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Donnerstag, den 22. September 1892. _____
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Deutsches Keich.
Berlin, 20. September.
* Me die .Wiener Neue Presse' wissen will, trifft Kaiser Wilhelm am 8. oder 9. Oktober in Wien ein, nimmt in der Wiener Hofburg oder in Schönbrunn Wohnung und geht dann mit Kaiser Franz Joseph, dem Könige Albert von Sachsen, dem Großherzog von Toskana und dem Prinzen Leopold von Bayern zu den Steierischen Hochwild - Jagden nach Mürzsteg.
* Die Ansprache, welche Reichskanzler Graf Caprivi bei seinem Empfange in Grünberg i. Schl, gehalten, hatte nach offiziöfer Angabe etwa folgenden Inhalt: „Es sei ein schönes Zeichen für eine Armee, wenn ihre alten Soldaten gern der Zeit gedächten, die sie in der Truppe verlebt. Sie würden von da das Bewußtsein mitgenommen haben, was es werth sei und am meisten in schwierigen Lagen, einen Befehlshaber zu haben, dem man mit Vertrauen folge. Das sei stets ebenso im preußischen Staate gewesen, der sich^unter schwierigen Verhältnissen, Dank seinen Königen, zu Deutschland entwickelt habe." — Daran schloß sich ein Hoch auf den Kaiser. — Nach einer anderen Version hätte Graf Caprivi gesagt: Deutschland sei nur dadurch groß geworden, daß nur Einer im Staate zu befehlen habe.
* Von den am Freitag in Berlin verhafteten Ruffen nnd Pole» sind 5 aus Preußen ausaewiesen worden.
* Der Köpenicker Raubmörder Ruttke ist heute früh in Berlin hin gerichtet worden. Er behauptete bis zum letzten Augenblicke, unschuldig zu sein.
* In Berlin ist der Bestand an Cholerakranken auf sechs gestiegen; hinzugekommen ist der 15jährige S ohn eines Schiffers Kersten aus Brandenburg, dessen Zustand sehr bedenklich ist. Außerdem ist ein gestern eingelieferter 35-jähriger Fabrikarbeiter Namens Pohl heute früh an der Cholera gestorben. Auf welche Weife Pohl infizirt worden, ist noch nicht festgestellt. An verdächtigen Fällen sind gestern noch sechs gemeldet.
* Gegenüber den in Handels- und Konsumentenkreisen fortdauernden Versuchen, den Bezug auch von nicht durck die Einfuhrverbote betroffenen Waareu aus Hamburg abzulehnen, wird vom .Reichsanzeiger' nachstehendes Gutachten mitgetheilt, welches von der
Christoph Columbus
und
Die Entdeckung Amerikas.
Historisch-biographische Studie von Dr. F. I. Holly.
(Nachdruck verboten.)
In der Geschichte der Völker treten von Zeit zu Zeit Mänuer auf, die durch die Großartigkeit ihres Geistes und ihrer Erkenntniß oder durch eine hochbedeutende Wirksamkeit auf dem Gebiete des praktischen Lebens die Augen aller Mitmenschen auf sich ziehen und sich die gesammte Nachwelt zum Dank« verpflichten. Gleich feurigen Meteoren flammen sie über den Häuptern der gewöhnlichen Sterblichen auf, verbreiten Licht und Helle über Stadt und Land, über ganze Reiche und Erdtheile und zertheilen rasch und leicht die Finsternisse, die bis dahin über diesem oder jenem Gegenstände der Erkenntniß oder Lebenspraxis lagerten. Solche Leuchten der Menschheit leiten oft den Gang der Gesammtgeschichte der Völker in andere Bahnen, bringen riesige Umwälzungen im Leben und im Verkehr, in Künsten und Wissenschaften zuwege und zwingen gar den Historiker, mit dem Anbruch oder Ablauf ihres Lebens einen neuen Abriß der Weltgeschichte zu beginnen. „Große Männer" nennen die dankbaren Sterblichen solche eigenartige Erschein-
im Kaiserlichen Gesundheitsamt errichteten Cholera- Kommission auf Veranlassung des Staatssekretärs des Innern erstattet worden ist:
Die Cholera ist nach den bisherigen Ersahrungen noch nie durch andere Waaren als diejenigen verbreitet worden, deren Einfuhr aus verseuchten Gebieten schon jetzt regierungsseitig verboten ist. Die gleichen Erfahrungen machen wir auch gegenwärtig wieder, denn seit dem Bestehen der Epidemie in Hamburg sind von dort zahlreiche Waaren nach verschiedenen Orten verschickt worden, ohne daß jemals von einer Ansteckung durch solche Kolli etwas bekannt geworden wäre. In Anbetracht dieser Verhältnisse liegt kein Grund zu der jetzt vielfach verbreiteten Besorgniß neuer Verschleppung von Cholera durch Waaren vor. Die meisten Waaren sind schon durch ihre trockene Beschaffenheit (Bücher, Cigarren, Tabake, Erzeugnisse der Papierindustrie, der Lederindustrie u. s. w.) ungeeignet als Vermittler des Ansteckungsstoffes zu dienen. Ferner ist zu berücksichtigen, daß die Waaren in Umhüllungen zum Versandt kommen, welche den Inhalt der Packete, Ballen, Kisten rc. vor verdächtigen Berührungen ausreichend schützen. In besonderem Maße gilt dies von allen Sendungen, welche durch den verseuchten Ort nur durchgehen, ohne daselbst geöffnet zu werden. Aengstliche Empfänger von Waarensendungen aus verseuchten Ortschaften können die zur Verpackung benutzten Umhüllungen entweder vernichten oder durch Abwaschen mit Kalkmilch (Kisten, Tonnen und ähnliches) bezw. fünsprozentiger Carbolsäurelösung (Ballen, Sackleinwand u. dergl.) desinfiziren, obwohl solches im Allgemeinen überflüssig ist.
