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Mttwoch, den 31. August 1892.

19.Iahrgau§

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etodtfititfi^Sonn1?«St”?»A"Le 1 “ *' kost-« di- einspaltige Zeil- ober deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. __________^p^k^ohne^rlngeriohn und Bestellgeld mtt der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 60 Pf-nni,.

Reichs- und Landtags-Abgeordneter v. Balle­strem (von stürmischem Beifall begrüßt): Indem ich Ihnen zunächst für die freundliche Begrüßung danke, nehme ich an, daß dieselbe allen denjenigen meiner Mit­arbeiter gilt, die mit mir zusammen als die Erwählten des deutschen Volkes im Reichstage sitzen und dort die katholische Sache im Centrum vertreten. (Beifall.) M. H.! Ich bin hier heute erschienen, um Ihnen Grüße zu überbringen aus meiner Heimath. Wenn wir hier unter uns nicht Männer zählten, die am Tanganjika und in Bagamoyo zu Hause find, würde »ch den Anspruch erheben, dgß ich Grüßt aus der weitesten Ferne bringe; denn lange Zeit braucht man, I um von den düstern Kieferwäldern Oberschlesiens an die lachenden Ufer des Rheines zu kommen. Aber auch dort haben wir gute deutsche Katholiken (Bravo!), Rheinland und Oberschlesien waren vor noch nicht langer Zeit einander recht fremd. Am Rhein wußte man wenig von Schlesien, und in Schlesien wußte man nicht viel Gutes vom Rheinland; denn was vom Rhein nach Schlesien kam, waren nicht immer die besten Früchte. (Heiterkeit.) Das ist anders geworden, und Ks »bat der Kulturkampf bewirkt. Rheinländer und . wiy bnuw jcpi giupc ^lugen uie Wcinuiyer

Schlesier fanden sich wieder auf dem markrschen Sande, der Menschen, die einer Behandlung und Erledigung um dort gemeinsam für das Wohl der katholischen 1 -- - b - - “ a

Kirche zu kämpfen, und sie werden zusammenstehen, bis dieser Kampf bis auf das letzte Titeichen siegreich ausgefochten ist. (Lebhafter Beifall.) Aber die Stadt, für die ich besonders spreche, Breslau, steht noch in ganz besonderer Beziehung zu Mainz. Hat in Mainz die erste General-Versammlung der Katholiken getagt, so in Breslau die zweite, und wiederholt sich in Mainz die Versammlung schon zum vierten Male, so tritt ihr Breslau mit der dritten Versammlung an die Seite. Mag es nun Mainz sein oder Breslau, immer ver­folgen wir dieselben Zwecke mit diesen herrlichen Ver- sammlungen. Sie sind eine Heerschau, die abgehalten

I Oberbürgermeister Dr. Oechsner begrüßt die I Versammelten im Namen der Stadt Mainz, die bereits das vierte Mal die Ehre habe, die Versammlung bei sich zu sehen, und heißt sie von Herzen willkommen, um so lieber, da es sich bei ihr nicht um einen Ver­ein handele, der nur dem Vergnügen diene, sondern um einen Verein, der sich mit Fragen beschäftige, welche mit den höchsten Gütern des menschlichen Daseins im engsten Zusammenhang stehen. Staat, Gemeinde und Kirche haben so viele gemeinschaftliche Beziehungen und Interessen, daß die bloße Machtfrage nie hinderlich sein sollte, diese gemeinschaftlichen Ziele zu erstreben. Möchten die Bemühungen der Versammlung von günstigem Erfolge begleitet sein und zum Nutzen des allgeüebten deutschen Vaterlandes gereichen. Die alte, ehrwürdige Moguntta ruft Ihnen ein herzliches Will­kommen zu! (Bravo!)

