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JV 212 Freitag, den 16. September 1892. 19. Jahrgang

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___ „ Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 *Bf, dei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

DMtteljichrlicher Abonnementsprei- ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 60 Pfennig.

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aW Bestellungen "HWE

auf die

,Fuldaer Zeitung'

für das am 1. Oktober beginnende

4. Guartal 1892

wolle man nicht bis auf die letzten Tage des laufenden Monats verschieben, damit uns dieselben rechtzeitig über­mittelt werden fennen und prompte Zusendung ermög­licht wird.

Der Post-Abonnementspreis auf die .Fuldaer Zeitung' mit der illustrirten Sonntagsbeilage = Sterne und Slumen = beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. ercl. Be­stellgeld.

SMP* Reu zugehende Abonnenten erhalten die Zeitung nebst der Sonntagsbeilage gegen Einsen­dung der Post-Quittung bis Ende September gratis.

* Don der katholischen Kresse.

Die katholiiche Presse in Deutschland hat gar schwere Tage durchkämpfen müssen, bis sie es zu der Geltung gebracht, deren sie nun bei Freund und Feind sich zu erfreuen hat. Noch 1867 konnte der damalige Heidel­berger Privatdozent und fetzige Nachfolger Hase's in Jena, Professor Friedrich Nippold, einer der schneidig­sten Gegner der Katholiken, in seinem Handbuch der neuesten Kirchengeschichte (S. 200) mit einer Art mit- leidigen Lächelns auf die „Kleinmacht" der katholischen Presse verweisen, indem er schrieb:

„Größere katholische Zeitungen gibt es nur wenige über ein Dutzend, darunter sind die bedeutendsten: die ,Augsburger Post­zeitung', das Mainzer Journal', der .Badische Beobachter', die .Kölnischen Blätter', das Aachener ,Echo der Gegenwart', der Münchener Volksbote' .... Eine Freiburger Broschüre („Die katholische Presse Deutschlands", Freiburg, Herder, 1861) hatte vor einigen Jahren den Aufschwung dieser verschiedenen Arten der katholischen Literatur mit glühenden Farben geschildert und große Hoffnungen darauf gesetzt. Ein Augsburger Katholik aber hat (in der Broschüre „Auch ein Wort über die kathol. Presse Deutschlands", Augsburg, 1861) im Gegensatz dazu daran erin­nert, daß den 1800 deutschen protestantischen Buchhandlungen nur 24 katholische gegenüberstehen, daß die Zahl der größeren protestantischen Zettungen die der katholischen um mehr als das Zwanzigfache übertrifft, und daß alle katholischen Blätter zusam­men kaum 60,000 Abonnenten haben."

Und jetzt? Statt der „nur 24 katholischen Buch­handlungen gibt es deren gegenwärtig im Deutschen Reiche allein gegen 200, die Zahl der größeren und kleineren katholischen Zeitungen hat sich seither min­destens verdreifacht und beträgt etwa drittehalb Hundert, die Abonnentenzahl aber hat sich vielleicht verzehnfacht. In Summa: Aus der verachteten und bespöttelten Kleinmacht der katholischen Presse ist wäh­rend des „Kulturkampfes" eine geachtete und gefürch­tete „Großmacht" geworden. Das ist eine Thatsache, mit der man sich auf der Gegenseite wohl oder übel abfindet.

Das verhängnisvolle Testament.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(88. Fortsetzung)

Lord Rylestone begnügte sich nicht mit halben Maßregeln. Er telegraphirte sofort an Mr. Beale, und als der höchst erstaunte Advokat anlangte, theilte er ihm die volle Wahrheit mit.

„Sie können mir keine Schuld beimesfen," sagte der Advokat. „Ich handelte in Miß Camerons Interesse und glaubte fest, meine Pflicht zu thun."

„Ich fürchte, daß Sie sie in den Tod getrieben haben", erwiderte Lord Rylestone und ließ dann auch die Haushälterin rufen.

„Die schuldlose Dame, die Sie verhaften ließen, die Sie zu Grunde richteten und dann in die weite Welt hinaus stießen — war meine Gemahlin - die Herrin des Schlosses", sagte er.

