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Stadt, Provinz Md DachbargebieL.

Fulda, 27. September.

xi Da die Katholiken des Großherzogthums Sachsen- Weimar zur Diözese Fulda gehören, so beabsichtigt daS hiesige bischöfliche Domkapitel, an Ihre König!. Hoheiten den Großherzog und die Frau Großherzogin von Sachsen-Weimar zu deren goldener Hochzeits­feier eine Glückwunschadresse zu richten. Ob sich unser Hochwürdigster Herr Bischof persönlich nach Weimar Mir Gratulation begeben wird, ist zur Zeit noch unbe­stimmt. Merkwürdig ist, daß ein Kasseler Blatt sogar vor einigen Tagen schon bestimmt wissen wollte, welcher Gedanke m der Glückwunschadresse besonders hervor­gehoben werde.

• Am 4. und 5. Oktober wird die alle drei Jahre stattfindende General-Versammlung des Bonifatius- Vereins, zu welcher Vertreter aus allen Theilen Deutschlands sich einfinden, in Paderborn tagen. An denselben Tagen wird auch der Bonifatius-Sammel- Verein für katholische Waisenhäuser und Kommunckanten- Anstalten donsetbst eine General-Versammlung abhalten. Die letzte General-Versammlung dieser Vereinigung war vor fünf Jahren. —

* Am 15. Oktober ds. Js. tritt nach erfolgter Zustimmung oes KreisausschusfeS eine die Radfahrer betreffende Polizeiverordnung für den Kreis Fulda in Kraft, welche laut landrathsamtlicher Bekannt­machung lautet: § 1. Jeder Radfahrer hat sich beim Landrathsamte anzumelden; dieses bestimmt dieNummer, welche er in rothen Zahlen auf einer schwarzen Platte zu führen hat. Bei Tag muß das zweirädrige Beloziped mit der Nummerplatte vorn am Kopf versehen sein, derart, daß die Nummer noch beiden Seiten sichtbar ist. Drei- oder mchrrädrige Belozipede sind mit der Nummerplatte in der Werse zu versehen, daß die Nummer von hinten sichtbar ist. Die im § 19 der Polizeiverordnung vom 30. März 1887 für die Nacht­zeit vorgeschriebene Laterne muß dieselbe Nummer wie die Platte in rothen Ziffern führen. Die letzteren muffen eine Hö^e von 3,3 Centrmeter haben. Das zweirädrige Veloziped hat die Laterne vorn am Kopf zu führen, das drei- oder mehrrädrige ist mit der­selben so zu versehen, daß die Nummer von hinten sichtbar ist. § 2. Diese Polizeiverordnung tritt am 15. Oktober l. I. in Kraft. Uebertretungen derselben werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder im Un- verwögensfaüe mit entsprechender Haft bestraft.

* Der in Kassel gegenwärtig tagenden Einkommen­steuer - Reklamations - Kommission sollen nicht weniger als 6000 Reklamationen aus dem Regierungs-Be­zirk Kaffel zur Erledigung vorliegen, darunter eine größere Zahl auch aus dem Kreise Fulda.

* Das seit etwa 7 Jahren bestehende „schwedische Damen-Quintett Brohman-Pöttinger", welches unlängst auf der Theater-Ausstellung in Wien großen Erfolg erzielte, ist gegenwärtig auf einer Covcertreise durch Deutschland begriffen und wird nächsten Sonn­tag und Montag auch in unserer Stadt und rwar in den Sälen der Harmonie auftreten. Näheres folgt.

G Die ,Fuld. Ztg.' brachte vor einiger Zeit die Nachricht, daß am Südosthimmel ein Komet erscheine, dessen Schweif, mittelst des Fernrohres gesehen, gabelig auslaufe. — Dies veranlaßte einen unferer Leser, an eine naturwissenschaftliche Zeitschrift folgende Anfrage zu richten: Seit einiger Zeit strahlt ein Gestirn am Südosthimmel in rörhlichem Licht. Seine Größe und Helligkeit übertrifft alle anderen Sterne. Ist dies der Komet Wmnecke? Die Antwort lautete: Das Gestirn ist der Planet Mars; derfelbe gelangt im September in seine Sonnennähe und daraus erklärt sich sein Glanz. Der Komet Winnecke wird für unsere Gegenden wohl noch im September sichtbar sein, jedoch nur für stärkere Fernrohre. Er wurde Anfangs Juli für uns unficht- dar; am 6. Juli war er nur 2,5 Millionen Meilen von der Erde entfernt, tonnte aber wegen der Dämme­rung wohl mit freiem Auge nicht beobachte! werden. Wenigstens ist unS keine Beobachtung bekamt aewoiden.