Nach einem Musikvortrage überbrachten Hr. Evers aus Aachen und Hr. Redakteur Saget aus Arnsberg herzliche Grüße. Eine ganze Menge von Begrüßungs- Telegrammen sind eingelaufen, u. A. vom Fürstbischof von Brixen, von 120 katholischen Priestern, die sich gesundheitshalber bei Pfarrer Kneipp aufhalten, und von mehreren Vereinen.

im katholischen Sinne bedürften. Er weise hin auf die Freiheit der Kirche nach allen Richtungen, die Freiheit der Orden und die Anstellung der Geistlichen, auf die große Frage der Schule. Wir müssen verlangen, daß das Recht, welches naturgemäß der Kirche und dm Eltern auf die Schule zusteht, vom Staate anerkannt wird. Aber auch auf politischem und sozialem Gebiete handele es sich um den großen Kampf über die Auffassung katholischen Glaubens. Wir wollen uns nicht täuschen: die Frage, glaubst du an Gott, Ewigkeit und Vergeltung, oder glaubst du nicht, die ist es, welche die Welt in zwei große Heerlager trennt. Je nach deren Auffassung trennen sich die Richtungen.

wird über Alle, die gesonnen sind, einzutreten für die Freiheit der Kirche und die Gleichberechtigung der Katholiken Deutschlands. (Lebhaftes Bravo!) Ich hoffe, daß auch diese Versammlung fördern wird die Zwecke, die wir seit länger als 20 Jahren verfechten, nämlich, daß wir gleichberechtigt sein wollen im deutschen Vater­lande. (Lebhafter Beifall.) Dafür leistet uns Gewähr der Kreis ausgezeichneter Männer, die wir bei uns sehen. Freilich vermissm wir Manche, einen Ketteler, Moufang und Heinrich, Männer die uns in jeder Be­ziehung ein wahres Vorbild waren. Aber ich bin überzeugt, daß an den Ufern des Rheines dieser allen Pfaffengasse des Reiches, solche Männer nicht aus­sterben werden. (Bravo!) Möge der Segen Gotte« über der Versammlung walten, mögen ihre Er­folge denen ihrer Vorgängerinnen entsprechen, mögen Alle, die hierhergekommm find, hochbefriedigt zurückkehren in ihre Heimath! (Lebhafter Beifall.)

Abg. Frhr. v. Buol-Berenberg (lebhaft be­grüßt) versichert, daß die badischen Katholiken mit den in Mainz Versammelten ein Herz und eine Seele sind. Auch in Baden, wo die Katholiken vor lauter Libera­lismus kaum die Luft zum Leben hätten, wachse von Tag zu Tag die Erkenntniß, daß nur der enge Zusammm- schluß zum Ziele führe. Sein Gruß sei: Einer für Alle, Alle für Einen! (Lebhafter Beifall.)

Reichstags-Abgeordneter Lingens gedenkt der Männer, welche s. Z. in Mainz die erste General-Ver­sammlung der Katholiken zu Stande gebracht. Ihr Geist sei nicht geschwunden. Im Andenken an die großen Leistungen der Mainzer Vorkämpfer und Banner­träger wünsche er, daß das Feuer, das sie beseelte, erhalten bleibe. Diesm Wunsch theiltm alle seine katho­lischen Mitbürger in Aachen. Er schließt mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Stadt Mastig deren Oberbürgermeister er warme Anerkennung spendet.

Abg. Frhr. v. Heereman überbringt Grüße des Münsterlandes und betont dabei die hohe Bedeutung, welche Mainz für jeden deutschen Katholiken habe. Hier habe die erste General - Versammlung getagt und von ihr sei ausgegangen ein mächtiger Schwung katholischer Auffassung, eine gewisse Festigkeit und Kraft, als Katho- liken öffentlich und entschieden aufzutreten. Er wolle wünschen, daß auch die diesmalige Versammlung eine ähnliche Wirkung üben möge. Seien auch die Ver­hältnisse seit jener Zeit vielfach anders geworden, so bewegten doch gerade jetzt große Fragen die Gernüther

„Und was würde er erst von ihr denken", sagte sich Mrs. Grame, „wenn er Alles über sie wüßte, was ich weiß — wenn er erführe, daß sie nicht hier-

। her gehört, und daß sie mir so seltsame Fragen über das Testament vorlegte?"