„Dann, Mylord," versetzte die unerschrockene alte Dame, „trifft Sie der schwere Borwurf, daß Sie der Welt diese Kunde vorenthalten haben."

Und Lord Rylestone mußte ihr vollkommen Recht geben.

Mr. Beale hörte ollen Erklärungen gespannt zu.

„Die Sache ist höchst seltsam, Lord Rylestone," sagte er, „aber Mr. Layston hatte eine teile Ahnung davon. Was mich anlangt, so beklage ich meine Ein-

Wenn aber auch bisher Vieles geschehen ist, so machen katholische Verleger nnd Redasteure bei ihrer Pionier-Arbeit für die Belebung der Grundsätze unserer Partei doch ost gar eigene Erfahrungen. Wie viele Katholiken, oder um die wunde Stelle genau zu be­zeichnen: wie viele Mitglieder des Klerus verkennen ihre bevorzugten Eigenschaften zur Förderung der katho­lischen Presse! Auf der einen Seite wagt sich der Kampf gegen Glauben, Sittlichkeit, Vaterlandsliebe und das wahre soziale Wohl des Volkes immer frecher und brutaler hervor; kein Tag vergeht ohne die infamsten Beschimpfungen und Verdächtigungen der bestgehaßten Gegner des Liberalismus und des Sozialismus: des Priesterthums; jede Absicht des Centtums wird ge­schmäht und entstellt, jede Freiheit der Kirche bedroht, alles, was uns verehrungswürdig ist, in den Koth ge- zogen. Auf der andern Seite drängen sich die Ermah­nungen der höchsten kirchlichen Autorität, die polittschen Führer, die Fraktionen; die Vereine wetteifern in den Hinweisen auf die Bedeutung und Unentbehrlichkeit der Partei-Presse, aber ein großer Theil der Angerufenen scheint zu schlafen. Kommt dann die Zeit der Ent­scheidung, die Wahlzeit, dann toerben die „Mängel der Organisation", der „geringe Einfluß der Presse" und weiß Gott welche Phantasie-Gebilde für die wohlverdiente Niederlage der Lauheit, Trägheit und Selbstgenügsam­keit in Anklagestand versetzt. Jeder Katholik, der die Gefahren seiner Zeit begreift, kann und soll hier nach Kräften wirken. Er wird nicht glauben, Wunders was gethan zu haben, wenn er vierteljährlich das Abonnement eines Centrumsblattes bezahlt hat, er wird es, so ost es ihm möglich ist, mit kleinen Nach­richten versehen, weil er weiß, daß der Redasteur nicht allwissend ist; er wird es an solche Gesinnungs-Genossen weiter geben, welche im alten Schlendrian noch ein liberales oder rothes Schandblatt unterstützen. DaS ist das Mindeste, was man von Jemandem verlangen muß, der darauf Anspruch macht, Verständniß für die rech­ten Mittel zur Erreichung großer und gebotener Zwecke zu besitzen.

Unseres hl. Uaters Leo XIII. Rundschreiben über den hl. Rosenkranz.*)

Den ehrwürdigen Patriarchen, Primaten, Erzbischöfen, Bischöfen und den übrigen Ordinarien, welche mit dem Aposto­lischen Stuhle Frieden und Gemeinschaft unterhalten, entbietet Papst Leo XIII. Gruß und Apostolischen Segen!

So oft sich die Gelegenheit bietet, die Liebe und die Ver­ehrung der großen Gottesmutter in dem christlichen Volke anzu­fachen und zu vermehren, werden Wir von wunderbarer Wonne und Freude erfüllt, da es sich um eine Sache handelt, die nicht nur an sich ganz vorzüglich und in vielfacher Beziehung frucht­bringend ist, sondern die auch mit den innersten Empfindungen Unseres Geistes sich in lieblichem Einklänge befindet. Unsere Liebe zur allerseligsten Jungfrau Maria, die Wir gewissermaßen mit der Muttermilch eingesogen, wuchs kräftig mit den Jahren und befestigte sich im Geiste: denn immer klarer erschien es dem Verstände, wie sehr diejenige der Liebe und Ehre würdig war, welche Gott zuerst geliebt und zwar so geliebt hat, daß er sie über die Allgemeinheit der Dinge erhob, mit den reichsten

*) Uebersetzung der,Germania'.

