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19. Jahrgang

»ldaer

in das Netz einer Spinne zugerathen, welcher es gleich- giltig ist, ob sie dies oder jenes Opfer aussaugt.

Man hat die Pfandleihanstalten und Althändler unter Kontrolle gestellt, und die Maßregel hat sich als eine wohlthätige erwiesen; die „Auskunfts-Bureaus", gleichviel ob sie reell sind oder nicht, können thun, war sie wollen; unseres Erachtens wäre es mindestens ebenso nothwendig, auch diesen etwas auf die Finger zu sehen. Die reellen Bureaus, wenn sie den Namen verdienen, werden sich nicht zu scheuen brauchen, ihren Geschäfts­gang der Behörde zu offenbaren und dieser Geleaenheit zu geben, über die moralische und intellektuelle Quali­tät ihrer Vertrauensmänner amtliche Erkundigungen zu ermöglichen; diejenigen aber, welche allen Grund haben, eine solche Aussicht zu scheuen, verdienen, eher heute als morgen beseitigt zu werden. Wenn nur so viel er­reicht würde, daß die Namen sämmtlicher „Vertreter" und Auskunfts-Erlheiler der betreffenden Bureaus der Behörde stets zugänglich und für sie kontrollirbar wären und Persönlichkerten, welche bestimmten Anforderungm nicht entsprechen, ausgeschieden würden, wäre ein be­deutender Schritt vorwärts geschehen — wir sind der Ansicht, daß es an der Zeit ist, ihn zu thun.

tägtid;. Sonn» und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Ps., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

_2__ e mentSpreis ohne Brmgerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Psenni«

wendige Maß von Charakter haben, um die ihnen über­tragenen Auskünfte streng gewissenhaft und sachgemäß zu ertheilen. Ueberhaupt sind alle diese Auskunfts- ertheilungen subjektiver Natur, es bedarf eines großen Maßes von Sach- und Personenkenntniß, um dieselben so zu geben, daß sie weder dem Auskunft Suchenden, noch dem, über welchen Auskunft ertheilt wird, zum Nachtheil gereichen. Es liegt in der Natur der Sache, daß eine solche Beschäftigung etwas Odiöses an sich hat, es ist durchaus nicht nach Jedermanns Geschmack, über die internsten Verhältnisse seiner Nebenmenschen als Richter aufzutreten und eine Verantwortung zu übernehmen, vor der man in sehr vielen Fällen recht zweifelhaft sein muß, ob man sie auch tragen kann. Das ganze Auskunftswesen, welches schließlich die Indiskretion zum Zwecke hat, muß sich in den Schleier „der Diskretion" hüllen; wer sich mil demselben be­faßt, wer die Vertretung irgend eines solchen BureauL an einem bestimmten Platze übernommen hat, bemüht sich möglichst, unerkannt zu bleiben, da er nur so seine „Informationen" am bequemsten und, das muß man zugeben, auch am zuverlässigsten einziehen kann. Nun kann em solcher „Vertreter" sehr leicht in die Lage kommen, über Jemandes intimste Verhältnisse Auskunft geben zu sollen, der ihm vielleicht kaum dem Namen nach, viel weniger in Bezug auf die gestellte Frage be- kannt ist. Die Antwort muß beschafft werden, sie möge kommen, woher sie wolle; der „Vertreter" wird sich hüten, wenn er sich erkundigt, seinen Zweck anzugeben, es ist auch sehr die Frage, ob er die richtigen Leute findet, die ohne zu wissen, um welche für den Betrof­fenen wichtige Sache es sich handelt, mit vollster Ge- wissenhaftigkeit auf die vielfach sehr indirekt oder gar hinter dem Biertische anscheinend uninteressirt gestellten Fragen erwidern. Daß auf diese Weise sehr falsche Auskünfte zu Stande kommen können, liegt auf der Hand, das Schlimmste bei der Sache aber ist, daß die­selben dann ein für allemal, bis auf Widerruf durch den Vertreter, bei dem betreffenden Bureau niedergelegt sind; erkundigt sich ein zweiter und ein dritter, so er- halten sie dieselbe Auskunft und diese selbst sind in der Lage, ihre „Information" an eine endlose Reihe An­derer aufgesordert oder nicht aufgefordert weiter zu geben. Auf diese Weise kann ein Geschäftsmann durch eine einzige falsche Auskunft, die sich wie ein Ratten­könig weiter entwickelt, auf das Schwerste geschädigt, ja sogar in seiner Existenz vernichtet werden; es liegt mehr als ein Beispiel dafür vor.

