vor einem Jesuitengymnasium. (Lebh. Beifall.) Wir vergessen dabei nicht, daß gegen eine Reihe von Schäden sofort Abhilfe verlangt werden muß Man spricht so ost von paritätischen Gymnasien; wie ist es aber mit der Parität, wenn an einem Gymnasium, das ich kenne, kein einziger katholischer Klassenlehrer ist; wenn ein überzeugungstreuer Katholik, wenn er nicht von selbst geht, möglichst bald gegangen wird? (Heiterkeit.) Wir haben Männer von Wissen, aber es fehlt vielfach an Männern von Charakter. Solche können nur erwachsen auf dem Boden fester Grundsätze, und diese nur auf dem Boden festen Glaubens. (Lebhafter Beifall.) d
Ständerach Bossy aus Freiburg i. d. Schweif! empfiehlt die neue katholische Hochschule in Freiburg, auf welcher demnächst auch eine medizinische Fakultät errichtet werde, dem Wohlwollen Deutschlands, daß sie von dort recht fleißig besucht werde.
Weiter sprach noch, wie bekannt, Herr Dr. Lieber über das Jesuitengesetz. Wir werden diese Rede in der nächsten Nummer unseres Blattes folgen lassen.
Am Montag Bormittag hielten die Präsides der kathol. Männer und Arbeitervereine unter dem Voisitze des Herrn Domkap tulars Velten - Köln im Saale des kathol. Männervereins eine Generalversammlung ab, um über den weiteren Ausbau und die innere Organisation der Arbeitervereine zu berathen. Diese Vereine zählen bereits 70,000 Mitglieder. Am Abend fand zu Ehren der Herren Präsides eine Fest- versammlung statt unter dem Vorsitze des Hrn. Vclten- Köln. Nach der Begrüßung der Anwesenden ergriff Herr Domprediger Win ter st ein - Würzburg das Wort zu einer längeren, herrlichen Rede über die soziale Stellung des Arbeiters. „Soldaten, ich brauche Euch!" habe einst der alte Napoleon gerufen, als er Spanien niederwerfen wollte. „Katholische Arbeiter, ich brauche Euch!", so ruft der hl. Vater den katholischen arbeitenden Männern zu, zur Ueberwindung des schlimmsten Feindes, des Unglaubens. Die Anmaßung, der frivole Stolz und die peifide Niedertracht haben Alles gepachtet. Auf dem Nährboden des Unglaubens ist die Idee der Freiheit zur Knechtung der freien Ueberzeugung und des Glaubens groß geworden, während das Streben nach Gleichheit hier so viel bedeutet wie Habgier und Genußsucht; daß da von wahrer Brüderlichkeit ebenso wenig die Rede sein kann, ist selbstverständlich, wie würden sonst die christlich gesinnten Arbeiter in den Fabriken von ihren ungläubigen Mitarbeitern gekränkt und tyrannisirt werden können. Redner ermuthigt die Männer, in dem Kampfe auszuharren und der Stimme des heiligen Vaters zu folgen, denn das wahre Glück und der Segen könne nur in der strengen Beobachtung der göttlichen Gebote gefunden werden. Gegen Schluß der Begeisterung weckenden Rede trat das Präsidium des Katholikentages in den Saal, mit lebhafter Freude von den Anwesenden empfangen. Herr Dr. Porsch begrüßte mit Freuden daß eine Mauer von katholischen Männern dastehe, thatkräfrig die Vertreter unseres Volkes zu unterstützen. Es sei herlige Pflicht, die kath. Männervereine nach Kräften zu fördern. — Alsdann hielt Herr Prof. Dr. Schädler-Landau eine kernige Rede. Er gab zunächst der freudigen Genugthuung Ausdruck, daß auch der alte Adel unter den Arbeitern erschienen sei. In markigen Zügen, oft von reichem Beifall unterbrochen, legte er dar, wie die soziale Frage hauptsächlich eine rein religiöse Frage sei, da der Begriff des Glaubens den Gegnern vollständig abhanden gekommen sei. Gottes Sohn habe den Fluch von der Arbeit hinweggenommen und die Arbeit zu Ehren gebracht, indem er sie selbst als seinen Berns ausgenommen habe. Nur wenn die Arbeit im christlichen Sinne als Sühne und als Würde erkannt wird, ist sie für jede Schichte der Gesellschaft auch deren Stolz. Wird das arbeitende Volk vor Unglauben bewahrt, so ist es in seinem Berufe glücklich und zufrieden. Herr Graf P r e y s i n g legte die Pflichten des Adels dar. Es sprachen ferner: Pfarrkurat Forschner, Nationalrath Decurtius, Professor Jansen-Utrecht, Pfarrer Link - Württemberg und Abgeordneter Dr. Hitze.
