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SMHierzu eine Beilage.

Deutsches Keich.

Ber! in, 16. September.

* Die Cholera ist in Hamburg in steter Abnahme begriffen. Außer Hamburg und seiner näheren Um­gebung war kein Punkt des deutschen Reiches verseucht; die hier und da aufgetretenen einzelnen Fälle waren durchweg auf Hamburger Ursprung zurückzuführen. Gefährdet waren und sind namentlich die Orte an der Unterelbe infolge Jnficirung des Elbstroms. Es ist denn auch ein Reichskommissar für die Gesundheits­pflege im Stromgebiete der Elbe eingesetzt worden, welcher seinerseits wieder eine Anzahl Kontrolstationen festsetzte, welche unter ärztlicher Leitung stehen. Die Einrichtung wurde mit großer Beschleunigung ins Leben gerufen und wird sich aller Voraussicht nach sehr segensreich erweisen. In Hamburg ist infolge der Epidemie große Roth entstanden; die Geschäfte liegen großentheils darnieder, und so mußten zahlreiche An­gestellte und Arbeiter entlassen werden. Der Hafen ist still geworden, denn die Schiffahrt siecht dahin.

* In Berlin ist ein neuer Cholerafall vorge­kommen. Er betrifft den dreijährigen Sohn des Schiffers Woytkowsky aus Stettin. Der Bestand der im Moa­biter-Krankenhause befindlichen Choleraverdächtigen ist auf 57 herabgegangen.

* Mehr Steuern — das ist die Aussicht, die uns infolge der Militärvorlage blüht. ZurDeck- ung der Mehrausgaben soll die Erhöhung der bestehenden indirekten Reichssteuern ins Auge gefaßt fein. Jetzt bezeichnet die ,Schl. Ztg.' als diese Steuerobjekte speziell Brantwein, Tabak und Bier, erklärt eS aber für fraglich, ob daraus so viel mehr herauszu­bringen sein wird, als die Militärvorlage an dauernden Mehrausgaben erfordert. Man wird für den Fall, daß sich eine einträgliche Mehrbelastung bei einem oder dem anderen dieser Stenerobjekte als schwer durchführ­bar erweisen sollte, mit der Möglichkeit von Vorschlägen, die die Reichsstempelabgaben angehen, zu rechnen haben. In der Thal sollen sich auch hierauf vie Ver­handlungen erstrecken, die mit den Bundesregierungen eingeleitet sind." Die öffiziöse Norddeutsche druckt diese Mittheilunqen ohne Bemerkung ab.

* In Betreff der Militair-Borlage äußerte sich vor einigen Tagen in einer Versammlung des katholischen BolkSvereins in Stuttgart der Abg. Dr. Porsch. An­knüpfend an den Vorwurf, den ein liberales Blatt dem Mainzer Katholikentage gemacht hatte, daß derselbe die Militairfrage nicht berührt habe, bemerkt er Folgendes: „Unsere General-Versammlungen sind keine General- Versammlungen einer politischen Partei; sie behandeln nur kirchliche Interessen, allerdings auch öffentliche, politische Interessen, soweit diese unser kirchliches In­teresse berühren. Sodann: was weiß man denn Sicheres über diese Militair-Vorlage? Die Zeitungen erörtern schon seit Monaten die Fragen, ob eine solche kommt, wann sie kommt, war sie bringt. Demgegenüber be­wahren wir vom Centrum kaltes Blut, und wenn sie kommt, werden wir sie objektiv prüfen, und wir hoffen, daß die Vertreter des katholischen Volker eiumüthig zu der gleichen Stellung gegenüber der Vorlage kommen werden. Bis dorthin mögen sich die liberalen Blätter beruhigen. Wie auch die Vorlage, wie auch unser Entschluß über dieselbe lauten wird, von Einem bin ich freilich überzeugt: daß die Gegner deS CentrumS wieder sagen werden, daß wir unendlich thöricht ge­handelt hätten. Aber ebenso bin ich davon überzeugt, daß daS katholische Volk nach wie vor treu zu Denen halten wird, die es in den Reichstag entsandt hat."

* Mit Auflösung des Reichstages wird von einer „hochgeschätzten bestunterrichteten" Seite in der ,Hess. Morgenztg.' gedroht, falls die Militärvorlage abgelehnt werde. Der Kaiser sei von der Rothwendig- keit einer erhöhten Militär-Präsenzziffer vollkommen überzeugt. Die Aufbringung der „allerdings sehr hohen Kosten" der Vorlage solle nach der Annahme thunlichst bald gesetzlich geregelt werden. Ob die hochgeschätzte Seite wirklich meint, mit solchen Droh­ungen Eindruck machen zu können? WaS soll dieselbe überhaupt jetzt, wo außer den Eingeweihten noch kein Mensch weiß, was die Vorlage bringen wird, also auch von einer ^endgültigen Entscheidung der ReichS- tagSmttglieder über Annahme oder Ablehnung noch keine Rede sein kann?

