Einzelbild herunterladen
 

Maßnahmen gegen den verdienstreichen Mann anzu­wenden; später aber sprach man ihm ab und zu offenes Mißfallen und Unzufriedenheit mit seinem Thun und Lassen aus und berief ihn gar zu seiner Rechtfertigung nach Spanien zurück. Columbus war es ein leichtes, den Nebeldunst zu zerstreuen, den seine Neider über chn verbreitet hatten; sein edler Anstand, die Festig- keit und Ruhe, mit der er sich vertheidigte und die Anschuldigungen der Gegenpartei widerlegte, verfehlten ihren Eindruck nicht. Er wurde von Neuem mit Be­weisen der königlichen Huld überschütter und nach Amerika zurückgesandt. Allein hier empfingen ihn noch schlimmere Händel und größere Widerwärtigkeiten wie vordem. Es kam so weit, daß man dem großen Ent­decker die Schmach anthat, ihn und seine Brüder zu fesseln und wie gemeine Uebelthäter nach Europa zu führen. Mit größter Geduld ertrug der Held diese Unbill. Am Hofe zu Spanien schämte man sich selber einer solchen gemeinen That und versuchte sie durch neue Huld- und Gnadenbeweise wieder gut zu machen. Columbus erhielt die Mittel, zum vierten Male nach dem Westenlande zu segeln. Doch erfuhr er auch dies­mal nicht viel Angenehmes und Erfreuliches. Neues Ungemach stürmte auf ihn ein, und als endlich auch ferne edle Gönnerin Isabella von Castilien, die sein Werk mit bestem Willen gefördert hatte und oft ver­

logen, der sich speziell gegen das Gerede wendet: „Gott thut keine Wunder mehr". Mallet antwortete darauf: „Wenn Gott keine Wunder mehr thut, dann thut Gott gar nichts mehr". In diesem Fall, weist Maller nach würde Gott nur das Rad der Welt in Schwung ge­bracht haben und jetzt alles seinem natürlichen Gang überlassen, sich also um nichts mehr zu bekümmern brauchen, Der junge Herr Reichard thut also besser, bevor er katholische Angelegenheiten kritisirt, zunächst erst protestantische Theologie zu studiren.

* Frankfurt a. M., 24. Sept. Ueber die hiesigen Parteiverhältnisse schreibt man der ,K. Volksztg.': Zu der „großen liberalen Partei" ist es bis jetzt hier noch nicht gekommen und wird es wohl auch nicht kommen. Hier stehen sich bei den L a n d t a g s w a h l e n die Nationalliberalen einerseits und die Freisinnigen und Demokraten anderseits gegenüber. Für die dem­nächst stattfindende Landtags-Ersatzwahl haben die Nationalliberalen Stadtrath Dr. Grimm, dessen vorige Wahl kassirt wurde, wieder aufgestellt, während die Demokraten und Deutschfreisinnigen den der letzteren Partei angehörigen Reichstagsabgeordneten Herrn Funk empfehlen. Grimm ist Leiter des städtischen Schul­wesens ; die Linksliberalen suchen Stimmung gegen ihn zu machen, indem sie betonen, Herr Grimm könne als besoldeter Stadtrath nicht auf so lange Zeit von hier abwesend sein. Dagegen bebt das nationalliberale .Frankfurter Journal, die Verdienste hervor, welche Grimm sich in der Volksschul-Kommission der letzten LandtagS-Session erworben habe; die demokratische ,Kleine Presse' dagegen will von diesen Verdiensten nichts wissen, da Grimm mit allen seinen Anträgen in der Kommission unterlegen sei. Bei der letzten Landtags- wähl haben die CentrumSwähler für Herrn Funk gestimmt. Dies war aber vor dem 18. März, und Herr Funk hat sich bei dem Schulkampfe als ein so scharfer Gegner der Konfessionsschule erwiesen, daß eS dies Mal für einen Centrumsmann sehr schwer fern dürfte, ihn zu wählen. In Centrumskreisen hat man sich noch nicht geäußert, waS zu thun sei. Die Centrumspartei war seither wenig organi- sirt. Im vorigen Winter hat sich allerdings eine neue CentrumSpartei gebildet, die aber noch nicht recht voran will. Bei guter Organisation würde das Cent­rum über eine ansehnliche Anzahl Stimmen verfügen. Von Konservativen hört man hier fast nichts. In der Kartell-Periode pflegten für den nationalliberalen Kandidaten auch bte meisten Beamten zu stimmen, die doch sicher zum größten Theil „konservativ" sind.

