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Donnerstag, den 1. September 1892.

19. Jahrgang

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39. General-tzersammluug der Katholiken Deutschlands zu Main;.

* Mainz, 29. August.

Im überfüllten Dome celebrirte heute der Hochw. Bischof Dr. Haffner unter großer Assistenz um 8 Uhr ein feierliches Pontifikalamt zur Anrufung des heil. Geistes.

Um 9^2 Uhr fand die

erste geschloffene General-Versammlung im großen Saale des Frankfurter Hofes statt, welche vom Präsidenten des Lokalkomitees, Herrn Dr. Geier, mit dem christlichen Gruße eröffnet wurde, Der Ver­sammlung wohnte auch der Hochw. Bischof Dr. Haffner bei. Der zweite Vorsitzende des Lokalkomitees, Herr Advokat Schmidt, begrüßte mit herzlichen Worten die Versammlung. Derselbe betonte die Bedeutung, welche Mainz für die katholische Bewegung bisher gehabt hat, insbesondere durch die voraufgegangenen drei General- Versammlungen; er forderte vollständige Gleichstellung der Katholiken auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, gleiches Recht für Alle und Anerkennung der Rechte der Katholiken auf dem Gebiete des Schulwesens. Die Katholiken Deutschlands wollen festhalten an ihrem katholischen Glauben, an ihrer heiligen Kirche, fest­halten in Treue zum hl. Vater und zu ihren Bffchöfen. In politischer Beziehung sei das Centrum für die Katholiken Deutschlands der Inbegriff ihres un­begrenzten Vertrauens, die Katholiken würden ihren Führern jetzt und immerdar Vertrauen schenken. (Leb­hafte allseitige Zustimmung). Es erfolgte alsdann gleichfalls unter stürmischer Zustimmung die Verlesung einer Ergebenheitsadresse an den hl. Vater. Herr Falk III. kündigte sodann für Freitag Morgen eine Wallfahrt zur Rochuskapelle bei Bingen an. Sodann schritt die Versammlung zu ihrer Konstituirung. Zum Präsidenten der General-Versammlung wurde unter Akklamation der Reichs- und Landtagsabgeordnete Dr. Porsch (Breslau) gewählt. Derselbe übernahm, mit stürmischem Beifall begrüßt, das Präsidium der 39. General - Versammlung und hielt eine zündende An­sprache an die Versammlung, in welcher er besonders die Katholiken Deutschlands zur Einigkeit ermahnt. Zum ersten Vicepräsidenten wurde Graf Konrad P r e y s i n g, zum zweiten Bicepräsidenten Graf S i e r a- kowski gewählt. Nachdem sodann noch die Schrift­führer und die Vorsitzenden der einzelnen Ausschüsse der General-Versammlung gewählt waren, wurde unter lebhafter Zustimmung der Versammlung die Absendung einer Glückwunsch-Adresse an den Hochwürdigsten Herrn Erzbischof Dr. Krem entz von Köln beschlossen.

* * *

Unter den zahlreichen Anträgen zur 39. General- Versammlung der Katholiken Deutschlands erwähnen wir an erster Stelle folgende, von den Herren Graf Balleftrem, Dr. Frhr. v. Heereman, Dr. Frhr. von Schorlemer-Alst, Dr. Lieber, Dr. öfterer und Groeber beantragte Resolution:

I. „Die 39. General-Versammlung der Katholiken Deutsch­lands spricht die auch durch die neuesten Ereignisse begründete und befestigte Ueberzeugung aus, daß die Wie der Herstellung der territorialen Souveränität des hl. Stuhles für die Selbstständigkeit desselben und für seine volle Freiheit und Unabhängigkeit in der Regierung der Kirche eine unab­weisbare Nothwendigkeit ist, und daß jede von Gott gesetzte weltliche Gewalt im wohlverstandenen eigenen Interesse und zur Wiederherstellung der erschütterten Gesellschaftsordnung handelt, wenn sie die vom hl. Stuhle erhobenen Rechtsansprüche erfolgreich unterstützt.

II. Die 39. General-Versammlung der Katholiken Deutsch­lands spricht die zuversichtliche Hoffnung aus, daß die dem hl- Stuhle gebührende Weltstellung immer mehr zur Aner­kennung gelangt, und ist überzeugt, daß die Weltstellung zur Aufrechterhaltung des Friedens sowie zur Vermittelung der widerstreitenden Interessen der Völker und der Gesellschafts­klassen dasjenige leisten werde, was weltliche Macht nicht vermag."

Felix Freiherr von See und Eugen Haffner be­antragen :

„Die 39. General-Versammlung wolle, im Anschluß an die von Sr. Heiligkeit Papst Leo XIII. wiederholt, namentlich auch bereits in Seinem Rundschreiben vom 21. April 1878 erhobenen Proteste und Rechtsansprüche, den Protest der Katholiken Deutsch­lands gegen die andauernde Besetzung Roms und des Kirchen­staates durch die Regierung Italiens erneuern."

