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V 225 «amSlag, den 1. Oktober 1892. • iS. Zn.lrlliia«

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Veßellmgeii

auf die .Fuldaer Zeitung^ für das 4. Quartal 1892 wer­den fortwährend von allen Post­

anstalten, den Boten und in der Expedition angenommen.

DemfHes Kelch.

Berlin, 29. September.

* lieber den Ba« einer St. Lndwigskirche in Berlin schreibt die ,Germania": Als vor anderthalb Jahren die deutschen Katholiken schmerzerschüttert an der Bahre WindtHorsts standen, war es neben dem Gebete für die Seelenruhe des Unvergeßlichen eine ihrer ersten Sorgen, wie man das Andenken des herr­lichen Mannes auch in würdigen und seiner Gesinnung voll entsprechenden Denkmälern erhalte. Und da war nur eine Stimme, daß es zunächst gelte, seinen Lieb­lingswunsch zu erfüllen, die St. Marienkirche in Hannover vollständig ausgestattet, schuldenfrei und mit einiger Dotation für die Seelsorge fertig zu stellen, ein Gedanke, der seine Ausführung gefunden hat. An zweiter Stelle aber wurde am häufigsten und von den verschiedensten Seiten her der Plan des Baues einer Kirche in Berlin vertreten, für welche von Einigen zur Erinnerung an Ludwig Windthorst auch gleich der Name St. Lndwigskirche gewünscht wurde, während Andere andere Namen vorschlugen und ebenfalls sinnig begründeten. Die .Germania" wurde, ehe noch Windt- horsts Bestattung stattgesunden hatte, von competenter Stelle sofort zu der Mittheilung ermächtigt, der Bau der Lndwigskirche in Berlin fei beschlossen und werde am 1. Oktober 1892 beginnen. Dieses Wort wird nun erfüllt — es geht uns soeben folgende Zuschrift zu:

.Heute ist beim Königlich.» Amtsgericht II. Berlin bezüg­lich des Straßburger Platzes im Westen Berlins, Namens des sürstbischöflichen Delegaten Propstes Dr. Zahnet, durch den fürstbischöflichen Rentmeister Lammers Hierselbst, für den fürstbischöflichen Stuhl in Breslau die superficies behufs eines Kirch en-Neubaues (St. Lndwigskirche) angenommen und dieses Recht im Grundbuche eingetragen worden. Gleich­zeitig ist für einen Pfarrhaus-Neubau ein anliegendes Grundstück käuflich erworben und für den fürstbischöflichen Stuhl im Gcundduche eingetragen."

„So ist also far die Begründung eines neuen Kirchensystems die in Berlin sonst so schwierige und kostspielige Platzfrage bereits gelöst, die nächsten bau­technischen Vorbereitungen sind auch bereits getroffen. Von der Owserwilligkeit der Katholiken Deutschlands wird es nunmehr abhängig sein, den Plan glücklich, ehrenvoll und möglichst raich durchzu­führen und damit neben einer Abhülfe der Berliner Kirckennoth dem unvergeßlichen Centrumsführer Dr. Windthorst ein würdiges, seiner Gesinnung ent­sprechendes Denkmal zu schaffen — an dem Orte, wo er für unsere und unserer hl. katholischen Kirche Rechte gekämpft und gelitten hat und wo er auch ge- storb en ist."

* Der .Reichsbote" hat wieder einen kleinen An­fall von „Lutherzorn". Er schreibt: „Gerade die katholischen Länder, insbesondere auch die iüdamerika- nischen Jffaitenstaaten, sind die Heerde der Revolution; dagegen bat die Staatsgewalt des protestantischen

Preußen den festesten Boden unter allen Staaten der Welt unter den Füßen."' Die amerikanischen „Jesuiten- staalen"? Meint der .Reichsbote" damit vielleicht das freimaurerische Brasilien, welches unter seinem libe­ralen Kaiser den Bischof von Olinda wegen kirchlicher Amtshandlungen zwei Jahre lang einsperrte? Wenn der .Reichsbote" Vergleiche dieser Art anstellen will, so ziehe er nicht exotische Länder und ftemde Racen herbei. Die preußische Staatsgewalt verdankt ihren „festesten Boden"" nicht der Landeskirche, fondern ihrer eigenen Tüchtigkeit und den großen Siegen dreier Feld­züge. Nach ähnlichen Siegen hatte Napoleon L, ja selbst Napoleon III., ebenfalls festen Boden unter den Fußen. Nebenbei wollen wir auch nicht vergessen, daß die sozial-demokratische Partei Deutschlands die stärkste revolutionaire Partei irgend eines Landes der Welt ist. Sie gedeiht meist auf protestantischem Boden; die geistliche Clientel des ,Reichsbote" hat ihr keinen nennens« werthen Widerstand entgegensetzen können. Zum Schluß sagt der .Reichsdote" zutreffend, daß „der Kirchenstaat der Revolution zum Opfer gefallen ist"". Endlich wird das Königreich Viktor Emmanuel's und Hum- berl's doch von dieser Seite charakterisirt als das, was es iü: „die Revolution".

