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Keo XIII. über die Mainzer SathoiiKen- Dersammlung.
* Seine Eminenz der Kardinal-Staatssekretär Ram- polla hat dem Hochwürdigsten Herrn Bischof von Mainz das nachstehende Schreiben des Heiligen Vaters mit der Ermächtigung übersandt, dasselbe der Oeffent- lichkeit zu übergeben:
Ehrwürdiger Bruder, Gruß und Apostolischen Segen.
Was Uns von der feierlichen General-Versammlung der Katholiken Deutschlands, welche jüngst in Mainz abgehalten wurde, berichtet wird, hat Uns hocherfreut. Wir erkennen nämlich, daß der Eifer der zahlreichen und hervorragenden Männer, welche zu ihr aus ganz Deutschland sich zusammenfanden, der Erhabenheit der Sache entsprach und daß dieselben mit vollständiger Einmüthigkeit die Beschlüsse gefaßt haben, welche die Wahrung Unserer Freiheit und Würde sowie die Förderung der mit der Wohlfahrt und dem wahren Gedeihen des Staates unzertrennlich verbundenen katholischen Sache bezwecken. Es gereicht Uns dieses zur Linderung der bittern Leiden, die Wir zu erdulden haben und überzeugt Uns aus Neue von der religiösen Standhaftigkeit und Festigkeit, durch welche die Gläubigen Deutschlands sich längst Uns undUnsern Vorgängern empfohlen haben. Wir wollten darum das Gefühl der Freude, das Wir daraus schöpfen, Dir zu erkennen geben, damit es durch Deine Vermittelung Allen bekannt werde, welche an der Mainzer Versammlung theilnahmen. Wir wissen ja, daß es ihnen angenehm sein wird, wahrzunehmen, daß ihrem gemeinsamen Vater in dieser schweren Zeit aus ihrer Pietät ein nicht geringer Trost erwachsen ist. Dieser Trost wird noch gesteigert durch die freudige Hoffnung, die Wir hegen, es werden aus dieser Versammlung die reichsten und heilsamsten Früchte hervor-? gehen und dieselbe werde in hohem Maße dazu beitragen, daß die deutschen Katholiken, immer fester in Geist und Kraft verbunden, den Werken sich widmen, welche dem von ihnen bekannten Glauben entsprechen. Auf daß aber diese Früchte in um so größerer Fülle erwachsen, erflehen Wir für die Mitglieder der Versammlung, ihre Beschlüsse und Arbeiten den gnädigen Beistand Gottes, dessen Unterpfand der Apostolische Segen sein möge, den Wir Dir, ehrwürdiger Bruder und den übrigen Mitgliedern dieser Versammlung, sowie dem gesammten Klerus und Volke Deiner Diözese liebevollst im Herrn ertheilen. Gegeben zu Rom bei St. Petrus am 6. September 1892, im fünfzehnten Jahre Unseres Pontifikats. Leo P. P. XIII.
Das herrrliche Schreiben des hl. Vaters ist in erster Linie an die Theilnehmer des Mainzer Katholikentags gerichtet, denen damit eine neue Auszeichnung und eine neue Freude bereitet wird, eine Bereicherung ihrer schönen Erinnerungen an die 39. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands. Aber das ganze katholische Deutschland nimmt Theil an dieser Freude, wie es auch eingeschlossen wird in die ehrenvolle Anerkennung und das uneingeschränkte Lob, welches der hl. Vater nicht nur dem Mainzer Katholikentage son-
Das verhängmßvollc Testament.
Rach dem Englischen von H. v. Remagen.
(87. Fortsetzung.)
Er war so großmüthig, als er edel war und wurde sich klar, wie tief verletzend ihr das Bewußtsein später sein mußte, darum kam er ihr sofort zu Hilfe.
„Kein Wunder, daß die Nachricht Sie tief erschüttert hat," sagte er. „Ich war zu unüberlegt und rasch. Sie wissen ja nichts von der Geschichte meines Herzens; verzeihen Sie mir. Ich hätte mir selbst sagen müssen, daß diese überraschende Mittheilung Sie erschrecken mußte. Setzen Sie sich und hören Sie mich ruhig an."
Er zog sie sanst auf einen Sessel nieder und blieb vor ihr stehen. Seine Augen mieden ihr bleiches, schmerzzuckendes Antlitz, er wollte ihr Zeit zur Fassung lassen — und dann — so ruhig er aber in dem nächsten Augenblicke scheinbar vor ihr stand, so tief erschüttert war er dennoch von der Entdeckung, daß Adelaide Cameron ihn liebte.
Sie erholte sich langsam, ihre Lippen rötheten sich wieder, die mädchenhafte Reinheit und der weibliche Stolz kamen ihr endlich zu Hilfe.
„Ich war im Augenblicke wirklich sehr erstaunt und erschreckt," sagte sie.
