Letzte Nr. -es 3. Quartals
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Die Wehrkraft inDeutschland uvd Frankreich.
* Angesichts der bevorstehenden Militär - Vorlage gilt es, bei Zeiten dem Eindruck entgegenzuwirken, als ob aus neuerlichen Vorgängen rn Frankreich die Noch- Wendigkeit zu einer Steigerung der Militärlasten in Deutschland hergeleitet werden könne. Es ist ja richtig, daß seit 1890 auf Grund des neuen französischen Wehrgesetzes von 1889 in Frankreich alle waffenfähigen Mannschaften auch in Friedenszeiten mit den Waffen ausgebildet werden. Aber unter Berufung auf dieses neue Wehrgesetz hat schon zweimal eine Erhöhung der Militärlasten in Deutschland stattgefunden, nämlich im Jahre 1887 und im Jahre 1890. In Folge dessen ist die Jahres-Aushebung in Deutschland gegen das Kontingent, welches für 1886 ausgehoben wurde, 1887, 1888 und 1889 um 20,000, 1890 um 40,000, 1891 um 30,000 Köpfe verstärkt worden.
Der erste Versuch mit dem neuen Wehrgesetz in Frankreich hat im Jahre 1890 zu der beabsichtigten Erhöhung der Zahl der in das Heer eingestellten Mannschaften geführt. Es sind thatsächlich in Frankreich im Jahre 1890 63,000 Mann mehr in das Heer eingestellt worden, als im Jahre 1889. Mit dieser Vermehrung der Einstellung ist bekanntlich in Frankreich Hand in Hand gegangen die Verkürzung der Dienstzeit. Insbesondere sind bei der neuen Aushebung 60,000 Mann von vorn herein nur für ein einziges Jahr eingestellt worden.
Im Jahre 1891 hat in Frankreich die zweite Probe mit dem neuen Wehrgesetz stattgefunden. Wie wir aus den Militärischen Jahrbüchern' von Loebell entnehmen, hat Frankreich 1891 dieselbe Aushelmngsziffrr nicht mehr zu erreichen vermocht. Die Zahl der ausgehobenen Mannschaften ist gegen 1890 um 16.000, dieZahl der freiwillig Eingetretenen um 3467 zurückgeblieben. Dergestalt ermäßigt sich das Plus der Eingestellten gegenüber dem letzten Jahre vor dem neuen Wehrgesetz in Frankreich schon jetzt auf etwa 44,000 Mann. Das ist nahezu so viel, wie Deutschland 1890 mehr als bis 1886 an Mannschaften eingestellt hat.
Man schiebt den Rückgang der Einstellungsfähigen darauf, daß in dem Jahrgang des während des Krieges 1870 Geborenen eine ungewöhnliche Zahl von Sterbefällen vorgekommen sei. Wenn dies der einzige Grund wäre, so würde es auch schon bezeichnend sein, daß der Grundsatz der Ausbildung aller Waffenfähigen Schwankungen nach den Geburts - Verhältnissen der einzelnen Jahre in eine Heeres-Organisation hineinträgt. Theil- toeiie erklärt sich der Rückgang der Zahl der Eingeborenen daraus, daß bei der ersten allgemeinen Ausdehnung der Wehrpflicht im Jahre 1890 ungewöhnlich viel Freiwillige vor Beginn ihres militärpflichtigen Alters eingetreten sind. Die Zahl der freiwillig Ein- qetretenen, die in den obigen 3 fern mit einbegriffen ist, war in Frankreich von 1889—1890 um 14,000 gewachsen. Wir bemerken übrigens, daß in obigen
so daß voraussichtlich ein Defizit von 86 Millionen zu erwarten sei. Hiernach muß man annehmen, daß dieser Berechnung die Annahme zu Grunde liegt, es würden einfach alle M-Hrforderungen bewilligt. Das wird aber doch noch sehr die Frage sein. Ist die Finanzlage so ungünstig, dann wird man sich bei Neuausgaben um so mehr auf das Allernothwendigste zu beschränken haben. Der Offiziöse des Finanzministers in den ,Berliner Politischen Nachrichten' stellt sich allerdings die Sache sehr einfach vor. Ec stellt einfach die Forderung: Alles oder Nichts. Der Finanzminister betrachte seine Steuerreform-Gesetzentwürfe als ein untheilbares Ganze und werde ohne Bewilligung einer neuen Vermögenssteuer eine Ueberweisung von Steuern an die Gemeinden nicht zulassen. Mit andern Worten: Wenn bei der „Reform" nicht viel für den Staatssäckel herauskommt, wird aus der ganzen Reform nichts. So versteht aber das Volk die „Reform" nicht. —
* Dem Bundesrathe sind Entwürfe neuer Formulare für die von den Gemeinden und Krankenkassen in Ausführung des Krankenversicherungs- und Hülfr- kassengesetzes zu liefernden Nachweisungen und neue Vorschriften über die Rechnungsführung der Krankenkassen zugegangen.
