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J\£ 181 Mittwoch, den 10. August 1892. 19. Iahrgcmß

FllldakrWZkitilng

Som^ md Fnertage ausgenomme». — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. «rerte.Mrlicher Äbonnementspreis ohne Brmgerlohn und Bestellgeld mrt der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Ansichten über das Briefschreiben von Herren sich ändern."

Das südliche Antlitz erglühte und die dunkln» Augen flammten, als Margarita den Brief ihres Gatten ergriff und ihn durchlas. Er war freundlich und ver­traulich, brachte Miß Cameron seinen Dank für ihrm Brief mit den ausführlichen Mittheilungen über seine Angelegenheiten, sprach ihr die Bitte aus, daß sie einige Hilfsbedürftige in seinem Namen aufsuchen möchte, drückte ihr die wärmsten Wünsche für ihr Glück uud Wohlergehen aus und war „Ihr aufrichtigster Freund Allan Rylestone" unterzeichnet.

Er enthielt nicht ein einziges Wort, das nicht jeder Fremde sehen pnd lesen konnte, und Margarita hatte auch nicht die leiseste Veranlassung, eifersüchtig darüber zu sein.

„Es ist allerdings ein sehr freundlicher Brief", sagte sie, „aber ich kann nicht zugestehen, daß er meine vorgefaßte Meinung ändert. Das steht unbe­dingt fest, daß die Männer nicht so gute Briefsteller als wir Frauen sind."

Sie hatte nun den Brief gelesen, aber er enthielt nicht eine einzige Anspielung auf das Testament, über­haupt nichts, was ihr als Schlüssel zu dem Geheim­nisse dienen konnte, und sie fühlte sich darum bitter enttäuscht. Konnte sie sich die ganze Sache nur ein-

Programm.

Freitag, 26. August. Empfang der auswärtigen Gäste an den Bahnhöfen. Nachmittags 4'/g Uhr: Eröffnung des Kongresses und Beginn der Be- rathungen. Abends 8 Uhr: Begrüßungsfeier.

Samstag, 27. August. Morgens 8 Uhr: Requiem für die verstorbenen Verbandsgenossen im hohen Dome. Morgens 9% Uhr: Fortsetzung der Be- rathungen. Mittags 1 Uhr: Gemeinsames Mittag­essen (Gedeck ohne Wein Mk. 1.50). Nachmittags 3 Uhr: Fortsetzung der Berathungen. Abends 8 Uhr: Fest-Kommers (Herren-Abend).

Sonntag, 28. August. Morgens 8 Uhr: Fest-Gottes- dienst im hohen Dome. Morgens 10^ Uhr: Fortsetzung der Berathungen. Nachm. 3*/2 Uhr: Festessen (Gedeck ohne Wein Mk. 3.—). Abends 7 Uhr: Festversammlung mit darauffolgendem Balle.

Alle Berathungen und Festlichkeiten finden im Gesell­schaftshause des Zoologischen Gartens statt.

Auskunfts- und Wohnungsbureau befinden sich von Freitag Morgen ab ebendaselbst.

Das vrrhüngnißvvlle Testament.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(57. Fortsetzung.)

.Darauf trat Adelaide, schön und lächelnd wie ein Frühlingsmorgen in das Frühstückszimmer. Ihre ganze Erscheinung verklärte sich, als sie den ausländischen Brief neben ihrem Teller liegen sah.

„Der ist an mich", rief sie. „Er ift von Lord Rylestone."

Und Lord Rylestones Gemahlin saß schweigend dabei, während die junge Erbin den Brief wiederund wieder las.

„Sie vergessen ganz zu frühstücken", sagte Mar- ganta endlich, denn Miß Cameron hatte ihren Teller bei Seite geschoben.

„Ich esse weiter Nichts, ich danke Ihnen. Der Thee genügt mir völlig."

Und Margarita mußte unwillkürlich wahrnehmen, daß fie zu sehr mit dem Briefe beschäftigt war, um an irgend etwas Anderes zu denken. Als sie ihn zu Ende gelesen hatte, blieb sie eine Zeit lang schweigend, mrt lächelnden Lippen und freudestrahlenden Blicken, m Träumereien versunken, sitzen, dann sagte sie: „Das rst ein überaus freundlicher Brief, ich muß ihn unbe­dingt mit der nächsten Post beantworten".

Deutsches Aeich.

Berlin, 8. August.

* Die Ankunft des Kaisers von seiner Reise nach England wird heute Abend 7 Uhr in Wilhelmshaven erwartet. Sofort nach der Landung erfolgt die Heim­reise nach Potsdam und zwar in Begleitung der drei ältesten kaiserlichen Prinzen, die von Norderney aus dem Kaiser entgegengefahren sind.

* Der König von Dänemark hat heute in M ai n z die Parade über das im Cantonnementsquartier liegende thüringische Ulanenregiment Nr. 6, dessen Chef er ist, abgenommen. Morgen empfängt der König in Wies- baden den Gegenbesuch der Kaiserin Friedrich.

