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Freitag, den 7. Oktober 1892<
19. IahrgaW
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♦ Die Wahl eines Katholischen Dordmayors der City von London ist eines der hervorragendsten Ereignisse in Englands Hauptstadt seit der kirchlichen Umwälzung. Taufschein-Katholiken sind ja wohl zu Lordmayors gewählt worden, so zuletzt noch der ursprüngliche Belgier de Keyzer; dieser aber machte eben so wenig wie Andere von seinem Bekemtniß Gebrauch. Mr. Stuart Knill, ein ernster, aufrichtiger Katholik, hat zum ersten Mal entschieden erklärt, daß er, falls man ihn wählen wolle, die mit dem Lordmayorat sonst verbundene Betheiligung an anglicanisch-kirchlichen Vorgängen für feine Person ablehnen müsse, daß er jedoch, um allen Gebräuchen zu genügen, einen Stellvertreter für die Theilnahme an jenen Vorgängen ernennen werde. Liefe Erklärung war vor der Wahl in ganz England, geschweige denn den Aldermen bekannt, deren erster er ist und aus deren Mitte der Lordmcyor gewählt werden muß. Die Aldermen haben seine religiösen Bedenken für vollwichtig anerkannt, sich mit feinen Vertretungsvorschlägen zufrieden gegeben, und die Wahl Stuart Knill's ging glatt vor sich. Bezeichnend war, daß ein Blatt, welches vor allem die Zähigkeit der anglicanisch-konservativen Grundsätze vertritt, und dem es somit am nächsten gelegen hätte, sich gegen eine solche Wahl auszusprechen — daß die ,St. James' Gazette' klipp und klar ausspcach: „Daß er Katholik ist, macht ihn nicht ungeeignet"; das Blatt erblickt sSgar in Knill's aufrichtiger Erklärung eine männliche That. Um so mehr hätte sich das Wolst'sche Bureau die zusätzliche Bemerkung zu seiner Nachricht über die Wahl sparen können: „Eine ähnliche Schwierigkeit ist bisher noch von keinem Lordmayor erhoben worden, gleichviel welcher Konfession derselbe angehört hat." Weder die Wähler noch auch die berufensten Anhänger der Ausschließlichkeit haben eine Schwierigkeit in der Sache gefunden. An fanatischem Pöbel fehlt es natürlich in London nicht; dies hat sich, wie gemeldet, am Abend des Wahltages zur Genüge in dem wieder erhobenen Geschrei, den Schmährufen auf Papst, Kirche und Katholiken gezeigt. Wenn weiter gemeldet wird, daß liberale Kreise heftig gegen Stuart Knill's Wahl Einspruch erhöben, fo verstehen wir das einfach nicht, dann müßten die Konservativen den neuen Lordmayor mindestens todtschlagen. Den Liberalen, die stets für die Entstaatlichung der Kirche eintreten, müßte es doch schon ganz recht sein, wenn ein Lordmayor seine Person von Funktionen der Staatskirche fern hält; das wäre wenigstens logisch. Herrn Stuart Knill beglückwünschen wir auf's Herzlichste zu seiner Wahl, insbesondere als deutsche Katholiken; wie er für uns, dank persönlicher Kenntnißnahme der Verhältnisse im Rheinland die größte Sympathien hegt, wendet er dauernd seine Theilnahme den katholischen deutschen Einrichtungen in London, speziell der St. Bonifatius-Gemeinde zu, welche ihn häufiger in ihrer Mitte sieht. Alderman Knill hat im Voraus.
± Sin tefa mch einer allen SnMHte.
Ein Skizzenblatt aus der Rhön. Von Jos. Gr.
(1. Fortsetzung.)
„Man kann wenigstens in solchem Wagen die Gegend besser genießen", tröstete meine Freundin, die Allem stets die beste Seite abzugewinuen weiß. Ich aber überließ mich heimlichen Gewissensbissen, daß ich sie, die so sehr zu Rheumatismus neigt, zu dieser Fahrt veranlaßt hatte.