womit sie, mit Ausnahme der Leute aus Halle, dank­bar zufrieden gewesen seien, da es sich für sie ja nicht um möglichst hohes Honorar, sondern um daS Inter­esse der Humanität und um Erweiterung ihrer Kennt­nisse und Erfahrungen gehandelt habe. Trotzdem würden sie auf Verlangen ein höheres Honorar erhalten haben, wenn sie nicht gegen wohlmeinenden besferen Rath durch eine unqualifizirbare Eingabe an das Kranken- hauSkollegium jede weitere Verhandlung mit ihnen un­möglich gemacht hätten. Viele andere Studenten hätten sich als tüchtig erwiesen, und dankbar habe man ihre Dienstleistungen entgegen genommen und anerkannt. Sie billigten das Bettagen ihrer entlassenen Kommili­tonen in keiner Beziehung. — Diese in recht hoch- müthigem Tone gegenüber dringlich verlangten und willig sich bietenden Helfern gehaltene und von Wider­sprüchen nicht freie Darstellung findet die ,Nat.-Ztg.' keineswegs befriedigend. Der Hamb. Son.' stellt einen amtlichen Bericht in Aussicht. Auch die entlassenen Hallenser werden vermuthlich nicht schweigen.

* Nach einer Bekanntmachung des Oberbürger­meisters von Duisburg sind dort im Zollhafen Todesfälle in Folge asiatischer Cholera vorgekommen.

* Bochum, 24. Sept. Wie Herr Chefredakteur Fusangel sich auf seinen am 3. Oktober beginnenden Prozeß in Sachen der Baare-Beleidigungen „ v o r zu- bereiten" in der Lage ist, erhellt aus einer der .Franks. Ztg.' von hier zugehenden Zuschrift. Herr Fusangel hat, um sich auf den Beleidtgungs - Prozeß Baare gegen ihn vorbereiten zu können, bei der Essener Staatsanwaltschaft, deren Chef zugleich der Vorsteher des Gefängnisses ist, in dem Fusangel seine Strafe ab­büßt, den Anttag auf Haftentlassung bis zum Schluß der Verhandlungen gestellt, eventuell gegen Hinterlegung einer beliebigen Kaution. Der Antrag wurde abgelehm, worauf FuSangel den Antrag bei der Oberstaatsanwalt­schaft in Hamm wiederholte. Auch diese verwarf ihn, erlaubte aber dem Jnhaftirten, der bis dahin in allen Punkten den besonders strengen Bestimmungen des Essener Gefängniß-Reglements unterstand, monatlich einen Besuch empfangen, einen Brief absenden und einen erhalten durfte — Alles unter Kontrolle — daß Frau FuSangel und der Redakteur Lunemann der »Westfälischen Volkszeitung' den Gefangenen zu seiner Information über den Essener Stempelfälschungs-Pro­zeß, von dem FuSangel nur ganz unvollkommene kurze Mittheilungen erhalten hatte, unter Aufsicht und im Beisein eines Gefängniß-Beamten zu besuchen. Diese Erlaubniß ist aber nicht für die Tage bis zum 3. Oktober allgemein gegeben worden; die Besuche sind nur „nach Bedarf" erlaubt und die Besucher müssen sich regel­mäßig erst vorher beim Gefängniß-Vorfteher, dem ersten Staatsanwalt Schlüter, melden. Zum Dritten kann von einer Sichtung des Materials für den kommenden Beleidigungs-Prozeß nicht die Rede fein, weil die Be­sucher nichts Schriftliches mitbringen oder dem Jnhaftirten auShändigen dürfen und weil die mündlichen Erörterungen auch bei der regelmäßigen Auf­sicht durch einen Gefängniß-Beamten aus Gründen, die auf der Hand liegen, sich nur über die allgemeinsten Dinge erstrecken können, die für den Prozeß Baare- Fusangel kaum von Belang sind. Daß solche Vor­kommnisse kaum geeignet sind, daS Vertrauen des Volkes zur Rechtspflege zu mehren, liegt auf der Hand.

* Zum Trierer Prozeß wird der ,K. Vztg.' ge- schrieben: Der junge evangelische Theologe Reichard behauptete: „Mit der hl. Schrift ist für uns Evan­gelische der Wundertteis abgeschlossen, während die katholische Kirche bis heute am Wunder festhält." Was der junge Mann über „uns Evangelische" sagt, ist vollständig falsch. Die liberalen Theologen glauben überhaupt an leinen „Wunderkreis", auch nicht an die Wunder der hl. Schrift, die Orthoooxen dagegen halten gleich der katholischen Kirche „bis heute am Wunder fest". Wir verweisen z. B. auf den verstorbenen Bre- mer Pastor Mallet, einen sehr angesehenen Theo-

* Wenn man den französischen Siegesdepeschen von dem Dahomeyer Kriegsschauplatz Glauben schenken kann, so ist es um bie Dahomeyer nun ge­schehen. Die Nachricht von ber Nieberlage ber Daho­meyer am 19. bs. Mls. hat noch eine Erweiterung durch den französischen Oberbefehlshaber in Dahomey, Oberst Dodds, erfahren, dergestalt, daß an dem ge­nannten Tage die Kerntruppen der dahomeyischen klrmee eine vollständische Niederlage erlitten hätten; ämmtliche gegenwärtig vor Zenu konzentrirten fran­zösischen Truppen seien im Begriffe den Dahomeyern weiter zu folgen.

