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19. Hanrvam

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altes hat.

Doch» da wurde ich unterbrochen von vier Damen, die ziemlich geräuschvoll in's stille Klosterzimmer herein- traten. Was aber sind Vorsätze? — Als ich hörte, daß Oie Damen noch hinab nach Bischofsheim wollten, da blickte ich meine liebe Reisegesährtin so bittend an, daß sie mit rührender Selbstlosigkeit aus­rief: „Nun so wollen wir uns denn anschließen!"

Wmige Minuten später waren wir auf dem Wege zum Thal; ein gefahrvoller Abstieg war's freilich, und

Ja ja:

Auf der Burg haus' ich am Berge, Unter mir der blaue See, Höre nächtlich Koboldzwerge, Täglich Adler aus der Höa';

Und die grauen Wappenbilder Sind mir Sturenkameraden —

Mit jauchzendem Entzücken halten wir das wunder­bar reiche Landschaftsbilderbuch, das so mächtig und köstlich vor uns aufgeschlagen lag, durchblättert, und wahrhaftig, ein Blatt schien das andere an charakteristi­schem Reiz überbieten zu wollen.

Milseburg, Dammersfeld, Wasserkuppe, seid ge­grüßt ihr trauten heimischen Berge, die ihr Jedem, der sich die Mühe gibt, euch aufzusuchen, so geheimniß- vollen Zauber erschließt!

Nach einem tüchtigen Marsch, den wir schon in kühler Morgenfrühe begonnen, hatten wir den hohen Kreuzberg erstiegen und in seinem gastlichen Kloster erquickende Rast gefunden. Und da wir nicht ganz fremd dort oben, so waren wir sehr freundlich ausge­nommen worden; Bruder Eustach, der dienstwillige, unverdrossene Portarius, hatte uns sogar, falls wir über Nacht bleiben wollten, das beste Gastzimmer im Fürstenbau angewiesen, an dessen P'afond in wahrhaft bedrückender Größe das Stuckwappen eines fürstbischöf­lichen Klostergönners klebte.

Jedoch von der großartigen Aussicht halten wir selbst auf der höchsten Kuppe leider fast gar nichts, da sie ganz von grauen Nebelschleiern v.rhäagt war. Nur nach Osten war's etwas klarer, und was dort über Neustadt herüber schimmerte und blaute, das zog und lockte gar eigenartig: die alte Salzburg war's, unser Reiseziel des nächsten Tages.

Ich machte meiner Gefährtin den Vorschlag, lieber in Bischofsheim zu übernachten, da wir doch dort in

liberalen allein ohnmächtig sind. Sonst glauben wir kaum, daß das Centrum eifersüchtig wäre, wenn die „Liberalen" es an Begeisterung für neue Soldaten und Steuern überträfen.

aller Frühe schon den nach N nuadt fahrenden Zag benutzen müßten, aber da kam ich schön an. „Heut Abend wieder hinabsteigen? — das kann ich noch nicht," rief sie ganz entsetzt ob solcher Zumuihung. Denn sie war ja nicht, wie ich, auf Gebirgstouren trainirt, sondern hatte in der münsterländischen Ebene, die ihr längst zur zweiten Heimatb geworden war, das Bergsteigen ziemlich verlernt. Und in dem hoch­gelegenen Kiosterhospiz, wo Alles von so eigenartigem Reize, gefiel's ihr so gut, daß sie gern recht lange dort oben hätte verweilen mögen.

Bleiben wir denn," ergab ich mich, „weil diese romantische Umgebung, die an Annetten's spukfroh s Schloß erinnert, es Dir nun einmal angethan

Deutsches Keich.

Berlin, 4. Oktober.

* Hinsichtlich der Behandlung der Militärvorlage bemerkt die,Kreuzzeitung': Es läßt sich nicht bestreiten, daß der ganze Vorgang auf Reibungen zwischen dem Reichskanzler und dem preußischen Mmiftermm hindeutet. Als der erstere von seinem Poften als preußi­scher Ministerpräsident im März d. I. zurücktrat, haben wir der Besorgniß Ausdruck gegeben, es könnte diese Trennung unbequeme Friktionen leicht zur Folge haben. Es scheint so, als stünden wir schon jetzt bei dem An­fang solcher Störungen. Ob es gelingen wird, sie bald und gründlich zu beseitigen, muß abgewartet werden.

