jy 187 Donnerstag, den 18. August 1892. 19. IahrgMg
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Deutsches Keich.
Berlin, 16. August.
* Der heutige Gedenktag der Schlacht bei Mars la Tour wurde mehrfach begangen. DaS Denkmal auf dem Kasernenhofe des 1. Garde-Dragoner-Rgts. wurde vom Berliner Kriegerverband unter entsprechenden Ansprachen mit Blumm geschmückt, ebenso das Dmkmal, welches das genannte Regiment seinen Gefallenen auf dem Schlachtfelde setzen ließ. Am Abend speiste der Kaiser mit den Offizieren des Regiments in der Kaserne.
* Ende September wird der Besuch des Königs von Griechenland am hiesigen Hofe erwartet.
• Prinz Leopold von Bayern trifft morgen in Berlin ein, um sich dem Kaiser als Inspekteur der 4. Armeeinspektion vorzustellen. Am Donnerstag wird Prinz Leopold der großen Herbstparade auf dem Tempelhofer Felde beiwohnen.
* Die Verhandlung gegen den Bankier Löwy wegen Bankerotts und Depotunterschlagung vor dem hiesigen Landgerichte ist auf den 27. September angesetzt.
* Der Chefredakteur der,Kreuzzeitung' Frhr. von Hammerstein hat den Rechtsanwalt Mosse wegen beleidigender Aeußerungen, die derselbe in dem Prozesse des Verlegers des .Berliner Tageblatt' gegen Frhrn. von Hammerstein wider letzteren gethan, fordern lassen. Rechtsanwalt Mosse hat sowohl die Zurücknahme der fraglichen Aeußerungen, wie die Forderung abgelehnt.
* Der .Staatsanzeiger' veröffentlicht amtlich das vom preußischen Landtage beschlossene Kleinbahnengesetz, nachdem dasselbe untern 28. v. M. die kömgl. Sanktion erhalten hat.
* Der Chef der Kolonialabtheilung des Auswärtigen Amtes, Geh. Rath Dr. Kayser ist von seiner Reise nach Ostafrika wieder nach Berlin zurückgekehrt und hat die Leitung der Kolonial - Abtheilung wieder übernommen.
* Der Kaiser hat in Anerkennung der auch von den farbigen Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften der Schutztruppe für Deutsch-Ostaftika in den Gefechten gegen die Wahehe im August v.Js. bewiesene Tapferkeit, Entschlossenheit und Umsicht die Krieger- Verdienstmedaille 1. Klasse: den farbigm Offizieren Murgan Effendi und Gaber Effendi; die Krieger- Verdienstmedaille 2. Klasse: vier farbigen Unteroffizieren und neun Soldaten verliehen. Für ihre in dem Gefecht bei Jpuli am 1. April d. Js. bewiesene Tapferkeit sind mit der Krieger-Verdienst-Medaille 2. Klaffe vier Soldaten ausgezeichnet worden.
* Die Branntweinprodnktion int deutschen Reiche betrug in der Zeit vom 1. Oktober v. Js. bis Ende Juli ds. Js. 2,757,002 Hektoliter reinen Alkohols (gegen 2,781,657 Hektoliter in dem gleichen Zeitraum 1890/91). In den freien Verkehr wurden nach Entrichtung der Verbrauchsabgabe übergeführt 1,668,777 Hektoliter (gegen 1,834,202 Hektoliter in 1890/91).
* Bochum, 16. Ang. Der Beleidigungs-Prozeß Baare-Fusangel wird am 3. Oktober in Essen zur Verhandlung kommen.
Das verhängnißvolle Testament.
Nach dem Englischen von H. v. Remagen.
(63. Fortsetzung.)
Zum ersten Male dämmerte in Margarita ein Schein der Wahrheit auf, und sie betrachtete das schöne Antlitz des jungen Mädchens mit besorgten Blicken.
„Warum glauben Sie, daß er Sie hassen müßte?"
„Ich kann, ich darf Ihnen das nicht sagen. Aber ich werde bald erfahren, ob es der Fall ist oder nicht."
„Und wie wollen Sie das erfahren?" fragte Margarita, die sich mehr und mehr für das Vernommene zu interessiren begann.
„Auch das kann ich Ihnen nicht sagen. Im nächsten Juni muß mein Schicksal sich entscheiden. Entweder werde ich dann die Glücklichste der Sterblichen oder ich muß ungeliebt durch's Leben gehen."
„Im nächsten Juni," wiederholte Margarita, und der auffteigenbe Verdacht erlosch wiederum. Das Gesagte konnte sich nicht auf ihren Gatten beziehen — er konnte in keinem Falle gemeint sein, denn er war weit entfernt, und zum Juni war nicht an seine Rückkehr zu denken.
„Sie werden mein Geheimniß hoffentlich treu be-
Ausland.