* Gegen die mittelparteilichen Angriffe auf de» Grafen Caprivi wendet sich die ,Nordd. Allg. 3tg.' in folgender Weise:

Unter den Mitteln, welche man anwendet, um den gege n- wärtigen Reichskanzler anzugreifen, nimmt die Behaup­tung, daß er mit dem Centrum oder mit evangelischen Kreisen streng kirchlicher Richtung in allzu nahen Beziehungen stehe, eme hervorragende Stelle ein. Darüber, was er von dem Werth der Religion für den Menschen denkt, und darüber, daß er es für eine Aufgabe der Regierung hält, auch ihren katholischen Bürgern das Dasein in Staat und Reich lieb zu machen, hat sich Graf Caprivi öffentlich ausgesprochen. Hat man sich nicht gescheut, daraus die Folgerung zu ziehen, daß Graf Caprivi ein „Finsterling" sei, so war das eine ungerechte Behauptung, die ungefähr ebensoviel Werth hat, als diejenige, er habe bedenkliche Beziehungen aus seiner militärischen Vergangenheit zu katho­lischen Offizieren oder aus den „RoonschenKonventikeln" I zum „Muckerthum" mitgebracht. Wenn unter Roonschen Kon­ventikeln eine in den fünfziger Jahren entstandene Bereinigung evangelischer Jünglinge gemeint sein soll, so hat Graf Caprivi in diese oder eine ähnliche Vereinigung niemals einen Fuß ge- etzt, und was seine militärischen Erinnerungen angeht, so be­wahrt er allerdings noch heute manchem katholischen Offizier und Soldaten ein ebenso gutes und treues Andenken, wie seinen evangelischen Kameraden. Es scheint sich in Bezug auf die An­griffe gegen den Reichskanzler Grafen Caprivi eine gewisse Methode herauszubilden. Zunächst macht man ihm einen

Margarita war gezwungen, irgend eine unbedeut­same Bemerkung zu machen. Am liebsten hätte sie sich voller Verachtung erhoben, hätte ihr den Brief entrissen und gesagt: „Er ist mein Gemahl und be­findet sich Deinetwegen im Exil!" Ihr Herz kannte keine Erbarmen für das goldlockige Mädchen, das in solchem Glanze lebte, während sich ihr Gemahl jenseits des Meeres befand. Außerdem hatte sie ein brennendes Verlangen, die Worte zu lesen, die ein so seliges Lächeln auf dem jugendlichen Antlitze hervorgerufen hatten.

„Ist der Brief wirklich so freundlich?" frügte sie mit kaltem Lächeln. „Im Allgemeinen finde ich nicht, daß Herren besonders gute Briefsteller sind."

„Warum nicht?" fragte Adelaide.

„Sie suchen etwas in der Kürze, während Damen sich gerade der Ausführlichkeit befleißigen. Lord Ryle­stone versucht wohl, Ihnen ein Bild von Canada zu entwerfen?"

„Nein," erwiderte Adelaide mit einem glücklichen Lächeln, „er erwähnt dessen gar nicht." Als sie zu Margarita aufblickte, sah sie, wie die dunklen Augen fest und nachdenklich auf sie gerichtet waren. Sie konnte ihren seltsamen Ausdruck nicht deuten, aber sie nahm den Brief und reichte ihn ihr hin.

„Lesen Sie ihn", sagte sie, „dann werden Ihre

| völlig unbegründeten Vorwurf. Die mittelparteiliche Preffe beeilt sich nicht gerade, ihn dagegen in Schutz zu nehmen. Tritt aber dann ein Blatt, daS zur Rechten oder gar zum Centrum gehört, für den Angegriffenen ein, so heißt es: Da seht ihr, daß der Mann nichts taugt, fort mit Caprivi! Eine hervorragende Leistung in dieser Beziehung brachte vor einiger Zeit das von derjenigen Partei, die es zu vertreten vorgibt, bereits öfter verleugnete ,Deutsche Wochenblatt'. Wir würden davon keine Notiz genommen haben, wenn nicht selbst ein so angesehenes Blatt, wie der ,Hambnrgische Korrespondent,' sich dadurch beunruhigt gezeigt hätte. Die von jenem Wochenblatte verwerthete Erzählung ging dahin, es habe, als nach Zurück- ziehung des Volksschulgesetzes das Centrum einige (ein! D. R.) Kriegsschiffe nicht bewilligte, der Papst Herrn v. Schlözer kommen lassen, um ihm sein Bedauern über diese Abstimmung des Centrums auszudrücken und ihm zu sagen, er lege den größten Werth daranf, daß Graf Caprivi im Amte bleibe. Das ,Deutsche Wochenblatt' folgert hieraus, daß Graf Caprivi mehr noch der Vertrauensmann Roms als des Centrums sei, und deutet an, daß er das Demüthigende, was hierin läge, nicht zu empfinden scheine. Wir sind berechtigt, zu konstatiren, daß an dieser ganzen Geschichte kein wahres Wort ist und hoffen, damit dem Deutschen Wochenblatt' das Gefühl patriotischer Demüthignng, das ihm seine allzu lebhafte Phantasie zugezogen hatte, abgenommen zu haben.

