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Mitteln verfahren würde und daß ein falsches Gefühl der Sicherheit Platz greifen könnte. — Gegen das übermäßige Sprengen der Straßen hat sich vorgestern Geheimrath Koch in Hinblick auf die Cholera sehr entschieden ausgesprochen. Er hat darauf hiuge- wiesen, daß die Cholerabazillen gerade in der Feuchtig­keit leicht gedeihen, und er hat ferner daran erinnert, daß bei übermäßigem Wasserverbrauch, wie er durch das übertriebene Sprengen bedingt wird, die Filter der Wasserwerke den Reinigungsprozeß nicht exakt genug vornehmen könnten und die Gefahr einer Berschlech- terung des Leitungswassers entstehe.

* Der .Reichsanzeiger' schreibt: Bei Cholera- Gefahr dürfte es zur wesentlichen Beruhigung dienen, daß die Reichsregierung und daS preußische Kriegs­ministerium anordoeten, daß die bei den Militär-Sani- täts-Behöiden in größerer Menge vorhandenen Des­infektionsmittel an die Civil-Behörden abgegeben wer­den können, wenn die schnelle Beschaffung von Des­infektionsmitteln schwierig ist. Außerdem gestattete der Kriegsminister die Vornahme von bacteriologischen Un­tersuchungen in den Laboratorien der König!. Sanitäts- Aemter und die Entsendung einer nicht unbedeutenden Zahl von vorhandenen bacteriologisch geschulten Sani- tätS-Osfizieren nach den gefährdeten Orten. Dem in Hamburg sich fühlbar machenden Aerztemangel sei durch Kommandirung von Militär-Aerzten abgeholfen.

* Professor Koch, welcher der Sonnabends-Sitzung der königlichen Sanitätskommission beiwohnte, gab da­selbst die Erklärung ab: seiner Ansicht nach liege für Berlin keine Veranlassung zu einer übertriebenen Be- sorgniß vor, da die Berliner hygienischen Verhältnisse denen Hamburgs unendlich überlegen sind. Insbeson­dere sei in Hamburg die bei Weitem größte Anzahl der Erkrankungsfälle auf den Genuß des total ver­dorbenen und gesundheitsschädlichen Wassers zurückzu­führen. Allerdings sei aber trotzdem die größte Vor­sicht geboten.

* Die Stichwahl im Reichstagswahlkreise Sagan- Sprottau zwischen v. Klitzing (kons.) und Müller- Glogau (dfr.) ist auf den 2. September anberaumt.

* Die Nachricht, die italienischen Eisenbahnen hätten eine ganz gewaltige Anzahl von Waggons bereit gestellt, um italienischen Most nach Deutschland und der Schweiz zu befördern, wird von deutscher offiziöser Seite auf ein Börsenmanöver zur Haussirung der Gotthard- und italienischer Bahnaktien zurückgeführt.

* Der sozialdemokratische Parteitag findet am 16. Oktober zu Berlin statt. Auf der Tagesordnung stehen u. A.: Das Genossenschaftswesen, der Boykott und die Kontroll-Schutzmarke, iowie der Antisemitismus und die Sozialdemokratie. Ueber den letzten Gegen­stand referirt Abg. Bebel.

* Der in Kiel tagende Delegirtentag des Innungs- Verbandes deutscher Bauwerkmeister wuroe heute Mittag behördlich wegen der Choleragefahr ge­schlossen. — Der internationale Straßenbähnkongreß, der vom 7. —10. September in Pest stattfinden sollte, ist aus demselben Grunde auf unbestimmte Zeit ver­tagt worden.

* Die vom 6. bis 9. September in Bremen in Aussicht genommene Hauptversammlung des Gustav- Adolf-Vereins findet der Choleragefahr wegen nicht statt.

* Köln, 28. Aug. Erzbischof Dr. Philippus Krementz von Köln hat gestern sein fünfzigjähriges Priesterjubiläum feiern können. Die Erzdiözese Köln würde den Gedenktag ihres verehrten Oberhirten durch eine äußere Feier verherrlicht haben, wenn nicht der Hochwürdigste Jubilar selbst gewünscht hätte, daß die Feier seines 50-jährigen Priesterjubiläums mit der auf den 3 .Mai nächsten Jahres fallenden Feier seines 25-jähriqen Bischofsjubiläums verbunden werden möge. Aller Voraussicht nach wird dieses Doppelfest ein sehr glänzendes werden. Die Geist­lichkeit der Erzdiözese Köln wird bei dieser Gelegen­heit dem Herrn Erzbischof ein Geschenk überreichen, das seinem oberhirtlichen Herzen zur besonderen Freude gereichen wird.

