1,. Jahrgang
M 221
«n unsere verehelichen
QvartalSvummer«.
Länderstrichen' entwarf, erregten den Neid der Portugiesen aber derart, daß einige Höflinge ihrem Könige riethen, den Entdecker meuchlerisch morden zu lassen und sich so selber den Besitz der westlichen Prachtländer zu sichern. Johann II. ging jedoch auf diesen Rath nicht ein und entließ die kühnen Spanier m ihr Batn^nd.^ gelangte Columbus endlich nach PaloS, von wo seine Flotille auSgelausen war. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht von der Wieder, kehr der kühnen Männer in Spanien verbreitet. Eme aroße Menge Volkes war in Palos anwesend und hatte an dem Gestade Platz genommen. Die Stadt selber hatte Festschmuck angelegt. Blumen und Kranze, Fahnen und Wappen, buntgewirkte Teppiche und Tücher prangten an den Häusern, die Straßen waren mit frischem Grün und Baumlaub bestreut. Alle Glocken läuteten, Kanonendonner erdröhnte und tausendfältiger
Christoph Columbus
. und
Die Entdeckung Amerikas.
Historisch-biographische Studie von Dr. F. I. Holly.
(4. Fortsetzung.)
Am 4. Januar 1493 trat Columbus mit feinen Gefährten den Rückweg in die Heimath an. Wie ganz anders aber sah seine Gefolgschaft ans, als damals, alS er die heimischen Gestade verlassen hatte! Die Nina" war in einem Hafen von Haiti während eines "schrecklichen Unwetter- gescheitert, und die „Pinta" hatte Columbus schon seit Wochen aus den Augen verloren. Der Befehlshaber dieses Seglers, der treulose Martin Alonzo Pinzon war nämlich auf eigene Faust weiter und auf Entdeckungen ausgefahren, ohne vorher die Einwilligung feines Admirals einzuho.en. Columbus war fehr aufgebracht hierüber; ja, er sürchtet^ daß Alonzo noch vor ihm selber die Rückkehr nach Spanien antreten und ihn dort bei den Behörden m ein falsches Licht setzen würde. Doch dem war nicht so Am dritten Tage nach der Ankerlichtung tm Hafen von Navidad stieß die „Pinta" auf das Schiff unferes großen Entdeckers; Alonzo machte elende Ausflüchte und stellte sein pflichtwidriges Gebühren als eine Folge von Verirrungen in den fremden MeereS- regionen dar. Columbus, der wohl wußte, welches große Ansehen der Lügner bei seinen Mannschaften besaß, stellte sich, als ob er seinen Worten Glauben
langen Jahren bewährt. „
Wir meinen hier den St. B o rr o m a u S - V er e i n, dessen Vorsitzender Jahre lang der jetzige Hochw. Bischof von Paderborn gewefen ist. Die Gründung desselben fällt in eine Zeit, welche geringere Anforderungen stellte als unsere sturmbewegte; aber der erleuchtete Geist jener Männer, die an feiner Wiege standen, hat ihm eine folche Form gegeben, daß dieselbe auch filr die Bedürfnisse unserer Zeit vollständig ausreichend und passend ist; der Ausbau richtet sich aber nach der Nach- frage, soweit dieselbe in den für eine katholische Volks- und Jugendbibliothek gezogenen Grenzen bleibt.
Näheres über den BorromäuS-Berem gehört Nicht hierher, wir wollen nur dessen Vorzüge gegenüber emer Separat-Gründung in einigen Punkten andeuten.
1) Der Grundstock, sowie die Vervollständigung der Bibliothek verursacht nur ganz unbedeu- tende Kosten gegenüber einer Neugründung.
2) Die Auswahl der Bücher liegt m sachverständigen Händen, die sich seit Jahren als Fachkenner be-
^3) Die Errichtung einer Bibliothek kann auch an kleineren Orten, wo eine Einzel-Bibliothek nicht lebensfähig wäre, ohne Umstände vor sich gehen.
4) Die Verwaltung ist eine sehr einfache und viel
Theil der Arbeiten felbst besorgt.
5) ES ist jedem Teilnehmer Gelegenheit geboten, gute Bücher, die ihm gefallen, zu wesentlich ermäßigtem Preise käuflich zu erwerben.
6) - und das scheint unS sehr wesentlich zu fern — der Bestand der Bibliothek ist bei Weitem nicht so sehr von Zufällen, Verhältnissen oder Personen abhängig, wie es vielfach bei einer Sonder-B,blwthek der Fall sein muß. , , ,.,. .