Bisher ist nun vorausgesetzt, daß die betreffenden Auskünfte nach dem besten Wissen des „Vertreters" er­theilt sind, aber es bleibt auch nicht ausgeschlossen, daß sich Elemente in die Auskunfts - Bureaus eindrängen, welche alles eher als gewissenhaft sind und mit voll­endeter Charakterlosigkeit ihre dunkle Existenz in den Dienst der Verleumdung und geschäftlichen Schädigung stellen. Wenn man sich vergegenwärtigt, welche furcht­bare Macht derartige Persönlichkeiten in dieser Stellung über Andere besitzen, läßt sich nicht in Abrede stellen, daß hierin eine soziale Gesahr und ein Krebsschaden liegt, daß auch der redliche Mensch stets fürchten muß, der reichsten Erbinnen dieses reichen Landes. Meine Zukunft liegt jetzt verschleiert vor mir — ich habe Nichts mehr zu erwarten."

„Aber was wurde aus Ihrem Helden?" fragte Margarita.

„Er ist in das Schattenreich, wohin ihm meine Liebe vermnthlich folgen wird, zurückgekehrt. Ich habe ihn verloren, Margarita. Er ist mir nie besonders nahe gewesen, jetzt aber ist er weit in die Ferne gerückt und ich werde chn nie mehr als meinen Helden Wieder­sehen."

«Dann sind Sie also sehr unglücklich?" fragte Margarita.

„Nicht gerade unglücklich, Liebste. Ich halte es noch für besser, wenn wir plötzlich erfahren, daß unsere Hoffnung tobt ist, als wenn wir sie allmählich hin- stechen sehen."

„Sind aber Ihre Schlüsse auch alle richtig?" fragte Margarita weiter. „Ich kann nicht begreifen, daß Jemand Sie nicht lieben sollte."

„O doch, ich begreife es sehr wohl," erwiderte sie, „und denke mir, daß mein Held eine Andere liebt, Margarita. Mißverstehen Sie mich nicht. Ich halte mich durchaus nicht für unwiderstehlich und bin nicht । so eitel, anzunehmen, daß alle Welt sich in mich ver­lieben muß; aber ich bin den meisten Frauen an Schön- I

Berlin, 23. August.

* Gegenüber einer von der .Franks. Ztg.' wieder­gegebenen neuen Version über die Ansprache des Kaisers nach der Parade am 18. d. M. bemerkt die .Natioaal-Zeitung', es trete in dieser Version derjenige Punkt nicht hervor, der den Hörern als die Haupt- fache erschien: daß eine auf der 2jährigen Dienstzeit beruhende Vorlage zunächst nicht zu erwarten sei. „Nach der Lesart der .Franks. Zig.' könnte es scheinen, als ob der Kaiser sich sogar unter der Voraussetzung der „nolhwendige Ergänzungen" bereits für die zwei- jährige Dienstzeit erklärt hätte. Dies widerspricht aber Allem, was über die bisherige Stellung des Kaisers zu der Frage bekannt ist, und steht auch im Wider- spruch mit dem vorausgehenden Satze, daß der Kaiser der Vorlage, die von einem Theil der Presse diskutirt worden war, noch nicht zugestimmt habe."

* Als Vertreter des Reichsgesundheitsamts sind Geheimrath Dr. Koch und Regierungsrath Dr. Rahts nach Hamburg gereist, um sich an Oct und Stelle über die Natur der dort und in Altona vorgekomme­nen choleraartigen Erkrankungen zu informiren und den dortigen Behörden hinsichtlich zu ergreifender Maßregeln zur Seite zu stehen.

* Der Ukas des Zaren, durch welchen die Aus- ftihr von Roggen, Roggenmehl und jeder Art Kleie wieder freigegeben ist, ist heute veröffentlicht­worden.

* Der,Reichsanzeiger' meldet amtlich die Abberufung des deutschen Gesandt-n in Bern, Wirkt. Geh. Rath I von Bülow, von diesem Poften behufs anderweitiger dienstlicher Verwendung. (Herr von Bülow geht be­kanntlich als preußischer Gesandter beim päpstlichen Studle nach Rom.)

h-it gleich und bin leidlich begabt und sehr reich. Wenn er mir seine Liebe also nicht geben kann, so muß sie eine Andere schon besitzen, denke ich mir."

„Ja," sagte Margarita nachdenklich, „das ist auch meine Ansicht. Aber was wollen Sie nun thun?"

„Was kann ich thun? Ich werde mich unbedingt nicht von meinem Schatten trennen, diese Schattenliebe wird immer mein größter Schatz sein. Ich werde mein Bestes thun — werde mein Leben weiter leben, so glücklich als möglich sein und Andere zu beglücken streben. Ach, hätte der Himmel mir doch seine Liebe gegeben 1"

Adelaiden's Stolz und Muth schien sie zu verlassen. Sie neigte den Kopf, bis er auf Margarita's Schulter niedersank. '

„Halten Sie mich nicht für kindisch," sagte sie, „aber diese Thränen haben meine Augen schon tagelang verdunkelt. Ach, hätte der Himmel mir nur seine Liebe gewährt!"

Wenn sie, als sie so flehte und weinte, gewußt hätte, wer der Mann war, um den sie so tief trauerte — wenn sie geahnt hätte, an wessen Schulter sie eben ihren Kopf lehnte — würde die stolze Adelaide vor Schmerz und Gram in die Erde g-sunken sein.