Bon der Aussicht konnten freilich vorerst unsere verschlafenen Augen wenig profitiren, steckten doch die Berge undurchdringlich fest in den Tarnkappen, die ihnen der Morgennebel auf die Häupter gestülpt. Aber sanft fuhren wir dahin auf der schönen Landstraße, die fo eben und schnurgerade war, daß auf ihr, fast bis nach Neustadt, das Geleise der von uns verschmähten Zweigbahn beharrlich uns zur Seite blieb. Und da kam auch mehr allmählich als plötzlich, der Zug an uns vorüber, und dem biederen Dampfroß fiel es gar nicht ein, unser Rößlein fromm, scheu zu machen, wie wir ohne Grund gefürchtet hatten. Die Fahrgäste lachten uns vergnüglich in die Gesichter, wir hätten uns bequem mit ihnen die Hände schütteln können; — ach, wie beneideten wir sie, daß sie so viel wärmer saßen, als wir!
Bald jedoch wurden wir mit unserer luftigen Fahrt ausgesöhnt, als höher und höher die Sonne stieg und das saftig grüne, thaufrische Wiesenthal, durch welches
erklärt, daß er die Wahl zum Lordmayor nur unter der Bedingung annehmen könne, daß er als Katholik nicht einen protestantischen Geistlichen zu seinem Kaplan für die Dauer seines Amtes ernenne, sondern einen Priester seiner Religion. Ferner hat er erklärt, an gewissen religiösen Feierlichkeiten, an denen der Lordmayor sonst als solcher in der St. Pauls-Kathedrale theilnimmt, nicht theilnehmen zu können. Herr Stuart Knill ist durchaus aufrichtlg, indem er die City-Väter nicht im Zweifel darüber läßt, was sie von ihm zu erwarten haben. Nun ist es Gebrauch, daß die „Liverymen" die beiden ältesten Aldermen Vorschlägen und daß der Hof der Aldermen den ältesten den beiden Kandidaten zum Lordmayor ernennt. Dieser Aelteste war Aldermann Stuart Knill. Es wird zwar dem Herrn Stuart Knill vorgehalten, daß „auch" Sir de Kreyzer Katholik sei uud alles „mitgemacht" habe. Man will nicht begreifen, daß ein Mann, der katholisch geboren ist, später aber sich nicht um seine Kirche bekümmert, sondern der Freimaurerei huldigt, eben kein Katholik mehr ist. Mrt Herrn Knill ist die Sache umgekehrt, er war Protestant; aber er ist heute, seiner Ueberzeugung folgend Katholik". Am Sonntag erhielt die „Times" einen Brief des Pfarrers Malcolm Macholl, welcher schreibt: „Aldermann Knill war 20 Jahre lang mein Pfarrkmd. Mit Vergnügen stelle ich fest, daß ec sowohl in der ganzen Pfarrei die höchste Achtung genoß, wie er auch stets Zuvorkommenheit und gute Gesinnung an den Taz legte, in allem was ihn als Mitglied der Gemeinde in Religionssachen beträfe. So überzeugt, wie er für seine Anschauung eintrat, so fand ich ihn stets die Meinung Anderer ehrlich achten. Ihm eine bürgerliche Ehre, zu der er durch Gesetz und persönlich in jeder Weise befugt ist, nur deshalb zu versagen, weil er sich weigert, öffentlich r.ls Heuchler auszutreten, hätte die liberale Gesinnung der Kollegen des Aldermann Knill im schlechten Lichte gezeigt. In solcher Weise schreibt sein Pfarrer über den neuen Lordmayor von London. Das ist doch einmal ein anderer Katholik, als die Sorte von Auch-Katho liken in hohen deutschen Beamteu- stellen, auf die jedesmal die liberale Presse so eifrig hinweist, wenn die Katholiken die volle Gleichberechtigung verlangen. Kurll dürfe nicht, wie der Auch- Katholik Forckenbeck sich ruhig gefallen lassen, daß am Rathhausfriese katholikenfeindliche Reliefs angebracht werden, wie dies am neuen Rathhause zu Berlin in skandalöser Weise geschehen dürfte._____________
Deutsches Keich.
