung erhalten von der Wahl eines Nach­folgers für Pater Anderledy. Die Wahl hat stattge- funden im Geburtshause des hl. Ignatius von Loyola, des erlauchten Stifters deS Jesuiten­ordens. Die General-Kongregation, aus welcher der Gewählte, Pater Martin, hervorging, ist die zweite, welche der Orden außerhalb Roms hielt, aber wie alle früheren fand sie statt an einem Feste der allerseligsten Jungfrau. Das Loyola-Haus liegt im Baskenlande, bei Äzprüia im Gau Guipuzcoa, unweit von Bilbao, und ist eine der schönsten Besitzungen des Jesuiten- Ordens. Die Kirche, ein Rundbau mit einer herrlichen Kuppel, enthält höchst werthvolle Andenken an den Ordensstifter. Zu Seiten der Kirche sind die Flügel des alten Hauses. Ueber der Eingangspforte ist m Stein gehauen das Familienwappen sichtbar. Ein vier­eckiger Thurm im Hause, das einen schloßartigen Charakter hat, ist m seinen einzelnen Stockwerken zu Kapellen umgewandelt. Zu dem Gemache des hl. Ignatius im 2. Stocke führt eine mit Statuen geschmückte breite Treppe empor.

Hier an dieser verehrungswürdigen Stätte also fand die General-Kongregation statt, die 24. des Ordens. Mitglieder sind: der Pater General-Vikar, die Assistenten, drei Pattes aus jeder Ordens Provinz, nämlich der Pater-Provinzial und zwei Pattes Professen, die ge­wählt werden durch Beschluß der Hälfte 1 f der Mit­glieder ihres Ordenshauses. Bei der ersten Wahl eines Ordens-Generals waren 20 Ordensmitglieder beisammen, bei der Wahl des Pater Beckx 52, diesmal beinahe A). Den Vorsitz in der Kongregation sührt der Pater General-Vikar, rechts sitzen die Provinziale, links die andern Ordttisglieder n--ch der Reihenfolge ihrer Profeß. Bei der feierlichen Eröffnung der Kon­gregation gab der Pater General-Vikar Bericht über seine Geschäftsführung in den abgelaufenen 5 Monaten und theilte das Wahlverfahren mit. Darauf wurde ein Sekretär und ein Beigeordneter gewählt, die den General-Vikar bei Leitung der Abstimmung unterstützen. Allen Patres wird sodann das Jnterrogatorium übergeben. Dieses Schriststück ist von einem gewählten Ausschüsse hergestellt, dessen Mitglieder in allen Ange­legenheiten des Ordens eine hohe Erfahrung besitzen. Diese prüfen aufs Eingehendste die Lage des Ordens nach jeder Hinsicht und stellen die Fragen bezw. die Forderungen auf, denen der zu Erwählende entsprechen muß. So wird gefragt, ob er die Erfahrung, die Klugheit, den Muth, die Entschiedenheit besitzt, um den Orden zur Zeit und unter den später zu erwartenden Verhältnissen und Gefahren mit Kraft zu leiten und zu vertreten. Jeder der Wähler hat die Fragen dieses Jnterrogator iums aufs Genaueste zu prüfen und jedesmal zu erwägen, ob der Mann, den er zu wählen gedenkt, einer jeden dieser Forderungen genügen könnte. Durch volle vier Tage stärken die Wähler sich durch geistliche

Uebungen, durch Fasten und Gebet, und in dieser Zeit ziehen sie Erkundigungen ein über ihren Kandi­daten. Diese Nachrichten müssen stets gefordert, dürfen niemals angeboten werden.