* Die .Kreuzztg." kündigt an. daß. wenn die ver­bündete Regierungen bet ihren Vorschlägen zur Auf­bringung der von der Militärvorlage erforderten Mittel die Börsensteuer nicht berühren sollten, von konservativer Seile unfehlbar eine Erhöhung der- felben würde gefordert werden.

* Die Berufmtgskommtsfionen für die neue Einkommensteuer sind gegenwärtig stark mit der Er­ledigung der an sie ergangenen Berufungen beschäftigt. Wie umfangreich die Arbeit dieser Kommissionen ist, mag daraus erhellen, daß einer derselben etwa 40,000 Berufungen zugegangen sind. Dazu schreiben die.Berl. Pol. Nachr.": „Bei diesen Arbeiten ist eine eigenthüm- liche Art von Berufungen zu Tage gekommen. Es war schon von den Arbeiten der Veranlagungskommission her bekannt, daß manche, allerdings verhältnißmäßig wenige Censiten, deren Einkommen notorisch über 3000 Mark beträgt, die Steuererklärung auch nicht nach noch­maliger Aufforderung abgegeben hatten. Die Veran­lagungs-Kommissionen hatten deshalb die Einschätzung völlig selbstständig vorgenommen, und eS waren regierunasseitig auf dieselben der gesetzlichen Bestimmung gemäß 25 Prozent zugeichlogen. Während bezüglich des Zuschlages nur die Beschwerde an den Finanzminister zulässig ist, sind nun gegen diese Veranlagungen hin und wieder Berufungen eingegangen. Ein solchs Ge­bühren ist mindestens auffallend. Die neue Einkommen­steuer ist auf dem Grundsatz des Vertrauens aufge- baut. Der Staat kann verlangen, daß ihm Seitens der Steuerpflicdtigen gleichfalls Vertrauen entgegen- gebtacht wird. Das geschieht aber von denjenigen Cen­siten, welche die Deklaration unterlassen, nicht. Ist demnach der gesetzliche Zuschlag völlig gerechtfertigt, so ist es auch nicht minder eine von der Veranlagungs- kommission vorger-ommene hohe Einschätzung. Man muß, wenn eine Deklaration ausbleibt, annehmen, daß

der betreffende Censit bei Unterlassung der Steuer­erklärung besser wegkommen zu können glaubt und ist es deshalb in solchen Fällen durchaus angebracht, die Einschätzung möglichst hoch zu halten."

* Bei den heutigen Berliner Stadtverordneten- Ersatzwahlen für die ausgeschiedenen 3 Sozialdemo­kraten. die ihre Mandate niederlegen mußten, weil sie am Leichenbegängniß des Oberbürgermeisters von Forckenbeck theilgenommen, wurdm die sozialdemokra­tischen Kandidaten gewählt.

* Der Verwaltungsrath der Usambara Eisen­bahn-Gesellschaft hat in seiner gestrigen Sitzung be­schlossen, für den Bau der Eisenbahn von Tanga bis Sega oder Kwa Abdallah (42 km) 1500000 Mark zur Verfügung zu stellen und mit den Bauarbeiten noch diesen Herbst zu beginnen. Die Tracirung bis dahin ist bereits im vorigen und diesem Jahre genau durchgeführt worden.

* Die Ausführungskommission des deutschen Anti­sklaverei-Komitees hat die Hinaufschaffung des „Pcters- Dampsers" nach dem Viktoria Nyansa auf künftiges Jahr vertagt, da die Wiederbesetzung der Kilimandjaro- Station es unmöglich machte, der Expedition den nöthigen militairischen Schutz beizugeben.

* Wie aus Elbing gemeldet wird, bestellte die Reichsregierung bei der Schickau'schen Werft 8 neue Torpedoboote.

* München, 28. Sept. Herr Gymnasialrektor Dr. Orter er will sich nicht mehr in den Reichstag wählen lassen und hat bereits in diesem Sinne an seinen Wahl­kreis Kaufbeuren geschrieben. Dieser Entschluß ist zu bedauern, da die Centrumsfraktion des Reichslags an ihm eine tüchtige Kraft verliert.

* Straßburg, 25. Sept. Der Hoch». Herr Bi- fchof Dr. Fritzen hat ein Rundschreiben an die Kan­tonalpfarrer erlassen, welches nach dem .Elsässer" fol­genden Wortlaut hat: „Mit Rücksicht auf die zur Zeit bestehenden Gefahren für die Gesundheit ersuche ich Euer Hochwürden, durch die Herren Pfarrer ihres Kantons die Gläubigen auffordern zu laffen, bis auf Weiteres bei Veranstaltung von Wallfahrten, so- wohl innerhalb der Diözefe als außerhalb derselben, größere Ansammlungen von Menschen zu vermeiden. St. Odilien, 16. September. Adolph, Bischof von Straßburg."

AULlKU-.

* Die französischen Operationen gegenDahomey sind bisher vielfach erfolgreich gewesen. Oberst Dodds hat mehrere Gefechte geliefert und die Dahomeyer ge­schlagen. Der entscheidende Schlag steht allerdings noch aus.