Die vorstehenden beiden Anträge stimmen mit den in Koblenz und Danzig beschlossenen Resolutionen überein. — Die übrigen Anträge — bis jetzt 18 — betreffen die Schulfrage und Unterrichtsfreiheit, die Unterstützung und Gründung verschiedener Vereine, die Presse, die Betheiligung an dem 50jährigen Bischofs­jubiläum des hl. Vaters rc.

Die erste öffentliche Generalversammlung begann kurz nach 5 Uhr, nachdem die mächtige Halle bis in ihre letzten Winkel sich gefüllt hatte. Ueber 5000 Personen waren erschienen, darunter mehrere Hundert Damen auf den Galerien. Der Eröffnungsrede des Präsidenten Dr. Porsch folgte die Versammlung mit großer Aufmerksamkeit und begleitete dieselbe am Schluffe mit lautem Beifall. Große Begeisterung weckte die Ansprache, welche der Hochwürdigste Herr Bischof Dr. Haffner an die Menge richtete, namentlich die herrlichen Stellen, an denen er ausführte, wie die katholischen General - Versammlungen stets unter den Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes tagen und auf den Stern Pius IX. hinwies, der leuchtend aufgegangen, die Kräfte gegen eine verrottete Bureaukratie und infame Diplomatie geweckt habe, und dem Gott, als dem großem Wohlthäter der Kirche, insbesondere der deutschen Kirche, den Segen der ewigen Ruhe geben möge. Er habe uns gestärkt, den Kulturkampf zu überstehen. Verzeihen sollten wir, aber nicht vergessen. Niemals sei eine Bevölkerung schmach­voller behandelt worden, als die Katholiken im Kultur­kampf. Die Waffen, die vom Blut der Katholiken geröthet gewesen, habe man benützt gegen ihre Rechte und ihre Religion. Klerus und Volk hätten lieber die schwersten Opfer getragen als daß sie ihrer Religion und Ueberzeugung untreu geworden. Aus bischöflichem Munde gesprochen, machten diese Ausführungen doppelten Eindruck. — Recht anschaulich, zum Theil in geradezu ergreifender Weise schilderte Reichstagsabgeordneter Dr. Karl Bachem(Köln) die Berliner Kirchenno th, die drückende religiöse Lage der dortigen Katholiken. Möchten die eindringlichen Worte des Redners, sagt der Berichterstatter der .Germania', beherzigt und seiner Aufforderung betr. Mitwirkung an der Beseitigung der Berliner Kirchennoth in weitestem Maße ent­sprochen werden! Möchte namentlich der Klerus der gegebenen Anregung Folge leisten und die Gläubigen zu freudigem Opfermuthe im Interesse der armen be­drängten Berliner Glaubensgenossen aufrufen! — Dr. Frhr. v. Schorlemer-Alst, stürmisch begrüßt, sprach fesselnd und anregend über den Sozialismus und die Heilmittel gegen denselben. Unter lauter Zu­stimmung der Versammlung betont Redner, daß eine Lösung der sozialen Frage wie der Schäden der Zeit überhaupt nicht möglich sei, wenn nicht die Freiheit der Kirche und der Schule, die religiöse Erziehung, die konfessionelle Schule, kurz: der christlich-germanische Staat gesichert sei. Um dieses Ziel zu erreichen, müßten Alle mitwirken: die Männer durch eifrige Ar­beit, die Frauen und Kinder durch Gebet. — Der letzte Redner, der Superior der afrikanischen Mission der Väter vom heil. Geist, Herr Pater Horne aus Sanstbar kam wegen der vorgerückten Zeit nicht mehr zum Wort und wird Morgen sprechen.

Mainz, 30. August.

Die heutige Sitzung des katholischen Volksver­eins in der Stadthalle war sehr stark besucht. Nach­dem Fabrikbesitzer Brandts (M.-Gladbach) dieselbe eröffnet, erstattete Rechtsanwalt Trimborn (Köln) den Bericht über die bisherige Wirksamkeit des Volks­vereins. Derselbe zählt fitzt 109,000 Vereinsmitglieder. Bis Ende September 1891 wurden rund 500 Ver­sammlungen abgehalten. Im Rückstände bezüglich An­schlusses an den Volksverein sind noch Bayern, Schlesien und Elsaß Lothringen. Im Ganzen wurden 750,000 Broschüren verbreitet. Nach einer begeistert aufgenom­menen Ansprache des Hochw. Bischofs Dr. Haffner folgte eine kraftvolle zündende Rede des Abg. Dr. Lieber gegen die Sozialdemokratie und für die Aus­breitung des katholischen Volksvereins.

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In der heutigen zweiten geschloffenen General­versammlung wurde Namens des Ausschusses die An­nahme der Resolmionen betr. die römische Frage seitens des Herrn Abg. von Kehler beantragt, vom Grafen Ballestrem befürwortet und dann unter stürmi­schem Beifall einstimmig angenommen, ebenso die Resolutionen über die Wallfahrt nach Rom zum Bischofs­jubiläum des hl. Vaters und über die Ausbreitung der Michaelsbruderschaft, über den Vincenz- und den Elisabethverein, über den St. RaphaelLverein und über die katholischen Studentenkorporationen. Heute Abend sprechen Pater Horne über afrikanische Missionen, Regens Müller (Wien) über katholische Volks« Mission, Pfarrer Schmitz (Crefeld) über Professor Janssen und die katholische Geschichtsforschung. — Die

Stimmung der Generalversammlung ist vortrefflich, der Besuch nimmt fortwährend zu.