Aber diese Worte waren nicht mit dem Tone ihrer
dein überhaupt der „religiösen Standhaftigkeit und Festigkeit" der Katholiken Deutschlands spendet, von denen er hofft, daß sie „immer fester in Geist und Kraft verbunden, den Werken sich widmen, welche dem von ihnen bekannten Glauben entsprechen."
Es ist zwar nicht das erste Mal, daß der hl. Vater der Glaubenstreue und der Einigkeit der Katholiken Deutschlands Lob und Anerkennung zollt, daß er ihre Standhaftigkeit und Festigkeit rühmt, „durch welche sie sich ihm und seinen Vorgängern längst empfohlen haben", daß er die Hoffnung und das Vertrauen ausspricht, die deutschen Katholiken würden auch fernerhin in wachsender Einigkeit und Stärke ihren Glauben bethätigen. Selten aber hat der hl. Vater sein uneingeschränktes Lob in so warme herzliche Worte gekleidet, als in dieser hocherfreulichen Kundgebung über den Mainzer Katholikentag, und wir erinnern uns keines Vorganges, daß aus dem erhabenen Munde des gegenwärtigen obersten Hirten der katholischen Kirche einem anderen katholischen Volke in so herzlicher und inniger Weise, so voll und uneingeschränkt Lob und Liebe, Anerkennung und Vertrauen zu Theil geworden ist.
Umsomehr dürfen die Katholiken Deutschlands dieser herrlichen Kundgebung des hl. Vaters sich freuen, als gerade in Rücksicht auf den Mainzer Katholikentag der hl. Vater selbst und die deutschen Katholiken Seitens der Gegner in so schmählicher Weise angegriffen und verleumdet worden sind. Ist doch die Niedertracht unserer Gegner so weit gegangen, zu behaupten, der hl. Vater habe seine Liebe und sein Vertrauen den deutschen Katholiken entzogen und den französischen Katholiken zugewendet, mit der „platonischen" Resolution über die römische Frage werde man sich in Rom nicht zufriedenstellen, der Papst sei eine „Verlegenheit für das Centrum" u. s. w. Allen diesen Angriffen und Verleumdungen ist jetzt durch das Schreiben des hl. Vaters gründlich der Boden entzogen und die Hydra der Lüge vernichtet. Was werden unsere Gegner jetzt ersinnen und erfinden, wenn sie der Wahrheit nicht die Ehre geben wollen? Inzwischen wollen wir uns der Anerkennung, der Liebe und des Vertrauens von höchster kirchlicher Stelle dankbar erfreuen und auch fernerhin der Achtung und Liebe des hl. Vaters uns würdig erweisen als treue Söhne unserer hl. katholischen Kirche im Glauben und in der That.
Deutsches Keich.
Berlin, 13. September.
* Dem kaiserlichen Hause ist, wie schon telegraphisch gemeldet, heute große Freude zu Theil geworden: I. Maj. die Kaiserin wurde heute früh 3^ Uhr von einer gesunden, kräftigen Prinzessin entbunden. Salutschüsse verkündeten einige Stunden später das glückliche Ereig- niß den Einwohnern der Sommer-Residenz der kaiserlichen Familie. Dort wie in Berlin schmückten sich bald die öffentlichen und viele Privat - Gebäude reich mit Flaggen. Der Kaiser selbst setzte die abwesenden Mitglieder seiner Familie, wie die Verwandten und
Stimme gesprochen,, der Klang war zu schmerzlich für eine menschliche Stimme, man hätte ihn eher für den Stoßseufzer einer letzten Hoffnung halten können.
„Nun erzählen Sie mir."
„Wie hieß die Dame, die sich bei Ihnen aushielt?" fragte er.
„Margarita Ayenel," erwiderte sie.
„Und sie war groß und erinnerte in ihrer Erscheinung lebhaft an jene Gestalt dort mit dem südlichen Antlitz voll Feuer, Leidenschaft und Anmuth; sie hatte Augen wie Blumen, die durch den feuchten Thau hindurch lächeln, und einen Mund wie eine eben erschlossene Rose."
„Sie schildern sie ganz richtig," erwiderte sie ernst.
„Dann ist sie mein Weib, mein theurcs Weib — meine Margarita, die ich verloren habe! Seien Sie behilflich, sie wiederzufinden, Miß Cameron, und ich will Ihnen dafür inniger als für die Errettung meines Lebens danken!"
„Sie Ihr Weib?" wiederholte die süße, melancholische Stimme — Margarita Ayenel Ihr Weib? Und was führte sie denn hierher?"
In der Erregung des Augenblickes kniete er vor ihr nieder, während er nach Worten rang, die ihr Alles erklären sollten und ihr bleiches Antlitz blickte erstaunt zu ihm herab.
