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JM 215

Dienstag, den 20. September 1892.

19. Jahrgang

FlildllkrWZeitilng

. ... tä9Ü*' bonn- und^Fnertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf, fei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

vttelUMriicher «banne meutsprel» ohne Bnngerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auSu^rt-1 Mark 50 Pf-»»tg,

versinkt, und Allan Rylestone fühlte erst an ihrem Sterbebette voll und ganz, wie heiß er sie geliebt. Sie war auch im Tode noch wunderschön. Der Sitte der Landes gemäß bekränzten Diejenigen, die sie zu ihrer letzten langen Ruhe vorbereiteten, ihr Haupt mit Blumen und steckten ihr auch Blumen in die weißen, kalten Hände. Als Adelaide zu ihr herantrat, um Abschied von ihrer schönen Hülle zu nehmen, war sie tief er­schüttert, als sie in ihrer weißen Hand einen scharlach- rothm Geraniumzweig erblickte. Die Worte der Bal-

Sie blickte ihn an, als ob sie eben aus tiefem Schlafe erwachte.

„Ich habe den Ruf der Engel vernommen — meine Stunde hat geschlagen."

Er glaubte, daß sie phantasire, denn sie sah gerade an diesem klaren Morgen nicht aus, als ob die Schat- tm des Todes sie so schwer umschwebten. Sie war mager, bleich und verfallen, aber auf ihrem Gesichte lag ein tiefer, seliger Frieden.

„Nimm mich in Deine Arme, mein Geliebter," sprach sie.

Er legte seine Arme um sie und Adelaide sprach knieend die Gebete, die Margarita auf dem Schooße ihrer Mutter erlernt hatte. Eine selige Ruhe kam über sie und sie ergriff Adelaide Cameron'S weiße Hand und die starke, liebewarme Hand ihres Gatten und hielt sie fest vereint in ihren abgezehrten, durchsichtigen Händen.

„Vergiß nicht, wenn ich von Dir gegangen bin, Allan," sagte sie freundlich, „daß ich Dich erwarte. Jenseits der Grabes harre ich Dein, mein Geliebter."

Dann starb sie, die Hände fest in den ihren hal-

marke oder dem Kontrollstempel der Sozial - Demo- kraten versehen sind. Der Aufruf meint, es mfiffe einleuchten, daß es weit bester sei, für ein Stück Waare ein Mal etwas mehr zu zahlen, als auf der andern Seite einem Fabrikanten die Waare abzukaufen, welcher sich den Forderungen seiner Arbeiter bei einem Ausstand nicht fügen will. Es wird, fügt die .Freis. Ztg.' hinzu, in dem Aufruf fälschlich so dargestellt, als ob die Waaren, welche nicht mit einer Kontroll­marke versehen sind, vorwiegend in bett Zuchthäusern hergestellt würden. Bekanntlich vertheilt sich die Zucht-

„DaS Land dort oben ist so schon, mit Blumen tend, sanft wie ein Kind, daS in süßen Schlummer reich geschmückt. Und wer zu ihm darauf sich sehnt, " " 1 — — - -----

wird droben hochbeglückt."

„Du riefst mich, Margarita," sagte er ruhig, „waS

wünschest Du, Geliebte?"

* In Berlin ist kein neuer Cholerafall vorge­kommen. Fünf Choleraöerdächtige wurden inS Kranken­haus zu Moabit eingeliefert, darunter ein Postbote, von dem behauptet wurde, er sei beim sortiren Ham­burger Briefschaften inficirt worden. BlS jetzt ist in allen fünf Fällen nur Brechdurchfall konstatirt.

* Die bei einer Anzahl von in Berlin lebenden Russen in den letzten Tagen stattgesundenen Haus­suchungen ergaben theilweis sehr kompromittirendeS Material, so daß die Betreffenden wegen revolutionärer ________... n_...T.,.,..1T1v Vlt „

Umtriebe die Ausweisung zu gewärtigen haben. Ber- Hausarbeit auf die verschiedensten Gegenstände und

lade kamen ihr unwillkürlich in den Sinn: „Die schöne Eveline Hope ist tobt!"

und sie erinnerte sich jenes Abends, wo sie sie gemein­sam gelesen, und dessen, waS Margarita dabei geäußert. Wie wenig hatte sie damals daran gedacht, daß daS schöne, schwarzäugige Weib sobald eine Leiche sein und eine rothe Geraniumblüthe in der Hand halten würde. Ihre Leiche wurde nach England übersandt und bort auf bem freundlichen Kirchhofe von Lutdale bestattet — aber nicht in der kalten Familiengruft, wo die Damen des Hauses Rylestone ruhten, sondern in einem frischen, grünen Grabe, auf dem Blumen blühen, daS der Regen befeuchtet und die Sonne bescheint, daS der Thau wie mit Thränen schmückt und auf daS im Herbst die Blätter fallen.

auf die .Fuldaer Zeitung' für das am 1. Oktober beginnende

4. Guartal 1892

wolle man nicht bis auf die letzten Tage des laufenden Monats verschieben, damit uns dieselben rechtzeitig über­mittelt werden können und prompte Zusendung ermög­licht wird.