* Oberstlieutenant vonMiklos vom 16. ungari­schen Husaren - Regiment war der erste österreichisch­ungarische Distanzreiter, der am Steueryäuschen auf dem Tempelhofer Felde hier eintraf. Er langte auf seiner sechsjährigen braunen Stute „Marcia" früh 9 Uhr 34 Mmuten 32 Sekunden Berliner Zeit hier an und hat die Tour in 74 Stunden 24 Minuten 32 Sekunden gemacht, eine Leistung, die bisher ihres Gleichen nicht hat. „Marcsa" lahmte etwas, da sie sich m der Nacht einen Nagel in den Huf getreten hatte, v. Miklos hatte daher einen großen Theil des Weges zu Fuß zurückgelegt; noch durch Tempelhos führte er das Pferd und erst kurz vor dem Tempelhofer Felde bestieg er wieder den Sattel, um unter den enthusiastischen Zu­rufen der Menge, welche den Theil des Feldes am Ziele besetzt hatte, dem letzteren zuzutraben. „Mrrcsa" i ließ zwar den Kopf etwas hängen, weidete aber gleich nach der Ankunft auf dem Tempelhofer Felde, das es wohlan die heimischePußtaerinnern mochte. v. Miklos wurde von den deutschen Kameraden mit «autem H urrah und dann Namens derselben vom Oberstlieutenant v. Sack mit einer kurzen, ehrenden Ansprache begrüßt. Als Zweiter traf der ungarische Husar Lieutenant v. Chavossiy auf einem kleinen Wallach um 11 Uhr 17 M n. ein, Beide, Reiter und Pferd, bewunderns- werth frisch. Mit v. Chavosiiy, der 1 Stunde 52 Minuten mehr gebraucht hatte wie Miklos — mit dem er bis Kalau zusammen geblieben war — traf der Wiener Radfahrer Klomser ein, der 1 Stunde 10 Min. früher von Wien abgefahren war wie Chavossiy. Als Dritter passirte 12 Uhr 59 Mm. Dragoner-Lieutenant Scherber, der am Sonntag bis W-.ßvasstr gekom­men und von dort seit gestern früh ohne Rast unter­wegs gewesen war. Mit ihm kam der Brünner Rad- fahrer Karafiert. Scherber hat den Ritt in 78 Stun­den 9 Minuten gemacht: das Pferd war in bester Verfassung. Dasselbe gilt von dem des vierten Rei­ters, Hasaren-Lieutenant Karl Schmitt, der Mtt-

Weiterhin aber kommen noch die Exerzier- und Schieß­plätze in Betracht. Die Schießplätze müssen in Folge der neuen Wasien ohnedies einen größeren Umfang haben als bisher. Bis alles dies neu beschafft werden könnte mittels neuer Reichsanleihen, müßten natürlich viele Jahre vergehen. Bis dahin würden jene 95,000 Mann ständig in Bürger quartieren liegen, sei es, daß die betreffenden Gemeinden städtische Gebäude zur Unterbringung einrichteu, oder sei es, daß die Mann­schaften auf die einzelnen Bürgerhäuser vertheilt werden. Ebenso müßten die Gemeinden auch für die sonstigen Baulichkeiten Sorge tragen, welche mit der Garni- onirung zusammenhängen. Daß eine solche Einquar- ierung die militärische Ausbildung nicht erleichtert, ist ost genug von militärischer Seite dargethan worden. In Verbindung mit der verkürzten Dienstzeit würde ich bei den neuen Truppentheilen die Ausbildung noch lesonders schwierig unter solchen Verhältnissen ge­halten. Was folgt auch hieraus wieder? Das eine olche Erhöhung der Friedenspräsenzziffer unmöglich zewäbrt werden kann, ohne den Staat finanziell in die äußerste bedenklichste Gefahr zu bringen.

„Freilich, für die Militärvorläge wird das Centrum stimmen", das gilt manchen Leuten ohne Weiteres als ausgemacht, und nachdem „liberale" Blätter es versichert haben, glaubt es auch die „öffent­liche Meinung." Wie die Münchener ,Allg. Ztg.' ver­sichert, glaubt die „öffentliche Meinung" sogar, daß die Führer des Centiums sich dem Reichskanzler gegen­über für die Vorlage schon gebunden haben. Nachdem die „öffentliche Meinung" sich über die Hauptsache klar ist, grübelt sie nur noch darüber, welcher Preis denn dem Centrum dafür bewilligt sei. Jesniten?Schnl- gesetz? Einräumung gewisser hoher Stellungen an Mitglieder des Centrums? Die .Allgemeine Ztg.' sagt zu dem ersten: „ist ausgeschlossen", zu bemg zweiten: „ebenso undenkbar", zu dem dritten „nur geringe Wahrscheinlichkeit." Das Centrum muß also andere Gründe haben, die Vorlage zu stützen, grübelt die ,Allgemeine Ztq.' Auf „liberaler" Seile hat man eben Angst, das Centrum möchte die Militärvorlage annehmen und damit müsse das „schwarze Kartell" greifbar in die Wirklichkeit treten, was eine Anßer- funktionsetzung der „Liberalen" und ihres Kartells be­deuten würde. Dieses „Gespenst" malt man nun an die Wand, um die Parteigenosse n zu ermuntern, d e m Centrum den Rang abzulaufen, und um die Leute von „Bildung und Besitz" auf das Kommende vorzubereiten. Und darum mahnt die ,Weser-Zeitung', es sei Sache der „liberal" gesinnten Patrioten, der Regierung entgegenzukommen. Vielleicht kommen diese Mahnungen aus hohen Regionen, die am Falle des Schulgesetzes betheiligt waren, und nun den Rüt- lianern einen W-nk geben wollen, ihren Vortheil wahr­zunehmen, der sich bisher nicht so recht hat zeigen wollen. Die Sache hat nun wieder den Haken, daß die Freisinnigen nicht mitlhun werden und die National-

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50,000 Mann Ginquartirung.