„Ihr Weib?" wiederholte sie sanft. „Margarita
befreundeten Höfe von dem Freudenfall telegraphisch in Kenntniß, worauf im Laufe des Tages aus allen Richtungen der Windrose Glückwunsch-Telegramme einliefen. Die hohe Wöchnerin und die neugeborene Prinzessin befinden sich im besten Wohlsein. — Sechs Söhne und eine Tochter hat nunmehr die Kaiserin ihrem erlauchten Gemahl geschenkt: 1) Friedrich Wilhelm Viktor August Ernst, Kronprinz des Deutschen Reiches nnd Kronprinz von Preußen, geb. 6. Mai 1882. 2) Wilhelm Eitel- Friedrich Christian Karl, geb. 7. Juli 1883. 3) Adalbert Ferdinand Berengar Viktor, geb. 14. Juli 1884. 4) August Wilhelm Heinrich Günther Viktor, geb. 29. Januar 1887. 5) Oskar Karl Gustav Adolph, geb. 27. Juli 1888. 6) Joachim Franz Humbert, geb. 17. Dezember 1890; endlich 7) die Prinzessin vom heutigen Tage.
* Berlin ist andauernd cholerafrei. Der an der Cholera erkrankt gewesene Kaufmann Karpen aus Hamburg ist als völlig genesen aus dem Moabiter Krankenhause entlassen worden. Gleichzeitig wurden 5 Kranke, die als verdächtig beobachtet wurden, als gesund entlassen. Die Zahl der als verdächtig eingelieferten Kranken nimmt von Tag zu Tag ab; sie beträgt seit gestern nur noch fünf.
* Mit Rücksicht auf die infolge der Cholera eingetretene Abnahme des Personenverkehrs zwischen Berlin und Hamburg ist die Zahl der Züge auf der Strecke Berlin-Hamburg bis auf Weiteres erheblich eingeschränkt worden.
* Zur Verhütung der Gefahr der Weiterverbreitung der Cholera durch Quittungskarten hat das Berliner Polizeipräsidium im Einverständniß mit dem Vorstande der Jnvaliditäts- und Altersversicherungsanstalt Berlin Folgendes bestimmt: a) Solche in den Polizeirevieren eingehenden Quittungskarten, welche sich im Besitze von Personen befunden haben, die an der Cholera oder choleraartigen Krankheiten verstorben sind, sollen nicht aufgerechnet und eingesandt, sondern vernichtet werden, b) Quittungskarten, welche sich im Besitze von Personen, die an der Cholera oder cholera- artigen Erscheinungen erkrankt gewesen sind, selbst befunden haben, sollen gleichfalls vernichtet werden. Dieselben werden als unbrauchbar geworden behandelt und durch neue ersetzt.
* Die kaiserliche Kabinetsordre wegen Fortfalls der Kaisermanöver (13. und 14. Armeekorps) lautet nach dem Armee-Verordnungsblatt": „Ich finde Mich im Verfolg Meiner Ordre vom 5. September 1892 bewogen zu bestimmen, daß die diesjährigen großen Manöver vor Mir beim 14. Armeekorps, und diejenigen dieses Armeekorps gegen das 13. (Königl. Württem- bergische) Armeekorps gleichfalls in Fortfall kommen. Die Herbstübungen des 14. Armeekorps schließen mit den Divisionsmanövern ab. Die Formirung einer Reservebrigade bei diesem Armeekorps hat zu unterbleiben. Das Kriegsministerium hat hiernach das Erforderliche zu veranlassen. An das Generalkommando des 14. Armeekorps habe ich verfügt."
* Wie neuerdings gemeldet wird, wird nun doch
Ayenel ist Lord Rylestone's Gemahlin! Wie ist es möglich ? Wir sprachen so oft von Ihnen und ich erzählte ihr von Ihnen! Ja, sie schrieb sogar an Sie — jener verlorene Brief war von ihr geschrieben."
„Wenn sie ihn schrieb, so hat ihre Hand ihn auch vernichtet. Unbedingt hat sie ihn vor dem Abgänge wieder zu erlangen gesucht, denn sie konnte ihn unmöglich an mich absenden."
Plötzlich ging jene seltsame Scene mit Blitzesschnelle an Adelaiden's Erinnerung vorüber, jener zweite Brief, den Margarita schrieb, kam ihr wieder in's Gedächtniß und die Eile, mit der sie dem Boten nachgelaufen war. Jetzt war ihr Alles klar und sie staunte nun darüber, daß sich nicht früher schon ein Verdacht m ihr geregt hatte.
„Erzählen Sie mir nun ausführlich die Geschichte Ihrer Vermählung," sagte sie gefaßt, „dann erst habe ich ein rechtes Urtheil."
Sie hatte sich inzwischen beruhigt — wenn ihr Antlitz auch noch bleich war und ihre Lippen bebten, so hatte sie doch ihre Selbstbeherrschung vollkommen wieder erlangt.
Neben ihr knieend erzählte er ihr, die Augen fest auf ihr Antlitz geheftet, als ob Tod oder Leben für ihn von ihren Mienen abhinge, die Geschichte seiner Liebe für die junge Erzieherin und wie sie großmüthig widerstanden hatte.