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IS. Jahrgang

JV 220

Sonntag, den 25. September 1892. _____

iilimkrWZeitlliig

auch nur einen neuen Abonnenten zuführen wird, so ann die Vervollkommnung unseres Blatter immer mehr Fortschritte machen. , .

Die .Fuldaer Zeitung' ist m ihrem Verbrer- tungrbezirke das weitaus gelesenste täglicherschei­nende Blatt und eignet sich deshalb auch ganz beson­ders als Jnsertionsorgan. Anzeigen sind von siche­rer Wirksamkeit.

Der Post-AbonnementspreiS auf die .Fuldaer Zeitung' mit der illustr. Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Bestellgeld.

Fulda. 24. September.

Redaktion und Verlag der ,F«ldaer Zeitung'.

Berlin, 23. September.

* Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht an der Spitze seines amtlichen Theiles folgenden Erlaß des Kaisers:

Aus den zahlreichen telegraphischen und schriftlichen Segens­wünschen welche Mir aus Anlaß der glücklichen Entbindung I. M. der Kaiserin und Königin, Meiner Gemahlin, von einer Prinzessin zugegangen sind, habe Ich zu Meiner lebhaften Freude gesehen, welch' herzlicher Theilnahme dieses durch Gottes Gnade Uns beschiedene Familienglück in allen Kreisen des engeren rote des weiteren Vaterlandes begegnet ist. Mögen Alle, welche Mir bei dieser Gelegenheit so liebevolle Aufmerksamkeit erwiesen haben, Meines aufrichtigen Dankes versichert fein! Ich beauftrage Sie, dies zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Marmor-Palais, den 21. September 1892. (gez.) Wilhelm. I. R. An den Reichs- fani*r $ie Wahl des neuen Oberbürgermeisters von Berlin findet am Donnerstag statt. Der zur Vorbereitung von Vorschlägen eingesetzte Ausschuß der Stadtverordnetenversammlung hat sich mit 12 gegen 1 Stimme für die Wahl des bisherigen 2. Bürgermeisters Zelle erklärt. Die Stelle des 2. Bürgermeisters soll öffentlich ausgeschrieben werden.

* Mit einer blutige» Schlägerei endete, wie schon kurz erwähnt, die zweite sozial - demokratische Kommunalwähler-Versammlung, welche am Dienstag Abend für den 15. Wahlbezirk im Lokale Naunynstr. 27 zu Berlin stattfand. Die .Germania' bringt darüber nachstehenden Bericht:

Schon in der ersten Versammlung, die acht Tage zuvor dort abgehalteu wurde, kam es zu lärmenden Auftritten zwischen fraktionellen und unabhängigen Sozialisten, so daß der Embe- rufer, Stadtverordneter Zubeil, die Versammlung vorzeitig schließen mußte. Damals war der Besuch ein sehr schwacher und die „Unabhängigen" bildeten die Mehrheit. Diesmal war das Lokal überfüllt und die Fraktionellen mochten in der Mehr­heit fein. In der Nähe des Vorstandstisches hatten mehrere hervorragende Führer der Fraktionellen, der Reichstagsabgeord­nete Auer, Parteisekretär Fischer und Andere Platz ge­nommen. Reichstagsabgeordneter Singer, der etwas später erschien, wurde von den „Unabhängigen" mit höhnischen Zurufen begrüßt. Um 8'/, Uhr eröffnete Stadtv. Znbeil die Versamm­lung und ließ die Bureauwahl vornehmen, aus welcher er gegen einzelne Stimmen (die Unabhängigen stimmten nicht mit) als Vorsitzender hervorging. Nach einer Aufforderung Zubeils, den Vortragenden ruhig anzuhören, da eine freie Diskussion folgen werde, erklärte Tischler Pilicke, daß die „Unabhängigen" da­mit einverstanden wären, wenn von Seiten des Redners keine Unfläthigkeiten vorgebracht würden. (Rufe: Raus! Raus!) Hierauf erhielt Stadtverordneter Vogtherr das Wort. Seine Ausführungen, die sich im Wesentlichen gegen die freifinnigen Stadtverordneten richteten, denen er vorwarf, einerseits für niedrige Löhne gestimmt und andererseits große Summen für „Schweifwedelei" und unproduktive Zwecke bewilligt zu haben, wurden von den „Unabhängigen" mit eisiger Ruhe, von den „Fraktionellen" mit großem Beifall ausgenommen. Hierauf sprach Buchdrucker Werner im Sinne der „Unabhängigen". Die Ausführungen des Vorredners hätten nichts mit dem Sozialismus gemein. (Oho - Rufe.) Die fozialdemokratifchen Stadtverordneten gingen nur in das rothe Haus um Kritik zu üben u. s. f. Als der Redner im Laufe feiner Rede weiter be­merkte, daß die „Unabhängigen" eine Gesellschaft bildeten, welche in ihrem eigenen Organe die Unwahrheit zu sagen auffordere, tief ihm Werner zu: Sie lügen! Hierauf entstand ein großer Tumult, einige Fraktionelle drängten nach dem Tisch hin, an dem Werner saß, um diesen zu schlagen. Mitten im Saale ballte sich ein Menschenknäuel zusammen, Stöcke wurden ge­schwungen, Biergläser flogen durch den Raum und blutend ver­ließen mehrere Arbeiter das Lokal. Die Schlägerei und der Tumult dauerten beinahe eine Viertelstunde. Während dieser Zeit ließ der überwachende Polizeibeamte den Zugang zum Lokal von der Straße aus absperren und vor der Saalthür mehrere Schutzleute postireu. Endlich gelang es, die Ruhe wieder etwas herzustellen. Fischer stellte sich aus einen Tisch und versuchte, seine Rede sortzusetzen, der Lärm nahm aber bald wieder so zu, daß seine Worte unverständlich blieben. Auch der Abg. Singer, welcher nunmehr das Wort ergriff, drang mit seiner Stimme bei der steigenden Unruhe nicht durch. Während seiner Rede wuchs der Tumult, bis er schließlich wieder in eine qtoße Prügelei ausartete, bei der Unabhängige und Fraktionelle ssch mit Stuhlbeinen, Gläsern, Ochsenziemern und Gummi­schläuchen bearbeiteten. Zahlreiche zerbrochene Stöcke, Glaser und Hüte lagen auf dem Boden. Die Polizei räumte das Lokal

und drängte die Versammelten aus die Straße, wo sie von Schutzleuten auseinander getrieben wurden.

* Eine liberale Forderung ist der Antrag des Berliner Magistrats, beim Ministerpräsidenten v. Eulen­burg, in Berlin die fakultative Feuerbestattung zu erlauben. Die Bitte, dem projektirten Bau eines CrematoriumS auf dem nicht konfefsionellen städtischen Friedhof zu Friedrichsfelde keine polizeilichen Hindernisse bereiten zu wollen, ist in erster Linie mit der Rücksicht „auf die durch die Choleragefahr hervorgerufenen Be- sorgnisfe" motivirt. Die Choleragefahr bietet aber nm einen willkommenen Vorwand, die Feuerbestattung wenigstens fakultativ einzuschmuggeln, da die Leichenverbrennung keineswegs auf Cholera-Leichen be- chränkt werden soll. Ueberdies wird auch von ärztlicher Seite anerkannt, daß die Beerdigung der Cholera-Leichen ebensowenig die Choleragefahr erhöht, wie die Ver­brennung. t

* Das Tenunziantenthum, das sich, tote schon erwähnt, in der .Köln. Ztg.' breit macht, erfährt tm ozialdemokratifchen .Vorwärts' folgende Abfertigung: „Mit kulturkämpferischem Eifer tritt das Organ für Bildung und Besitz als Angeber auf, der die Polizei )en verhaßten Jesuiten auf den Hals schicken will. Pesch und Cathrein gehören zu den bestunternch- teten, belesensten und gelehrtesten Vertretern der katho- lischen Sozialpolitik, ihre größtentheils in den Stim­men aus Maria-Laach veröffentlichten Abhandlungen ind nicht blos für den Fachmann höchst lesenswerth. Die .Köln. Ztg.' denunzirt jedoch in ihrem blinden Hasse zwei Männer, deren wissenschaftliche Hauptauf­gabe ist — die Bekämpfung des Sozialismus, sie er» scheint als Sykophantin gegenüber Männern, denen sie als die Vertzchterin der bürgerlichen Gesellschaft zu heißem Danke verpfiichtet wäre. So ist sie nicht blos unanständig, sondern auch beschränkt."

