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rung. Wo eine Partei nicht für sich allein eine Mehr­heit besitzt, wo sich mehrere Parteien zu einer Mehr­heit vereinigen müssen, sind Kompromisse nothwenbig, und Kompromisse taugen bekanntlich nichts. Flickarbeit hält nicht lange.

Ob dieser Satz sich auch bei der parlamentarischen Mehrheit Gladstones bewahrheiten wird, hängt von seiner Regierungskunst und der Einsicht und Bereit­willigkeit der Iren ab. Wir wollen einem Ministerium Gladstone das Beste wünschen, damit es die geplanten inneren Reformen zu Ende führen könne. Wir dürfen diesen Wunsch um so eher hegen, als wir auch in der äußeren Politik von Gladstone keine Schwenkung zu Ungunsten des Friedensbundes der mitteleuropäischen Mächte befürchten.

4= Dom englischen Parlament.

Als in der vergangenen Wahlschlacht eine Reihe von Mandaten dm konservativm und den liberalen Unionisten von dm Anhängern Gladstone's mtrissen wurde, erkannte man zwar allgemein, daß Lord Salis­bury eine Niederlage erlitten, zweifelte aber alsbald, ob man den Ausgang der Wahlen als einen Sieg Gladstones bezeichnen durste. Dieser Zweifel war sehr berechtigt und er ist es auch dann noch, wenn die nächsten Tage die Uebergabe der Regierung an Glad­stone bringen werden. Denn Gladstone besitzt in seiner engeren liberalen Gefolgschaft keine Mehrheit im Hause der Gemeinen. Schon der Abfall der Arbeitervertreter würde seine Mehrheit empfindlich schwächen; vollends aber würde er in die Minderheit gerathm, wenn die irischen Abgeordneten einmal auf dm Einfall kämen, Gladstone ihre Unterstützung zu versagen. Dieser Fall ist nicht ausgeschlossen, wenn «uch Gladstone, seinem Versprechen getreu, von all seinen gesetzgeberischen Plänen die Homerule - Bill zuerst in Angriff nimmt. Noch Niemand kennt irgend welche Einzelheiten von dem Homerule-Plane des liberalen Führers; es kann also auch Niemand wissen, ob dieselbe den Anforde­rungen der irischen Nationalpartei genügen werden.

Wir sehen so indem klassischen Lande des Parla­mentarismus, dem Lande der abwechselnden Herr­schaft zwei großer Parteien, die Beständigkeit einer Regierung, abhängig von dem guten Willen einer jüngeren und kleineren Partei. Statt der ursprüng­lichen zwei großm Parteien der Tories und Whigs finden wir jetzt fünf oder sechs Parteien: die Konser­vativen, die liberalen Unionisten, die gladstoueanischen Liberalen, die Antiparnelliten, die Parnelliten und, wenn man will, auch noch eine Arbeiterpartei. Die irische Frage hat diese Zersplitterung herbeigeführt. Sie hat die Liberalen in zwei feindliche Heerlager ge­trennt; sie ließ Parnell 1880 mit 68, 1886 mit 86 irischen Nationalisten aus den Wahlen zurückkehren; sie macht jetzt die stattliche Schaar der irischen Abge­ordneten znm ausschlaggebenden Faktor int britischen Parlament. Dieser Stand der Dinge ist vom Stand­punkte des irischen Volkes sehr erfreulich; aber er er­öffnet sehr unerfreuliche Aussichten für den Parla­mentarismus in England. Wenn die irischen Nationalisten es einmal für angebracht halten sollten, Gladstone zu stürzen, so ist es im hohen Grade wahrscheinlich, daß die dann nothwendigen Neuwahlen weder dm Konser­vativen noch den Liberalen für sich eine Mehrheit bringen werden. Beide haben es dann ferner mit den Iren verdorben. Woher also eine Mehrheit, die auf Grund des parlamentarischen Systems die Regierung übernehmen könnte? Es ergibt sich hieraus klar die Schwäche des Parlamentarismus, der auch das Ideal unserer deutschen Liberalen ist.

In den romanischen Ländern hat sich die Unzu­verlässigkeit des parlamentarischen Regierungssystems schon lange gezeigt. Crisp: i» Italien und Freycinet in Frankreich verdankten nur besonders glücklichen Um­ständen die verhältnißmäßig lange Dauer ihrer Regie-

Das verhimguißvoLle Testament.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(60. Fortsetzung.)

Das schöne Antlitz röthete sich tief.

„Das hätte mir nie zufallen sollen," versetzte Ade­laide lebhaft; „ich wollte Ihnen das nun eigentlich nicht aussprechen, aber die Wahrheit ist, daß ich wünsche, es wäre nie mein geworden."

„Warum nahmen Sie es denn aber an?" fragte Margarita und die Röthe auf den Wangen der jungen Erbin wurde immer tiefer.