Aus diesen Gründen, denen sich noch leicht andere ansügen ließen, glauben wir nicht Unrecht zu haben, wenn wir die Mahnung ergehen lassen, die Errichtung von Orts-Bibliotheken, wenn nicht besondere Gründe entgegenstehen, im Anschlüsse an den Borromäus- Verein zu bewirker. Derselbe gibt sich die größte Mühe, den Zeitverhältnissen gerecht zu werden, er wird das um so mehr können, je mehr seine bewährte Thättg- keit Anerkennung findet. Der Beitrag zu demselben ist so gering, daß eine Einzel-Bibliothek, wenn sie irgend etwas leisten will, ihn nicht niedriger stellen kann; Daneben bleibt es ja nicht ausgeschlossen, daß sich eme besondere lokale Vereinigung bildet, welche den Mmder- beqüterten kostenlose Mitgliedskarten verschafft, waS vielfach sich fehr empfehlen wird. Unter allen Umständen möchten wir bitten: gründet keine Volks- und Jugend-Bibliothek, bevor ihr euch nicht über die Vorzüge des Borromäus-Vereins unterrichtet habt!
Tajostrom. Dieser ist bekanntlich m emem Endlauft portugiesisch, und so kam es, daß das kleine Geschwader in Portugal vor Anker legen mußte. Le,der erwartete
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beimesse, ließ ihn vorläufig straflos ausgehen und setzte
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artige Tiefen hinunter, bald fchnellten sie Dieselben trt erstatten über ^me En^e g . aefundeuen eine schwindelnde Höhe empor und trieben hier em | Schilderungen, die der Genuese ko« Sffoth hör SRnrhte tolles Spiel mit ihnen. In einer Nacht tobten die empörten Elemente derartig, daß man stündlich des Untergangs sich versah. Columbus war der Verzweiflung nahe. Sollten denn alle seine Bemühungen, alle Erfolge im tiefen Meeresgründe ein ewiges Grab finden? Er rang im Gebete die Hände zum Himmel empor und flehte inbrünstig zu Gott um Hllfe. Auch schrieb er seine Entdeckungen auf ein Pergament, legte dies m eine Tonne und warf diefelbe nach sorgfältigem Verschluß ins Meer; möglich, daß diese Aufzeichnungen nach Spanien gelangen und statt seiner der Herold seiner Entdeckungen sein würden. Doch fügte es der Himmel anders. Der MeereSsturm legte sich und aus geglätteten Wogen legten die zwei Segler bet günstigem Winde rasch die Strecke zwischen Amerika und der pyrenäischen Halbinsel zurück. Am 15. Februar landete man bereits an den Azoren, und am 4. Marz trieb ein abermaliges Unwetter die Schiffe m den
A Zur Volksbibliolhekeu-Frage.
In der letzten Zeit fanden sich mehrfach in katholischen Blättern Notizen, laut denen rn verschiedenen Orten die Gründung von Volks- und Jugendbiblw- theken geplant sei; ab und zu wird dabei bemerkt, daß die Beiträge zu dem Zwecke m erfreulichem Maße
Deutsches Keich.
Berlin, 24. September.
* Der Bundesrath nimmt seine Berathungen in dieser Woche wieder auf. Au reichlichem ArbeitSmatenal fehlt eS demselben nicht: Die Militairvorlage dürste denselben bald beschäftigen, ebenso, nut derselben im Zusammenhänge stehend, die Frage, der Aufbringung der Kosten. Auch der Entwurf eines R eichs-S e uch en- gesetzes, über Den dieser Tage tm RelchrgesnndhnA amte eine Sachverständlgen-Konferenz stattfindet, dürste bald ben Bundesrath beschäftigen. Der Zusammentritt des Reichstags dürste m der letzttn Halste de« November erfolgen, während bereits Mitte November der preußische Landtag zur Berathung der Steuervorlagen zufammentritt. , . e
♦ An den Befprechnngm über den Entwurf emeS allgemeine« Seuchengesetzes welche am Montag, den 26. d. M. im Reichsgesundheitsamt, wieverlauttt unter Vorsitz deS Direktors deS ReichsgefundheitSamtS Dr. Köhler, ihren Anfang nehmen, werden u. A. chetl- nehmen: Der Direktor deS JnstttntS zur Erforschung der Infektionskrankheiten, Professor Dr. Robert Koch; der Generalstabsarzt der Armee, Dr. v. Coler; der Wirst. Geh. Obermedizmalrath Dr. Kersandt; der Geh. Regierungsrath Höpker, welcher dem RelchSge. fundheitSamt als außerordentliches Mitglied angehört, die bayrischen Ober-Medizinalräthe Profchor Dr. v. Pettenkofer und Dr. Ritter von Kerfchensterner; Pro- stssor Dr. Gaffky auS Gießen u. s. w. Die Berath- ungen dürften mehrere Tage m Anspruch nehmen.