* Wie der ,Hambz. Korrespondent' erfährt, ist die Einberufung des Kolonialrathes nicht vor der zweiten Hälfte des Oktober zu erwarten.
* Die .Nationalzeitung' plaidirt dafür, daß auch die Verunreinigung der Wasserläufe durch menschliche Excremente in das Programm der Berathungen der Kommission für das Reichs Seuchengesetz mit ausgenommen werde.
* In Berlin ist kein neuer Cholerafall vorgekommen. Die im Moabiter Krankenhaus noch befindlichen Cholerakranken find meist in der Reconvalescenz. Auch in Charlottenburg sind seit acht Tagen keine Choleraerkrankungen vorgekommen. Die Meldung mehrerer Berliner Blätter über 17 Cholerafälle, die in der Nacht zum Montag in Charlottenburg festgestellt worden seien, ist grundlos.
* Ueber das Programm des Besuchs des Kaisers in Wien wird von dort gemeldet: Am 11 Okt. früh langt Kaiser Wilhelm in Wien an, wird vom Kaiser Franz Joseph bei einer Station nächst Schönbrunn empfangen und bleibt am 11., 12., 13. und vielleicht auch am 14. Okt. hier. Die Residenz beider Kaiser wird in Schönbrunn genommen, wo auch die Diners, aber keine Festlichkeiten stattfinden. An einem der bezeichneten Tage ist Jagd int Lainzer Thiergarten, Abends begeben sich beide Kaiser in daS Burg- und das Operntheater, wo Vorstellungen nach dem Wunsch des deutschen Kaisers gegeben werden. Wenn die internationale Ausstellung noch geöffnet ist, wird Kaiser Wilhelm sie mit dem Erzherzog Karl Ludwig besuchen.
* Der frühere Herausgeber und Redakteur deS ehemaligen demokratischen.Beobachter' in Frankfurt a. M., Otto Kanugießer, ist vor einigen Tagen gestorben. Ec hat in Den letzten Jahren eine „Geschichte des Krieges von 1866" veröffentlicht, die manche sehr Beachtenswerthe enthält. Die hervorragendste Ec-
Christoph Columbus
und
Die Entdeckung Amerikas.
Historisch-biographische Studie von Dr. F. I. Holly.
(7. Fortsetzung.)
Allein trotz dieser Nothlage glaubte Columbus, seinen Leuten den Genuß der Eidechsen vorläufig verbieten zu müssen, bis ermittelt sei, ob dieselben als „Fleisch ober Fisch" zu betrachten seien, ob sie als Fastensprise gelten könnten oder nicht. Gewiß eine seltene Gewissenhaftigkeit! Und wie bekundete der edle Mann seine Glaubensinnigkeit durch die Wahl der Namm, die er den aufgefundenen Eilanden beilegte! Die erste Insel, auf der er mit seinen drei Schifflein landete (Guanahani), nannte er bekanntlich zu Ehren und zum Preise des Welterlösers „San Salvador", die zweite benamste er „Santa Maria de la Concepcion“ (Hl. Maria von der unbefleckten Empfängniß) zum Lobe der allerseligsten Jungfrau; und so fuhr er in der Folge, als sich immer mehr Inseln vor seinem Auge aus dem Meere herauShoben, in der Taufe derselben auf hl. Namen fort (Santa Cruz, Santa Maria, San Sebastian, San Domingo u. s. w.). Und bei der Benennung der zuerst gegründeten Städte verfuhr er ebenso, mit Ausnahme von wenigen, denen er die Namen seiner Monarchen oder ihrer Angehörigen gab.
Spaniens barg, that er den Gefallen, eine Insel in Amerika nach ihrem Kloster (Guadalupe) zu benennen.
Sein Eifer für die Bekehrung der Indianer zum Christenthume aber kannte gar keine Grenzen. Schon bei der zweiten Expedition, die 1493 unter Segel ging, hielten die ersten Missionare unter der Leitung des Benediktiners Boll ihren Einzug in Amerika und erfuhren in jeder Hinsicht die Unterstützung Änd Hülfe des Columbus, denn keine Angelegenheit der neuen Welt gereichte diesem zu größerer Sorge als die kirchliche Mission und das Heil der Seelen.
Bewundernswerth ist ferner die große Geduld und Gottergebenheit, mit der Columbus Leid und Kummer ertrug. Mochte er noch so heftig und unschuldig verfolgt werden, er murrte nie gegen die Schickungen Gottes, fonbern blickte auf ben teioenben Heiland und nahm sich an ihm ein Muster und Beifpiel. Als seine Gemahlin starb, die er außerordentlich liebte, soll er die schönen Schriftworte gesprochen haben: „Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn fei gebenedeit."
Die letzten Lebensjahre des Columbus ähneln denen eines Heiligen. Seine Zeit hatte er eingetheilt in Stunden des Gebetes uns der Andachtsübungm und solche der Bearbeitung der hl. Schrift. Ec fertigte Ueberfetzungen aus dem Worte Gottes an und dichtete
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Ziffern der Eingestellten in Frankreich auch einbegriffen sind alle Eingestellten der Marine und alle für die Fremdenlegion Angeworbenen.