„Ich konnte es nicht ändern. Sprechen wir nicht weiter darüber, Margarita. Mir ist der Gedanke daran verhaßt und ich habe es mir zur Lebensaufgabe gemacht, ihn zu öergeffen."

Darauf ging sie hinaus, aber die Unterredung hatte auf Margarita einen bedeutenden Eindruck gemacht und ihre Rathlosigkeit eigentlich vermehrt. Die Ueber- zeugung mußte sie doch aus Allem sicher gewinnen, daß Adelaide das Geld nicht erschlichm hatte; denn es hatte keinen Werth für sie. Lady Rylestone fühlte immer brennenderes Verlangen, das Geheimniß des Testamentes zu ergründen? Was konnte es sein? Un­bedingt war Miß Cameron das Geld ganz gegen ihren Willen vermacht worden, da sie gar keinen Werth da-

Berlin, 11. August.

* Die russisch-deutsche» Verhandlungen über eine handelspolitische Regelung der beiderseitigen Beziehungen befinden sich, wie zuständigerseits mitgetheilt wird, noch so sehr in den Anfangsstadien, daß es nichts Positives über dieselben zu berichten gibt.

* Die Nachricht, der Gouverneur von Ostafrika, Frhr. v. Sode», habe fein Entlassungsgesuch einge­reicht, wird offiziös mit dem Bemerken dementirt, Frhr. v. Soden werde vielmehr demnächst den ihm zustehen- den mehrmonatigen Urlaub antreten, und, nachdem seine Gesundheit schon in Kamerun angegriffen gewesen und er gewissermaßen ein patriotisches Opfer gebracht habe, als er nach Ostafrika ging, so dürfte es lediglich davon abhängen, wie sich die gesundheitlichen Verhältnisse des Gouverneurs während seines Erholungsurlaubs ge­stalten, ob er auf feinen Posten zurückkehrt oder nicht. — Danach scheint man sich doch. in den leitenden Kreisen mit der Frage seines eventuellen Rücktritts zu beschäftigen.

* Nach der ,Nordd. Allg. Ztg.' sind von Minister Herrfurth nur zwei Gründe für feinen Wunsch zur Entlassung geltend gemacht: einmal die schon bekannte Meinungsverschiedenheit hinsichtlich der Fortführung der Steuerreform, dann aber, und wohl kaum in letzter Linie, Gründe, die aus dem Gesundheitszustände des Herrn Herrfurth sich ergaben. Wenn der letztere Grund der maßgebende gewesen wäre, so würde der erstere schwerlich erst angeführt worden fein. Minister Herrfurth begibt sich demnächst nach Karlsbad, später nach Tyrol. — Wie verlautet, hat der Kaiser dem scheidenden Minister Herrfurth in einem besonders warmen Handschreiben den Dank für dessen Amts- thätigkeit ausgesprochen.

* Herr Domkapitular Dr. Perger aus Münster hat heute sein langjähriges Mandat »um Abgeordneten­hause (Kreis Kempen) und zum Reichstage (Cleve- Geldern) mit Rücksicht auf sein Alter niedergelegt. Das Ausscheiden des sehr verdienten und hochangesehenen Parlamentariers wird in seinem Wahlkreise und weit darüber hinaus, vor Allem aber in der Centrums­fraktion das lebhafteste Bedauern erwecken. DieBer- rauf legte, und Allan, ihr Gemahl, konnte indessen seine Stellung in der Gesellschaft nicht einnehmen, weil es ihm dazu fehlte. Das Geheimniß schien sich immer mehr zu verdichten, statt sich aufzuktären.

Nach Weihnachten, als die ersten Schneeglöckchen schüchtern aus der Erde hervorlugten, nahm Miß Ca­meron eine Einladung nach Sondiere, Lady Edgertons prächtiger Besitzung an. Sie wollte Nichts davon hören, daß Margarita zurückblieb — sie mußte sie also be­gleiten.

„Sie müssen mehr unter Menschen kommen, Mar­garita," sagte sie; „wenn ich Ihnen Ihren Willen ließe, würden Sie bald eine Einsiedlerin werden. Sie müssen mit nach Sombere kommen. Wozu wollen Sie es sich verhehlen, daß Sie hervorragend schön sind, und daß ihre Schönheit die der englischen Frauen be­deutend überstrahlt -r- gerade wie die sanfte, weiche Schönheit der Pfirsiche die Pflaumen verdunkelt."

Margarita lachte über den Vergleich.

„Sie können nicht toiffen, welche glänzende Zu­kunft Ihnen noch Vorbehalten ist," fuhr Miß Cameron fort.

„Ich weiß ganz genau, was meiner in Zukunft wartet," sagte Margarita ernst, „und wenn ich fort­während im geselligen Getriebe lebte, so wäre daran Nichts mehr zu ändern."

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bienfte, die er mit feinem Wissen und seinem lautere» und entschiedenen Charakter im Rathe der Centrums- fraktion sich erworben hat, werden von seinen parla- mentarischeu Freunden sehr hoch geschätzt, sie wurde« besonders hoch geschätzt von dem unvergeßlichen Führ« Abg. Dr. Windthorst, dem er ein verehrter Berather und ein treuer Mitarbeiter war.