Mischung in diefe Angelegenheit unendlich und werde mein Möglichstes thun, um mein Unrecht wieder zu sühnen. Daß Lady Rylestone den Inhalt des Testa­ments zu kennen wünschte, war ja höchst begreiflich; leider ist ihr Wunsch nur auf Kosten ihres Seelen­friedens erfüllt."

Lord Rylestone drang darauf, daß der ganze Haus­stand von dem wahren Sachverhalt unterrichtet werde.

„Es darf auch nicht der leiseste Schatten auf ihren Ruf fallen," sagte er. „Die ganze Welt soll erfahren, daß sie meine Gemahlin ist und daß ich ihr eine ge­heime Klausel des Testaments versckwieg, die sie nun selbst zu erforschen unternahm. — Jedermann soll wissen, daß sie den Geldschrank nach dem Testament durchsuchte und nachher, um meinen Namen zu schonen, lieber den schweren Verdacht des Diebstahls auf sich nahm."

Margarita wurde also nach jeder Richtung hin gerechtfertigt und verwandelte sich dadurch in den Augen der Leute bald aus einer Verbrecherin in eine Heldin. Sie erinnerten sich nun plötzlich wieder ihrer großen Schönheit und ihres majestätischen, anmuthigm Wesens und erklärten, daß sie sie stets für eine vor­nehme Dame gehalten hätten. Jetzt, da Alles zu spät war, wußten sie zahllose, liebenswürdige, herzgewinnende Eigenschaften von ihr aufzuzählen.

Wo aber war sie nun? Das war die Frage, die

Gnadengaben schmückte und sich zur Mutter auserkor. Zahl­reiche und glänzende Beweise ihrer Güte und Wohlthättgkett gegen Uns, an welche Wir Uns mit höchstem Dank und nicht ohne Thränen erinnern, haben diese Verehrung in Uns noch mehr gepflegt und fachen dieselbe stärker an. Während der zahl­reichen wechselnden stürmischen Ereignisse, die Wir erlebt haben, haben Wir nämlich immer zu ihr Unsere Zuflucht genommen, stets haben Wir zu ihr mit gespannten und flehentlichen Blicken emporgeschaut. Hoffnung und Furcht, Freude und Bitterniffe haben Wir ihrem Herzen anvertraut und es Uns beständig an­gelegen sein lassen, an sie die Bitte zu richten, sie möchte wie eine Mutter stets um Uns sein und Uns auch die ausgezeichnete Gnade erflehen, daß Wir ihr Unsererseits die Ergebenhett eines Sohnes bewiesen. — Als Wir dann durch den geheimen Rath­schluß der Vorsehung zu dem Stuhle des hl. Petrus erhoben wurden, und Uns die Aufgabe zufiel, Christi Person in dessen Kirche zu vertreten, da richteten Wir in Anbettacht der unge­heuren Schwierigkeit dieser Aufgabe und der Unzulänglichkeit Unserer Fähigkeiten um so dringendere Gebete an ihr mütter­liches Herz, und Unsere Hoffnung — die Seele trägt Verlangen danach, es offen auszusprechen — ist nie getäuscht worden; die Ereignisse sind nämlich sowohl sonst im Leben als auch besonders während der Apostolischen Amtsführung stets so ausgefallen, daß Wir Nutzen und Linderung davon hatten. Daher erhebt sich diefe Unsere Hoffnung jetzt, um durch ihre HUfe und Vermitte­lung noch mehr und Größeres zu erbitten, was ebenso sehr ge­eignet ist, der christlichen Gemeinschaft zum Segen zu gereichen als zum glücklichen Zuwachs des Ruhmes der Kirche beizutragen. — Es ist daher richtig und zeitgemäß, ehrwürdige Brüder, daß Wir Unseren gesammten Söhnen durch eure Ermunterung gewiffe Anregungen geben, damit sie den nächsten Monat Oktober, der unserer Herrin und erhabenen Königin vom hl. Rosenkränze ge­weiht ist, mit einem lebhafteren Aufwand von Frömmigkeit zu feiern bemüht sind, wie das die immer schwereren Nothstände erfordern.