* Die aus Argentiniens Hauptstadt Buenos-Ayres fier vorliegenden Nachrichten lauten nicht gerade er- reulich. Danach hat am gestrigen Sonntag eine Be- prechung des Kriegsministers mit den Generalen und Offizieren der Garnison stattgefunden, woraufhin noch gestern ein höherer und mehrere Subalternosfiziere ver- 1 lüftet wurden. Ferner wird bezweifelt, daß die Po­lizei der Regierung treu bleiben wird.

söhnend und vermittelnd zwischen ihren Gemahl und den großen Entdecker getreten war, noch starb, verfiel er in dauernde Ungnade bei Ferdinand von Spanien und zog sich ins Privatleben zurück.

In seinem Alter mußte Columbus noch die Bitter- niß kosten, zu sehen, wie sein großes Werk in Amerika nicht in den richtigen Fluß kommen konnte, da es keine thatkräftige Förderung erfuhr. Aber je größer die Leiden des edlen Mannes wurden, die ihm die Mitwelt an­that, desto mehr versenkte er sich in Gott und in die hl. Geheimnisse des geoff entarten Wortes. Zuletzt lebte der Entdecker nur mehr der Vorbereitung auf das Jen­seits und auf einen seligen Tod. Dieser erlöste ihn denn auch am 21. Mai 1506 von seinen Erdenkümmer­nissen. Columbus starb in Valladolid am Christi Himmelfahrtstage. Die Gebeine des Helden wurden zu­vörderst in dem Karthäuserkloster Santa Maria de laS Cuvas in Sevilla beigesetzt.

In späteren Zeiten holten sich die Amerikaner den Todtenschrein ihres Wohlrhäters nach San Domingo herüber und setzten ibn in dem Dome dortselbst nieder. Am 19. Januar 1796 endlich nahmen die amerikani­schen Spanier nach dem Verluste der Insel Haiti die theuren Gebeine mit nach Habana und gaben ihnen in der dortigen Kathedrale eine dauernde Ruhestätte.

(Fortsetzung folgt.)

Anstand.

* Aus Brüssel wurden gestern 4 Erkrankungen und 2 Todesfälle an Cholera gemeldet. Diesmal ist die Krankheit im Innern Brüssels selbst aufgetreten. Auch in den Gemeindeschulen ist die Cholera auSge- 'brochen; eine Anzahl Kinder war gleichzeitig daran erkrankt, und wurden die Schulen deshalb geschlossen.

* In Paris und Havre geht die Cholera allmählich zurück. Dagegen tritt dieselbe mit bis jetzt 23 Erkrankungen und 8 Todesfälle in Boulogne auf.

* Schon jetzt beschäftigt die Sozialisten bie Frage der kommenden Maifeier. Der in Marseille zu- fammengetretene nationale Arbeiterkongreß, dem u. A. auch der deutsche Delegirte Liebknecht beiwohnte, beschloß gestern, daß sich die Mitglieder bes Kongresses in corpore am 1. Mai in das Stadthaus begeben, um die fast ausschließlich aus Sozialisten bestehende Munizi­palität zu begrüßen.

* Schon wieder meldet der Telegraph den Aus­bruch einer Meuterei i« der englischen Armee: Unter den Gardes du Corps in Windsor ist es Sonn­abend zu einer Meuterei gekommen. Bei derselben wurden von den widersetzlichen Soldaten etwa 80 Sättq und das Pferdegeschirr vernichtet. Die Widersetzlich­keiten werden auf angebliche Ueberanftrengung im Dienste zurückgeführt. In Folge dieser Vorfälle ist die gelammte Mannschaft in den Kasernen konsignirt. — Bei der letzten Meuterei hatten sich die Vorge­setzten nicht gerade sehr energisch gezeigt, man kann daher wohl gespannt sein, welchen Ausgang die Sache diesmal nehmen wird.