Berlin, 5. Oktober.
* Zu den „Reibungen zwischen dem preußischen Ministerium und dem Reichskanzler" schreibt die .Germania' u. A.: Wir stehen vor einer Situation genau wie beim Schulgesetze, wo die Gegensätze in den oberen Regionen auch bald vertuscht das Flüßchen Brend der Saale zueilte, gar köstlich vergoldete. Dann ging's eine Strecke lang durch einen prächtigen Eichenwald, bis wieder rasch sich folgende Dörfer kamen, die alle, der Straßenlinie angefügt, merkwürdig in die Länge gezogen sind. Denn hier waltet ganz das geschlossene, zusammengebaute Dorf vor, und Einzelgehöfte, wie sie über die kuppenreiche Rhön so malerisch allerorts ausgestreut sind, sucht der Blick vergebens. Wie anmuthig winkt dort bald vom Waldsaum, bald vom Bergabhang, bald aus einer grünen Schlucht herauf ein idyllischer Einödhof, während hier die gradlinige, einförmige Häuserflucht in ihrer steten Wiederholung ungemein steif und langweilig wirkt. Bezeichnend für dre Physiognomie dieser Dörfer ist auch die unvermeidliche Mauer, welche jedes Haus von der Straße abschließt, nur durch ein Ein- fahrtsthor und ein enges Pförtlein daneben unterbrochen, deren Thorpfosten oft recht zierliche und saubere Steinmetzarbeit zeigen. Ueber den steilfirstigen Dächern aber ragt die Kirche empor, mit ihrem gefälligen „Juliusthurm", — das sind jene charakteristischen Kirchthürme, die als Wahrzeichen von Unterfcankeu, wie auch als Erinnerungszeichen an seinen großen Wohlthäter, den Bischof Julius Echter von Mespel- brunn, gelten.
Endlich war die letzte Station vor Neustadt passirt, das lange, lange Pfarrdorf Brendlorenzen, mit seiner uralten Martinskirche, die schon im Jahre 770 König Karlmann dem Bisthum Würzburg geschenkt
wurden und bald hervortraten, um zum Schluß in greller Weise sich zu zeigen, und dahin zu führen, daß der gordische Knoten einfach durchhauen wurde. Sogar in zahlreichen Einzelheiten liegt die Aehnlichkeit nahe. Es ist die Ermächtigung des Kaifers zur Einbringung der Militärvorlage erfolgt, wie damals zur Ein- bnugung der Schulvorlage. Wie aber damals bald Aeußerungen des Kaisers kolportirt wurden, daß das nicht des Kaisers letzter und einziger Entschluß sei, sondern der Kaiser noch gewisse N-b-nbedingungen stelle, die von der Entwicklung der Dinge abhängig sein würden, so wird jetzt von dec,Post' zwar ausdrücklich betont, daß zwischen Kaiser und Kanzler vollkommenes Einverständniß herrsche, aber es ist noch in der Erinnerung, daß der Kanzler die Militärvorlage bereits festgestellt hatte, als die Aeußerung des Kaisers an die Generale auf dem Tempelhofer Felde die Grundlage des Kanzler-Vorschlags (starke Vermehrung der Armee) in Frage zu stellen schien, während nun doch die vom Kaiser genehmigte Vorlage in der zuerst berichteten Ausgestaltung durch den Kanzler erscheint. Auch die Personen, die bei den neuerlichen Krisenanzeichen in den Vordergrund treten, sind dieselben wie beim Schulgesetz.