Gerade nach Durchführung des Grundsatzes, daß alle Waffenfähigen militärisch ausgebildet sind, ist für die französische Wehrkraft von großer Bedeutung geworben das Verhältmß, in welchem überhaupt sich die Bevölkerung in Frankreich vermehrt. In diefer Beziehung treten geraoe in der letzten Zeit die Unterschiede gegen Deutschland immer drastischer hervor. In Deutschland hat die letzte Volkszählung am 1. Dezbr. 1890 ein Wachsthum der Bevölkerung ergeben um 2,565,360 Köpfe. In Frankreich hat am 12 April 1891 eine Volkszählung stattgefunden, welche gegenüber der letzten Zählung am 30. Mai 1886 auch ungefähr einen Zeitraum von fünf Jahren umfaßt. Darnach hat in Frankreich die Bevölkerung innerhalb 5 Jahren nur um 208,516 Köpfe ^genommen. Die Zunahme der Bevölkerung in Frankreich erreicht daher noch nicht ben zwölften Theil bet Bevölkerungrzunahme in Deutschlanb.
Nach dem Kriege von 1870/71 überstieg bie Bevölkerung Deutschlands bie Frankreichs um 4,955,883 Köpfe. Nach ber letzten Volkszählung, also nach 18 Jahren, ist das Plus der deutschen Bevölkerung schon auf 11,325.914 Köpfe also von 38,095,150 auf 49,421,064) angewachsen. Wenn _ dies so fortgeht, fo wird in weiteren 18 Jahren, also 1909, Deutschland 58 Millionen, Frankreich nur 40 Millionen und 1926 Deutschland 70 Millionen zählen. In 40 bis 50 Jahren wirb bie Bevölkerung Deutschlands mindestens das Doppelte von derjenigen Frankreichs ausmachen.
Denn gerade die letzten Jahre sind für bie Be- völkerimgsverhältniffe Frankreichs immer ungünstiger geworden. Die Jahresziffer ber Geburten hat in den letzten 13 Jahren in Frankreich um 86,103 abgenommen. Im Jahre 1888 betrug sie noch 882,693, 1889 880,579, 1890 829,059. In Deutschlanb tarnen 1890 mehr als boppelt so viel Kinber zur Welt, nämlich 1,838,439; in Frankreich hat 1890 sogar die Zahl der Sterbefälle diejenigen ber Geburten überfliegen. Den 838,059 Geburten standen 876,045 Sterbefälle gegenüber. In Deutschland war umgekehrt die Zahl ber Geburten um etwa 50 pCt. höher als bie Zahl ber Tobesfälle. Es würben 1,838,439 Kinber geboren, während 1,218,956 Personen Der- starben.
Deutschland braucht schon deshalb, in Bezug auf bie Entwickelung feiner Wehrkraft in ber Zukunft gegenüber Frankreich nichts weniger als pessimistisch zu sein.
Deutsches Keich.
Berlin, 28. September.
* Wie bie ,Post' aus sonst gut unterrichteter Quelle erfährt, hat sich ber Finanzminister über ben Etat für 1893/94 dahin ausgesprochen, daß bie Mehrforderungen bedeutend und bie Mindereinnahmen erheblich seien, Ueberhaupt belebt und verklärt der religiöse Sinn des Columbus fein gesummtes Leben und Wirken. Wie tief und denlüthig muß fein Christglaube gewesen fein, wenn er z. B. auf der ersten Rückfahrt von Amerika in die Heimath bei dem heftigen Sturme, ben wir beschrieben, im Interesse seiner Rettung brei Wallfahrten zu Ehren ber Himmelskönigin gelobte! Unb bei bem Gelübbe ließ es ber fromme Mann nicht bewenden ; wir staunen, wenn wir hören, daß er nach glücklicher Ankunft in Spanien, in dem von Osten bis Westen, von Süden bis Norden sein Lob laut wieder- klang, in härenem Gewände, mit einem Strick umgürtet, barhaupt und barfuß, mit brennender Kerze zu einem berühmten Gnadenbild Marias wallte und dort mit kindlicher Frömmigkeit feine Andacht verrichtete. Welche Hochachtung und Verehrung muß er für bie Mönchsorden empfunden haben, da er Angehörige derselben zu seinen vertrautesten Freunden hatte! Besonders die Franziskaner liebte er sehr; in der letzten Zeit seines Lebens nahm er an allen Andachtsübungen derselben Theil und wurde Mitglied des Dritten Ordens. Auch zog er nach feiner zweiten Rückkehr aus Amerika im Franziskanerhabit in Spanien umher unb suchte seine Landsleute für das neu entdeckte Westenland zu begeistern. Den Franziskanern von Nuestra Senora de Guadalupe, deren Kirche das gefeiertste Marienbildniß
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