* Vor dem hiesigen Landgericht begann heute die Verhandlung gege» Kommerzienrath Wolff wegen Unterschlagung und Untreue, gegen den Banst« Dittmar Leipziger wegen Hehlerei und gegen de» Prokuristen SzamatolSki wegen Beihülfe zu ben Wolff'schen Unterschlagungen. Die unterschlagenen De­pots belaufen sich auf über 5 Millionen Mark. Wolff machte ben Einbruch eines körperlich gebrochenen Mannes. Währenb feiner Vernehmung, in ber er im Wesentlichen bie ihm zur Last gelegten Handlungen zugestanb, weinte unb schluchzte er bestänbig, so daß schließlich eine Pause gemacht werben mußte. Gegen Wolff schwebt noch bie Anklage toeger betrügerischen Bankerotts, bie indeß vor bent Schwurgericht verhandelt wird.

* Das Centralkomitee des Rothen Kreuzes hat sich auf Auflage mehrerer Landräthe des Ostens ge­neigt erklärt, transportable Lazarethbaracken für Cholera­kranke und Choleraverdächtige unter der Bedingung herzugeben, daß die Einrichtungen, wenn sie zu Krank­heitszwecken gedient haben, durch Kauf in den Besitz der Entleiher übergehen müssen.

* Heute war wieder daS Gerücht verbreitet, im Krankenhause „Friedrichshain" sei eine Frau an d« Cholera gestorben. Das Gerücht bestätigt sich nicht; mikroskopische und bakteriologische Untersuchungen «- gaben, daß die allerdings unter verdächtigen Erscheinun­gen gestorbene Frau lediglich Brechdurchfall (Cholerine) gehabt.

* Die Maul- und Klauenseuche herrschte Ende Juli d. Js. in 260 preußischen Kreisen unb 1686 Gemeinben bezw. Gutsbezirken.

* Die General-Versammlung ber Görres-Gesell- schast zur Pflege ber Wissenschaft im kathol. Deutsch- lanb findet in diesem Jahre zu Breslau am 5. und 6. Oktober statt. Besonders erfreulich ist der Umstand, daß bei dieser Gelegenheit die naturwissenschaft­liche Sektion der Gesellschaft sich konstituiren und da­mit der Kreis der ursprünglich in Aussicht genommenen Gestirnen geschlossen werden soll. Die älteren Unter­nehmungen nehmen guten Fortgang. Die „Quellen und Forschungen aus dem Gebiete der Geschichte", welche die Gesellschaft in Verbindung mit ihrem historischen Institut in Rom herausgibt, sind jetzt durch Dittrich's Ausgabe der Nuntiatur-Berichte Giovanni Morone's eröffnet worben. Noch vor ber General-Versammlung wird eine sehr interessante Vereinsschrift (2. für 1892) erscheinen: Die nachgelassenen Aufzeichnungen des aus­gezeichneten Missionärs August Schynse, bestehend aus seinem letzten Tagebuche (1891) und eine Anzahl von Briefen. Sehr rasch ist während des Jahres 1892 das Staatslexikon gefördert worden, über dessen langsamen Fortgang früher Klage geführt wurde. Während im vorigen Jahre nur zwei Lieferungen herauskamen, sind

„Hoffentlich werden Sie glücklich fein, Margarita." „Zehntausend Mal glücklicher als ich verdiene." Sie gab Miß Camerons Wünschen nach und be­gleitete sie nach Combere, wo sich unter zahlreichen Gästen auch Marquis von Hedington, der Miß Cameron während ber letzwn Saison so sichtlich ausgezeichnet hatte, aufhielt.

Er beeiferte sich sehr, seine Bewerbung zu erneuern, denn er war mehr denn je in sie verliebt; aber alle seine Bemühungen blieben erfolglos — Adelaide lachte nur in ihrer hellen, fröhlichen Weise und vermied ihn, so viel sie konnte.

Combere war mit Gästen überfüllt, und Mß Cameron, die reiche Erbin, war einer der hervor­ragendsten darunter; ab« selbst ihr wurde kaum größere Aufmerksamkeit zu Theil, als man sie ihrer schönen Gesellschafterin erwies.

Als der' Marquis von Hedington einsah, daß e8 ihm nicht gelang, einen Eindruck auf Miß Cameron zu machen, versuchte er, ihre Gesellschafterin für sich zu gewinnen, damit sie seine Fürsprecherin würbe. Mar­garita interessirte sich allmälich auch wirklich für seine Liebesgeschichte, die ihm so ganz aus dem Herzen kam. Er war im höchsten Grabe verliebt, unb sie vermochte mit einem ßiebenben, der es wirklich treu unb ehrlich meinte, aufrichtig zu sympathisiren. Man lachte allze-

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Samstag, den 13. August 1892.

Zeitung