9* Die in einigen Blättern aufgestellte Behauptung, die dentsch-rnsfischen Zollverhandlungen feien abgegeben, ist wohl nur em Fühler, welcher bezweckt, über den Stand der Verhandlungen etwas herauszu- | locken. Es ist darüber aber vorläufig etwas Neues nicht mitzutheilen; man wird sich gedulden muffen, bis die russische Erwiderung auf die deutsche Antwort em» ^"^Der^ReichSkanzler macht bekannt, daß die Neu- Guinea-Kompagnie am 1. d. M. die Landesverwaltung des Schutzgebietes übernommen hat.
* Ein Telegramm ans Lissabon hatte gemeldet, an Bord des dort aus Hamburg eingetroffenen Dampfers Reichstag" feien 8 Choleratodesfälle vorgekommen. Der Vorstand der Deutfch-ostafrikanifchen Gesellschaft hat nun auf ergangene Anfrage von ßmabon die Antwort erhalten: „Reichstag , Mittwoch, 21. September weiter gegangen, an Bord Alles wohl.
* Der Kaiser kehrt am 3. Oktober vonRomrntm nach Potsdam zurück und unternimmt dann einen drei- tägigen Jagdausflug nach Hubertusstock, woran sich unmittelbar die Reisen nach Weimar und Wien an» ^^Das Befinden der Kaiserin ist dauernd günstig, daß sie in den nächsten Tagen das Bett verlassen kann. Am Dienstag treffen die drei ältesten kaiserlichen Prinzen von Wilhelmshöhe wieder in Potsdam em.
flüssig werden. ., ,,
Man wird nicht fehl gehen, wenn man aus solchen Notizen den übrigens sehr naheliegenden Schluß zieht, daß ” das vermehrte Lesebedürfniß Befriedigung sucht darf sich aber anderseits auch nicht verhehlen, daß bezüglich der Auswahl für jene Bibliotheken gerade in unserer lefewüthigen Zeit die größte Sorgfalt nothig ist Die Begründung einer Bibliochek mag vielfach nicht zu große Schwierigkeiten bieten, aber die Fort» Atzung und die entfprechende Verwaltung derselben wird rMLÄWLSS IMMMÄLSS- sönlichkeiten dünn gesäet sind.
Schon die Auswahl erfordert eme bedeutende Kenntniß der einfchlägigen Literatur, die man sich, selbst wenn man die besten literarischen Zeitschriften zur Verfügung hat, nicht fo bald und nicht fo. leicht erwirbt; stets muß, wenn die Bibliothek ihren Zweck wirklich erfüllen und nicht Ballast aufhäufen foll, die einschlägige Literatur genau verfolgt werden; jeder Fehler kostet dabei leicht nicht unbedeutendes Geld.
Verwaltungstalente sind übrigens, das muß mau zugeben, viel leichter zu finden, als Auswahl-Talente, wenn man diesen Ausdruck gebrauchen darf; und sofern man btefen Gesichtspunkt festhält, dürfte man auch m der Frage der Volks- und Jugendbibliotheken unschwer ^Uebtr’bie Nützlichkeit und die Nothwendigkeit solcher Bibliotheken herrscht keine Meinungsverschiedenheit, sie ist rückhaltlos anzuerkennen; die Frage kann sich nur auf die zweckmäßige Einrichtung beziehen. Wenn wir darüber unsere Meinung sagen sollen, so sind wir der Ansicht, daß mit einer Centralisation. welche dem speziellen Ortsbedürsnisse nach Möglichkeit freie Hand läßt, weit mehr mit geringeren Kosten sich erreichen läßt, als durch lokales Vorgehen, besondere Ausnahmen selbstverständlich abgerechnet.
Wenn wir uns eine solche Centralorganisation schaffen müßten, könnte man wohl mit Recht einwenden,
äjen M Postabonneute« ■ | dieselbe nehme zunächst zu viel Zeit Ul Anspruch, das «bonncment auf die sodann könne man noch Nicht wissen, ob sie sich be» - I währe. Aber keines von beiden ist zu befürchten, die __ ' .» .. • ri ____L « a *« «twn fto hrtr nffl 1P1T
Dienstag, dm 27. September 1892.
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