Der Post - Abonnementspreis auf die , F u l d a e r Zeitung' mit der illustrirten Sonntagsbeilage = Sterne und Minnen == beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Be­stellgeld.

aw Neu zugehende Abonnenten erhalten die Zeitung nebst der Sonntagsbeilage gegen Einsen­dung der Post-Quittung bis Ende September gratis.

haftet sind etwa 10 Personen (nicht 20, wie einige Berliner Blätter angeben).

* Die .Kreuzzeitung' glaubt auf Grund guter In­formationen behaupten zu können, daß, nachdem einmal die Einbringung der Militärvorlage noch in der be­vorstehenden Reichstagssession bestimmt ins Auge gefaßt worden, auch die Frage, woher die nöthigen, thatsäch- lich sich auf etwa 65 Millionen belaufenden Mittel zu nehmen seien, bereits Gegenstand eingehender Erörte­rungen gewesen ist. Daß dabei eine Erhöhung der Einnahmen aus dem Tabak, dem Bier und der I Börse in erster Linie in Aussicht genommen und zu­gleich an eine Aenderung der daS Branntwein- Konttngent betreffenden Bestimmungen gedacht worden, steht nach Ansichtung des Blattes außer allem Zweifel.

* Das Zustandekommen einer Militärstrafprozeß- ordnung für das Reich wird, wie aus gut unter­richteten militärischen Kreisen verlautet, vorerst um deswillen für unmöglich gehalten, weil sich Preußen und Bayern über gewisse grundlegende Fragen nicht einigen können. Bayern widerstrebe u. A. der Er­richtung einer obersten Reichsinstanz.

* Die amtlichen Verordnungsblätter Preußens pub- liziren daS Gesetz betreffend die Aufhebung von Stol- gebühren für Taufen, Trauungen und kirchliche Auf­gebote in der evangelischeu Landeskirche der älteren Provinzen ber Monarchie.

* Ministerpräsident Graf Eulenburg hat sich heute zu etwa achttägigem Aufenthalt auf seine Be­sitzungen nach Ostpreußen begeben.

* Oberprästdent a. D. von Gnenther, Mitglied des Herrenhauses, ist am Dienstag im Alter von 77 Jahren in der Schweiz gestorben.

* Der heute hier stattgefundene 5. Kongreß deutscher Gartenkünstler empfiehlt den Mitgliedern die allseitige Beschickung der Chicagoer Ausstellung, beschloß, die gärtnerische Ausschmückung des Georgen- Platzes in Hannover zum Gegenstände einer PreiSauf- gabe zn machen und wählte Leipzig zum nächstjährigen Vorort.

• Boykott in der Textil - Industrie. — Der sozial-demokratische,Vorwärts' veröffentlicht einen Aus­ruf der Sozial - Demokraten zu Gunsten sozial­demokratischer Kontrollmarken. DieSozial- Demokraten sollen keine Strümpfe, Hosen, Jacken, Trikots, wollene Damenröcke, Hemden und Damen­westen und keine gewirkten und gewebten Woll- und Baumwollwaaren kaufen, welche nicht mit der Konttoll-

—* Die Däumung Egyptens.

Dieser Tage bat die Nachricht, es würde demnächst die Räumung Kairos Seitens der englischen Truppen erfolgen und nur die Citadelle eine kleine Besatzung behalten, in England und auch anderwärts Aufsehen hervorgerufen. Allerdings nicht lange, denn man mußte sich bald sagen, daß Gladstone, der sich mit seiner kleinen zusammengewürfelten Majorität nicht ganz sattelfest fühlt, diesen Schritt nicht wagen würde, der ihn mit seinen Landsleuten in heftigen Widerspruch gesetzt hätte. Das offiziöse Dementi hat denn auch nicht weiter überrascht, als daS Bureau Reuter er­klärte, daß Seitens der englischen Regierung keinerlei Befehl zur Räumung Kairos durch das dortige Regi- mmt gegeben wurde; noch weniger fei die Annahme begründet, baß die egyptifche Politik der englischen Re­gierung eine Aenderung erfahren oder daß die Frage der Räumung Egyptens die Aufmerffamkeit des Kabi- nets in Anspruch genommen habe. Die irrthürnliche Meldung ist wohl auf ein Börsenmanöver zurückzu- sühren, daS aber seinen Zweck gänzlich verfehlt hat, denn an der Börse hat man sich nichts weiter daraus gemacht.