Am frühen Morgen des hl. Rosenkrqnzfestes nun begaben sich alle Patres in feierlicher Prozession zu einer hl. Geist-Messe, celebrirt vom Pater General- Vikar Martin, der ihnen die bl. Kommunion darreichte. Unter dem Gesäuge des Veni Creator wurde der Wahl­saal betteten, der alsbald von mehreren dazu bestimmten Patres abgeschlossen und bewacht wurde. Nach der Ansprache eines der Väter blieben alle eine Stunde lang im Gebete. In dieser heilig ernsten Stunde höchster Sammlung wird der Mann erwählt, der be- rusen ist, den großen Orden der Gesellschaft Jesu zu leiten. Nachdem der Pater General-Vikar, kraft der vom hl. Vater ertheilten Vollmacht, die Absolution ertheilt hat, beginnt die Wahl. Jeder Wähler schreibt den Namen seines Kandidaten und seinen eigenen nieder. Vor dem Bilde des Erlösers schwören nun der General-Vikar, sein Beigeordneter und sein Settetär, getreulich die Stimmen zu zählen und mitzutheilen. Der Sekretär wendet sich darauf zum General-Vikar mit den Worten: „Pater, im Namen Jesu Christi gieb deine Stimme ab." Der Angeredete kniet vor dem Kruzifixe nieder, bezeichnet sich mit dem hl. Kreuzzeichen und spricht folgende Formel, die auf der Rückseite jedes Wahlzettels gedruckt steht: „Ich, N. N., nehme Jefum Christum zum Zeugen, ihn, die ewige Weisheit, daß ich zum Superior-General der Gesellschaft Jesu den wähle und ernenne, den ich für den geeignetsten Träger dieser Bürde halte." Nachdem der General-Vikar seinen Wahlzettel in die Urne gelegt hat, folgen ihm alle Patres nach der Reihe. Die Zettel werdm nun laut gezählt und jedesmal der Name des darauf bezeichneten Kandidaten genannt. Der General-Vikar Pater M a r t i n wurde beim ersten Wahlgange zum General erwählt. Welche Gefühle mögen sein Herz bewegt haben, als sein Name immer aufs Neue vom Sekretär verlesen wurde! Der Sekretär verkündigt die Wahl und faßt darauf das Ernennungsdekret ab. Darauf findet sofort die feierliche Huldigung Aller statt. Ein Pater nach dem anderen beugt das Knie und küßt die Hand des neuerwählten Ordensgenerals. Dann werden die Thürhüter vom Ausgange der Wahl benachrichtigt, die Stimmzettel verbrannt, die Pforten des Saales geöffnet, unv wieder geht es in Prozession nach der Kirche unter dem Gesang des Benedictus Dominus Deus. Vor dem Altar stimmt der Erwählte zuerst das TeDeum an. Gebete und Danksagung folgen, und den Beschluß macht das Gebet des hl. Ignatius von Lcyola, deS erlauchten Gründers des Ordens, dessen 24. General Pater Martin geworden ist. ,

Der neue Jesuiten-General, Pater Ludwig Mar­tin, ward geboren am 19. August 1846 in Melgar de Fernamental in der Diözese Burgos. Seine Eltern waren Basken, er gehört sonach dem ältesten Volke Europas an, das im spanischen Norden am Biskaya- Golfe seit Urzeiten wohnt, treu die alte Sprache ve-

wahrend und treu anhängend dem alten heiligen Glaubm. Martin studierte in Melgar, dann in Burgos. Am 13. Oktober 1864 wurde er zum Noviziate im Ordens­hause Loyola zugelassen. Sein Noviziat war kaum beendet, als er mit den Vätern aus Spanien vertrieben wurde. So kam er im Jahre 1869 nach Vals bei Puy in Frankreich, wo er Philosophie studirte und französisch lernte. 1870 kam er ins Ordenshaus Poyanne (Departement des Landes). Hier leitete er drei Jahre lang die rhetorische Klasse und unterrichtete namentlich seine Landsleute im Seminar. 1874 begann er sein theologisches Studium und ward 1877 zum Priester geweiht. Nach Aufhebung des ExileS kehrte er nach Spanien zurück. Am 2. Februar 1881 legte er Profeß ab. Mehrere Jahre nun leitete er als Rektor das Seminar zu Salamanca. Im Jahre 1885 nach Bilbao entsandt, betraut mit dem Aposto­late des Gebetes und der Redaktion des Blattes: „Bote des hl. Herzens," sah er nach langer Zeit das Loyola- Haus wieder, aus dem er nun als Ordensgeneral hervorgehen sollte. Am 8. Dezember 1886 ward er Provinzial von Castilien, nach Pater Anderledys Tode General-Vikar des Ordens.

Pater Martin gilt als der bedeutendste Theologe von Spanien. Er ist, außer einer Reihe von theo­logischen Werken, Verfasser einer Anzahl von Werken über lateinische Klassiker, sowie der „Studien über die Werke der hl. Theresia", das in mehreren Sprachen übersetzt ist. Er war mit Abfassung einer großen theologischen Arbeit beschäftigt als er zum General-Vlkar der Gesellschaft Jesu ernannt wurde.

Pater Martin ist eine staatliche, hohe Erscheinung mit dem ausgesprochenen Typus des Castitianers. Seine glänzenden Fähigkeiten, seine Studien, seine Vergangenheit als Mitglied des Ordens, für den er oft in schwierigen Aufträgen als Vertrauensmann thätig war, lassen von ihm erwarten, daß er, der 24. Ordensgeneral, mit Gottes Hilfe den Orden leiten wird zur größeren Ehre Gottes und zum Ruhme der GesellichaftJesu^^^^^^^^^^^^^^^

Deutsches Kelch.

Berlin, 11. Oktober.

