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Sonntag, den 14. August 1892. ' 19. jugrgur.c

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Hierzu eine Beilage. "HWS

»E Wegen des Festes Mariä Himmel­fahrt wird die nächste Nummer ds. Bl. erst am Dienstag ansgegeben.

^Die Lage der östereichischen Katholiken.

Der Linzer ßatbolifentag lenkt die Aufmerksamkeit auf die kirchlichen Verhältnisse des stammverwandten habsburgischen Reiches.

Es ist bekannt, daß in Oesterreich, gradeso wie bei uns, der Kampf um die Schule voransteht. Die österreichische Schule ist vollständig konfessionslos. Da ferner nicht nur der Schulzwang, sondern auch tbatsächlich die Zwangsschule besteht, so ist es den Eltern unmöglich gemacht, ihren Kindern eine solche Erziehung und einen solchen Unterricht angedeihen zu lassen, wie sie den Grundsätzen ihres Glaubens und den Forderungen ihres Gewissens entsprechen. Kann das katholische Volk es sich gefallen lassen, daß prote­stantische Lehrer seinen Kindern die Geschichte der Re- formatton vortragen, daß ungläubige Lehrer ihnen Religionsunterricht ertheilen, ja daß jüdiscke Lehrer die christlichen Kinder zum christlichen Gottesdienst führen?

Die Katholiken Oesterreichs haben sich daher auf­gerafft zum Kampfe für die christliche, konfeisionelle Schule. Den Ausgangspunkt bildete der Schullantrag, den Prinz Aloys Liechtenstein am 25. Januar 1888 im Abgeordnetenhause einbrachte; leider kam der Antrag gar nicht zur Verhandlung. Die eigen« thümlichen politischen Verhältnisse Oesterreichs — die Mangelhaftigkeit des Parieiwesens,' die unklare Stellung der Konservativen zur Regierung — führten zu einer Versumpfung der Schulsrage.

Das Verdienst, sie aufs Neue aufgerollt zu haben, gebührt den Bischöfen. In ihrer Erklärung vom 12. März 1890 forderten sie die konfessionelle Schule als Regel, konfessionelle Ausbildung der Lehrer, Mit­wirkung der Kirche bei Anstellung der Lehrer und bei der Schulaufsicht, Erweiterung des Religionsunterrichts und eine dem katholischen Charakter der katholischen Volksschulen entsprechende Einrichtung des gesammten Lehrplanes sowie der Lehr- und Lernmittel. Wie man sieht, sind diese Forderungen identisch mit den Schul­forderungen der deutschen Katholiken. Die österreichische Regierung sagte damals eine ernste und eingehende Prüfung der bischöflichen Erklärung zu. Es ist aber bis heute nichts geschehen, was nach einer Berück­sichtigung derselben aussähe.

Nächst der konfessionellen Schule haben die öster­reichischen Katholiken noch viele andere begründeten Beschwerden, die aus der Verkehrtheit der konfessionellen Gesetze sich ableiten. So kann nach dem bürgerlichen Gesetzbuche eine Ehe zwischen Christen und Nichtchristen nicht stattfinden. Das ist vielleicht ganz gut gemeint, in der Praxis aber wird es zu einer Quelle der Apostasie. Verbindungen zwischen Inden und Christen werden durch diese Bestimmung nicht verhindert; wohl aber werden sehr viele laue

Das verhSugaißaalle Testament.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(61. Fortsetzung.)

Margarita wußte genug. Sie hatte die steigende Röthe, den träumerischen Blick und den wechselnden Ausdruck de« schönen Antlitzes wohl bemerkt. „Sie liebt doch," dachte Lady Rylestone, „und zwar Jemand, dessen Lieblings-Blume Reseda ist."

Sie setzte sich auf den niedrigen Zaun, der das Gehölz von den Feldern trennte, und da hielt Marga­rita den Augenblick für geeignet, um von Lord Heding« ton zu reden. Sie betrachtete Adelaide, ihr Aussehen war heiter und frisch, wie das des Frühlingsmorgens. Zuerst eröffnete sie das Gespräch mit einigen Bemer­kungen über Lady Edgerton und ihre Gäste und kam dann allmählich und geschickt auf den jungen Marquis iu sprechen. Einem so offenen Charakter gegenüber war Offenheit das Gerathenste. Sie blickte plötzlich mit freundlichem Lächeln zu Adelaide hinüber.

„Rührt seine schwärmerische Hingebung Sie denn gar nicht?" fragte sie.

„Er ist sehr gutherzig," räumte Adelaide ein, „aber ich muß aufrichtig gestehen, daß ich an dem Marquis kemen besonderen Hang zur Schwärmerei entdeckt habe."

„Ich nenne ihn auch nur in Bezug auf die Liebe

Christen — und deren gibt es gerade in Oesterreich leider sehr viele — dazu verleitet, „konfessionslos" zu werden. Zu bedauern sind dann die armen Kinder, die aus solchen Verbindungen hervorgehen.