Ueberklar schon ist es, mit wie vielen und mit welchen Arten der Berderbniß die Niedertracht des Jahrhunderts in trügerischer Weise darnach strebt, den christlichen Glauben und die Beobachtung des göttlichen Gesetzes, welche denselben nährt und Früchte tragen läßt, zu schwächen und vollständig aus den Seelen zu reißen. Schon liegt der Acker des Herrn stellenweise fast ganz verwildert da, da sich auf demselben die Unwissenheit der Glaubenswahrheiten, die Jrrthümer und die Laster brett machen, und erweist so den Eindruck, als ob er von einer ekel­haften Seuche heimgesucht wäre. Bitterer aber noch ist der Ge­danke, daß Diejenigen, welche das thun konnten und hauptsäch­lich sollten, weit entfernt, einer fo anmaßenden und schädliche« Gottlosigkeit Zügel anzulegen oder dieselbe mit gerechten Strafen zu belegen, durch ihre Saumseligkeit oder gar Begünstigung die Anmaßung derselben noch zu steigern scheinen. Daher hat man alle Ursache, es schmerzlich zu empfinden, daß die öffentliche» Lehrstühle der Wissenschaften und Künste mit Absicht so einge­richtet sind, daß der Name Gottes in denselben gar nicht oder nur tadelnd genannt wird; es ist schmerzlich zu empfinden, daß alles für den Gottmenschen und die Kirche Schmachvolle, sei es in Schriften, sei es in Reden, ungestraft bleibt; nicht weniger ist auch die bei vielen eingetretene Gleichgiltigkeit und Träghett in Bezug auf das Bekenntniß des katholischen Glaubens zu be­klagen, welche, noch nicht mit dem Abfall vom Glauben gleich­bedeutend doch auf abschüssiger Bahn zu demselben hinführt, da dann auch die Einrichtung des Lebens mit dem Glauben sich nicht mehr in Einklang befindet. Wer in sich bedenkt, wie sehr die höchsten Interessen verkannt werden und darniederliegen, dem wird es wahrhaftig nicht wunderbar erscheinen, wenn zahlreiche Völker unter der strafenden Hand Gottes erseufzen und in banger Sorge noch schwerere Trübsal befürchten.

(Fortfetzuna rötet. ।

Deutsches Keich

Ber' in, 15. September.

* Die Einberufung des Reichstags und Land­tags für November steht der .Nationalzeitung' zufolge

sich, nachdem ihr guter Ruf wieder hergestellt war, Allen aufdrängte, und es hatte Keiner eine Antwort dafür. Von dem Augenblicke an, wo sie Mr. LaystonS HauS kalt, theilnahmsloS und wie versteinett verlaffen hatte, war Lady Rylestone ganz spurlos verschwunden. Niemand hatte sie gesehen, Niemand etwas von chr gehört. Miß Cameron hatte vielfache, aber ganz erfolg­lose Nachforschungen angestellt und es mußte nun Alles daran gesetzt werden, Lady Rylestone ausfindig zu machen. DaS war aber leichter gesagt, als gethan. Lord Rylestone unterzog sich indeß der Aufgabe mit unermüdlichem Eifer.

Nach und nach fing aber auch er an, an feinem Erfolg zu verzweifeln.

„Ich fürchte daS Schlimmste," äußerte er eines Tages zu Mr. Beale. „Wäre sie gesund am Leben, fo hätte sie nimmermehr Unterlasten, sich meinen letzten Brief vom Postamte zu verschaffen. Mein Herz hegt die ernstesten Befürchtungen."

Und er chatte dazu allerdings begründete Ursache. Seit dem verhängnißvollen Morgen, wo Lady Ryle­stone aus ihren Augen verschwand, waren nun bereits mehr denn sechs Wochen verflossen. Seitdem hatte man auf allen Eifenbahnstattonen und in allen Städten und Dörfern der Umgegend die genauesten Nachforschungen nach ihr angestellt, aber nirgends eine befriedigende Auskunft erhalten. Lord Rylestone hatte dem lieber«