Sie beschloß halb und halb, Mr. Beale von allen diesen Dingen Mittheilung zu machen.

„Und gestern Abend versuchte sie, die Schlüssel in die Hände zu bekommen", dachte sie. „Mag sie einen Vorwand gebrauchen, welchen sie will, ich bin fest überzeugt, daß sie eben in Miß Camerons Zimmer ge­blieben ist, um sie sich nun heute Abend zu ver­schaffen. Ich sah, wie ihre Augen funkelten, als ich sie hereinbrachte."

40. Kapitel.

Lady Rylestone stand allein in ihrem Zimmer; endlich war nun die Stunde gekommen, welche sie er­hofft und erfleht hatte, und sie betrachtete sie wie den Schlußakt einer Tragödie. Draußen herrschte die fried­liche Stille der Septembernacht — der Mond war hinter Wolken verborgen, die Sterne blickten hier und dort leuchtend hervor. Kaum ein Laut unterbrach die tiefe Stille, nur der Wind rauschte durch die kahlen Zweige. Sie hatte diese Stunde ungeduldig erwartet. Es herrschte vollkommene Ruhe in dem stattlichen Schlosse, die Dienerschaft halte sich in ihre Gemächer zurückgezogen. Sie hatte sich, so lange es sich irgend thun ließ, bei Miß Cameron aufgehalten, dann hatte

39. General-Uersammlung der Katholiken Deutschlands zu Main;.

* Mainz, 28. August.

Die Stadt hat heute ihren vollen Festschmuck an­gelegt. Der Himmel scheint die General-Versammlung mit seinem besten Wetter begünstigen zu wollen; er ist halb verdeckt, warm, ohne drückend zu sein. Den ganzen Tag hindurch brachten die zahlreichen aus allen Himmelsgegenden eintreffenden Eisenbahnzüge Massen von Fahrgästen. Namentlich in den Nachmittagsstunden herrschte an der Kasse und am Tische des Wohnungs- Komitee's ein förmliches Gedränge. Auf dm festlich geschmückten Straßen wogte es auf und ab von Ein­heimischen und Fremden.

Um 6*/z Uhr Nachmittags wurde die General- Versammlung durch feierliches Glockengeläute von allen katholischen Kirchthürmen der Stadt eingelestet; um 7 Uhr erfolgte eine Segensandacht im hohen Dom, zu der sich die Mitglieder der General - Versammlung sehr zahlreich eingefunden hatten. Nach Beendigung derselben strömte es in Schaaren zur Stadthalle, die j jetzt in herrlichster und geschmackvollster Dekoration prangt. Bald waren die weiten Räume im Saale wie auf den Galerieen bis auf den letzten Platz gefüllt. Es mögen nach oberflächlicher Schätzung, wie die ,Koln. Vlksztg/ berichtet, etwa 3000 Personen anwesend ge­wesen sein, darunter auf den Galerieen sehr viele Damen. Auf dem Podium hatte eine Anzahl hervor­ragender Katholiken Platz genommen; wir bemerkten u. A.: die Abgeordneten Graf Ballestrem, Freiherr von Heereman, Frhr. v. Wendt, v. Kehler, Dr. Porsch, Hesse, Hauptmann, Broekmann, Dr. Lingens, Graf Loö, Dieben, Frhr. v. Buol, Cahensly, Spahn, Schmidt (Warburg), Hitze, Schädler, ferner Fürst Löwenstein, Rochus v. Rochow, Msgr. v. Braunschweig, Graf Sierakowski, Franz v. Savigny, sowie mehrere Patres der algerischen Mission (Weiße Väter). Bald nach 8 Uhr wurde die

