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JM .197 Dienstag, den 30. August 1892. 19. Jahrgang
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Heber die Verwendung der sog. Sperrgelder bringt die in Paderborn erscheinende Monatsschrift ,Der katholische Seelsorger' in den beiden letzten Heften einen Artikel, der gewiß recht zeitgemäß ist. Der Aufsatz ist die Lösung einer Frage, die im Mai d. I. bei einer Pastoralkonferenz in Fulda vorgelegt wurde und also lautete: „Haften an den zur Auszahlung kommenden sog. Sperrgeldern für die Empfangsberechtigten besondere Verpflichtungen?" Nachdem der Verfasser ausführlich nachgewiesen, daß in ganz Preußen wohl kaum ein Fall vorliegen könne, in dem ein empfangsberechtigter Priester oder dessen Erben vermöge der Gerechtigkeit verpflichtet seien, das nachgezahlte Benefizial- vermögen zu frommen Zwecken zu verwenden, schließt er seine Ausführung also:
„Ganz anders gestaltet sich die Sachlage, wenn wir von dem Standpunkte des strmgen Rechtes absehen und ins Auge fassen, was billig und geziemend ist. Lehmkuhl sagt in seinem trefflichen Moralwerk I. Bd. p. 903, daß bei der Dürftigkeit der kirchlichen Benefizien in der Gegenwart kaum irgendwo von einem Superfluum der bona ecclesiastica noch die Rede sein könne, fügt aber bei: Verum clerici est, non tantum videre, quid summo jure debeat, sibive liceat, sed imprimis, quid deceat, atque fideles aedificet, quid contra populo scandalo sit et malo •exemplo.“
Wenn es sich aber je geziemte, daß Priester bei Verwendung ihrer zeitlichen Güter nicht fragten, was das strenge Recht fordere, sondern was billig sei, was die Gläubigen erbaue und Aergerniß fernhalte, so gilt dieses im eminentesten Sinne von der Verwendung der sog. Sperrgelder.
Während des unseligen Kulturkampfes und der ungerechten Gehaltssperre der Geistlichen haben es die Gläubigen gegen die Priester, deren Dürftigkeit feststand, an Opferwilligkeit nicht fehlen lassen. Wir könnten rührende Beispiele anführen. — Schauen wir auf die Haltung der Priester, so sehen wir uns fast zurückversetzt in die ersten Jahrhunderte der christlichen Kirche. Nicht Versprechungen, nicht das Hungern, nicht Gehaltssperre, nicht Strafen, nicht Pfändungen, nicht Einkerkerung, nicht Verbannung konnten sie erschüttern und zur Untreue verleiten. Mit Bewunderung und Freude schaute die ganze Christenheit auf den Klerus der katholischen Kirche in Deutschland. Die Irr- und Ungläubigen standen wie verblüfft da und konnten nicht begreifen, daß Glaubensmuth itvch in unseren Tagen zu solchen Opfern befähige. Was nach ihrer Auffassung, nach ihrem Urtheil die stärkste Waffe gegen die katholische Kirche sein mußte, die Gehaltssperre, erwies sich als die schwächste und erbärmlichste.
Vornehmlich hat auch, dies dürfen wir wohl beifügen, die Diözese Fulda die Fahne hochgehalten. Ihr in Gott ruhender, um das Wohl der Diözese hochverdienter Bischof Christoph Florentius Kött war mit dem damaligen Erzbischof Ledochowski von Gnesen-Posen der erste, der von der Strenge der kirchenfeindlichen Gesetze getroffen wurde. Wenn er
Das verhängnißvolle Testament.
Nach dem Englischen von H. v. Remagen.
(74. Fortsetzung.)
Sie beschloß also, daß sie am nächsten Abend gleich mit Miß Cameron in ihr Zimmer gehen und dort ruhig warten wollte, bis ihr der Schlüsselkorb gebracht worden war, dann mußte sie nur suchen, das betreffende Bund geräuschlos an sich zu nehmen. Nachher konnte sie geduldig warten, bis das ganze Haus zur Ruhe gegangen war und dann nach dem Bibliothekzimmer leise hinabgehen, um das Testament zu lesen, lieber die Rückgabe der Schlüssel machte sie sich keine weiteren Sorgen. Hatte sie nur erst das Testament gelesen, so mußte sich alles Andere von selbst finden. Es war ihr ein Leichtes, am nächsten Morgen ganz früh Miß Cameron unter dem Vorwande irgend einer Frage in ihrem Zimmer aufzusuchen und dabei die Schlüssel nieder in den Korb zu legen.
Sie schlief in dieser Nacht mit dem Gefühle ein, als ob ihr eine drückende Last abgenommen sei —und schlief so fest, als wäre sie von langem Wachen unendlich erschöpft gewesen. Ein so tiefer, friedlicher Schlaf wllte ihr hienieden nicht wieder beschieden fein.