♦ Nachdem nunmehr auch der unheimliche Gast, die Cholera, in Petersburg seinen Einzug gehalten, hat das Königlich - Schwedische Kommerz - Kollegium ganz Rußland und Finnland für von der Cholera angesteckt erklärt. — Am Sonnabend starben in Petersburg an der Cholera 13, am Sonntag 12, in Moskau am Freitag 2 Personen.
* Trotz des von den Fiakerkutschern in Paris beschlossenen Streiks waren gestern doch zahlreiche Wagen im Betriebe; es ist nun für heute ein Monstre- streik fämmtlicher Kutscher und Kondukteure aller öffentlicher Fuhrwerke angesagt, ein Streik, wie ihn selbst Paris noch nicht gesehen hat. Bis jetzt ist es ja noch zu keinerlei Konflikt gekommen, derselbe wird aber wohl nicht ausbleiben.
* lieber den Verlauf der dem bulgarische» Ministerpräsidenten Stambulow vom Sultan gewährten Audienz bringt bie ,Agence balcanique6 nähere Einzelheiten. Das meiste Interesse beansprucht die Anerkennungsfrage, die in der That zur Sprache gekommm, vom Sultan aber klugerweise „bis zum günstigen Augenblick" vertagt worden ist. Der Sultan erklärte nämlich, daß er großes Interesse für das Fürstenthum hege und daß er empfehle, feinen Rathschlägen zu folgen. Die Anerkennung des Prinzen Ferdinand werde er aussprechen, wenn der günstige Augenblick dazu gekommen sei. Bei der Verabschiedung überreichte der Sultan Stambulow eine mit Diamanten reich besetzte Tabakdose und sagte, es werde wohl bald der Augenblick kommen, wo er Stambulow eigenhändig einen hohen Orden überreichen werde. — Ob es dem Sultan ernst mit der Anerkennung Bulgariens oder ob die ganze Sache “ad calendas graecas“ vertagt ist — wer wills wissen! Wie aber der ganze Verlauf der Audienz an der Newa aufgenommen worden ist, geht am besten daraus hervor, daß man russischerfeits eine neue Verdächtigung Bulgariens versucht, deren Wirkung gerade aus den Sultan berechnet ist. Danach soll Bulgarien int Jahre 1886, also noch unter dem Fürsten Alexander, ein Bündniß aller Balkanstaaten gegen die Türkei angeregt haben! — An Stambulow wird es jetzt sein, diesen Verdacht gründlich zu widerlegen, sonst wirds mit der Anerkennung Seitens der Türkei nichts.
* Wie aus Belgrad gemeldet wird, hätte der Ministerpräsident Pasic der Regentschaft die Demission des gejammten Kabinets eingereicht, nachdem der Minister des Innern und der Kriegsminister um ihre Entlassung gebeten hätten.
* Auch das englische Oberhaus hat sich gestern bis Donnerstag vertagt, nachdem Lord Salisbury Mittheilung von der Demission des Kabinets gemacht und erklärt hatte, daß die Minister noch so lange im Amte bleiben würden, bis ihre Nachfolger ernannt seien.
* Der Gouverneur des Libanon ist nun endlich ernannt. Das „Libanon-Protokoll", zu dem die Mächte ihre Zustimmung geben müssm, ist am 15. August auf der Pforte unterzeichnet und damit Raum Effendi zum Gouverneur des Libanon ernannt worden.
wahren Margarita?" sagte Adelaide, als sie langsam dem Hause zuschritten.
„Ja, ich werde es treu bewahren und hoffe, einstmals Ihren Helden von Angesicht zu Angesicht zu sehen."
Darauf erwiderte Adelaide traurig:
„Daran zweifle ich sehr."
33. Kapitel.
Der Marquis von Hedington war mit aller nur möglichen Rücksicht und Freundlichkeit, aber dennoch mit der festen Versicherung, daß er sich nicht weiter bemühm sollte, von der Dame seines Herzens zurückgewiesen worden. Er fühlte sich namenlos unglücklich, und Adelaide bedauerte ihn aufrichtig. Bald nachdem er Combermere verlassen, kehrte auch die junge Erbin mit ihrer Gesellschafterin nach Waltoncourt zurück.
Lady Rylestone hatte inzwischen mit ihrem Gatten mehrere Briefe gewechselt, sie sendete die ihrigen stets nach Maryeth, damit sie dort auf die Post gegeben würden. Tage lang nach Empfang solcher Briese war Margarita stets sehr glücklich, es schien ihr dann, als ob die ganze Welt heiterer anSsähe, und besonders nach dem letzten, in welchem Lord Rylestone ihr die Hoffnung auf feine Rückkehr zu Ende November aussprach.