Endlich blickte sie, wie ein Kind durch ihre Thränen lächelnd, auf.

A. Die „Auskunstsbureau's"

haben sich seit einigen Jahren außerordentlich stark ver­mehrt. Durch die Umwälzung der Verkchrsverhältnisse wurde die Beziehung von Hand zu Hand unter den Gewerbetreibenden mehr und mehr aufgehoben, es machte sich daher das Bedürfniß geltend, über neue Kunden, wenn denselben Kredit, und sei es auf noch so kurze Zeit, gewährt werden sollte, Erkundigungen in weit umfangreicherem Maße einzuziehen, als es früher der Fall war. Eine und dieselbe Zeitungs-Annonce kommt in alle Welt, und wenn auch der Inserent auf aus­ländischen Absatz nicht reflektirt, so ist er doch bestrebt, im Jnlande selbst nach Möglichkeit sein G-biet zu er­weitern und absatzfähige Kunden in allen Landeslheilen zu gewinnen. Daß er sich dabei möglichst sicher nimmt und sich erst vergewiffert, ob sein Abnehmer auch zahlungsfähig ist, kann man keinem Verkäufer ver­übeln; diese Erkundigungen kann er aber dort nicht einziehen, wo er keine vertrauenswürdige persönliche oder Geschäfts-Bekannte hat, die ihm „in diskreter Form" über die Verhältnisse des Reflektanten nach bestem Wissen Auskunft geben. Da nun namentlich neugegründete Geschäfre, die mit größerem Kapitale arbeiten, insbesondere Aktiengesellschaften und ähnliche Verbindungen solche nicht besitzen, überhaupt auch der gewaltig fluktuirende Verkehr dieselben mehr und mehr unbeachtet läßt, haben sich im Laufe der Zeit Unternehmer gefunden, welche für einen gewissen Bezirk sich die Aufgabe stellen, gewerbsmäßig über jeden be­liebigen Kunden jede beliebige Auskunft, so gut sie dieselbe geben können, demjenigen, der sie verlangt und taxmäßig bezahlt, prompt zu ertheilen.

An und für sich ist diese Idee keine ungesunde, sie kommt einem thalsächlichen Bedürfnisse entgegen, nur ist die Frage, ob erstens die Ausführung, welche sie genommen hat, zweckentsprechend ist, und zweitens ob diejenigen Persönlichkeiten, welche sich im Allgemeinen die Durchführung derselben angelegen sein lassen, das­jenige Maß von Vertrauen verdienen, welches einer derartigen Unternehmung, wenn sie wirklich zum allge­meinen Besten thätig sein will, von vornherein geschenkt werden muß.

Aus dem bereits Gesagten geht hervor, daß es uns ferne liegt, den wirklich reellen Auskunftsbureaus, soweit sie sich in ihren Grenzen halten, die Existenz-Berech­tigung bestreiten zu wollen, aber dennoch gehen wir nicht zu weit, wenn wir sagen, daß das „Auskunfts- Wesen" in der Gestalt, wie es heutzutage auftritt, manche schlimme Mißstände in sich birgt. Dahin ge­hört zunächst die Centralisation. ES gibt Auskunfts­bureaus, welche über das ganze Land Zweigstellen ver­breitet haben, ein förmliches Netz kleiner und kleinster „Agenturen", die meist im Verborgenen vegetiren, aber eben dadurch um so schlimmer wirken. Wenn auch die Hauptstelle, die Centralleitung, bestrebt ist. das „Ge­schäft" durchaus reell zu führen, so ist dieselbe'doch nicht immer in der Lage, allerorts Persönlichkeiten zu finden, welche die nöihrge Sachkenntniß und daS noch-

Das verhängnitzvolle Testament.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(70. Fortsetzung.)

Es vergingen mehrere Tage, ehe Margarita es wagte, Adelaide nach der Entscheidung zu fragen, die der Juni ihr gebracht hatte. Endlich faßte sie Muth. Sie setzte sich eines Tages, als sie sie allein im Schat­ten einer stattlichen Ceder auf dem Rasen sitzen sah, zu ihr und legte freundlich die Hand auf ihren Arm.

„Ich möchte eine Frage an Sie richten," sagte sie ruhig.

„Ich bin bereit, Ihnen jede Ihrer Fragen zu beant­worten, Margarita," versetzte die junge Erbin traurig.

„Wollen Sie mir sagen, was der Rosenmonat Ihnen brachte?"

Adelaide schwieg einen Augenblick, dann erhob sie mit einem trüben Lächeln ihr schönes Antlitz zu ihr.

„via, mein Herz, ich hatte die Absicht, es Ihnen zu sagen, aber ich beschloß, damit zu warten, Marga­rita, bis der erste stechende Schmerz vorüber war. Der Juni kam und ging. Er fand mich voll leiser Hoff- nungen und verließ mich hoffnungslos, er fand mich in stiller, bescheidener Weise glücklich und — verließ mich unglücklich und verzagt, er fand mich unklar über mem Geschick und Hoffnung, aber allerdings als eine