* Gegenwärtig ist man in unserer Gemarkung mit dem Emheimsen der Kartoffel» beschäftigt in-d der Ertrag in qualitativer wie quantitativer Hmsicht ein sehr zufriedenstellender. Am letzten Sonnabeno wurde der Sack Kartoffel auf dem hiesigen Markte sogar unter 2 Mark abgegeben, und ist anzunehmen, daß der Preis noch weiter zurückgehen wird.

* Bei Gelegenheit eines Schülerausfiugcs ist ein Unglücksfall, der den Tod eines Schülers zur Folge hatte, dadurch herbeigeführt worden, daß bitjer an dem in einem öffentlichen Garten aufgestellten Reck auf eigene Hand eine Uebung vornahm, wie sie nur an ganz sichern und ordnunqsmäßig angelegten Gerüchen ohne Gefahr ausführbar sind. Um ähnlichen Bo-komm- nisfen thunlichst vorzubeugen, hat der Unterrichis- minister die Schulaufsichtsbehörden verarOaßi, m ge­eigneter Weise dahin zu wirken, daß den Scbiwrn, besonders bei Ausflügen, bei der Benutzung van Turn- geräthen, auf deren Sicherheit nicht unbedingter Ve laß ist, die gebotene Vorsicht dringend empfohlen, d e Vor­nahme von Uebungen aber, die nach der Beschaffenheit solcher Geräthe gefährlich werden könnten, überhaupt verboten werde.

* Hünfeld, 26. Sept. Heute Nacht wurden die Einwohner unserer Stadt abermals durch Feuerlärm

aus dem Schlafe geweckt. Es brannte in der Töpfer- qasse das Wohnhaus deS Hugo Hohmann. Die Gefahr für die Nachbargebäude war bei der leichten Bauart derfelben sehr groß, jedoch gelang es dem thatkräftigen Eingreifen der Feuerwehr das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, so daß nur das Wohnhaus und die Scheuer des H. Hohmann in Asche gelegt wurde. Leider haben wieder einige der in dem Hanse Wohnen­den nicht versichert und sind durch den Brand um ihre ganze Habe gekommen. Ueber die Entstehungsursache ist dem ,H. Str? zufolge noch nichts bekannt.

* Kassel, 25. Sept. Die,Nat.-Ztg? ist ungehalten darüber, daß der geistige Leiter der hessischen Rechts­pa r t e i, der hiesige Rechtsanwalt M a r t i n, vor einiger Zeit von dem Fürsten von Waldeck zum Pfleger eines verschwenderischen Prinzen und von einem preußischen Minister im aktiven Dienst zum Bevollmächtigten in Vermögens-Angelegenheiten ernannt ist. In dem Haupt­quartiere der Rechtspartei zu Melsungen herrschte über dies dem Führer bewiesenes Vertrauen erklärliche Ge- nugtfjnung. Glücklicherweise sind nicht alle Leute so verbissen, immer und überall die „Gesinnungstüchtig­keit" als Gradmesser der Brauchbarkeit anzulegen.

* Kaffel, 26. Sept. Der Geschäftsdiener Wetterau hat Sonntags Nachts aus einer Vereinswirthschaft den Schlosser Feuck hinausgerufen und ihn im Vor- ‘ zimmer erstochen. Beide sind achtzehnjährig. Wetterau wurde festgenommen.

* Wanfried, 24. Sept. Unser bescheidenes Kirchlein hat einen neuen Schmuck erhalten. Im Laufe des Sommers war es, Dank der Opferwilligkeit frommer Seelen möglich geworden, einen Kreuzweg, der seither noch fehlte, zu beschaffen. Derselbe (aus der Kunsthandlung von A. Deiters in Passau) ist in Oeldruck würdig ausgeführt und in antiken Holzrahmen gefaßt. Am vergangenen Sonntag nun wurde durch den Hoch«. Herrn P. Adolf vom Hülsensberge die Benediktion und kanonische Errichtung desselben vorge­nommen. Nach dem Hochamte, das unser Herr Pfarrer celebrirte, bestieg Herr P. Adolf die Kanzel und legte in klaren, zu Herzen gehenden Worten kurz die Ent­stehung und große Nützlichkeit eines Kreuzwegs für eine katholische Gemeinde dar. Darauf fand die feierliche Einweihung und erstmalige Abbetung des Kreuzwegs statt. Sämmtlrche Anwesenden folgten mit Aufmerk­samkeit der schönen Feier, die mit einem Te Deum und sakramentalem Segen schloß.