Am nächsten Tage reiste Sir William Morton
nicht ins Gefängniß abgeführt und aus dem Lande verbannt wurde, — so kam dies daher, daß ihm schon eine schönere Palme des Bekennerthums zu Theil geworden. Die Verwüstungen, welche der Kulturkampf gleich bei seinem Beginn in seinem Priesterseminar angerichtet, hatten ihm das Herz gebrochen. — Priester der Diözese wurden ihres Amtes mtsetzt, verfolgt gleich dem Wilde des Waldes*), gefangen genommen und über die Grenze des Landes escortirt. Und nicht ein Priester hat während der Sperre nur einen Pfennig Staatsgehalt angenommen, obwohl es an Versuchen nicht fehlte, denselben diesem oder jenem aufzudrängen. Selbst von jedem Schatten des Verdachtes der Anerkennung kirchenfeindlicher Gesetze wollte man sich frei bewahren. Vielleicht feine Diözese hat ihre Fahne so unbefleckt bewahrt. Wenn in andern großen Diözesen der eine ober andere Priester nicht so zur Fahne gestanden, so will das unter den Tausenden so treuen so viel wie nichts besagen.
Ziemt es sich nicht, so fragen wir, daß der Klerus seinen Ruhm unversehrt bewahre? Ohne Zweifel! Und wie kann das geschehen? Vornehmlich dadurch, daß die Sperrgelder, insoweit es die Verhältnisse der Empfänger erlauben, eine Verwendung zu frommen Zwecken finden. Insbesondere die geistlichen Bedürfnisse sind bei uns so zahllos und so dringend, daß jedes derselben, so will eS scheinen, lauter und berechtigter um Hilfe schreit als daS andere. Tausende von Seelen gehen alljährlich unserer hl. Kirche verloren, weil eS an Priestern und Lehrern, an Kirchen und Schulen fehlt. Für viele unserer Gegner gab die Furcht, daß die Sperrgelder diesen heillosen Zuständen in etwa begegnen könnten, einen Grund ab, weshalb sie gegen die Herausgabe stimmten. Darum wollten sie auch nicht, daß sie den Bischöfen zur Verfügung gestellt würden. Lieber wollten sie, wie sie zu sagen und zu schreiben sich nicht schämten, den ganzen Sperrfonds in'S Meer versenkt sehen, wo es am tiefsten sei. Möge dieses ungerechte und unwürdige Gebühren uns ein Fingerzeig sein, der uns hinweist, wie die Sperrgelder ihre beste Verwendung finden können."
Dieser uns von sehr geschätzter Seite zugehende Artikel spricht einen Gedanken aus, der gewiß in vielen Priesterherzen lebt und ohne Zweifel auch zur That gelangen wird. Mit einem edlen Beispiele ist bereits der Hochwürdigste Herr Weihbischof Gleich von Breslau vorangegangen. Welcher Mangel an Seelsorgern und Kirchen allein in Berlin herrscht, haben wir auch dieser Tage des Sängern ausgeführt. Hoffentlich wird daher auch die Reichshauptstadt von den ehemaligen „Sperrlingen" nicht vergessen. (Germania.)
*) So war es in der Thai. Ein nach den Maigesetzen abgesetzter Pfarrer wurde aufgegriffen und gefangen genommen in einem Walde, in dem die Gendarmen, seiner in frisch geworfenem Schnee eingedrückten Fußspur nachgehend, ihm gefolgt waren.
Deutsches Keich.
Berlin, 27. August.
* Die Politik, die an und für sich augenblicklich
wieder ab und Mr. Beale beabsichtigte, am nächstfolgenden Tage nach London zurückzukehren. Der schlaue, scharfsinnige Advokat fühlte sich aber mit dem Stande der Dinge in Walton durchaus nicht befriedigt. Er mißtraute dem schönen Mädchen, das Miß Cameron sich als Gesellschafterin erwählt hatte. Am letzten Tage seines dortigen Aufenthaltes beobachtete er sie noch genauer als sonst und fühlte sich noch weniger befriedigt. Ihre stets gespannte Aufmerksamkeit, ihre Gewohnheit, sich plötzlich in Träumereien zu verlieren, ihr unruhiges Wesen und selbst die Erregung in ihren schönen Zügen, Alles das überzeugte ihr mehr und mehr, daß die Dame hier eine falsche Rolle spiele.
„Miß Cameron ist so leicht zu beeinflussen," sagte er sich, „sie ist viel zu edel und großmüthig, um einen Verdacht fassen zu können." Sobald sich im Laufe des Tages die Gelegenheit dazu bot, that er allerlei Fragen in Betteff ihrer und Adelaide erzählte ihm, daß sie sie bei Lady Dayenant kennen gelernt habe.
