19. Jayrgaug
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M Die Katholische Kirche in den Vereinigten Staaten von Nordamerika.
Ter hl. Vater hat erst jüngst wieder in seiner En- cyklika über Christoph Columbus auf die hohe Bedeutung hingewiesen, welche die Entdeckung Amerikas für die Ausbreitung des Glaubens gewonnen hat. In allen Ländern, die ehemals den Spaniern oder Portugiesen gehörten, also namentlich in ganz Süd- und Mütel- amerika, ist der Katholizismus die herrschende Religion geworden; aber auch im nördlichen Amerika hat die katholische Kirche große Fortschritte gemacht. Sehen wir von Kanada ganz ab, das, ehedem unter französischer Herrschaft stehend, großentheils katholisch ist, und beschränken wir uns auf die Vereinigten Staaten, denen unser Interesse ja in erster Linie zugewendet ist.
Die Bereinigten Staaten zählten vor 100 Jahren nur 30 000 Katholiken mit nur einem Bischof, jetzt aber gegen neun Millionen Katholiken und gegen 100 Erzbischöfe und Bischöfe. Es wäre aber verkehrt, sich auf Grund der bloßen Gegenüberstellung dieser Zahlen ein Urtheil über das Wachsthum der katholischen Kirche in der nordamerikanischen Union bilden zu wollen. Gerade bei der Bevölkerungsstatistik Amerikas muß die Einwanderung stets in vorderster Reihe berücksichtigt werden. Und da ergibt sich freilich ein bei Weitem weniger erfreuliches Bild von den Fortschritten der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten. Diese Fortschritte sind zwar groß, aber sie müßten bei Weitem größer sein.
Die gegenwärtige Bevölkerung beträgt über 60 Millionen, von denen ungefähr 16 Millionen deutscher Herkunft sind, und von diesen ist etwa ein Drittel katholisch. Jährlich wandern etwa 50 000 deutsche Katholiken ein. Von diesen geht die Mehrzahl der katholischen Kirche verloren. Ebenso ist es bei den Katholiken irischer Abkunft. Von den 60 Millionen Bewohnern der Vereinigten Staaten sind nämlich 20 • Millionen irischer Herkunft, und diese sind überwiegend — etwa 18 Millionen — Katholiken. Wenn wir außer den deutschen und irischen Katholiken*) noch auch etwa 2 Millionen Katholiken anderer Nationalität (polnischer, italienischer, französischer rc.) rechnen, so würden wir eine katholische Bevölkerung von insgesammt 25 Millionen herausrechnen; sie beträgt aber thatsächlich noch nicht 9 Millionen.
Dieser Unterschied ergibt, selbst wenn die erstere Zahl zu hoch berechnet sein sollte, einen so ungeheuren Verlust, daß man versucht sein könnte, nicht mehr mit Stolz und Freude von einem Aufschwünge, sondern mit Trauer von einem Niedergange der katholischen Kirche in Nordamerika zu sprechen. Und doch dürfen wir nach wie vor stolz sein auf den amerikanischen Zweig unserer großen hl. Kirche. Denn wir dürfen nicht allein die nackten Zahlen ins Auge fassen, sondern wir müssen auch die außerordentlichen Schwierigkeiten, die Einwanderer ihrem Glauben zu erhalten, in Rücksicht ziehen. Die große Masse Derjenigen, die sich alsbald dem Amerikanerthum assimiliren, geht der Kirche
*) Mit Rev. Walburg im Raphaelsblatt.
Das verhiingnißvolle Testament.
Nach dem Englischen von H. v. Remagen.
(65. Fortsetzung.)
34. Kapitel.
Der Wonnemonat war vergangen und hatte nur den Duft der Maiblumen zurückgelassen. Der erste Junitag brach hell, warm und schön an. Der Himmel lächelte auf die Erde hernieder, die Blumen hatten sich besonders reizend- geschmückt. Lady Rylestone stand auf der breiten weißen Terrafse, von der man die Gärten überschaute, ganz allein.
Die Morgensonne beschien ihre schlanke Gestalt in ihrem vollendeten Ebenmaße und ihrer unaussprechlichen Anmuth und das wundervolle Antlitz mit dem herrlichen Farbenschmelz. Sie machte den unruhigen Ausdruck der dunklen Augen deutlich sichtbar, den Marga- rita'S hatte sich an diesem heitern Junimorgen eine entsetzliche Furcht bemächtigt, die der Erde ihre Heiterkeit und der Sonne ihr Licht raubt. Wie, wenn ihr Gatte ihr ernstlich zürnen würde — wenn er ihre That niedrig, ehrlos und unwürdig fände — und sie als eine Verworfene, Schmachbedeckte von sich stieße?