* Frankfurt a. M., 27. Sept. Welch' großen Umfang dahier die Apfelwein-Industrie ange­nommen bat, geht aas Nachstehendem hervor. Im Herbst 1891 langten 1417 Waggons Kelterobst hier an, welche ein Gewicht von 283,400 Gentner hatten und ungefähr 1,600,000 Mk. kosteten. Bis jetzt haben die hiesigen Apfelweinkellereien für diesen Herbst schon 1561 Waggons Obst angekauft und noch immer wer­den neue Kauf-Abschlüsse gemacht. Die Preise sind durch verschiedene Einflüsse augenblicklich sehr gedrückt. Einige Keltereien haben bereits mit ihrer Thätigkeit begonnen. Da sich der Apfelweinverbrauch von Jahr zu Jahr vermehtt, so werden auch stets mehr Arbeiter hierzu herangezogen. Das Versandt-Geschäft ist auch im Zunehmen begriffen: Im Laufe des Jahres wur­den 119 Waggons Apfelwein versandt; davon gingen 79 Waggons nach Deutschland und 40 Waggons nach dem Auslande. Die gegenwärtigen Absatz-Gebiete für Apfelwein sind besonders: die türkischen Hasenplätze, ferner Athen, Damaskus, Aden, Kapstadt, Baltimore, Sidney, Newyork, San Franzisko, Buenos-Ayrks, Calcutta u. a.; ja selbst nach Peking sind Sendungen gegangen. In hiesiger Stadt befinden sich 5 bedeu­tendere und 46 kleinere Keltereien. Die hiesigen Be­wohner verbrauchen den kleinsten Theil des hier berei­teten ApselweineS. England, welches diesem Getränk seither ablehnend gegenüber stand, fängt jetzt an, sich für daSfelbe zu interessiren, denn in der Hauptstadt Englands, London, befinden sich zur Zeit zwei Frank­furter Apfelwein-Wirthfchaften. Zur Chicagoer Aus­stellung schickt die Firma Adam R'ckles dahier auch diesen Obstwein, bet Anderen ist ein endgiltiger Ent­schluß noch nicht gefaßt. Der bin bereitete Apfelwein hat nach einer fachmännischen Schatzung einen Werth von 10 Millionen Mark. Auch fürstliche Personen haben an das gesunde Getränk sich gewöhnt. Der deutsche Kaiser trank auf siiner Nordpolfahrt mehrmals hiesigen Apfelwein und andere Fürstlichkeiten haben auch Probe-Bestellungen gemacht. Nahezu 1200 Personen ernähren sich hier mit dem Apf-kweinhandel; in diese Zahl sind die Apfelwünnurche nicht mit eingerechnet. Auch in der Umgebung Frankfurt'? bis zum Rhein und in den HochtaunaS hinein wird Apfelwein bereitet und in den ländlichen Wirtbschaste-i wird vorzugsweise nur Apfelwein auSgeschänkr. Ans Er psehlung des Herrn Oekonomieraths Goethe in G'iser.he m wird auch an gar vielen Orten des RqeinqaaeS Apfelwein bereitet und getrunken.

Altenmittlau, 26. S-pt Bei herrlichem Wetter und unter lebhafter Berveiliaunq -säm östlicher Gemein­den der Pfarrei Somborn fand l.cute hier die Ein­weihung des neuen Fri-dbofes durch den hochw. Herrn Pfarrer urt'r AM-nz der beiden Herren Alumnen Wewanv nnh ©tfrn'iher statt. Dem eigent­lichen Weiheatl ging eine Segensandacht in der dickt- gebrängten Filialkirche voraus. Darauf bewegte sich