* Der Kaiser ist gestern.Abend nach Wien ab­gereist, wo er bei seinem heute Mittag erfolgten Ein­treffen von Kaiser Franz Joseph herzlich begrüßt wurde. Der Empfang war äußerst glänzend; die Erzherzöge, Prinz Friedrich Leopold von Preußen, Herzog Ernst Günther zu Schleswig-Holstein, Herzog Philipp von Koburg, Prinz zu Schaumburg-Lippe, das Komitee der österrerchisch-ungarischen Distanzreiter und die noch in Wien weilenden deutschen Distanzreiter waren anwesend. Nach der Begrüßung und Vorstellung schritt Kaffer Wilhelm die Front der deutschen Distanzreiter ab und zeichnete mehrere derselben, namentlich den Premier- Lieutenant von Reitzenstein, durch Ansprachen aus. Auf der ganzen Fahrt nach Schönbrunn wurden die Majestäten unausgesetzt von der vieltausendköpfigen Menge enthusiastisch begrüße

Anfang gemacht war, wurde es sehr bald allgemein lebendig, und gleich darauf war der aufgeschlagene Boden so augefüllt mit tanzenden und wiegenden Paaren, daß der Einzelne in dem allgemeinen Getümmel verschwand!

So wären denn die Aussichten für Peter und seine Lisbeth durchaus keine ungünstigen, und wir könnten die Beiden ruhig ihrem guten Glück überlassen, welches neunundneunzig Mal in hundert Fällen auf ruhigen Wegen zum Hafen der Ehe führt, wenn iuzwifchen an dem Eingang des Gartens nicht zwei Männer aufge­taucht wären, welche die eben beschriebenen Vorgänge durchaus nicht mit freundlichen Blicken betrachteten, wie die bisher vorgeführten Personen.

Die eine dieser mißgestimmten Gestalten war die eines stattlich gewachsenen jungen Mannes, ungefähr in demselben Alter, wie Peter, mit dem er zusammen die Bergmannsschule besucht hatte, und als dessen bester Freund er bis in die allerneueste Zett galt. Ein leichtes, Helles Schnurrbärtchen saß ihm unter der Nase, und fast flachsblondes Haar legte sich glatt niedergekämmt, über eine hohe, stark gewölbte Stirn, unter der ein Paar klare, blaue Augen hervor blitzten.

Man sah es auf den ersten Blick, daß Franz Nor- wann, wieder so eben Geschilderte hieß, zu den geraden offenen Charakteren gehörte, die sich nicht verstellen

etwas älter erscheinen. Peter's Eltern warm längst todt und seitdem hatte er allein in der Welt gestanden. Von der Verwaltung war er wegen seines Talentes und seiner guten Führung zum Besuch der Bergmanns- kchule zugelassen worden, in welcher die künftigen Vor­arbeiter, Steiger und ander? nieder? Bergbeamte ihre j theoretische Vorbildung empfingen. Er hatte also noch eine Zukunft vor sich: und ferner hatte er sich zu dem kleinen Kapitälchen, welches ihm von den Eltern hin­terlassen worden, schon etwas hinzugespart, so daß er wohl an die Gründung des bescheidenen Herdes denken konnte. t , ' ,, ,

Bei den alten Köhler's wurde der soeben geschehene Schritt weiter denn auch nicht ungern bemerkt. Wenig­stens stieß die Mutter Köhler den alten Matthias leise an und warf einen bedeutsamen Blick auf das Paar, welches gerade auf dem Tanzboden anlangte.

Der Alte zog zwar die Stirne etwas kraus und erwiderte unwirsch: „Ach was! Ihr Frauensleute habt auch immer gleich weitgehende Pläne, während em junger Mann vielleicht an gar nichts Besonderes denkt ! — In seinem Innern dagegen freute er sich doch bet dem Gedanken, daß der junge Hochfeld möglicherweise sein Schwiegersohn werden tönnte.

Indessen dauerte die Verblüffung, welche das erste Paar bei der ganzen Festgesellscyaft erregte, nicht so lange wie unsere Schilderung, sondern als einmal der

Im Wetter geschüttelt.

Eine.Erzählung aus dem Bergmannsleben von Paul v. Wildbach, (1. Fortsetzung.)

Da endlich erhob sich Einer mitten aus der Reihe der Kameraden und schritt, an verschiedenen verschämt vor sich hinblickenden Schönen vorbei, geraden Weges auf Lisbeth zu, deren raschem Temperament das War­ten schon fast zu lange währte. Er machte sein Kom­pliment einfach und schlicht, wie es sich für Land und Leute ziemte und trat mit ihr zum Tanze an, während ein unterdrücktes „Ah" durch die ganze Versammlung ging. Denn wie Peter Hochfeld soeben die Köhler s Lisbeth zum Tanze holte, das hatte sicher etwas zu bedeuten. . . .

Und so war es auch; wenigstens lag es so m der Absicht des jungen Mannes, der sich in dieser Werse als Freiersmann bei Lisbeth ernstlich einführen wollte. Er hatte schon lange eine Zuneigung zu dem frischen, resoluten Mädchen gefaßt und wie er sich bte Sache überlegt hatte, so sagte er sich, daß sie als Hausfrau auch wohl zu ihm passen könne.

Sein Aeußeres war nicht übel; er war von hoher, kräftiger Gestalt und mochte erst wenig über die Mrtte der zwanziger Jahre hinaus sein; aber der Ernst seiner regelmäßigen Gesichtszüge und ein starker, schwarzer Schnurrbart, der sorgfältig gepflegt wurde, ließen rhn