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39. General-Dersammlung der Katholiken Deutschlands;u Main;.
* Mainz, 30. August.
Um 11 Uhr wurde im großen Saale des Frankfurter Hofes die
zweite geschloffene Generalversammlung eröffnet. Der Saal war überfüllt und die Hitze nahezu unerträglich. Die Versammlung beschäftigte sich mit dm Anträgen, die bereits in den Ausschüssen erledigt waren. Zunächst berichtete LegationSrath v. Kehler als Vorsitzender der Sektion für die römische Frage und empfahl den Antrag Graf Ballestrem, Frhr. v. Heereman und Gen., in welchem die auf früheren Generalversammlungen angenommene (im Wortlaut von uns schon mitgetheilte) Resolution erneuert wird. Der Antrag soll, wie Graf Ballestrem erläuterte, aussprechen, daß die Katholiken die territoriale Unabhängigkeit des hl. Stuhles für nothwendig halten, damit der Papst sein Hirtenamt ausüben kann in voller Freiheit und empfiehlt bei internationalen Streitigkeiten den Papst als Schiedsrichter. Der Antrag, den Graf Ballestrem in der öffentlichen Versammlung vom Donnerstag noch behandeln wird, fand einmüthige Annahme. Andere Beschlüsse der heutigen Versammlung betrafen die Vorbereitung für das 50jährige Bischofs-Jubiläum des hl. Vaters, die Unterstützung verschiedener Vereine und Bruderschaften, die Schulfrage (Forderung der konfessionellen Schule, Anerkennung des Rechtes der Kirche auf Ertheiluug und Leitung des Religions-Unterrichts, Unterrichts-Freiheit u. s. w.). In dec Ver- fammlung war auch der Dekan der theologischen Fakultät der freien katholischen Universität in Angers (Frankreich), Msgr. deKernaäret, anwesend, der in französischer Sprache über die freien Universitäten Frankreichs berichtete. Ein Antrag empfiehlt die weitere Gründung von katholischen Lehrervereinen, wobei Präsident Dr. Porsch den Wunsch aussprach, daß diese Vereine nirgends mehr bei den Landesregierungen Schwierigkeiten finden möchten.
Trotz der großen Hitze war auch die
zweite öffentliche Generalversammlung, die um 5 Uhr in der Stadthalle eröffnet wurde, sehr stark besucht. Der Hochw. Herr Bischof von Mainz war ebenfalls wieder anwesend. Ferner wohnte der Msgr. Petersen, Bischof von Emmaus, Weihbischof von Westminster, aus London der Versammlung bei. Derselbe wird morgen eine Ansprache halten. Heute sprach zunächst der hochw. ?.Horne, Superior der ostafrikanischen Missionen über die Missionen in Afrika, und berichtete über deren Erfolge. Die Väter vom hl. Geiste haben allein 11 apostolische V kariate; über 200 von ihnen haben bereits ihr Leben in Afrika geopfert. Jetzt pastoriren 483 Väter 5000 befreite Sklaven und 40,000 andere Katholiken, sowie zahlreiche Katechumenen. Im deutschen Gebiete haben die Väter vom hl. Geiste 8 Stationen. Redner schilderte die Erfolge und Schwierigkeiten der Mission unter den Negern und forderte schließlich zur Unterstützung des Afrika-Vereins auf. (Lebhafter Beifall.)
Das verhiingnißvolle Testament.
Nach dem Englischen von H. v. Remagen.
(77. Fortsetzung.)
„Habe ich Ihnen je ein Unrecht zugefügt?" fragte Margarita, ihr verstörtes Antlitz zu ihr erhebend.
„Ja, gewiß," war die kalte Antwort, „beim Sie täuschten mich und machten mich zum Opfer Ihrer List. Sie haben mich veranlaßt, das in mich gesetzte Vertrauen in gewisser Weise zu mißbrauchen, indem Sie mich dazu verleiteten, Sie in dem unter meiner Obhut befindlichen Schlosse herumzuführen. Ich wünschte, ich hätte die Sprache verloren, ehe ich Ihnen die Hälfte von dem, was ich Ihnen an jenem Tage mittheilte, gesagt hätte."
„Sie sind unbarmherzig," klagte Margarita.
„Ja, zu Ihresgleichen unbedingt. Sie haben sich in das Haus geschlichen und meine Herrin hintergangen — Sie haben ihr Vertrauen zu gewinnen gewußt, um daraus Ihren Nutzen zu ziehen, und schließlich waren Sie auf dem besten Wege, sie ihres Geldes und ihrer Juwelen zu berauben. Gegen Personm, welche wie Sie, voller Trug und List und Ränke sind, bin ich freilich unbarmherzig."
„Lassen Sie mich mit Miß Cameron selbst sprechen," sagte Margarita.