der lange Zug singend und betend zur einzuweihenden Stätte hin. Auf dem Kirchhof angenommen, nahm der hochw. Herr Pfarrer vorerst die Weihe vor. Als die Allerheiligen-Litanei gebetet wurde, fanken Alle auf die Kniee — ein rührenves Schauspiel! Eine tausend- köpfige Menge auf freiem Platze auf den Knieen liegend, darüber die Sonne friedlich scheinend, ein Zeichen deS stillen Friedens, der bald hier herrschen soll. Während dann der hochw. Herr Pfarrer den ganzen Plan weihte, trug der hiesige Gesangverein das Miserere mehr­stimmig in gefühlvoller Weise und wie uns dünken will, in echt kirchlichem Sinne vor. Das gleiche Lob gebührt den Knaben und Mädchen, welche unter der Leitung ihres Herrn Lehrers Fiekerr ein angemessenes Lied zum Bortrage brachten und so im Bunde mit dem genannten Gesangvereine die Feier noch erhöhten. Nach Beendigung der Weihe hielt der hochw. Herr Pfarrer eine ergreifende und inhaltvolle Ansprache, die wir gern in ihrem Wortlaute wiedergeben möchten, wenn es unS möglich wäre. Wir müssen uns daher darauf beschränken, sie in Kurzem zu skizziren. Vorerst erledigte der hochw. nerr eine mehr private Angelegen­heit, indem er Allen, die an der Errichtung deS neuen Friedhofes mitgewirkt hatten, seinen Dank oussprach. Gewiß haben eS die Genannten verdient, ans dem Munde ihres geliebten Herrn Pfarrers Worte des Dankes zu vernehmen. Die Umsicht und Energie, mit der die Gemeinden Altenmittlau und Horbach ein fo schwieriges Terrain zu einem io schönen Friedhöfe um» gestalteten, verdient in der Thctt Anerkennuna. In seiner eigentlichen Rede führte der bochw. Herr Pfarrer aus, wie der Friedhof ein Ort der Stille und des Friedens fei, wo die Tobten von tett Mühsalen deS Lebens auSruhten. Mit Ehrfurcht müsse man diese Stätte betreten. Der Friedhof ist weiterhin ein Ott der Eintracht. Es gibt so viel Feindschaft und Ge­hässigkeit in der Welt. Im Tode muß Alles verstum­men, der Feind wird friedlich neben den Feind gebettet und mahnend ruft er uns zu: Fliehet den Haß, die Feindschaft und seid richt thöricht, bald kommt der Tod, macht allem ein Ende und eine schwere Verant­wortung bricht über euch herein. Der Friedhof ist auch ein Ott der Thränen. Kinder beweinen den gestorbenen Vater, die entrißene Mutter, der Gatte die Gattin. Dort begräbt man einmal unter Schluchzen und Weinen einen pflichtgetreuen Lehrer, hier einen seeleneifrigen Priester; Thränen werden um sie geweint, es sind Thränen der Liebe und Dankbarkeit. Leben wir so, daß man nnS auch Thränen der Liebe und Dankbar­keit weiht und für uns betet. Denn der Friedhof ist vor Allem auch ein Ort des GedeteS. Kein guter Christ sollte vom Kirchhof weggehen, ohne wenigstens ein Vater unser und Ave Maria gebetet zu Haven. Die armen Seelen sind unserer Hilfe bedürftig, unterstützen wir sie. „Ein schöner Tag", so hörte man allgemein sagen und so war es auch. Gebe Gott, daß er stets in treuem Andenken bleibe und daß namentlich die rührenden Worte und Ermahnungen des hochw. Herrn Pfarrers immerdar Beherzigung finden.

* Aus Thüringen, 27. Sept. Auf Anordnung des weimarischen Staatsmimsteriums haben die evangelischen Pfarrämter brfouoere Akten über die gemischten Ehen anzulegen und ordnungsgemäß fortzuführen, „damit man jederzeit ersehen könne, welche gemischten Ehen in den einzelnen Parochien bestehen und welche Maßnahmen in Bezug auf dieselben zu treffen feien."

* Bensheim, 25. Sept. Gestern Abend kurz vor 7 Uhr entstand in ter Aulstraße tin Großseuer. welches so rasch um sich griff, baß in kurzer Zett 8 Wohngebäude und 2 Scheunen ein Raub der Flammen wurden. Es find im Ganzen 14 arme Familien ob­dachlos q.'word N Der größte Thril der abgebrannten Anwesen ist voll ve rsichert, wahrend Die Hwe der Miether meist unversichert ist. Tie EursiehungSursache des Brandes ist unbekannt. ____________

Vermischtes.

* Aus Chicago schreibt man uns: Ein Riesen- bahnhof zur Aufnahme von 15 verschiedenen Bahn­linien und 25,000 Passagieren wird gegenwärtig tm Jackson Park für den Weltausstellungsverkehr errichtet. Die Bahnstation befindet sich westlich vom VerwaltungS- palast und wird eine östliche und eine westliche Front aufweisen. Das Hauptgebäude erstreckt sich auf einer Fläche vvn 150X300 Fuß, während der 150 Fuß breite Perron 672 Fuß in der Länge mißt. Die Pläne sind von dem tm Ausstellungs-Bauamt ange­stellten Architekten C. B. Atwood entworfen. Der Bau, welcher im korinthischen Style mit einem Anflug des Romanischen gehalten ist, verspricht in Bezug auf architektonische Schönheit mit den Monumentalbauten der Ausstellung auf gleicher Stufe zu stehen. Der Eintritt zum > Hauptgebäude erfolgt von der Fatzade, weiche durch den Hüttenbaupalast und die Masckinen- dalle gebildet wird. Durch eine Vorhalle rühren drei Thore in den Hauptkorridor and in die Centralbaüe des Bahnhofes, welche einen Flächeuranm von 60x200 Fuß bedeckt und 80 Fuß hoch ist. An den Wänden der Halle werden Weltuhren angebracht, welche neben der Chicagoer Zeit die von New-Iork, London, Berlin, Paris, Wien, Iokohama usw. au geben. In der Mitte der Halle befindet sich das ÄuSkunstSbureou, dessen