Hierzu wird im ,Retcysanzeiger' noch bemerkt: Nach Inhalt diefes Gutachtens können die Verfuche, sich von dem Waarenverkehr mit Choleraorten abzu- fperren, durch nichts gerechtfertigt werden. Sie können nur zur Erhöhung der Schwierigkeiten beitragen, unter welchen Handel und Wandel zur Zeit zu leiden haben. Was insbesondere Hamburg betrifft, so wird die wirksamste Hilfe, welche die schwer geprüfte Stadt erwarten darf, unter allen Umständen darin bestehen, daß man im übrigen Deutschland die alten Handelsbeziehungen bereitwillig wieder aufnimmt und davon absieht, dieselben durch weitere Ablehnungen auf Grund eingebildeter Gefahren noch mehr zu schädigen.
* Die Heilsarmee macht jetzt in Berlin lebhaft Stimmung für die „Selbstverleugnungswoche", die am 25. September beginnt. Während dieser Woche enthalten sich alle Offiziere und Soldaten der Heilsarmee, sowie diejenigen Freunde der Sache, die sie zur Theil- nahme gewinnen, aller berauschenden Getränke, des Tabaks und des Genusses von Fleisch, Früchten und Conditorwaaren, sowie aller anderen entbehrlichen Genüsse, der Vergnügungsgesellschaften, der Bälle u.dgl. Der Ertrag dieser „Selbstverleugnung" muß dem „KriegLschotz" der Heilsarmee zugewendet werden, der in dieser Woche auch werthvolle Schmucksachen, sowie sonst unnöthige Artikel „von einem Hause bis zu einer Nadel" gern annimmt.
* Im August d. IS. betrug die deutsche überseeische Auswanderung über deutscbe Häfen, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam 7585 Personen (gegen 6832 im August v. Js.) Außerdem wurden im August 15212 Angehörige fremder Staaten über die deutschen Häfm
ungen, und wenn seit Bestehen der Menschheit irgend Jemand dieses Ehrennamens würdig ist, so ist es vor Allem Christoph Columbus, der Entdecker Amerikas. Die Bedeutung seiner Entdeckung ist männiglich bekannt: Mit gewaltiger Hand griff der kühne Seefahrer in das Leben und die Geschicke der Menschheit ein: eine Welt von Wundern im Thier-, Pflanzen- und Mineralreich that sich infolge seines waghalsigen Unternehmens vor dem erstaunten Blicke der Bewohner des alternden Europa auf. Handel und Schiffahrt verfolgten neue Bahnen, Geographie, Geschichte, Kulturhistorik, Astronomie, Länder- und Völkerkunde erfuhren großartige Förderung und Erweiterung. Dem Christenthum aber erwies Columbus eine nicht minder große Wohlthat. Ein ganzer Welttheil wurde dem hl. Evangelium durch ihn zugänglich gemacht, riesige Länderstrecken konnten mit dem Samen des Gotteswortes neu bestreut werden, Millionen von Menschen entriß er der Finsterniß des Heidenthums und brachte ihnen dafür die Segnungen der wahren Religion. Gewiß gehört also Christoph Columbus zu den wahrhaft großen und bewunderungSwerthen Koryphäen der Weltgeschichte, da er so unendlich viel für die Mit- und Nachwelt that und seiner Zeit gleichsam das Gepräge seiner Thaten aufdrückte. Für uns Kaiho- likm aber gewinnt der bedeutende Mann ein besonders
befördert. Ueber Hamburg gingen 2749 deutsche und 9476 Angehörige fremder Staaten.
* In Hamburg sind von gestern Mittag bis heute Mittag 206 Cholera-Erkrankungen und 105 Todesfälle gemeldet; davon entfallen auf gestern 141 Erkrankungen und 67 Todesfälle. Die Transporte betrugen gestern 134 Kranke und 46 Leichen.
* Harburg an der Elbe ist für feuchenfrei erklärt. Die Einfuhr-Verbote finden demgemäß auf Harburg keine Unwendung mehr.