* Wenn wirklich demnächst die Friedenspräsenz­stärke in Deutschland um 95,000 Mann erhöht werden sollte, so bedeutet dies eine ständig« Einquar- tirung von 95,000 Mann in Bürgerhäu­sern auf Jahre hinaus. Denn für diese 95,000 Mann und die zugehörigen Dienstpferde sind keinerlei Kasernen vorhanden. Allerdings sind in den letzten Jahren viele Millionen verausgabt worden für den Bau von Kasernen, Lazarethen, Proviantmagazinen, Garnisonsbäckereien, Waschanstalten, Arresthäufern rc. Aber selbst wenn alle Bauten, die jetzt eingeleitet ober im Gange sind, vollendet sein werden, wird nicht einmal das jetzt vorhandene Heer vollständig in Kasernen untergebracht sein. Nach einer unter dem 3. Februar 1892 der Budgetkommission des Reichs­tags auf Erfordern des Abg. Richter mitgetheilten Denkschrift des preußischen Kriegsministeriums waren für den preußischen Bereich in der bisherigen Etats­veranschlagung noch keinerlei Mittel zu Kasernen ge­fordert worden für nachstehende Truppentheile, welche deshalb auch nach Vollendung aller im Bau befind­lichen Kasernen noch in Bürgerquartieren untergebracht werden müssen: x

50 Jnsanteriekompagnien, 2U/s Eskadron (Mannschaften), 22 Eskadrons (Pferde), 23 fahrende Batterien (Mannschaften), 24 fahrende Batterien (Pferde), 13 reitende Batterien (Mann­schaften), 12'/, reitende Batterien (Pferde), 1 Eifenbahn-bezw. Pionierkompagnie, 1 Trainkompagnie (Mannschaften) ,1'/- Train­kompagnie (Pferde).

Hiernach fehlen im Bereich der preußischen Armee auch gegenwärtig noch vollständig die Kasernen für 16,000 Mann und 7000 Pferde. Diese Einquar­tierungslast würde in Bezug auf die Mannschaften auf das Siebenfache gesteigert werden, wenn die beab­sichtigte neue Heeresverstärkung in Kraft tritt. Wie­viel ‘neue Truppentheile aber sollen mittelst der Er­höhung der Friedenspräsenzstärke um 95,000 Mann geschaffen werden? Dies ist bisher noch unbekannt. Wenn die erhöhte Präsenz ausschließlich verwendet würde, um neue Bataillone von Fußtruppen, also Infanterie, Fußartillerie und Pioniere in der bisherigen Kadreftärke dieser Bataillone zu schaffen, so würden 156 Bataillonskasernen nothwendig werden. DieKafer- nirung eines einzigen Bataillons aber kostet gegen­wärtig im Durchschnitt rund eineMillion Mark. Dagegen kostet die Kasernirung eines Kavallerie- Regiments ober einer Äbtheilung Feldartillerie durch­schnittlich rund zwei Millionen Mark. Würde daher ein Viertel der neuen Präsenzstärke zur Ver­mehrung der Feldartillerie und der Kavallerie ver­wand, so würden die KasernirungSkosten für die neuen Truppen sich auf 183 Millionen Mark steigern. Dazu aber kommen nun noch die Kosten für neue und erweiterte Lazarethe, Offizier- fpeiseanstalten, Proviantmagazine, Bäckereien, Garni- fonSkirchen, Arresthäuser und Garnisonswaschanstalten.

± 6in teing nch einer nlten UnM.

Ein Skizzenblatt aus der Rhön. Bon Jos. Gr.

(Nachdruck verboten.)

An der Saale Hellem Strande steht die Burg so stolz und kühn, die — wenn auch dachlos und zer- fallen — als ein bedeutsamer Denkstein nationaler Größe und Herrlichkeit es verdient, dem Leser vorge­führt zu werden.

Aber nicht die Saale, dre das alte, vielgesungene Lied meint, ist es, zu der wir pilgern wollen, nein — wie jubeln doch die Rhönclubiften mit Vikwr Scheffel?

„Nun reicht mir Stab und Ordenskleid Der fahrenden Scholaren, Ich will zu guter Sommerszeit In's Land der Franken fahren!

Hinaus in den östlichen Gcabfeldgau, dorthin, wo die fränkische Saale ihr kokettes Spiel treibt, jene fröhliche Tochter der Rhön, deren Gebühren Clemens Brentano in einem Reimlein so artig charakterisict:

„Ich die kluge Saale heiße. Bin ein Nixchen wunderbar, Stell' verwandelt mancherweise Bald als Kind, als Greis mich dar."

Und recht wie zwei fahrenden Scholaren war uns auch zu Muth, meiner Freundin Therese und mir: so wanderfroh, so ferienfeierlich, in jenen unvergeßlichen, goldenen Spätsommertagen des JahreS 1890, die uns wieder inS liebe, liebe Rhöngebirge gelockt hatten.