ES ist ja überhaupt nichts so verderblich wie die große Zahl der Mischehen. Die Verderblichkeit der Mischehen wird aber in Oesterreich noch gesteigert durch die gesetzliche Vorschrift, daß Kinder zwischen 7 und 14 Jahren ihre Konfession nicht wechseln dürfen. Folgender Fall kommt sehr oft vor: Ein lauer Katholik heirathet eine Protestantin, läßt sich dann meistens auch protestantisch trauen und seine Kinder protestantiich taufen. Nach Jahren rührt sich bei ihm das Gewissen; er versöhnt sich mit der Kirche — aber seine Kinder müssen protestantisch bleiben, weil sie bereits daS 7. Lebensjahr überschritten haben! Während ihrer ganzen Schulzeit müssen sie an dem protestan­tischen Religionsunterricht theilnehmen, und erst, wenn sie 14 Jahre alt sind, dürfen sie katholisch werden — wenn sie eS dann noch wollen und nicht schon ganz innerlich zu Protestanten gemacht worden sind. Der Abfall vom Glauben ist so leicht gemacht, die reuige Rückkehr so schwer! Nimmt man dazu die konfessions­lose Schule, so kann man sich nicht wundern, daß das moderne Heidenthum in Oesterreich immer mehr über­hand nimmt.

Deutsches Keich,

Berlin, 12. August.

* Die Einberufung des Reichstages ist, wie die Magd. Ztg.' hört, jetzt bestimmt für den No­vember zu erwarten. Selbst für den sehr unwahr­scheinlichen Fall, daß man sich an maßgebender Stelle noch entschließen sollte, die Einbringung der geplanten großen Militärvorlage bis zur nächsten Tagung zu verschieben, würde der Reichstag einen so bedeutenden Arbetsstoff zu- bewältigen haben, daß selbst bei mög­lichst frühzeitiger Einberufung die bevorstehende Tagung sich bis in die warme Jahreszeit erstrecken dürfte. Denn wenn auch die Militärvorlage noch nicht zur Entscheidung gestellt werden solle, würde dem Reichs- tage in Folge des großen, durch die Herabsetzung der Getreidezölle veranlaßten Einnahmeausfalles die Er­schließung neuer Einnahmequellen für die Reichskasse nicht erspart bleiben können. Man weiß nun aber aus früheren Erfahrungen hinlänglich, wie zeitraubend gerade die Erledigung von Steuervorlagen ist, und wird sich schon aus diesem Grunde zu einer möglichst frühzeitigen Einberufung des Reichstages entschließen müssen.

* Nach einer amtlichen Zusammenstellung stellten sich die Ende Juli ermittelten Ernteausfichten in Preußen, in Prozenten einer Mittelernte ausgedrückt, wie folgt: Winterweizen 100 pCt. (im Vorjahre 91 pCt ), Winterroggen 103 pCt. (im Vorjahre 82 pCt.), Sommergerste 96 pCt. (int Vorjahre 102 pCt.), Hafer 84 pCt. (104 pCt.), Erbsen 91 pCt. (101 vCt.), Ackerbohnen 88 pCt. (101 pCt), Wicken 88 pCt. (103 pCt.), Buchweizen 84 pCt. (93 pCt.), Lupinen

83 pCt. (101 pCt.), Kartoffeln 101 pCt. (95 pCt.), Winterraps- unb Rübsen 95 pCt. (74 pCt ), Hopfen 78 pCt. (90 pCt.), Kleeheu 84 pCt. (91 pCt.) und Wiesenheu 85 pCt. (90 pCt.)

* Das Urtheil in dem Depotuuterschlagungs- prozeß gegen Kommerzienrath Wolff und Genossen ist heute ergangen. Wolff wurde wegen Unterschlagung und Untreue in 65 Fällen zu 10 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrenverlust, der Bankier Leivziger wegen gewerbS- und gewohnheitsmäßiger Hehlerei gleichfalls zu zehn Jahren Zuchthaus und fünfjährigem Ehrenoerlust verurtheilt. Der ( Prokurist Wolffs, Szamatolski dagegen freigesprochen. Ein Antrag der Vertheidignng, Wolff gegen eine Caution von 20000 Mk. aus der Untersuchungshaft zu entlassen (gegen Wolff schwebt noch das Verfahren wegen betrügerischen Bankerotts) wurde Seitens des Gerichtshofes ab gelehnt.

* In Sachen des Berliner Weltausstellungs- Projekts werden in Berliner Interessentenkreisen er­neute Hoffnungen gehegt. Ein Berliner Komitee hat den Reichskanzler ersucht, keinesfalls eine negative Ent­scheidung zu fällen, ehe nicht dem deutschen Handels­tage und den übrigen für die Ausstellung eingetretenen Körperschaften Gelegenheit gegeben sei, den Nachweis dafür zu bringen, daß die deutsche Industrie in ihrer überwiegenden Mehrheit eine deutsche Weltausstellung wünsche; dieser Nachweis dürste schwer zu erbringen sein; es ist indeß wenig Aussicht vorhanden, daß die Reichsregierung dem Projekte noch zustimme. Die Ent­scheidung liegt übrigens beim Kaiser.