Das setzte ihn in großes Erstaunen, denn wenn es wahr war, so mußte Alles in der besten Ordnung sein und er hatte keinen Grund mehr, an ihr zu zweifeln. Er war sich übrigens kaum selbst bewußt, wie klar er seine Zweifel über sie ausgedrückt hatte, bis Adelaide ihn ganz erstaunt darauf hin ansah.
wenig Neues bietet, wird ganz und gar durch die täglich eintreffenben Choleranachrichten in ben Hinter- grunb gebrängt. Es ist zur unumstößlichen Thatsache geworben: bte asiatische Cholera, bieser unheimlichste aller Gäste, hat sich seit einigen Tagen auch in Deutsch- lanb niedergelassen, wenn auch erst vorzugsweise in Hamburg - Altona. Ganz Europa verkennt nicht den Ernst der Situation und jeder Staat ist nach Kräften bemüht, das denkbar Möglichste zu ;hun, um die Seuche von seinen Grenzen fernzuhalten. Und so wird es denn, wir sprechen die feste Zuversicht aus, mit Gottes Hilfe gelingen, die Zahl der Opfer, die die Cholera auf ihrem fürchterlichen „Siegeswege" fordert, auf em Minimum zu beschränken, zumal wenn Jeder das Seine thut, die Behörden in ihren Maßnahmen zu unterstützen.
* Bei der Berliner Sanitätskommission sind seit gestern Abend etwa 20 Meldungen über Cholera- erkrankungen eingelaufen; doch ist bis jetzt in keinem dieser Fälle asiatische Cholera erkannt worden. In Brandenburg a. H. und in Charlottenburg werden seit gestern die Mannschaften der nach Berlin fahrenden Hamburger Dampfer und Kähne untersucht.
* Der bisherige preußische Gesandte beim päpstlichen Stuhle, v. Schlözer, ist von seinem Besuche beim Fürsten Bismarck in Barzin nach Berlin zurückgekehrt.
* Der neue italienische Botschafter in Berlin, General Lanza, ist heute hier eingetroffen und dürfte bereits morgen zur Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens vom Kaiser empfangen werden.
* lieber die Verhandlungen des Norddeutschen Lloyd in Bremen mit der Reichsregierung, betreffend die Subventionslinien, wird der .Nattonal-Zeitung' gemeldet: Die thatsächlichen Grundlagen der Verhandlungen bilden erstens die Aufhebung der Mittelmeerlinie unter Wegfall der entsprechenden Subventionsrate, ferner der Ersatz der Samoalinie durch eine andere und endlich die Einstellung eines auf einer deutschen Werft zu erbauenden Doppelschrauben-Dampfers an Stelle des Dampfers „Kaiser Wilhelm II." Ein Anlaufen von London ist nicht in Frage gekommen.
* Den Handelskammern sind der Entwurf eines amtlichen Waarenverzeichniffes und der Entwurf eines neuen statistischen Waarenverzeichniffes nebst Massengüter-Verzeichniß mit der Aufforderung zugegangen, Wünsche und Bemerkungen hierzu baldigst anzubringen.
* Nordamerikanische Zeitungen haben die Mittheilung gebracht, daß Seitens der Angehörigen der Gemeinde Oberammergau die Vorführung des Passionsspiels auf der Weltausstellung in Chicago beabsichtigt werde. Der .Reichsanzeiger' ist zur der Erklärung ermächtigt, daß diese Nachricht unrichtig ist und jedes thatsächlichen Untergrundes entbehrt.
* Auf dem Apothekertag zu Hamburg hielten Professor Schmidt-Marburg und Privatdozent Hart- wich-Braunschweig Fachvorträge. Die Anträge betreffs einer Standes-Berttetung, in der aber nur Apotheken- Besitzer, nicht aber Gehülfen und Provisors als Ver- treter des Standes betrachtet werden könnten, werden einer Kommission zur Vorbereitung überwiesen. Als
„Mir scheint, als ob Sie ein geheimes, unerklärliches Mißtrauen gegen Miß Ayeuel haben," sagte Adelaide. „Woher stammt das?"
Die einfache, direkte Frage setzte ihn fast in Verlegenheit.
„Das kann ich Ihnen wirklich nicht sagen," erwiderte er. „Wahrscheinlich habe ich den Fehler aller Advokaten, überall Täuschungen und Geheimnisse zu vermuthen."
„Ueber ihre Person herrscht aber durchaus kein Ge- heimniß," versicherte Adelaide.
„Und dennoch bin ich der Ansicht," sagte Mr. Beale. „Sie macht in mir den Eindruck einer Person, welche irgend eine Rolle durchführt. Was mich auf die Ver- mnthung bringt, weiß ich selbst nicht recht."
„Sie irren sich entschieden," beteuerte Adelaide lebhaft. „Sie thün ihr Unrecht."
„Ich will wünschen, daß Sie Recht haben; aber ich pflege in den menschlichen Zügen ebenso klar wie in einem Buche zu lesen. Nicht wahr, Sie halten .sehr viel von Ihrer Gesellschafterin, Miß Cameron?"
„Ja, ich halte sie für gut, schön und liebenswürdig," erwiderte Adelaide, „Ich habe sie sehr lieb.“
„Ich kann mich von dem Gedanken nicht losmachen,