Von stürmischen Bravo's und Händeklatschen begrüßt , betrat alsdann der Reichstags - Abgeordnete Groeber die Redner-Tribüne. Er sprach über die Frage derMänner-Orden in der oberrheinischen Kirchen-Provinz. Von den 5 Diözesen der Prooinz entbehren 2 der Männer - Orden. Nur zwei Staaten überhaupt ließen keine Männer-Orden zu: Württemberg und Baden. Am besten seien die Ver-, hältniffe noch in Preußen, am schlechtesten in Baden (Pfui!) Die württembergische Gesetzgebung lasse zwar Missionäre zu, aber nach vollbrachter Arbeit müssen die Väter wieder die schwarz-rothen Grenzpfähle verlassen. Baden gestatte nicht einmal Missionäre. Eine Ausnahme von einem barbarischen Gesetze sei, daß Mönche in Nothfällen die Sakramente spenden dürften. Diese Ausnahme werde aber im Großherzogl. Baden durchaus nicht großherzig gehandhabt. Als eine Prozession aus Bayern mit einem leibhaftigen Kapuziner an der Spitze in Baden einbrach (Heiterkeit), wurde nach langem Ueberlegen gestattet, daß er den Bayern die Beichte abnehmen dürfe, aber bei Leibe nicht den Badensern. (Heiterkeit.) Das sei badisches Reservatrecht. (Heiterkeit.) Die badischen Staatsmänner, das müsse man ihnen lassen, seien konsequent bis zur Absurdität und Lächerlichkeit. (Heiterkeit.) Es sei doch ein wahres Glück, daß das Reich dem Staate Baden so viele hohe politische Sorgen abgenommen habe, denn so hätten die Herren Zeit, schwierige Fragen mit der erforderlichen Vorsicht und Accuratesse zu behandeln. (Heiterkeit.) Ein junger Mann habe in Triberg zur Primiz nur eine stille Messe halten dürfen. Hätte er auch gesungen! so würde das Credo in den Ohren der Herren zü Karlsruhe wohl zu sehr gesaust haben. (Große Heiterkeit.) In Hessen sei man weniger konsequent. Nur dieKran- kenpflegenden habe man hier zulassen wollen; wenn die Cholera komme, seien sie ry sehr angenehm.. (Sehr gut!) Aber in Wirklichkeit sei die Suppe nicht so heiß gegessen worden, man habe auch andere zugelassen. Sei es aber ein würdiger Zustand, daß sie zwar thatsäch- lich, aber nicht rechtlich sich dort aufhalten durften? Die Lage in den verschiedenen Ländern möchte er in die Verse zusammenfassen: In Preußen erträglich, in Hessen kläglich, in Württemberg traurig, in Baden schaurig. Sei es recht, daß man die Männer-Oröen mit Verfolgungs-Gesetzen bedrücke? Dürfe man ihre Rechte verachten, so hätten auch die Revolutionäre und Sozialdemokraten recht, die das Eigenthum angriffen.
Wenn Fürstenworte nicht ein leerer Schall, Verfassungsurkunden kein vortrefflicher Wisch Papier seien, so sei diese Behandlung der Orden ein schweres Unrecht. Die Katholiken ließen sich nicht verdrängen von ihren Orden. Wer die Orden angreift, greift die Kirche an, und wer die Kirche angreift, greift jedem Katholiken an sein Gewissen. (Lebh. Beifall.) In Baden sei bei Vereinigung der kathol. Landestheile mit Baden- Durlach das feierliche Versprechen abgegeben worden, die Katholiken sollten alle ihre Religionsanstalten und freie Religionsübung behalten. Das Versprechen sei aber nicht gehalten worden. Es werde nicht eher Frieden geben, als bis der Grundsatz des westfälischen
„Nein," erklärte Mr. Beale, „das dürfen Sie nicht. Sie haben sie bereits genugsam getäuscht, Sie sollen sie nicht länger betrügen. Ich versage Ihnen auf meine Verantwortung hin den Zutritt zu Miß Cameron und werde eine Klage gegen Sie anhängig machen. Wir wollen die Sachen hier ganz unberührt liegen lassen, Mr. Grame, und sowie der Morgen graut, einen Sicherheitsbeamten kommen zu lassen, der sich dann selbst von dem Sachverhalte überzeugen mag."
Margarita machte weder einen Versuch, sie zurückzuhalten, als sie das Zimmer verließen, noch flehte sie um Gnade und Erbarmen. Sie fiel mit dem Antlitz zu Boden und blieb dort regungslos liegen.
„Ist sie ohnmächtig?" fragte Mr. Beale.
„Ohne grausam sein zu wollen, Sir, muß ich gestehen, daß mir ihr Zustand, nachdem sie meiner Herrin so mitgespielt hat, ganz gleichgiltig ist."
„Aber wir dürfen deßhalb doch die Pflichten der Menschlichkeit nicht außer Acht setzen," bemerkte Mr. Beale und kehrte zu Margarita zurück. „Ich — ich will nicht hoffen, daß Sie krank sind!" sagte er.
Sie veränderte ihre Stellung nicht.
„Ich wollte, ich wäre tobt!" erwiderte sie — „ich wollte, ich wäre tobt!"