Sie hatte in der letzten Zeit in einer reinen, klaren Atmosphäre gelebt. Adelaide Cameron war selbst so wahr, so durch und durch ehrenhaft — ihre Ansichten
größtentheils verloren. Denn Jene schicken ihre Kinder in die religionslosen Staatsschulen, wo sie alsbald gleichermaßen ihre Nationalität wie ihren Glauben verlieren. Die Katholiken und insbesondere die deutschen Katholiken haben deshalb große Anstrengungen gemacht, um Pfarrschulen zu errichten, die ebenso tote die Pfarrkirchen selbst nach Nationalitäten gesondert sind. Wer wollte leugnen, daß sie hierdurch große Erfolge errungen haben? Der Eifer und die Opferwilligkeit, denen diese Erfolge entsprangen, berechtigen uns durchaus, mit Stolz und Freude auf unsere amerikanischen Brüder zu blicken. Hoffen wir, daß die Verblendung, welche das blühende nationale Schulwesen den Staatsschulen opfern möchte, unterliege und eS namentlich den deutschen Katholiken gelinge, das sicherste Bollwerk ihres Glaubens sich zu erhalten, ihre deutschen Pfarrschulen!
Deutsches Keich.
Berlin, 18. August.
* Der Kaiser kam heute früh von Potsdam nach Berlin, um von 9 Uhr ab die große Herbstparade des Gardekorps abzuhalten. Auf dem Paradefelde begrüßte er sehr herzlich den gestern Abend hier eingetroffenen Prinzen Leopold von Bayern, der sich als Generalinspekteur der 4. Armeeinspektion meldete. Zu Ehren des Prinzen hatte der Kaiser die Abzeichen des bayrischen HubertusordenS angelegt. Im Verlaufe der Parade, die infolge der großenHitze etwas verkürzt werden mußte, führte der Kaiser dem Prinzen Leopold daS 1. Garde-Regiment z. F. vorbei. Bei der Kritik sprach der Kaiser seine größte Zufriedenheit mit der Haltung der Truppen aus. Schließlich setzte sich der Kaiser an die Spitze der Fahnenkompagnie und führte diese durch die Friedrichstraße nach dem Schlosse. Das Tempelhofer Feld und die zuführenden Straßen waren von Tausenden und Abertausmden von Menschen dicht besetzt, welche trotz des Sonnenbrandes stundenlang ausharrten, um die Truppin zu sehen und den Kaiser und die übrigen der Parade beiwohnenden Fürstlichkeiten zu begrüßen. Nachmittags fand im Neuen Palais zu Potsdam das Paradediner statt an dem auch Prinz Leopold von Bayern theilnahm. Derselbe wird im Anschluß an seinen Besuch in Berlin die zu seiner Inspektion gehörigen preußischen Armeekorps, das 3. und 4. einet Besichtigung unterziehen.
* Ein Telegramm aus Stockholm meldet: Zufolge offizieller Mittheilung wird der deutsche Kaiser am 4. September Nachmittags in Gothenburg eintreffen, wo er von dem Kronprinzen empfangen wird; Abends 10 Uhr erfolgt die Abreise mit Sonderzug nach Herrljunga. Nach der Jagd am 5. September auf Hunneberg giebt König Oskar zu Ehren des Kaisers Wilhelm auf der Eisenbahnstation Herrljunga ein Festmahl, an welchem auch alle zur Jagd Eingeladenen theilnehmen werden. Um 10ffz Uhr Abends reist der Kaiser mit Sonderzug nach Golhenburg zurück.
* Die ,Breslauer Ztg/ berichtet, die Hauptveran- lasfung zu dem Rücktritt des Ministers Herrfurth sei gewesen, daß er den sofortigen Erlaß eines Wahlgesetzes und die Reform des Dreiklassen-Wahlsystems
und Gedanken waren so durchaus edel — ihre Ehrbegriffe waren so klar und verständig, daß Niemand in ihrer Nähe leben konnte, ohne alles Reine und Wahre allmählich mehr und mehr schätzen zu lernen. Auch Margarita begann die Dinge in einem reineren Lichte zu betrachten. Sie besaß Geist, Feuer, Leidenschaft und gute Grundsätze, aber es fehlte ihr etwas an dem richtigen Ehrgefühl.
Adelaide Cameron hätte den Gedanken, sich unter einer Maske in ein fremdes Haus zu schleichen, um dort durch unerlaubte Mittel etwas zu erspähen, was ihr geflissentlich vorenthalten wurde, nicht ertragen; sie hätte sich dazu ebenso wenig entschlossen, als sie fähig gewesen wäre, den Inhalt aus der Börse ihres Nachbarn zu rauben. Margarita hingegen verlor über den Gedanken an den Zweck ganz das Gefühl für die un- ehrenwerthe Wahl der Mittel — ihr Ehrgefühl schreckte nicht davor zurück, sie sagte sich, um sich vor sich selbst zu entschuldigen, daß sie nur in der Absicht, ihrem Gatten zu nützen, ihm dienstbar zu sein, um den Weg ausfindig zu machen, auf welchem er sein verlorenes Vermögen wiedererlangen könne, gehandelt habe, und das erstrebte Ziel war in ihren Augen so wichtig, daß sie über die Wahl derMittel zu seiner Erreichung nicht weiter nachdachte.