WaS den Kern der Sache anlangt, so hat Glad­stone auf eine Anfrage ber türkischen Regierung ober des Sultans, der ja Egypten ttotz großer Freiheiten als Vasallenstaat ansehen darf, wegen der Räumung j geantwortet, er werde sich erst später darüber äußern können. ES ist mehr wie kühn, aus dieser ausweichen­den Antwort ein Zugeständniß herauszulesen. Aller­dings hat der Sultan ein gutes Recht, in dieser Weise vorstellig zu werden; denn die Engländer sind wider­rechtlich in Egypten und der von Sir Henry Drum- mond im Jahre 1887 abgeschlossene Vertrag bestimmt ausdrücklich, baß bie englische Besatzung nicht länger als drei Jahre verweilen solle, falls nicht unvorher­gesehene Ereignisse einträten. Die Engländer sind aber,

Das oerhängnihvolle Moment.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(91. Fortsetzung.)

WaS konnte er ihr zum Tröste sagen?

„Wenn Du später meiner gedenkst, so laß mich Dir nicht als das unselige Weib vorschweben, das sich um Deinetwillen so schwer verging — das in der Hoff­nung, Dich dadurch zu retten, sündigte, und nicht alk daS eifersüchtige, sterbende Weib, sondern als jenes junge Mädchen, das sich am thanfrifchen Morgen hinauS- »ustehlen Pflegte, um Dir zu begegnen, und das Dich so heiß liebte, wie keine Andere es kann."

Seit jener Stunde wurde sie sichtlich schwächer, aber auf ihren Zügen schwebte immer ein friedliches Lächeln. Und schließlich kam der Tag, an welchem sich ihr letz­ter Wunsch erfüllte, indem Adelaide Cameron endlich wieder an ihrem Lager stand.

Lady Rylestone starb an einem milden, sonnigen Morgen sanft wie ein Kind, das hinüberschläft. Sie war auf ihren Wunsch an ihren Lieblingsplatz an das Fenster gebracht worden und lag bort einige Zeit in Betrachtung des Himmels versunken. Dann rief sie noch Allan und er trat zu ihr heran, sie schien ihn aber nicht mehr zu erkennen. Er Hütte sie leise die Verse wiederholen:

I obgleich die Dinge einen ziemlich normalen Verlauf nahmen, über die stipulitte Zeit geblieben, haben den französischen Einfluß mehr und mehr verdrängt und sich in sämmtlichen BerwaltungSzweigen heimisch ge­macht. Das egypttsche Land ist dabei nicht schlecht gefahren, seine finanziellen Verhältnisse haben sich be­deutend gebessert und seine Gläubiger mürben es darum nur sehr ungern sehen, wenn die Räumung sich in der That vollziehen würde. Es ist das aber nur ein from­mer Wunsch, der nicht sobald in Erfüllung gehen wird, denn auch Gladstone und der englische Minister des Auswärtigen haben keine Veranlassung, von der egyp- tischen Politik des Ministeriums Salisbury abzuweichen. Eine Aenderung ist auch nicht im Januar dieses Jah­res eingetrden, als Tewfik, des verschwenderischen Is­mael Sohn, plötzlich aus dem Leben schied und Prinz AbbaS Khedive wurde. Auch damals wurden von Sei­ten des Sultans Verhandlungen wegen der Räumung angeknüpst, aber ohne daß der Erfolg ein anderer, wie ftüher gewesen wäre.

Im Interesse einer friedlichen Entwicklung der Dinge ist zu wünschen, daß der Stand der Dinge vorläufig bleibt wie er ist. Die Egypter sind jetzt noch nicht im Stande, das Land in der Weise zu verwalten, wie es für ein durch jahrzehntelange Aussaugung und Aus­beutung zerrüttetes Staatswesen nothwendig ist. Wenn einmal die Eingeborenen so weit vorgeschritten find, dann wird die Räumung ganz von selbst stattfinden und auch zu weiteren Verwicklungen keinen Anlaß geben. Denn kein anderes Volk wird sich bann an die Stelle ber Engländer setzen, da Egypten der frem­den Beihilfe entbehren tarnt. Unter dem Khedive AbbaS, der viel Herrschertalent besitzen soll, ist man diesem Ziel gegen früher um ein Bedeutendes näher gekommen.

Deutsches Keich.

Berlin, 17. September.

* Der .Reichsanzeiger' schreibt: In den Bffent« lichen Blättern wird neuerdings die Nachricht verbreitet, daß S. M. der Kaiser gelegentlich einer Unterredung mit dem Pianofortefabrikanten Steinway aus New- Nork geäußert habe, ein Besuch der Ausstellung in Chicago Alleihöchstihrerseits sei nicht unmöglich. Diese Nachricht ist unrichtig, Seine Majestät haben im Gegen­teil zu Mr. Steinway gesagt, ein Besuch der Aus­stellung in Chicago für Allerhöchstdieselben nicht wohl möglich.