* In Stettin sind heute 4 neue Cholera-Erkrankungen amtlich gemeldet worden, darunter eine mit tödtlichem Ausgange.
* Nach dem soeben erschienenen Rechenschaftsbericht des Vereins vom heilige» Grabe hatte derselbe im verflossenen Jahre eine Einnahme von 102,934 Mk. einschließlich des Uebertrages von 18,554 Mk. aus 1890, gegen 102,543 Mk. im Jahre 1890. Aus dm einzelnen Diözesen gingen ein: Köln 27,146 Mk., gegen 24.412 Mk. im Vorjahre; Breslau 12,212 Mk.; Rottenburg 5861 Mk.; Mainz 1702 Mk.; Trier 1537 Mk.; Limburg 1528 Mk.; Apostolisches Vicariat Sachsen 1111 Mk.; Münster 1085 Mk.; aus Bayern 967 Mk.; aus Oesterreich 766 Mk. und aus der Schweiz 990 Mk. Die Beiträge aus verschiedmm andern Diözesen blieben unter 1000 Mk. An Meßstipendien gingen 24,650 Mk. ein. Die Ausgaben in 1891 bezifferten sich auf 91;432 Mk. gegen 110,519 Mk. im vorhergehenden Jahre. Der Verein sandte u. A. dem lateinischen Patriarchat in Jerusalem 37,803 Mk., gegen 32,917 Mk. in 1890; der Custodie des heiligen Landes 8520 Mk., gegen 15,418 Mk.; dem Palästina-Verein in Aachen für das Kloster der Borromäerinnen in Jerusalem 3000 Mk., gegen 6000 Mk.; den Instituten der Mission von Notee-Dame de Sion ebendaselbst 1600 Mk.. gegen 3828 Mk.; dem Direktor des Werkes der hl. Familie in Bethlehem 1645 Mk., gegen 4489 Mk.; dem armenisch-katholischen Pfarrer von Jerusalem für die Kirche und das Sank- tuarium der IV. Station 2400 Mk., gegen 3272 Mk.; dem Carmeliter-Kloster auf dem Berge Karmel 2360 Mk., gegen 2599 Mk.; dem General-Vikar Jos. Dou- mani in St. Jean d'Acre 2336 Mk., dem Patriarch« von Jerusalem 2147 Mk., dem apostolischen Missionar in Gaza 1930 Mk., dem griech.-kath. Patriarchen von Alexandrien usw. 2400 Mk., dem Erzbischof von Beirut 1520 Mk., dem Patriarchen der kath. Armenier in Konstantinopel 5303 Mk. Außerdem ver- sandte der Verein noch an 26 Stellen Summen unter 1500 Mk., im Ganzen 15,715 Mk. Für das Ver- einsorgan „Das hl. Land" wurden im Jahre 1891 an Druck- und Expeditions-Kosten 2350 Mk., gegen 3630 Mk. in 1890 ausgegeben, davon gehen 150 Mk. ab als Erlös für im Jahre 1890 in Buchhandel abgesetzte Exemplare des Organs. Die allge- meinen Unkosten beliefen sich aus 552 Mk., gegen 904 Mk. im Vorjahre. Aus das Jahr 1892 wurdm 11,502 Mk. gegen 18,454 Mk. im Vorjahre übertragen. Zum Schatzmeister des Vereins ist an Stelle des verstorbenen Herrn Kaufmann Schmitz-Leven,
hohes Interesse, da er, wie wir sehen »erben, ein überaus überzeugungstreuer und frommer Katholik war und als solcher fast ebenso sehr unser Staunen wach- ruft, wie als Entdecker. Treten wir deshalb seinem Lebenslaufe und seiner Thätigkeit näher, indem wir zuvörderst eine kleine Vorgeschichte der Entdeckung der westlichen Erdkugel geben, bann bie Entbeckung selber besprechen unb endlich ben Entbecker als Mensch unb Christ charakterisirm. Derart erwerben wir uns bann auch bie richtige Vorbereitung auf bas große vierhunbertjährige Jubelfest ber Erschließung des Westens burch Columbus, bas am 12. Oktober 1892 von ber alten unb neuen Welt mit gleicher Begeisterung begangen werben wirb.
1. Kurze Vorgeschichte zur Entbeckung Amerikas.
Jnbien war schon ben Völkern des Alterthums bas Laub der Wunber unb Schätze. Sein Reichthum an Golb, Perlen und edlem Gestein, die Fülle seiner seltenen und kostbaren Bodenerzeugnisse, bie wunber- same Pracht seiner Flora unb der schillernde Glanz seiner Vogelwelt machte dies« Theil der Erde in dm Augen der Altm zu einer Art Paradies, nach dem man sehnsüchtig Verlangen trug, über das man sich die überschwänglichsten und abenteuerlichsten Begriffe vormalte. Unser heutiges Indien, b. h. bie beiden großen