• Die italienische Parlamentssession ist am Mitt­woch geschlossen worden. Die Neuwahlen finden in der ersten Hälfte des November statt. Gleichzeitig wer­den etwa 50 neue Senatoren gewählt.

* Como, 28. Sept. Die Kaiserin Friedrich und Prinzessin Margarethe sind hier eingetroffen und reiften alsbald nach Cadenabbia weiter.

Christoph Columbus

und

Die Entdeckung Amerikas.

Historisch-biographische Studie von Dr. F. I. Holly.

(Schluß.)

Columbus ist aber nicht bloß ein Kulturheld, nein, er ist in noch größerer Weise ein Glaubensheros. Welche Umwälzungen und Irrungen auch im Laufe der Zeit in Amerika sich zeigten, eine Einrichtung, die Columbus der neuen Welt gebracht, blieb dauernd und standhaft in all.» Wechseln: das Glaubensreis, das mit Hilfe des Edlen von Genua in die westländifche Erde gepflanzt ward, überdauerte alle Stürme und Ver­heerungen. Es entwickelte sich vorzüglich und erstarkte zu einem Stamme, der die Bewunderung aller Be­schauer wachruft. Verweilen wir zunächst einen Augen­blick bei Süd- und Mittelamerika nebst den umliegen­den Inseln (Westindieii) und sehen wir uns nach den dortigen religiösen Verhältnissen um. Des Columbus Entdeckungen urtd Eroberungen setzten mit großem Glücke Männer wie Cabral, Balboa, Diaz de Solis, Magellan, Pizano, Aimagro, Bartolomeo Diaz und Orelloma hier fort. Ueberall aber, wohin Spanien oder Portugal sich durch Güte oder mit dem Eckwerte den Weg bahnte, pflanzte man auch das Kreuz Christi auf, mit der Besitznahme von Ländern ging deren

Cynstlamsirung stets Hand in Hand. So wurden nach und nach von den genannten zwei romanischen Völkern in Nordamerika Neuspanien oder Mexiko (mit Texas), in Central-Amerika, Weftindien und Südame­rika saft sümmtliche heutigen Staatenverbände besiedelt und christlich gemacht. Schier unermüdlich waren die frommen Missionäre, unter denen sich besonders die Franziskaner, Dominikaner und späterhin die Jesuiten hervorthaten, ihren Bekehrungs-Versuchen und ihren Bemühungen entipcachen auch fast aller Orten die Er­folge. Die Eingedo enen rote die Mischlinge von Ur­einwohnern und Spaniern sti ömten rm Verlaufe der Zeit in Hellen Haufen zur hl. Taufe und bald blühte in den genannten Sänbettiereinigungen das herrlichste Christen- leben. Das gesawmte Land wird eingetheilt in Bis- thümer und Pfarreisprengel, Seelsorger walteten fast allenthalben ihres Amtes, christliche Schulen niederen, höheren und höchsten Ranges wurden vielfach errichtet. Wie hoch besonders letztere bereits im 17. und dann vornehmlich im 18. Jahrhundert gestiegen waren, da­von geben b.e blühenden Hochschulen zu Lrma, Mxiko, Santa-F«, Caracas und Quito Zeugniß, dafür spricht der Umstand, daß eine ganze Reihe bedeutender Män­ner der Kunst und W sseuschaft aus diesen Lehranstal­ten beröorgegangen sind.

Zwar belieben die Feinde der Kirche die Jahrhun­

dert lange, ruhig glückliche Lage des katholischen Süd­amerikas als eine unwürdige, verdummende, durch jede Art von Ungerechtigkeit und Willkür ausgezeichnete bar« zustellen; zwar wollen sie uns glauben machen, daß die damalige katholisch-spanische Regierung und die geist­lichen Behörden im Interesse ihrer Herrschaft das Volk stets auf einem sehr niedrigen Bildungsgrade belassen hätten. Aller» die Geschichte straft solche Behauptun­gen Lägen; sie lehrt uns. daß die Millionen Katholiken der m Rede stehenden Länder sich unter dem „Krumm- stade" ganz wohl gesuhlt haben, daß sie die bestehenden Verhältnisse mit Ausnahme einiger sozialer Mißstände, deren es ja in dem bestorganisirten Lande gibt und gegen die in Südamerika nachgewiesenermaßen gerade die Diener und Verfechter der Kirche am meisten geeifert haben, vollauf billigten. Unzufriedenheit und Gäh- mngen traten erst dann zu Tage, als >,die Widersacher des Glaubens ihre verderblichen Netze durch das ganze Land spannten und dem Volke das Vertrauen zu der bestehenden Ordnung zu entreißen suchten. Nicht zu echter, wahrer Bildung, wie man gleißnerisch zu be­haupten pflegt, wurden hierdurch die Südamerikaner bekehrt, sondern sie wurden zu größerer Begehrlichkeit nach den Genüssen des Lebens und zum Trotz und zum Ungehorsam gegen die geistlichen und weltlichen Oberen erzogen. Viel Unheil wurde dadurch in