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Um auch den Mitgliedern des Katholischen Gc- sellen-Vereins eine Erinnerung an die General-Versammlung der Katholiken Deutschlands zu geben, veranstaltete dieser Verein am Montag Abend eine Fest- Versammlung im festlich geschmückten großen Saale des „Frankfurter Hofes". Erschienen waren Herr Domkapitular und General-Präses S. Schäffer aus Köln, Herr Stadtpfarrer A. Huhn aus München, zahlreiche geistliche Herren und Wohlthäter des Vereins mit ihren Damen, sowie eine überaus groß- Menge von Gesellen mit ihren Anverwandten, so daß der Saal bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war. Der Präfis des Gesellen-Vereins, Herr Pfarrer Hey der, nahm das Wort zu herzlicher Begrüßung und gedachte des Bischofs Wilhelm Emanuel, des Regens Moufang und Domdekans Heinrich, sowie des Pfarrers Klepper, denen der Gesellen-Verein so viel Gutes verdanke. In der Person des Hochw. Herrn Bischofs Paulus Leopold habe der Verein einen wahren Protektor bekommen, und auch eine große Zahl braver Gesellen sei ihm beigetreten, ein schönes, großes und schuldenfreies Ver- einshaus sei seit. Egenthum. Herr Stadl Pfarrer Huhn (München) wies auf den reichen Segen hin, der den Mitgliedern des Gesellen-Vereins zu Theil werde, wenn sie die vielen guten Anregungen nicht unbeachtet lassen.
Um den Handwerkerstand wieder zu einer achtunggebietenden Stellung zu erheben, müsse der Staat durch eine den Handwerkern wohlwollende Gesetzgebung, die letzteren selbst aber durch festen Zusammenschluß in Innungen sorgen. Kurzsichtig wäre es von den Handwerkern, etwa Hilf- von der Sozialdemokratie zu erhoffen, denn diese will nicht Abstellung der Roth, sondern ihre Vergrößerung. Zum Schluß richtete der Redner noch eine Ermahnung an die Frauen, das christliche Familienleben zu pflegen. Herr General- Präses Schäffer brachte Grüße von dem Grabe eines großen, unvergeßlichen Mannes, des Gesellenvaters Kolping. Dec Präsident des Katholikentages, Dr. Porsch, bekundete dem Gesellen - Verein seine vollste Sympathie und versprach, die Bestrebungen desselben zu fördern.
Deutsches Keich.
Berlin, 2. September.
* Dem freudigen Familiencreigniß in der kaiserlichen Familie sieht man, wie aus gewissen Vorbereitungen im Marmorpalais mit Bestimmtheit hervorgeht, Ende dieser oder Anfang nächster Woche entgegen.
* Der heurige Scdantag verlief stiller als sonst. Die Cholera ist im Lande und wenn sie auch nur an einem Punkte verheerend auftritt, so hat sie doch weit genug um sich gegriffen, um ernste Besorgnisse zu rechtfertigen. Cholerazeiten sind wenig dazu angethan, um Feste zu feiern, denn Veranstaltungen, welche einen größeren Zusammenfluß von Menschen im Gefolge haben, sind mit Rücksicht auf die Ansteckungsgefahr thunlichst zu vermeiden. Deßhalb sind ja auch vielfach Mesfen, Jahrmärkte, Kongresse u. dgl. aufgehoben oder hinausgeschoben worden. Für Berlin fehlte zudem zu Begehung des Tages der Ansporn, den sonst die Gegenwart dcs Kaisers gab. Früher fanden am 2. September die großen Herbstparaden auf dem Tempel- jofer Felde statt, die neuerdings zu einem früheren Zeitpunkte abgehalten werden.
* Seit gestern sind, abgesehen von dem Pottke- chen, 22 neue Erkrankunosfälle gemeld-t, doch ist bis etzt in keinem derselben asiatische Cholera festgestellt. Gestern wurden 13 der als choleraverdächtig in das Moabiter Krankenhaus Eingelieferten als gesund entlassen, darunter der Mann der verstorbenen Frau Frohnert. (Ein Gerücht, wonach auch Frohnert nachträglich erkrankt sei, scheint unbegründet). Dagegen ist in den gestern aus der Nachbarstadt Cbarlotten- >urg gemeldeten 3 Fällen asiatische Cholera festgestellt worden. Eine 79jährige Wittwe ist daran ge- torben.