* Eine Erhöhung der Zeitungs-Postprovisiouen ist schon seit längerer Zeit geplant , aber bis jetzt ist der Entwurf aus dem Bereiche des Reichspost - Amts noch nicht herausgekommen. Dem Vernehmen nach sollen die Gebühren für den Postvertrieb der Zeitungen abgestuft werden nach der Häufigkeit des Erscheinens, so daß beispielsweise eine zwölf Mal wöchentlich er­scheinende Zeitung das Doppelte zu zahlen habm würde, wie eine nur sechs Mal erscheinende. Daneben würden natürlich die jetzt bestehenden Einheitssätze auch jetzt bestehen bleiben, welche bekanntlich eine um so unbe- deutere Rolle spielen, je größer die Auflage ist. Ob außerdem noch eine besondere Berechnung nach dem Gewicht vorgeschlagen werden soll, steht dahin, wie überhaupt die ganze Angelegenheit noch durchaus in der Schwebe ist. In Postkreisen hört man äußern, daß die Reichkpostverwaltung jährlich 1 Mill. Mark an dem Zeitungsvertrieb zusetze, welchem Zustand man ein Ende machen möchte. Einzelne Bundesstaaten sind wohl schon vertraulich über diese Fragen gehört worden, doch verlautet über ihre Stellungnahme nichts Zuverlässiges. Kommt ein Entwurf zu Stande, welcher die Billigung des Bundesraths fände, so wird derselbe doch erst in einem späteren Stadium dem Reichstage zugehen können. Ein Berliner Blatt berichtete neulich, daß eine Aenderung auf diesem Gebiete an dem Wider­stände des Centrums scheitern würde, weil der Vertrieb der vielen kleinen Blätter des CentrumS vertheuer t würde. Die CentrumS - Fraktion des Reichstages hat sich natürlich mit der Sache noch gar nicht befaßt.

* Seit gestern Mittag sind in Berlin 6ch oler a- verdächtige Personen in das Krankenhaus zu Moabit eingeliefert worden. Ein neuer Fall asiatischer Cholera ist nicht konstatirt und das Befinden der Cholerakranken relativ günstig. . .

* In Heegemühle bei Eberswalde ist in der Nacht zum Montag eine Frau an asiatischer Cholera gestorben.

* Die Hamburger „königlichen Kaufherren" haben sich wieder einmal in ihrer ganzen Noblesse ge­zeigt gegenüber Aerzten und jungen Medizinern, die auf Bitten der Cholerakommisfion nach Hamburg geeilt waren, um Bort in den Lazarethen ihre Kräfte aufzu­opfern. Es liegen darüber gleichlautende Klagen aus Berlin und Halle vor. Verschiedenen Aerzten und Studirenden, die nach mehrwöchiger aufreibender Ar­beit abreifen wollten, wurde ein Tagelohn von 3,30 Mk. angeboten, während ihnen bei der Berufung außer Kost und Wohnung ein wesentlich höherer Betrag in Aussicht gestellt war. Als dieses fürstliche Honorar abgelehnt wurde, erklärte der Oberarzt, daß nach der

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. - Inserat e kosten dieeinfpaltige 8räeoberbtwn Saum 15 $f fcei ^l'n^Fuld'-^und^auSE^l 3Rarf50 Pfennig »«tüMrUcher Abonnement,preis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen m yuwa um- __________2—Z.

Au unsere Leser.

• Die Blätter der verschiedensten Parteien und Richtungen fordern gegenwärtig wieder auf zum Abonnement auf das bevorstehende Quartal.