Loyola nicht, wie die,Post' meint, „ganz ausdrücklich" zur Ausrottung des Protestantismus gegründet ist. Bernhard Duhr hat in dem ersten Hefte seiner be- achtenSwerthen „Jesuitenfabeln" (Freiburg, Herder) den Satz: „Ignatius hat den Jesuitenorden zur Aus­rottung des Protestantismus gegründet" als gänzlich falsch nachgewiesen, und die erste These ber Resolutionen der Katholckenversammlung zu Erfurt vom 14. Dezbr. 1890 lautet: „Es ist unwahr, daß die Jesuiten die Protestanten zu vernichten suchen." Bedauerlicher Weise aber sprechen, wie ich schon in meiner Schrift: -Die Angst der Protestanten vor den Jesuiten" (Frankfurt a. M., 1891) erwähnte, selbst protestantische Männer, die auf ernste Wissenschaftlichkeit Anspruch machen, durchaus unhaltbare Sätze gerade in Bezug auf die Gründung des Jesuitenordens aus, so L. Ritter in seiner „Deutschen Geschichte im Zeitalter ber Gegenrevolution", Stuttgart 1889, 1, S. 184 ff. Und doch kann man aus den Quellen das Gegentheil ersehen. Die genaue Prüfung ihrer Quellen verlangen die Jesuiten aber mit Recht von Jedem, der über sie schreibt. — Im Uebrigen möchte ich mit vielen anderen Protestanten konservattver Richtung der Wiederzu- lassung des Ordens kein Hinderniß bereiten. Wir sagen mit Gerhardt von Amyntor (in meinem Buche: »Für und gegen die Jesuiten." Düsseldorf, 1892): „Ich bin nun einmal ein Mann der Duldung, ein Feind jeder Vergewaltigung und ich halte den deutschen Bolksgeist, das Prinzip des Protestantismus und Kritizismus bei uns für stark genug entwickelt, daß wir gegen fein gebildete Männer von gesellschaftlichem Takt und angenehmsten Umgangsformen, wie es die Jesuiten sind, die unser Gastrecht beanspruchen, nicht unhöflich zu sein brauchen. Das Licht und die Freiheit werden sich trotz alledem nicht dämpfen lassen, dafür sorgt das Gesetz ber Entwickelung, bas Gott ber Mensch­heit gegeben hat". Auch ber ,Kreuzzeitung' und so mancher ihrer Gesinnungsgenossen, die immer noch an einer ebenso grundlosen wie unbegreiflichen Jesuiten­furcht leiden, möchte man etwas von dem Muthe und der Objektivität des Emsenbers wünschen, der durch seine Ausführungen klar darthut, daß ein Protestant Nicht nothwendig ein „Jesuitenfresser" zu sein braucht.

* Bei der in letzter Woche stattgehabten Reichs­tags-Ersatzwahl im Wahlkreise Löw en berg (Schle­sien) hat, wie bekannt, der konservative von ber Centrumspartei unterstützte Kandidat v. Holleufer sogleich im ersten Wahlgange gesiegt. Nach den letzten Nachrichten hat Herr v. Holleufer 4932 Stimmen er­halten, ber freisinnige Kandidat Ehlers nur 3596, ber nationalliberale Kandidat General v. Boguslawski so­gar nur 433 Stimmen. Ein sozialistischer Kandidat erhielt 100 Stimmen. Der Wahlkreis Löwenberg ist damit den Freisinnigen verloren gegangen. Kläglicher aber als die Freisinnigen sind die Natio­nalliberalen aus dieser Wahl hervorgegangen, bie bazu noch einen angesehenen Kanbidaten aufzustellen wußten, ber ben Konservativen Stimmen abjagen sollte. Der Konservative hat seinen Sieg zweifellos ber eifrig für ihn eintretenbeit Centrumspartei zu »erbauten. 1890 erhielt ber Freisinnige 5278 Stimmen, fein mittelparteilicher Gegner 4240, der Zählkandidat des Centrums 1639 Stimmen; bei der Stichwahl siegte Friedländer (freif.) mit 6847 gegen 4481 Stimmen, durch Hilfe des Centrums. Jetzt erntet die freisinnige Partei die ersten Früchte ihrer leidenschaftlichen Stel­lung in der Frage des Volksschulgesetzes.

* Das Verhalten der Hamburger königlichen Kauf- leute gegen die aus Halle hilfsbereit herbeigeeilten Mediziner sucht der ,Hamb. Korr.' zu verlheidigen. Diese Mediziner seien gar keine Letzte, sondern Studenten der Medizin gewesen, die man annahm, um ihren guten Willen nicht zurückzuweisen, obschon sich wirkliche Aerzte mehr als genug meldeten. Es sei ihnen das Honorar der Hamburger Assistenzärzte —100 M. monatlich bei freier Station — angeboten worden,