* Dem Kaiserlichen Gesundheit«amte mitge- theilte Cholerafälle: Hamburg am 31. August 496 Erkrankungen, 181 Todesfälle. Regierungsbezirk Stade: am 29. August, Rotenburg 1 Todesfall; am 30. August Hechthausen (Kreis Neuhaus a. d. O.) und Götzdorf (Kreis Kehdingen) je 1 Todesfall, Freiburg (Kreis Kehdingen) 1 Erkrankung. — Regierungsbezirk Schleswig: Altona 30. August 27 Erkrankungen, 22 Todesfälle; im Kreise Stormarn: Wandsbeck 30. August 5 Erkrankung^, 1 Todesfall; Hinschenfelde 28. und 30. August je 2 Erkrankungen und 1 Todesfall, fodann am 30. August in Havighorst. Langenlohe, Hummelsbüttel, Bramfeld je 1 Erkrankung; Schiffsbeck 2 Erkrankungen, Poppenbüttel 1 Todesfall; Kreis Lauenburg: Stadt Lauenburg, am 30. August 15 Erkrankungen, 3 Todesfälle; Kiel 1 bezw. 1; Landkreis Kiel: Suchs- dorf 28 August 2 Erkrankungen, 29. August 3 Erkrankungen, 30 August 2 Todesiälle; Neumünster 30. August 1 Erkrankung; Kreis Pinneberg: Pinneberg und Elmshorn, 30. August je 1 Erkrankung; Kreis Steinburg: Lockstedt, Kreis Schleswig: Kappeln, Kreis Tondern: Insel Amrum, Kreis Oldenburg: Brodan und Cismar je 1 Erkrankung am 30. August. — Regierungsbezirk Lüneburg: am 30. August Stadt Harburg 2 Erkrankungen; Eckel, Kreis Harburg 1 Todesfall. auf der Elbe bei Artlenburg, Landkreis Lüneburg 1 Todesfall — Regierungsbezirk Potsdam: am 30. Angust Stadt Charlottenburg 1 Todesfall. — Regierungsbezirk Posen: Ruda, Kreis Krotoschin, am 30. August 1 Todesfall.
* Der .Staatsanzeiger' schreibt: Angesichts der drohenden Choleragefahr wird cs für weite Kreise von Interesse sein zu erfahren, daß die preußische Medizinal-Verwaltung schon seit längerer Zeit ernstlich mit den Vorarbeiten zu einem Scuchengesetzc für die Menschen beschäftigt ist. Auf Anordnung des Medizinalministers hat die wissenschaftliche Deputation für das Medizinalwesen bereits die Normen zu einer Desinfiktions-Ocdnung aufgestellt, und sie wird in der allernächsten Zeit die Regelung der Anzeigepflicht bei ansteckenden Krankheiten berathen. Nachdem alsdann noch die Grundsätze des Verk.hrs der Menschen bei solchen Krankheiten fistgestellt sind, wird das so gewonnene Material zu dem Entwurf eines Seuchengesetzes verarbeitet werden, welcher demnächst, die allerhöchste Genehmigung vorausgesetzt, den ges. tzgeben- den Faktoren, sei es im Reich, sei es in Preußen, zur verfassungsmäßigen Beschlußfassung vorzulegen sein würde.
* Der russische Minister des Auswärtigen, Herr von GierS, hat auf seiner Reise nach Italien
Berlin passtet, ohne daß ein Zusammentreffen zwischen ihm und dem deutschen Reichskanzler erfolgt wäre. Dagegen wird Herr von Giers, wie versichert wird, den Besuch des französsischen Ministers des Auswärtigen,' Ribot, entgegennehmen. Es wird nun zwar gesagt, daß, nackdem ein Vertreter für Herrn von Giers während dessen Abwesenheit ernannt worden sei, der Schwerpunkt der auswärtigen Politik Rußland's nach wie vor in P tersburg ruhe. In der That hat der Vertreter des Herrn von Giers, Geheimrath Schichin, bereits ein bemerkenswcrthes Lebenszeichen von sich gegeben, indem er den europäischen Kabinetten die Mit- theilung zugehen ließ, daß die von dem bulgarischen Blatte .Swoboda' veröffentlichten, angeblich von der russischen Regierung oder deren Vertreter im Auslande herrührenden Schriftstücke Fälschungen seien. Aber schließlich ist doch von Herrn von Giers, solange er ,m Amte ist. der Minister des Auswärtigen nicht abzutrennen. Er bleibt Minister, auch wenn er auf Urlaub ist, und wenn er m.t anderen Staatsmännern zusammentrifft, so ist sicherlich anzunehmen, daß er sich mit ihnen nicht bloß über das Wetter unterhalten wird.