* Der Generaladjutant des Kaisers, General der Infanterie von Werder ist, wie auch in früheren Jahren, einer Einladung deS Kaisers von Rußland zu den großen Herbstjagden bei Spala im General- Gouvernement Warschau gefolgt und gestern dahin abgereist.

1 Der .Staatsanzeiger' veröffentlicht amtlich die erfolgte Bestätigung des Professor Dr. Virchow zum Rektor der Berliner Universität für das Studienjahr 1892/93.

* Wie der Ausführungskommission des deutschen Anttsklavereikomitees aus Bagamoyo gemeldet wird, liegt Dr. Baumann mit einer Speerwunde im Unter­schenkel krank auf der Missionsstation Nasa am Speke- golf des Viktoria Nyanza, daher sind die Expeditionen unter Graf Schweinitz, Meyer und Spring, deren Ab­marsch von Tabora im Anfang August erfolgen sollte, noch dort verblieben und werden voraussichtlich ers Anfang Oktober zum Viktoriasee weiter marschiren.

* Der sozialdemokratische Parteitag, welcher im Oktober in Berlin stattfinden sollte, ist bis zum April 1893 vertagt worden.

* Das herrenlose zwischen Herero und Owamboland innerhalb der deutschen Interessensphäre in Südwest- Afrika gelegene Gebiet ist unter den Schutz des deut­schen Reiches gestellt worden.

* Gestern Abend ist hier an den Folgen einer im Hinterland von Togo zugezogenen Darmrrkrankung der zum Auswärtigen Amte kommandirte württembergische Hauptmann Kling, ein um die afrikanische Forschung verdienter Mann, gestorben.

* Nach dem Jahresberichte der Verbands der Erwerbs- und Wirthschaftsgenossenschaften hat sich die Zahl der Genoffenschafte» überhaupt seit dem In- kraftreten des Gesetzes vom 1. Mai 1889, welches die beschränkte Haftung zuläßt, um etwa 2000 gehoben; davon sind über 1000 Genossenschaften mit beschränkter Haftung errichtet.

* In Stettin sind amtlich 2 neue Cholerafälle zur Meldung gekommen; dieselben betreffen 1 Arbeiter und 1 Kind, welche beide starben.

* In Hamburg sind von gestern Mittag bis heute Mittag 306 Cholera-Erkrankungen und 128 Todes­fälle gemeldet; davon entfallen auf gestern 222 Er­krankungen und 98 Todesfälle. Die Transporte betrugen gestern 167 Kranke und 53 Leichen.

* Die Hamburger Bürgerschaft hat den Antrag des Senats auf Bewilligung von 1 Million Mark zur Beseitigung der durch die Cholera entstandenen und entstehenden Kosten einstimmig angenommen, ebenso einen Antrag Woermanns auf Einsetzung einer gemischten Kommission zur Prüfung der sanitären Verhältnisse Hamburgs, insbesondere der Trinkwasserftage.

* In Wandsbeck sind von vorgestern Abend bis gestern Nachmittag 4 Erkrankungen und 1 Todesfall gemeldet worden. Außerdem sind 3 Personen einer Familie, in der wiederholt Cholerafälle vorgekommen sind, als choleraverdächtig zur Beobachtung ins Kranken­haus geschafft worden.

* Kevelaer, 14. Sept. Durch eine Verfügung vom 11. d. M. läßt der Herr Regierungspräsident von Düsseldorf bekannt geben, daß er mit Rücksicht auf die drohende Choleragefahr und im Hinblick auf den in Cleve amlich festgestellten Fall asiatischer Cholera die betheiligten Herren Bischöfe gebeten habe, dabin zu wirken, daß Wallfahrten aus ihren be­treffenden Diözesen bis auf Weiteres unterbleiben. In Kevelaer selbst sollen Prozessionen ferner nicht ab­gehalten werden. Seit der diesjährigen Eröffnung der Wallfahrt und des 250jährigen Wallfahrts-Jubiläums sind im Ganzen 269 Prozessionen eingezogen und haben 154,000 Pilger hier die hell. Communion em- ifangen. Von nun ab wird statt des täglich bewegtm Lebens große Stille eintreten. Der Gesundheitszustand ist hier ein vollständig normaler.

* DaS Befinden des verunglückten Prinzen Hermann zu Scha»mb«rg-Lippe ist andauernd besorgnißerregend; seit gestern ist keine Besserung eingetreten.

Ausland.

* Die österreichischen Kaisermanöver sind zu Ende. Bei denselben wurden u. A. zum ersten M<üe rauchschwaches Pulver auch von der Artillerie ver­wendet. — Der künftige Thronfolger der österreichisch­ungarischen Monarchie, Erzherzog Franz Ferdi­nand d'. Este, deffen Verlobung mit der jüngsten Tochter deS Königs von Belgien kürzlich in Aussicht

gestellt wurde, wird zunächst eine Weltreise antteten, für welche von Mitte Dezember ab elf Monate in Aussicht genommen sind. Die Reise soll gleichzeitig dazu dienen, dem überseeischen Handel Oesterreichs einen neuen Impuls zu geben. Sie geht über Ost­indien, China, Japan, Australien und Nordamerika, woselbst ein Besuch der Chicagoer Ausstellung erfolgen soll.