* Frankfurt, 29. Aug. Mit einem wenig sym­pathischen Artikel begrüßt die .Franks. Ztg.' die'Katho­likenversammlung. Trotzdem sieht sie sich genöthigt, darin dem Centrum folgendes Zeugniß auszustellen:

Zwanzig Jahre später ertönte in Mainz der erste Ruf zur Sammlung gegen die kulturkämpferischen Ideen und Pläne der Bismarck'schen Staatskunst, die auf eine Vergewaltigung der katholischen Kirche hinausliefen und über Recht und Verfassung sich kühn hinwegsetzten. Ein Zusammenschluß aller katholischen Elemente zur Defensive war die Folge, die beste Abwehr er­blickten die Führer in der starren Opposition gegen das Bis- marck'sche Regiment und dazu bedurften sie des demokratischen Rüstzeugs, das ihnen denn auch mehr noch als die Sache der Kirche die Massen zuführte. Die ultramontanen Programme aus den siebziger Jahren sind die schärfsten Proteste geaen den die Volkskraft aussaugenden Militarismus, die stärksten Kund­gebungen für alle freiheitlichen Forderungen. Auf den Katho­likenversammlungen herrschte die begeisterte Stimmung opfer­bereiter Streiter für Recht und Wahrheit, in dem deutschen Reichstag wie in den einzelstaatlichen Parlamenten fand die Opposition gegen alle Forderungen der Regierungen bei dem Centrum den entschiedensten Ausdruck. In diesem Kampfe wurde die Partei eine mit allen Mitteln des Krieges ausgerüstete Macht; sie schuf sich eine einflußreiche Presse, sie fand auf der äußersten Linken um des Rechts und der Freiheit willen, für die sie einstand, treue und eifrige Bundesgenossen und die Welt erlebte das denkwürdige Schauspiel, daß die Genialität Bis­marcks von einer Minderheit besiegt die Waffen strecken mußte.

Das Centrum kann in der That stolz sein auf ein solches Lob aus Feindesmund.

Anstand.

* Der Oberbefehlshaber der französischen Truppen in Dahomey, Oberst Dodds, scheint einer ,Temps'- Depesche zufolge, jetzt ernstlich vorzugehen. Beregte Depesche sagt, daß sich Oberst Dodds am 24. d. Mts. der Ortschaft Katagon bemächtigt hätte und gegen­wärtig den Uemefluß aufwärts marfchire; der in dichtem Gebüsch im Hinterhalt liegende Feind wäre vertrieben und somit die Wege offen; ebenso sei Haltung und Gesundheitszustand der ftanzösischen Truppen ganz vorzüglich.

Stadt, Provinz und Dachbargediet. Fulda, 31. August.

* In Uebereinstimmung mit einer diesbezüglichen Aeußerung der.Fuldaer Zeitung' schreibt die.Germania' heute: „Ueber die Berathungen und Beschlüsse der letzten Konferenz der preußischen Bischöfe in Fulda sind liberalen Blättern „aus Fulda" wiederum allerlei Berichte und „Enthüllungen" zugegangen. Es wäre zu viel Ehre für diese Nachrichten-Fabrikation, wenn dieselbe unsererseits auch nur einer Wiedergabe ge­würdigt werden würde. Was von der Fuldaer Bischofs- Konferenz für die Oeffentlichkeit bestimmt ist, wild ge­wiß zu gegebener Zeit und in authentischer Form veröffentlicht werden. In liberalen Kreisen mag man sich einstweilen mit Nachrichten aus Fulda, die nur den Werth einer willkürlichenKombination haben, beschäftigen, die Katholiken Preußens, welche doch in erster Linie bei dieser Bischofs-Konferenz interessixt sind, werden auf „Enthüllungen" über die Konferenz ihrer Oberhirten um so leichter verzichten, da sie den­selben ein unbegrenztes Vertrauen entgegenbringen und überzeugt sind, daß die Berathungen und Beschlüsse ihrer Bischöfe nur der Förderung ihrer höchsten geistigen Interessen dienen sollen und mit Gottes Hilfe auch dienen werden."