„Weich' ein neues Leben wird dann für uns be-
• Bekanntlich haben die Araber an verschiedenen Stellen im oberen Kongogebiete sich erhoben. In der belgischen Presse war der Verdacht aus besprochen, daß französstsche Emissäre dm Kriegsbund . Araber herbeigeführt hätten, während anbererfeits der Kongoregierung durch ihr brüskes Vorgehm die Schuld an dem Araberaufstande zugeschrieben wird. Nun liegt eine ganz andere Version vor, die sich der Brüsseler ,Patriote' aus dem Tangauika-Gebiet melden läßt. Danach wäre die wahre Ursache des Araberaufstandes, daß alle arabischen Häuptlinge in einem von Mecca ausgegangenen Befehl aufgefordert seien, gegen bie Europäer in Central-Afrika überall beit heiligen Krieg zu beginnen. — Mit Rücksicht auf ben religiösen Fanatismus der Araber darf er nicht als ausgeschlossm gelten, daß die Neger die Gelegenheit benutzen werden, um mit Hülfe und unter Führung der Araber zu versuchen, die Europäer dahin zu verjagen, wo sie her gekommen sind. Wenn die Dinge so liegen, darf man sich jedenfalls auf ernste Kämpfe im dunklen Erdtheil gefaßt machen. Soll doch bereits, wie aus Brüssel berichtet wird, der König von Belgien Stanley telegraphisch berufen haben, um ihn mit einem neuen Kriegszuge in Afrika gegen die aufständischen Araber zu betrauen. — Stanley ist ja allerdings der eigentliche Begründer des Kongostaates, aber — er ist jetzt verheirathet und hat f. Zt. erklärt, keine Afrikareisen mchr untemehmen zu wollen. Ob er sich trotzdem wird noch einmal nach dem Kongo schicken lassen, ist daher fraglich, wenn auch bei dem bekannten Ehrgeiz Stanley'- durchaus nicht ausgeschlossen.
* Kapstadt, 12. Ang. In Natal hat ein furchtbarer Prairiebrand gewüthet. 2000 Stück Hornvich und mehrere hundert Schafe sind dabei zu Grunde gegangen. Es heißt, daß ein irrsinniges Kaffernweib da- GraS angesteckt hat. Die Frau soll eine Brandstiftungsmanie besitzen. Das Feuer verbreitete sich mit rasender Geschwindigkeit, bis es die Hürden eines reichen Viehhändlers erreichte. Der Besitzer war nicht da, deshalb konnten die 2000 Ochsen und Kühe nicht heraus gebracht werden und verbrannten sämmtlich.
Dor fünfzig Jahren.
+ Fulda, 16. August.Z (Fortsetzung.)
Keiner jener drei so hochverdienten Männer, bereu unverdrossenen, beharrlichen Bemühungen allein Fulba gegenwärttg eine seiner Hauptzierden verdankt, wellt mehr unter den Lebenden. Sie wurden längst versammelt zu ihren Vätern, ja der eine: Stadtvorstand Rath Kepler starb sogar schon vor Beendigung des von ihm so warm geförderten Unternehmens, aber wenn unsere Stadt heute das 50jährige Jubiläum des herrlichen Bonifatius-Denkmals begeht, so erheischt es die Pietät, vor Allen ihrer mit warmem Danke zu gedenken.
Und wahrlich, die Unternehmer haben keine Mühe gescheut. In besonderen Bittgesuchen wandten sie sich nicht nur an die regierenden Häupter Deutschlands, sondern auch an sehr viele hochangesehene Persönlichkeiten,
ginnen, Margarita!" schrieb er. „Dann brauche ich mein Weib nicht mehr in einem armseligen Dorfe zu verbergen! Ich habe in ben letzten zwei Jahren schr angestrengt gearbeitet, aber ber Lohn wirb mir auch nicht ausbleiben. Reichthum unb Erfolg warten mm unser unb ich werde beides doppelt schätzen, weil ich es zu Deinen Füßen niederlegen kann. Der Graf von Barton hat mir gesagt, daß er im nächsten Frühjahr eine glänzende Stellung zu vergeben habe, und daß et mich dafür bestimmte. Also, mein Liebling, kehre ich als der Glücklichste der Sterblichen zu Dir zurück. Dein geliebtes Antlitz wird mir von dem Fenster aus entgegenstrahlen, wo ich es zuletzt erblickte. Kann eS einen glücklicheren Menschen geben, als ich es bin?"
Sie las diesen Brief unter einer der großen, weitgezweigten, Eichen von Waltoncourt. Als sie ihn gelesen hatte, ergriff sie eine plötzliche Angst, — ein entsetzlicher Zweifel, ob sie Recht oder Unrecht gethan hätte, bemächügte sich ihrer, — was würde er sagen, wenn er erfuhr, daß das Weib, das er liebte und ehrte, sich unter einer Maske in seine Heimath eingeschlichen hatte? Würde er ihr zürnen? Würde er ihre Hände unehrenhaft finden?
„Schließlich that ich es doch nur um seinetwillen," dachte sie. „Ich wollte ja nur versuchen, ob es mir