Ihr Unbehagen an jenem heiteren Junimorgen ent»
für unerläßlich gehalten. Sodann habe er die in dem Miquel'schen Steuerreform-Gesetzentwurf enthaltenen Eingriffe in die Selbstständigkeit und die Selbstverwaltung der Gemeinden getadelt und endlich habe er geglaubt, dem Reformplan einen agrarischen Character beilegen zu müssen. Minister Herrfurth werde im Herbste bei den Verhandlungen des Abgeordnetenhauses zur Stelle sein.
* In einer, anscheinend aus dem Finanzministerium stammenden Entgegnung auf Ausführungen des Abgeordneten v. Eynern zu Ungunsten der Miquel'schen Steuerreform findet sich die folgende beiläufige, aber interessante Bemerkung: „Es mag nur daran erinnert werden, daß die Vermögenssteuer zugleich und in hervorragendem Maße den Zweck hat, die bisherige Unzulänglichkeit der Realbesteuerung zu verbessern und daß, wenn die Vermögenssteuer keinen Eingang finden sollte, man zu dem Verlangen zurückkehren müßte, die Kapitalrentensteuer als Ergänzung der auf die Hälfte ermäßigten (d. h. den Gemeinden überwiesenen) Grund- und Gebäudesteuer und der Gewerbesteuer neu einzuführen."
* Unter den Gründen, welche die Regierung veranlaßten, dem Berliner Weltausstellnngsprojckt nicht näher zu treten, ist, wie verlautet, auch der ins Gewicht gefallen, daß sich das Ausland auf vertrauliche Sondirungen hin sehr reservirt verhielt. So soll das italienische Auswärtige Amt erklärt haben, daß unter den gegenwärtigen wirthschaftlichen Verhältnissen Italien nicht in der Lage sei, über ein bescheidenes Maß hinaus an der Ausstellung theilzunehmen.
* Die Granen Schwestern erhielten die ministerielle Erlaubniß zur Errichtung einer neuen Niederlassung in Berlin.
* Der preußische Minister für Landwirthschaft hat angesichts des Umsichgreifens der Maul- und Klauenseuche weitergehende Schutzmaßregeln veranlaßt. Danach können die Regierungspräsidenten das Treiben von Schweinen ans öffentlichen Wegen über die Grenzen des Gemeindebezirks hinaus bis Ende des Jahres verbieten und für alles gewerbsmäßig zum Transport von Vieh benutzte Fuhrwerk eine gründliche Reinigung und Desinfektion des Fuhrwerks nach jedesmaligem Gebrauch vorschreiben.
* Breslau, 17. Aug. Die hiesige Sanitäts-Kommission beschloß, angesichts der drohenden Cholera-Gefahr fortan auf sämmtlichen Breslauer Bahnhöfen die ankommenden Reisenden durch eine hinreichende Anzahl von Aerzten überwachen zu lassen.
* Bonn, 16. August. Dem soeben ausgegebenen Jahresbericht über den Verein vom hl. Karl Borromäus für 1891 entnehmen wir Folgendes: Im Jahre 1891 zählte der Verein 18,285 Mitglieder und 33,882 Theilnehmer. Diese 52,167 Mitglieder und Theilnehmer haben ihre nach den Vereinsblättern ausgewählten Bücher-Gaben rechtzeitig erhalten, und wurde denselben außerdem der Vortheil geboten, Bücher aus dem für 1890/91 herausgegebenen, 10,518 Nummern enthaltenen Bücherverzeichniß zu zwei Drittel der Ladenpreise beziehen zu können. Aus den im Jahre 1891 erzielten Ueberschüssen wurden für rund 33,600 Mark
sprang aus einer Unterredung, welche sie am Abend vorher mit Adelaide gehabt hatte. Sie hatten Beide dieselbe Geschichte gelesen und stritten nun lebhaft über ihren Helden. Adelaide zollte ihm vollen Beifall. Er hatte, selbst auf die Gefahr hin, daß ihm das Herz darüber brach, das Weib, welches er liebte, aufgegeben, weil er sie auf einer unehrenhaften That ertappt hatte, welche sie allerdings nur aus Liebe zu ihm beging. Er vermochte sie ihr nicht zu vergeben. Sie erschien ihm wie der Mehlthau auf einer Blume, wie der Wurm in einer Frucht. Sein Ideal war dadurch zerstört und er gab sie auf. Adelaide fand, daß er recht daran gethan hatte und Margarita war darüber entrüftet.
„Recht!" wiederholte sie. „Nein, er war grausam und ungerecht! Sie that es um seinetwillen — für ihn. Wie konnte er ihr darüber zürnen, wie die That vermtheilen?"
„Sie war immerhin ehrlos," behauptete Adelaide.
„Ehrlos! Mir scheint sie heroisch. Sie wäre vielleicht gemein und niedrig zu nennen, wenn sie sie um ihrer selbst willen beging — aber sie that es für ihn."
„Ich kann nicht begreifen, in wiefern das die That ändern soll, Margarita. Sie beging eine niedrige, ehrlose That. Aendert das die Natur der That, ob sie für den Geliebten, für Bruder, Gatten, Schwester ode