* Der .Kuryer Pozn.' weist in einer Polemik gegen liberale Biälter, welche sich darüber den Kopf zerbrechen, welchen Gebrauch die Empfänger der Sperrgelder von denselben machen werden, darauf hin, daß die Konferenz der Bischöfe Deutschlands in Betreff der Spercgelder beschlossen habe: Es hätten die Benefizianten, welche derartige Gelder erhalten, zwar nicht die Pflicht, dieselben zu frommen Zwecken zu bestimmen, es zieme sich jedoch und sei eine Sache d:s Anstavd.'s, daß derjenige, der es könne, derartige Gelder zu solchen Zwecken verwende. Wie viele geistliche Bedürfnisse gebe es z. B. in der Erzdiözese Gnesen-Posen! Es möge dabei auf die Noth- wendigkeit eines geistlichen Konvikts, welches sich in der Hand der geistlichen Behörde befinde, und wo sich die künftigen Geistlichen bilden, hingewiesen werden; seit der Zeit, wo das Posener Alumnat (neben dem Mariengymnasium) aufgelöst worden, sei diese Angelegenheit sehr dringend, und mancher „Sperrgelder- Groschen" würde darin die beste Verwendung finden.
* Dem Bundesrathe werden bald nach seinem Wiederzusammentritt Gesetzentwürfe über die Abzahlungsgeschäfte und den Haufirhandel zugehen.
* Der preußische Minister des Innern soll die Bitte des Ausführungskomitees der Antisklavereilotterie um Genehmigung der Abhaltung einer zweiten Anti- fklapereilotterie abgelehnt haben.
* Die neueste Nummer der Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts enthält folgende Mittheilungen: In Hamburg lassen sich die ersten Erkrankungen an Cholera b-s zum 16. August verfolgen und betrafen fast ausschließlich solche Personen, welche am Hafen beschäftigt waren oder auf der Elbe verkehrten. Die Seuche ist höchstwahrscheinlich durch Auswanderer aus Rußland verschleppt worden, und zwar in der Weise, daß aus der für die Auswanderer erbauten Baracke die Schmutzwäsfer, welche von der Reinigung der Wäsche rc. herrührten, sowie die sämmtlichen Fücalien der Auswanderer undesinfizirt in den nahen Elbarm gelangten, was um so gefährlicher war, als in nicht erheblicher Entfernung die Wasserentnahme für die Wasserleitung der Stadt Hamburg stattfindet. Die geschilderte Emschleppungsart der Cholera ist durch die an Ort und Stelle im Auftrage des Kaiserlichen Gesundheitsamts von dem Geheimen Medizinalrath, Prof. Dr. Koch und Regiecungsrath Dr. Rahts gemachten Beobachtungen fast zur Sicherheit geworden.
* Hamburg, 1. Sept. Die gestrigen amtlichen Transportziffern, 369 Kranke und 223 Leichen, zusammen 592, erweisen eine erhebliche Abnahme gegen vorgestern (776 insgesammt, 508 Kranke und 268 Todte). Heute wird gleichfalls von den Aerzten eine Abnahme gemeldet. Die Zahlen der vorigen Woche erscheinen nicht zuverlässig. Der amtliche Wochenbericht des Medizinal-Jn- speklorats verzeichnet in der Woche vom 21. bis 27. August 2266 Erkrankungen, davon 852 für die innere Stadt, 380 für St. Georg, 273 für St. Pauli, 231 für die Vororte diesseits, 248 für jenseits der Alster, 247 für Borgfelde, Hamm und Horn. — Heute ist das Wetter wieder kühler: 16 Grad Reaumur, Wind und Regen. Die Brüderschaft des Rauhen Hauses forderte die Mitglieder des Verbandes der Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger auf, Hülfspfleger nach Hamburg zu schicken, da es an ausgebildetem Personal mangele.
Ausland.
* 3» Frankreich, namentlich in Paris, scheint die Cholera im Abnehmen begriffen zu sein. Auch in London ist fein weiterer Todesfall vorgekommen. Das Vorkommen von Fällen asiatischer Cholera in Italien wird entschieden dementirt. In Rußland wüthet die Cholera noch immer ungeschwächt; beginnt sie an einem Orte abzunehmen, so tritt sie dafür an anderen Orten neu auf. So ist die Seuche jetzt im Gouvernement Nowgorod neu aufgetreten. In Betreff der Opfer, die die Cholera in anderen Gouvernements noch immerwährend fordert, mögen die Zahlen sprechen: ES erkrankten resp. starben am 30. Aug. im Gouvernement Woronesch 582 bezw. 524, Samara 547 bezw.
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