* Ueber ein angebliches Ohrenleiden desIaisers ihren Lesern allerlei zu erzählen, hält die französische Presse und obenan der durch seine ertragreiche Entenzucht berühmte .Figaro' von Zeit zu Zeit für angebracht, wobei die Gefahren dieses Leedens recht schwarz geschildert werden. Demgegenüber wird der ,Sollt. Ztg.' aus Berlin geschrieben: Thatsache ist allein, daß dec Kaiser vor Jahren als Prinz Wilhelm in Folge einer Erkältung auf einer Jagdreise und nicht genügender Sorgfalt der Behandlung unmittelbar nach dem Eintritt dieser Erkältung sich ein Ohrenleiden zugezogen hatte, das möglicherweise eine bedenkliche Wendung hätte nehmen können, wenn nicht alsbald ärztliche Kunst und achtsame Pflege eingeschritten wären. Diese Erkrankung ist indeß schon längst und seit Jahren völlig überwunden. Wir können auf Grund bester Erkundigungen versichern, daß der Kaiser seit mehr als drei Jahren überhaupt keinen Ohrenarzt mehr gebraucht noch überhaupt gesehen hat. Das letzte Mal, daß der Kaiser einen Ohrenarzt zugezogen hat, war kurz vor der ersten Nordlandfahrt im Sommer 1889. Der Leibarzt, der die Reife für sehr empfehlenswerth hielt, erachtete es für vorsichtig, zuvor auch den früheren behandelnden Ohrenarzt gutachtlich zu hören, ob derselbe von seinem Standpunkte aus gegen die See- fahrr zum Nordkap etwas einzuwenden hätte. Das war nicht der Fall und seitdem hat, wie gesagt, der Kaiser nie mehr einen Ohrenarzt zugezogen. Wer seitdem die großen Strapazen verfolgt, denen der Kaiser sich jederzeit ohne Bedenken auf hoher See und Eisenbahnfahrten, auf weiten scharfen Ritten, auf frühen Pürschjagden ausgesetzt hat, wer andererseits die endlosen Erfindungen beobachtet, die seit der Thronbe-
und deren Besitz Kaiser Ludwig der Fromms i. I. 823 dem Bischöfe Wolfger bestätigt hat. Befanden wir uns doch hier auf ungemein ehrwürdigem Boden, dessen historische Erinnerungen sogar noch weit über die alt- christliche Zeit zurückreichen. Denn nicht nur mit dem Auftreten des Fcankenapostels Kilian, der auf den hohen Kreuzberg das Zeichen der Erlösung pflanzte, beginnt die Geschichte dieser sagenberühmten Kulturgegend: nein, schon der römische Geschichtsschreiber TacNus erzählt uns von einer grimmen Schlacht, die hier 58 n. Chr. zwischen den Chatten und Hermunduren stattgefunden. Um die Quellen der Saale war der viele Menschenopfer fordernde Kampf entstanden, da diese, wie alle Flüsse, welche Salz mit sich führen, unseren heidnischen Vorfahren heilig war. Auch im vierten Jahrhundert soll sie sich noch manchmal roth gefärbt haben von dem Blute der um ihren Besitz streitenden Burgunder und Alemannen. Wer hätte es dem „^djen wunderbar", das da so harmlos durch das grüne Erlengebüfch hinstrich, angesehen, daß es bereits so viel Unheil angerichtet ! Aber sehnsüchtig, wie die ihr jetzt hastig in die Arme stürzende Brend, waren wir der Heuchlerin, welche so demüthig sanft der stolzrazenden Salzburg den Fuß küßte, nun endlich nahe gekommen. An dem ersten WirthshauS vor der Stadt ließen wir unseren Rosselenker halten und wandelten, eine Brücke passirend, durch schöne Baumalleen nach dem freundlichen Badeörtchen Neuhaus, dessen sehr heilkräftige Mineralquellen besonders von leidenden Frauen aufgesucht werden. .