Fast alle wenden sich dabei an das gesammte Volk ohne Rücksicht auf die Konfession und thatsächlich rekrutiren sich auch ihre Leser aus Angehörigen sämmt- licher Religionsgemeinschaften. Nur die Centrums- presfe ist fast ausschließlich auf dieKatho- liken angewiefen. Um so mehr ist es daher Pflicht und Aufgabe der unserer heiligen Sache treuen Katholiken, für die Centrums-Presse einzustehen, sie zu unterstützen und ihr vor Allem das Feld einzu­räumen, das der Presse des CentrumS gehört, ihre eigenen Familien. Nur dadurch kann der Vorsprung der gegnerischen Presse einigermaßen ausgeglichen werden.

Beim Abonnement auf ein katholisches Blatt muß sich der katholische Mann und Familienvater bewußt sein, daß er sich nicht bloS eine Zeitung zu seiner Unterhaltung erwirbt, sondern gleichzeitig eine gute Sache unterstützt, die bei unseren gegenwärtigen Verhältnissen von größter Wichtigkeit ist. Er darf sich deshalb nicht von klein­lichen Gesichtspunkten oder perfönlichen Liebhabe­reien leiten kaffen, sondern muß das Höhere Ziel im Auge behalten.

Nach der eindringlichen Empfehlung der katholischen Presse auf den jüngsten Katholikenversammlungen durch unsere hervorragendsten Centrumsführer, sowie bei an­deren Gelegenheiten durch Bischöfe und hohe Geistliche, ist eS wohl überflüssig, auf die Wichtigkeit und Noth- wendigkeit der Centrums-Preffe noch besonders hinzu­weisen. Wer diesen Ermahnungen keine Folge leistet, wird auch auf unsere Worte nicht hören.

Dagegen erscheint es uns angebracht, angesichts des neuen Quartals die Aufmerksamkeit des katholischen Volkes auf die bevorstehende politisch bewegtere Zeit hinzulenken. Was durch die herrliche General­versammlung zu Mainz bekräftigt und zum Ausdruck gebracht worden ist, das soll im kommenden Winter in den Parlamenten zu Berlin in That und Wirklich­keit zu übersetzen versucht werden. Das Ringen der deutschen und preußischen Katholiken um die Aner­kennung ihrer vollen Gleichberechtigung auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens wird der nächsten Zeit ihren Stempel aufdrücken.

In Preußen steht der Abschluß der Steuer­reform und im Zusammenhang damit eine Neurege­lung des Landtags-Wahlrechts auf der Tages­ordnung. Der deutsche Reichstag wird sich mit einer sehr schwer wiegenden Heeresvorlage und infolge defsen mit der Erhöhung der indirekten Reichs­steuern zu befassen haben.

In einer solchen Zeit ist es doppelt und dreifach Bedürfniß und Pflicht für jeden Staatsbürger, sich über die öffentlichen Vorgänge aus einem guten Blatte wahrheitsgemäß zu unterrichten, und durch Ver­breitung der guten Presse dafür zu sorgen, daß seine Mitbürger wahrheitsgemäß unterrichtet werden.

Die schönste und größte Aufgabe der k a t h o l i s ch e n Presse besteht darin, dem Centrum in den Kämpfen für Thron und Altar, für Christenthum und Monarchie, für Wahrheit, Freiheit und Recht treu und unentwegt

1 zur Seite zu stehen.

Darum abonnire jeder katholische Mann, jede katho­lische Familie auf ein Organ der Centrumspartei. Je­der Katholik muß wenigstens ein regelmäßiger Leser eines Centrumsblattes sein, wenn irgend möglich zah­lender Abonnent, und wo es angeht auch ein warmer Fürsprecher.

Die ,Fuldaer Zeitung' wird wie bisher, so auch fernerhin furchtlos und treu, freimüthig und fest für die bewährte Devise des Centrums eintreten, sie wird das alte Centrumsbanner, unter welchem das katholische Volk so herrliche Siege errungen, hochhalten und mit voller Kraft für die Verwirklichung der Gen» trumsprinzipien eintreten. ,

So laden wir unsere Leser zu recht zahlreichen Be­stellungen ein, und richten ferner an sie die Bitte, uns in der Gewinnung neuer Abonnenten durch Em­pfehlung in Freundeskreisen nach Kräften zu unter­stützen. Wenn jeder unserer bisherigen Leser uns