* Sehr erfreulich haben sich unsere Beziehungen zu Dänemark gestaltet. Es scheint, daß der alte Groll, welcher die Dänen gegen unS erfüllte, geschwunden ist. Der König von Däuemark hat mehrere Wochen in Deutschland verweilt; er hat Mitgliedern unseres Kaiser­hauses Besuche abgestattet; er hat die Offiziere des thüringischen Ulanen - Regiments Nr. 6, dessen Chef der König ist, zur Tafel gezogen und er hat über das Regiment in Mainz, in dessen Umgegend dasselbe manövrirte, eine Parade abgehalten.

* Münster, 10. Aug. Die Sperrgelder-Rück- zahlung scheint im Bisthume Münster noch immer nicht voran zu kommen, meint der ,Wests. Merkur'. Nach­dem das Gesetz vom 24. Juni 1891, welches die Rück­zahlung verordnet, schon längst jährig geworden, und die Präklusivfrist für die Anmeldungen der Ansprüche abgelaufen ist, verlautbarte hier nichts mehr darüber, wie es mit der Sacke stehe. Selbst die Mitglieder der Sperrgelder-Kommission sollen hier zuletzt im Monate März getagt haben und seitdem ohne weitere Mitthei­lungen geblieben sein. Auch jetzt, wo ans zwei Diö­zesen das Erscheinen der Auszahlungsordre gemeldet wird (Paderborn und Breslau), bleibt hier noch Alles still. Für die Empfangsberechtigten bringt diese Verschleppung der Sache immer noch neuen Ausfall an Zinsen, woran der Staatssäckel doch wahrlich Gewinn ;enug gehabt hat. Die Verhängung der Sperre wickelte ich bekanntlich in wenigen Tagen ab, sie erfolgte mit Sturrneseile — die Rückgabe aber will aus dem „Sammelconto" immer noch nicht flüssig werden.

zu Ihnen einen Schwärmer," sagte Margarita. „Ich glaube, daß ein abweisendes Wort von Ihnen ihn ganz umwandeln könnte."

„Was verstehen Sie unter einem abweisenden Worte?" fragte Adelaide lächelnd.

„Ich meine, wenn Sie seine Hand auSschlügen," versetzte Margarita.

„Und doch wird es unbedingt geschehen, wenn er sie mir antragen sollte," sagte Adelaide. „Hoffentlich wird er nicht so unüberlegt fern.“

„Warum neunen Sie denn das eine Unüberlegtheit?" fragte Margarita.

„Weil er bei einigem Nachdenken längst aus meinem Benehmen entnommen haben muß, daß ich nicht im Entferntesten daran denke. Er ist sehr liebenswürdig, und ich achte und schätze ihn, aber Siebe und Ehe haben damit gar nichts zu thuu."

„Ich weiß, Sie zürnen mir über meine Fragen nicht," sagte Margarita. „Warum verwerfen Sie den Gedanken so gänzlich? Der junge Marquis ist sehr liebenswürdig, ist nebenbei reich und hübsch und nicht unbegabt."

„Und' wenn er den Reichthum des Krösus, die Schönheit des Apollo und alle Gaben der begabtesten Männer in sich vereint hätte, meine liebe Margarita, so würde er mir dennoch kein Interesse abgewinnen."

„Dann bedauere ich ihn aufrichtig," sagte Marga­rita theilnahmsvoll.

„Er wird keinen Schaden dabei nehmen," bemerkte Adelaide lächelnd. „Die Liebe, wenn sie wirklich treu und wahr ist, wirkt immer veredelnd. Die Liebe zu mir wird ihn läutern und bessern."

„Das ist aber ein trauriger Trost für ihn. Ich vermuthe, daß er lieber beglückt als veredelt werden möchte. Ohne Sie durch meine Frage zu belästigen, möchte ich doch Eines noch wissen, ob nämlich irgend eine Aussicht ist, daß Ihre Gefühle für ihn sich noch ändern könnten?"

„Nicht nach der Richtung hin, die Sie im Sinne jaben, Margarita." Sie blickte weit über die Hecken, an denen die grünen Knospen sproßten, über bie hohen Bäume, in ddnen sich eben das junge Seben frisch regte, über bie schöne, lächelnbe Erbe, die ihr in diesem Augen­blicke doppelt schön erschien, hinaus. „Ich habe weder jetzt, noch jemals ein Herz zu vergeben."

„Vielleicht," bemerkte Margarita, „ist eS bereits vergeben."

„Ein sanftes, süßes Lachen, wie der Ton einer silbernen Glocke, und ein tieferes Erröthen der zarten Wangen waren die einzige Erwiderung.

Man konnte nicht leicht ein lieblicheres Bild vor sich sehen, als das milde FrühlingSlicht mit seinem