„Kommen Sie, Sir," bat Mrs. Grame; „bieses
FriebenS roieber Geltung habe: daß jede Religionsgemeinschaft ihre Angelegenheiten selbst ordnet. (Lebh. Zustimmung.) Wir leben doch nicht mehr in einem Polizei-, sondern in einem Rechtsstaate. Auf allen anderen Gebieten sind die schönen Freiheitsrechte, die in der Verfassung niedergelegt sind, zur Geltung gebracht, ja gegen früher erweitert worden. Sogar Bereinigungen läßt man Raum, die auf den Umsturz des Staates ausgehen; man verlangt nur, daß sie sich in die allgemeinen Gesetze fügen. Da ist es doch eigen« tbümlich, daß man gestattet, mit allen gesetzlich erlaubten Mitteln die Staatsordnung zu unterwühlen, nicht aber für die Erhaltung dieser Ordnung einzuireten. (Lebh. Zustimmung). Wenn gestattet wird, daß irreligiöse, atheistische Vereine im Volke wuchern, dann sollte man doch religiösen Vereinen wenigstens die Freiheit lassen, zu existiren. (Lebh. Beifall.) Nur nicht zu fromm, das ist gemeinschädlich! Eine maßlose Freiheit auf der einen ©eite und eine Behandlung der OcbenSleute, die schlechter ist, als die der Verbrecher, auf der andern Seite, wie stimmt das zusammen? Ist das die Behandlung, die man deutschen Bürgern, den besseren Söhnen des katholischen Volkes, angedeihen lassen will. (Lebh. Zustimmung.) Dieses Unrecht muß aufhören. (Lebhafte Zustimmung.) Wir haben das Recht, unsere Orden zu fordern und wir werden sie fordern. (Bravo!) Wir vertrauen auf Gott und unser Recht, auf den Satz, den unser Kaiser in einem schönen Augenblicke gesprochen: „Recht muß Recht bleiben." (Lebh. anh. Seif.)
Domkapitular Seminardirektor Müller aus Wien sprÄch hierauf ktber die V ol k s m i ss i o n e n, deren hohe Bedeutung er namentlich auch an dem Beispiele Wiens schilderte, wo die neuere christliche Bewegung ihre Kraft besonders zwei großen Missionen verdanke, an der sich 14,000 Männer betheiligt hätten. Unter lebhaftem Beifall rief der Redner bett deutschen Katholiken zu, sie sollten volle Freiheit für bie Missionen verlangen und beshalb namentlich bie Rückberufung bet Orden erstreben. Das den Ordensmännern zugefügte Unrecht müsse wieder gut gemacht werden. Letzter Redner war Oberpfarrer Dr. Schmitz-Krefeld, der Johannes Janssen feierte, der es verstanden, die Geschichte des deutschen Volkes zu schreiben, Janssen, der eine ganze katholische Universität aufwiege. Redner schilderte ihn als einen wahren Freund des deutschen Volkes, der, indem er Licht über das Mittelalter verbreitete, eine Ehrenrettung am deutschen Volke vornahm. Diese (Ehrenrettung werde das deutsche Volk ihm nie vergessen. Janssen habe das Apostelamt des Historikers mit einer Wahrhaftigkeit verwaltet, wie kein Geschichtschreiber vor ihm. Er habe das Walten Gottes in der Geschichte erkannt, und gelernt habe er dies im tief- gläubigen Gebete. Man habe Janssen den zweiten Döllinger genannt, aber vergleiche man beide, so denke man an Saul und David. Das ganze katholische Volk müsse Janssens Werk fortsetzm und Janssens Schwert weiter führen gegen jede Entstellung der Geschichte. Lebhafter Beifall lohnte auch diesem Redner. Die Versammlung wurde hierauf gegen 73/t Uhr mit dem christ- katholischen Gruße geschlossen.
Weib ist zu jeder Rolle fähig," und so gingen sie hinaus und überließen sie ihrer Verzweiflung.
Während der folgenden Nachtstunden blieb sie am Fußboden liegen und focht den schweren Kampf in sich immer wieder durch. Sollte sie sich zu erkennen geben? Sollte sie Miß Cameron die Wahrheit gestehen oder der Gerechtigkeit freien Sauf lassen?
„Sie würden mir doch nicht glauben," sagte sie sich. „Mag das Schlimmste über mich herein brechen, ich will keinen Finger zu meiner Bertheidigung rühren."
Alle Eifersucht und Bitterkeit, die in ihrem Herzen geschlummert hatte, regte sich nun zu neuem Leben und mit ihnen zugleich erwachte düsterer Trotz und hoffnungslose Schwermuth.
„Mögen sie sagen und thun, was sie wollen — ich will ihnen kein Wort der Erwiderung gönnen."
Inzwischen überlegten Mr. Beale und Mrs. Grame, was unter den obwaltenden Umständen das Gera- thenste sei.
„Lassen Sie meine Herrin ganz aus dem Spiele, Sir", sagte die Haushälterin, „sie ist zu jung und unerfahren. Sie würde unbedingt dafür sein, daß die Person unbestraft in Freiheit gesetzt würde unb bas wäre nicht recht. Sie würbe sie einfach aus bem Hause entfernen, ohne darüber weiter ein Wort zu verlieren; aber sie muß unbedingt bestraft »erben.