□ In der am Samstag, den 27. d. M., abgehal­tenen General-Versammlung der hiesigen Allgemeinen Arbeiter-Ortskrankenkaffe wurden die Abänderungs- Paragraphen zu den Statuten, welche in Folge der Gesetzes-Novelle vom 10. April d. I. nothwendig ge­worden sind, durchberathen und genehmigt. Als weiter versicherungspflichtig sind: die in dem Geschäfts-Be­triebe, der Anwälte, Notare und Gerichtsvollzieher, der Krankenkassen-Berufsgenossenschaften und Versicherungs- Anstalten, in der Poft- und Telegraphen-Berwaltung gegen Lohn beschäftigten Personen, welche nicht mehr als 2000 Mark Einkommen haben; desgleichen alle Handlungs-Gehilfen und Lehrlinge, sofern durch Ver­trag die ihnen nach Artikel 60 des deutschen Handels­gesetzbuches zustehenden Rechte aufgehoben oder beschränkt find, sowie solche Personen, welche, ohne Hausgewerbe­treibende zu sein, von Gewerbetreibenden außerhalb ihrer Betriebsstätte beschäftigt werden. Mitglieder, welche die Kasse durch Betrug geschädigt haben, haben auf Auszahlung von Krankengeld keinerlei Anspruch. Krankengeld wird nur für 13 statt wie bisher für 20 Wochen gewährt, nur Typhuskranke haben Anspruch auf 20 Wochen Krankengeld. Für solche Mitglieder, welche verheirathet sind oder eine eigene Haushaltung Haben, oder Mitglieder der Haushaltung ihrer Fami­lien sind, kann die Unterbringung in einem Kranken­hause ohne ihre Zustimmung nur dann angeordnet wer­den, wenn nach der Erklärung des Kassenarztes die Art der Krankheit Anforderungen an die Behandlung oder Verpflegung stellt, welchen in der Familie des Erkrank­ten nicht genügt werden kann. Alle übrigen erkrankten Mitglieder müssen die Aufnahme in das Landkranken- hauS dahier erwirken. Zuwiderhandlungen gegen ge­troffene Anordnungen des Kassenarztes können mit einer Ordnungsstrafe bis zu 20 Mark geahndet werden. Mitglieder, welche die Krankenunterstützung ununter­brochen oder im Laufe eines Zeitraumes von 12 Mo­naten für 13 Wochen bezogen haben, erhalten bei Ein­tritt eines neuen Unterstützungsfalles, sofern dieser durch die gleiche, nicht gehobene Krankheitsursache veranlaßt worden ist, im Laufe der nächsten 12 Monate Kranken­unterstützung nur im gesetzlichen M'ndest-Betrage und nur für die Gesammtdauer von 13 Wochen. Weib­lichen Mitgliedern wird im Falle der Entbindung, so­bald dieselben innerhalo des letzten Jahres, vom Tage der Entbindung ab gerechnet, mindestens 6 Monate hindurch einer Krankenkasse an gehört haben, für die ersten 4 Wochen nach derselben ein Krankengeld ge­währt und soweit ihre Beschäftigung mit den Bestim­mungen der Gewerbeordnung für eine längere Zeit untersagt ist, für diese Zeit. Für den Todesfall eines Mitglie des gewährt die Krankenkasse den Hinterbliebenen ein Sterbegeld, wenn die Erwerbsunfähigkeit bis zum Tode fortgedauert hat und der Tod in Folge derselben Krankheit vor Ablauf eines Jahres nach Beendigung der Krankenunlerstützung eingetreten ist: 1) für die der 1. Klasse zugetheilten Mitglieder von 70 Mark

(statt 50 Mark seither), 2) für die der 2. Klasse 55

Mark (seither 42 Mark), 3) für die der 3. Klaffe 45

Mark (seither 35 Mark), 4) für die der 4. Klaffe 35

Mark, 5) für die der 5. Klasse 33 Mark. Die Wah­len finden künftighin in geheimer Abstimmung statt.

Der gestrige Tag wurde von zwei Klassen des Kgl. Gymnasiums zu Ausflügen benutzt. Die Unter­tertia begab sich mit dem Frühzuge nach Gersfeld, um von dort aus über die Wasserkuppe nach der Milseburg zu wandern. Der letzte Bahnzug brachte sie nach Fulda zurück. Die Untersekunda benutzte den Gießener 9 Uhr- Zug bis Salzschlirf und begab sich von dort auf den Singerberg und nach Schlitz, von wo Abends gegen? Uhr die Rückkehr nach Fulda erfolgte.

(*) Der preußische Eisenbahnminister hat be­stimmt: Der Zugführer eines jeden zur Personenbe­förderung dienenden Zuges ist mit einem etwa 30 ccm eines Gemisches von gleichen Theilen einfacher Opiumtinktur und Aether enthaltenden Tropf­fläschchen zu versehen. Bon diesem Gemische sind Per- Ionen, welche unterwegs an Cholera erkranken, durch den Schaffner, dessen Aufsicht der Wagen untersteht, in welchem sich der Erkrankte befindet, 20—30 Tropfen, am besten auf Zucker, zu verabreichen.