Begrüßungs-Versammlung eröffnet. Der erste Vorsitzende des Lokalkomiee's Bürgermeisterei-Beigeordneter Dr. Geier, begrüßte die Versammlung mit dem christkatholischen Gruß, hieß sie herzlich willkommen und sprach Allen, welche an I den Vorbereitungen der Versammlung sich betheiligt haben, insbesondere den städtlschen Behörden, den wärmsten Dank dafür aus. (Bravo!) Die Versamm­lung werde bekunden, daß der Glaube allein die Grund- läge für die Gesundung unserer Zustände sein könne. Die Versammlung werde dazu beitragen, Licht und Klarheit über Lage und Aufgaben der deutschen Katho­liken zu verbreiten und befruchtend wirken. Wir bauen unsere Zuversicht auf die Hülse Gottes, den Segen des Papstes, die Unterstützung unseres Herrn Bischofs. Möge der Verlauf den Erwartungen entsprechen und unfern Gästen gefallen! Was Bürgersinn, Begeisterung ftir das Gute und Schöne in Mainz geschaffen, möge dazu mitwirken, die Gäste zu erfreuen und sie eine liebe und werthe Erinnerung an das goldene Mainz mitnehmen zu lassen. (Bravo!)

Das verhSngntßvolle Testament.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(75. Fortsetzung.)

Die Haushälterin verlor zu Margarita selbst kein Wort. Ihre Augen allein drückten ihr Mißtrauen und ihre feindlichen Gefühle aus. Sie wendete sich zu Adelaide.

„Ist Ihre Kammerjungfer krank, Madame?" fragte Oe. Es war nämlich auf Waltoncourt Sitte, die junge Herrin mit „Madame" anzureden.

„Nein", erwiderte Adelaide, ™;p tooDte heute Abend gern meine Kammerjungfer sein. Mein Haar sah ihr so anziehend aus, daß sie es gern einmal bürsten wollte."

Adelaide lachte, während sie so sprach, das Gesicht der Haushälterin aber blieb strenge und ernst. Sie richtete ihre Augen wiederholt auf Margarita, der ’9tc Blicke deutlich verkündeten, daß sie von ihr völlig durchschaut wurde. Mrs. Grame trat an ihre junge Herrin heran und stellte den Schlüsselbund dicht neben sie hm.

„Seien Sie mit Ihren Schlüsseln vorsichtig, Miß Cameron," sagte sie, als sie den Korb niedersetzte.

„Es scheint, als wenn plötzlich alle Welt in Sorge

um meine Schlüssel ist", sagte Adelaide lachend. „Mr. Beale hat mich auch schon gewarnt."

„Mr. Beale ist ein sehr einsichtsvoller Mann, Ma­dame und Sie können versichert fein, daß er Sie nicht ohne Grund zur Vorsicht ermahnt hat."

Margarita wurde dunkelroth. Die Beleidigung schien ,hr fast unerträglich. Mrs. Grame warf ihr ernen unaussprechlich) verächtlichen Blick zu, denn sie dachte sich, daß Mr. BealeS Verdacht wohl begründet sem müsse, und fand es sehr recht, daß er ihn offen , I ausgesprochen halte. Ehe sie das Zimmer verließ, aber Miß Ayenel zögerte sie noch einen Augenblick, als hätte sie noch m,ner-----1 etwas auf dem Herzen, dann blickte sie von dem

schonen, ruhigen Antlitz, das aus den Wolken reichen, seidigen Haares vorschaute, zu dem dunklen, erregten hinüber und verließ, da ihr Vorsicht doch in jedem Falle das Gerathenste schien, schweigend das Zimmer.

Unterwegs sagte sie sich aber, daß sie also nicht die Einzige sei, die Verdacht gegen Miß Ayenel ge­schöpft hatte, Mr. Beale, der einer der scharfsinnigsten Menschenkenner war, schien doch auch ganz ihrer Mei­nung zu fein.