* Pest- 15. Sept. Dem Magyar Hirlap' zusolge ist der bekannte Bauernführer Ranco Pasitsch mit 300 radikalen Bauern in die Gemeinde Stopanij (Serbien) eingedrungen, von den Radikalen mit den Rufen: Hoch die Radikalen! Hoch Pasitsch! empfangen. Die Radi­kalen schlossen sich dem Zuge, mit . Gewehren und Hacken bewaffnet, an. Das Gemeindehaus wurde hierauf gestürmt, der Richter erschlagen, die Liberalen beschimpft. Die Regierung hat Truppen entsendet.

* Antwerpen, 15. Sept. Eine leichte Zunahme der Seuche ist bemerklich. Etwa zehn neue Erkrankungs­fälle sind vorgekommen, darunter mehrere in der Stadt selbst. Zwei Kinder und ein Schiffer auf Fahrzeugen, owie ein Arbeiter in einem Kaffeehause sind gestorben.

* Auch die französischen Manöver sind jetzt zum Abschluß gelangt, nachdem Präsident Carnot persönlich bei Poitiers die Schlußparade abgehalten. Das Haupt­moment der Manöver bildete die Theilnahme von Soldaten der Territorialarmee, deren Haltung als be­friedigend beurtheilt wird.

* Rom, 14. Sept. Zum General der Jesuiten soll in dem Kapitel, das im September stattfindet, der Spanier P. Martin gewählt werden. Die Gesellschaft zählt gegenwärtig 13,000 Mitglieder. Gerüchtweise verlautet, das allgemeine Ordenskapitel werde in Eng­land abgehalten werden und zwar anscheinenö in London oder dessen nächster Umgebung. — Eine Versammlung von Delegirten sämmtlicher Trappistenklöster der Erde wird am 1. Oktober im großen Saale des ftan- zösischen Seminars in Rom stattfinden. Zweck dieser Versammlung ist eine wichtige Aenderung m der Ober­leitung des Ordens. Bisher waren die Trappisten jeden Landes unabhängig und standen nur unter der Leitung des Generaloberen ihrer Nation. In Zukunft soll die Leitung des gesammten Ordens einem General über­tragen werden, welchem die Generaloberen der ver­schiedenen Rationen untergeordnet find. Mehr als 60 Delegirte werden der Versammlung beiwohnen. — Der römische Obergerichtshof hat den Mörder deS Bischofs von Foligno zu lebenslänglichem Zellengefängniß verurtheilt. ES ist dies die größte zulässige Sttafe.

* Der bisherige russische Finanzminister Wyschne- gradske ist jetzr endgültig au« seinem Amte geschieden. Er bleibt Mitglied des Reichsraths. Zum Verweser des Finanzministeriums ist der Verweser des BerkehrS- MinisteriumS Witte ernannt worden.

* Die englischen Missionare in Moshi am Kili- mandjaro, denen Schuld gegeben wird, den Häuptling Meli gegen die Deutschen aufgehetzt zu haben, haben nach der Wiederbesetzung der Kilimandjaro - Station durch die deutsche Schutztruppe eS für zweckmäßig ge­halten, das Feld zu räumen und sich freiwillig zurück- zuziehen.

Stadt, Provinz wd Dachbargebier.

Fulda, 17. September.

* Die diesjährigen Herbstferien in den Schulen dauern vom 25. September bis 9. Oktober.

ö Das Königliche Lehrer-Seminar Hierselbst war bislang nur im Besitz von zwei Orgeln. Dem dadurch bedingten Mangel einer beschränkten UebungS- zeit für 60 Zöglinge wurde zwar seit einem Jahre schon in der Weise begegnet, daß man mit Genehmi­gung des Herrn Dompfarrers die Orgel der Kapelle des vorstädtischen Kirchhofes mitbenutzte. Nunmehr hat jedoch der Herr Unterrilbtsminister den Antrag deS Hrn. Seminardirektors Dr. Ernst dahier genehmigt und die Mittel zur Beschaffung einer dritten Uebungsorgel bewilligt. Die Aufstellung derselben wird baldigst er­folgen, und eS dürfte alsdann die Fuldaer Lehrer­bildungsanstalt in erhöhtem Maße dem kirchlichen Be- dürfniß Rechnung tragen können.

* Dem Bericht der ,Han. Ztg.' über die Straf­kammersitzung des Landgerichts Hanau entnehmen wir Folgendes:

Im Februar d. I. wurde gegen einen Barbiergehilfen aus Fulda Anklage erhoben, er habe am 23. August v. I. seinem Prinzipal einmal 30 Pfg., die er von einem Kunden für Haar­schneiden und Rasiren erhalten, nicht adgeliefert und dann noch sich 50 Pfg. rechtswidrig angeeignet. Ferner wird ihm zur Last