? Hattenhof, 30. August. Heute war für unsere Pfarrei ein großer Freudentag. Obgleich sich schon Jahrzehnte lang unsere Pfarrkirche als viel zu klein erwiesen, sollte es doch erst unserem Herrn Pfarrer Waldner gelingen, dem Mißstand durch Neubau von Chor und Schiff abzuhelfen. Durch seine Bemühungen und Opfer, wie auch durch die Beiträge der pflichtigen Gemeinden der Pfarrei und die private Opferwilligkeit ihrer Mitglieder ist das Werk zu Stande gekommen. Der Königl. Baurath Hoffmann zu Fulda verstand es trotz der ungünstigen Terrainverhältnisse einen in jeder Beziehung entsprechenden Erweiterungsplan anzu­fertigen und leitete mit großer Umsicht die Ausführung, so daß wir uns zu der geräumigen, hellen und schön dekorirten Kirche Glück wünschen dürfen. Unser Hochw. Herr Bischof Dr. Joseph Wey land konsekrirte heute unser Gotteshaus. Kerzell, das Hochderselbe passirte, und Hattenhof selbst prangten in schönstem Festesschmuck. Nach- )em Se. Gnaden früh nach 8 Uhr, geleitet von einer statt lichen Kavalkade, welche bis an die Grenze der Pfarrei entgegengeritten war, hier angekommen und von un- erem Herrn Pfarrer begrüßt in Prozession unter den Klängen der Musik zur Kirche geführt war, begann die Weihe um 9 Uhr. Hatte schon die Vornahme der Segnungen am Aeußern der Kirche auf die im Freien versammelte Gemeinde zu der auch der Einsender dieses gehört, einen tiefen Eindruck gemacht, so war es für sie wahrhaft erhebend, als sie nach Uebertragung der Reliquien auch der hl. Handlung im Innern beiwohnen durfte. Nachdem hierauf Herr Pfarrer Müller zu Flieden eine ergreifende Predigt über die tiefere Be­deutung des Weiheaktes gehalten und Herr Dechant Grebe zu Johannesberg das Hochamt celebrirt hatte, empfingen noch unsere Firmlinge von der Hand des Hochw. Herrn Bischofs das hl. Sakrament der Firmung. Dieses hohe festliche Ereigniß wird den Pfarrange­hörigen unvergeßlich fein.

* Hünfeld, 29. Aug. Dem hiesigen Kreise wurde als Autheil aus den landw. Zöllen der Betrag von 40,510 Mk. überwiesen.

— Salmünster, 30. Aug. Ein junges Leben sand heute in der Kinzig einen raschen Abschluß. Der Musketier Schultheis von Pilgerzell, welcher als Offiziers-Bursche zu dem hier stationirten Melde-Amt kommandirt war, ertrank heute Nachmittag beim Fischen in der Kinzig. Allgemeine Teilnahme herrscht über diesen schnellen Tod des sehr beliebten braven Mannes, welcher nur noch 3 Wochen zu dienen hatte. Seit P/4 Jahren ist dies das zweite Opfer, welches die an manchen Stellen sehr tiefe Kinzig gefordert hat.

Ö Roßdorf (Kreis Kirchhain), 28. August. Die ,Fuld. Ztg.' brachte vor einiger Zeit eine Notiz über die seltene Langlebigkeit am hiesigen verhältnißmäßig nicht großen Ort, wo neben 5 Greisen im Alter von 82 Jahren noch Personen von 89 und 92 Jahren sich finden. Hierneben dürste die Erscheinung von Interesse sein, daß hier auch in anderer Beziehung eine gewisse, ich will sagen, Langsamlebigkeit herrscht. So hat man es im Allgemeinen hier gar nicht eilig mit dem Heirathen. Ob nun diese Lang s a m lebigkeir eine Mit­ursache jener Langlebigkeit ist, möge unentschieden bleiben, möglich wäre es schon. Besonders in den sog. „besseren" Familien läßt man meist das Schwabenalter herankommen, ehe man sich in das Ehestandkjoch be­gibt. Daher auch die Thatsache, daß, wie der ver­storbene Lehrer Mönninger Ende der siebenziger Jahre einmal dem Einsender dieses mittheilte, damals nur 43 Kinder die Schule besuchten, weil sämmtliche größeren Bauernhöfe keine schulpflichtigen Kinder hatten, während doch bei einer Einwohnerzahl zwischen 5 und 600 mindestens die doppelte Anzahl Schulkinder ent­sprechend gewesen wäre. Als ein Erklärungsgrund hierfür mag man wohl nicht mit Unrecht eine g-wiffe „Bequemlichkeit" namentlich Seitens des „schonen" Ge­schlechts annehmen. Man fühlt sich eben bei „Muttern" geinütylich und glücklich, ohne die vielfachen Sorgen eines eigenen Hausstandes und hascht auch nicht nach zweifelhaften Vergnügungen. Hiermit steht aber im eigenthümllchen Gegensatz und ist doch wohl aus dem­selben Grunde zu erklären die andere Erscheinung, daß von den durchweg braven Mädchen feit Menschenge- denken (wenigstens in öiefem Jahrhundert nicht) kein einziges sich dem Ocdensstand gewidmet hat, während fast alle übrigen Ortschaften des katholischen Oberhessens