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Aus Anlaß der 39. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands veranstalten die Verbandsan­gehörigen der kathol. Studentenvereiue Deutsch­lands heute, Dienstag, den 30. Aug., Abends 8 Uhr, im „Frankfurter Hof" zu Mainz einen Festkommers und Tags darauf per Extradampfer eine Rheinfahrt mit Damen nach Eltville (Burg Craß). Abfahrt von Mainz 21/* Uhr, von Biebrich 2»/z Uhr. Die Ver­bandsangehörigen treffen sich täglich während der Fest­tage in der „Rheinischen Bierhalle".

Deutsches Keich.

Berlin, 30. August.

* Der Kaiser hatte heute mit dem Reichskanzler eine kurze Besprechung und empfing später im Ber­liner Schlosse den neuen italienischen Botschafter, Ge­neral Lanza in feierlicher Antrittsaudienz, um dessen Beglaubigungsschreiben entgegenzunehmen. Der Reichs­kanzler wohnte der Audienz bei. Ferner empfing der Kaiser noch den Erzabt der Beuroner Benediktiner- Kongregation, Wolter, und kehrte dann nach Pots­dam zurück.

* In Berlin sind 2 weitere Fälle asiatischer Cholera vorgekommen. Erkrankt ist ein Hamburger Handlungsreisender, der am 24. d. auf dem hiesigen Lehrter Bahnhofe eintraf, sofort als choleraverdächtig angehalten und nach dem Moabiter Lazareth überführt wurde. Er befindet sich ebenso wie Frau Frohnert auf dem Wege der Genesung. Dagegen wird an dem Aufkommen eines 35jährigen Arbeiters Kumrey, der heute beim Ausladen eines Kahnes am Humboldthafm plötzlich zusammenbrach und nach dem Moabiter Kran­kenhause gebracht wurde, gezweifelt. Kumrey, bei dem das Vorhandensein von Komma-Bazillen konstatirt wurde, ist in der letzten Zeit nicht von Berlin fort­gewesen, während die beiden anderen Cholerakranken aus Hamburg kamen. — Von gestern früh bis heute früh sind der Sanitäts-Kommission weitere 17 choleraverdächtige Fälle gemeldet, bezüglich deren die Untersuchung noch nicht beendet ist. In einem Falle ist der Verdacht, daß asiatische Cholera vorliegt, sehr dringend.

* Die vom Reiche einberufene Cholerakommission hat am letzten Sonnabend Abend ihre Berathungen im Reichsamte des Innern begonnen und am gestrigen Sonntag Abend zu Ende geführt; Geheimer Medizi­nalrath Dr. Koch war als Spezial-Sachverständiger zu den Berathungen hinzugezogen. Vertreten warm das Auswärtige Amt, die Militair-Verwaltung, das Reichseisenbahnamt, die betheiligten preußischen Mini­sterien, die Regierungen von Bayern, Sachsen, Würt­temberg, Hessen, Mecklenburg-Schwerin, Lübeck, Bremen und Elsaß-Lothringen. Es handelt sich wesentlich darum, die Aenderungen festzustellen, welche mit Rück­sicht auf die neuesten Erfahrungen an den bereits früher getroffenen Vereinbarungen erforderlich erscheinen. Allseitiges Einverständniß wurde erzielt über die Maß­nahmen zur unverweilten Feststellung und Bekanntgabe der ersten Cholerafälle in Orten des Inlandes behufs alsbaldiger Unterdrückung und Verhinderung weiteren Umsichgreifens, ferner Über diejenigen Aenderungen, welche zur Ueberwachung des Verkehrs erforderlich sind. Eine besondere Instruktion für das Eisenbahnpersonal wurde in den Grundzügen festgestellt. Ferner wurden die Maßnahmen festgestellt, welche in den von der Cholera ergriffenen oder unmittelbar bedrohten Orten zu tnffen sind. Eine Desinfektionsanweisung und eine Belehrung über das Wesen der Cholera und über das während der Cholerazeit zu beachtende Verhalten ge­langte ebenfalls zur Annahme. Beide Vorlagen schließen sich eng an diejenigen an. welche im Juli vom Reiche vorläufig mit Preußen aus Anlaß der drohenden Ein- ichleppung durch russische Auswanderer vereinbart worden sind; jedoch wird bei der Auswahl der Desinfektions­mittel größere Freiheit gegeben und vor Vergeudung von Desinfektionsmitteln gewarnt. — Die auswärtigen Kommissare sind alsbald zurückgereist, um ihren Re­gierungen behufs alsbaldigen Vorgehens mit den ver­abredeten Anordnungen Bericht m erstatten.

* Die königliche Sauitätskotzrmisfion hat den Vorschlag, unentgeltlich Desinfektionsmittel zu vertheilen, vorläufig abgelehnt, man hegte die Befürch­tung, daß in vielen Fällen unsachgemäß mit diesen