Man könnte finden, daß die ,Nordd. Allg. Ztg.' auf die mittelparteilichen Nerven etwas viel Rücksicht nimmt. Die Organe der Centrumspartei haben von solcher Rücksichtnahme der offiziösen Presse kaum noch etwas gemerkt. Wir wollen die Sacke übrigens nicht zu schlimm nehmen, wenn nur die Regierung that­sächlich sich bemüht, auch „den katholischen Bürgern das Dasein in Staat und Reich lieb zu machen." Das ist jedoch allein schon ein Verbrechen in den Augen richtiger Kulturkämpfer. Die katholischen Bürger sind dafür da, alle Lasten zu tragen wie die Andern, aber möglichst schlecht behandelt zu werden. So verlangt eS das „nationale Bewußtsein" jener Leute, und weil Graf Caprivi nicht Tag für Tag auf den „Ultramon­tanen" herumhackt und herumhacken läßt, wird er dm Leuten verdächtig bleiben. Einstweilen scheint der An­sturm auf die Stellung Caprivis abgeschlagen zu sei«. Der zu offiziösen Kundgebungen benutzte,Pester Lloyd* schreibt, es komme keine Krisis, und es gehe nichts anderes vor, als daß die Taktik der Bismarck-Presse, den Grafen Caprivi, weil er es mit dem Centrum noch nicht verdorben hat, als schwarzen Mann hinzu­stellen, bei dem „Kern der Nation" ihre Wirkung thue. Ein mittelparteiliches Kartell, wie es von Bismarck empfohlen wurde, möge zwar sonst sehr gut sein, aber eine Regierungsmehrheit vermöge es heutzutage nicht mehr zu schaffen, und regiert müßte doch werden. — Ja, wenn die armen mittelpartei­lichen Teufel etwas zu „bieten" hätten! Aber sie siick und bleiben eben eine Minderheit im Reichstage. Die Artikel des Arendtschen Wochenblattes sind nach dem ,Pesther Lloyd' an einer Stelle verfaßt, wo man gern bereit sein würde, dem gegmwärtigen Reichskanzler die Bürde und Würde seines Amtes abzunehmen, wie man sich mit derselben Hoffnung seiner Zeit auch dem Fürsten Bismarck gegenüber getragen hat. Es find neuerdings mehrere Persönlichkeiten genannt worden, welche gegenüber dem Grafen Caprivi die Geschäfte Bismarcks führen sollen. Darunter auch Graf Waldersee.

* An der Berliner Börse war heute das Gerücht

Einladung

zum XV. Kongreß des Verbandes der Kaufmännischen Kongregationen und Katholischen Kaufmännischen Ver­eine Deutschlands zu Frankfurt a. M. vom 26. bis 28.

August 1892.

Zum zweiten Male wird unserer Stadt die Aus­zeichnung zu Theil, Sitz dieses Kongresses zu sein und das erqebenst unterzeichnete Lokalkomitee beehrt sich, die Katholiken Deutschlands und besonders die Berufs­genossen aller Orten auf denselben aufmerksam zu machen und zur Theilnahme einzuladen.

Dem Verbände gehören zur Zeit 70 Bereinigungen in den hervorragendsten deutschen Städten mit ca. 6500 Mitgliedern an.

War die Thätigkeit des Verbandes bisher haupt­sächlich der inneren Entwickelung, der Errichtung einer Stellenvermittelung, der Begründung eines Verbands­organes, wie der Errichtung einer Kranken- und Be- gräbnißkasse für ganz Deutschland gewidmet, so soll auf dem diesmaligen Kongresse u. A. die Organisation einer Unterstützungskaffe für stellenlose Mitglieder, sowie einer Sterbekaffe zur Berathung und Beschluß- fassung gestellt werden.

Bei der großen sozialen Wichtigkeit dieser Fragen für die Mitglieder des Kaufmännischen Berufes hoffen wir, daß recht viele Katholiken Deutschlands und namentlich recht viele Berufsgenossen unserer Einladung Folge leisten werden, um uns bei den Berathungen zu unterstützen, damit unter Gottes Hülfe recht Ersprieß­liches für den Verband und zugleich für die gesummten katholischen Interessen erreicht werde.

Wir hoffen dies umsomehr, als der Kongreß zeit- lich der Mainzer Katholikenversammlung unmittelbar vorhergeht und öttlich in ganz geringer Entfernung von der Feststadt Mainz tagen wird. Das Programm des Kongresses theilen wir nachstehend mit.

Frankfurt a. M, im August 1892.

Das Lokal-Komitee.

Bahl, Geistl. Rath und Stadtpfarrer. Friedrich Bernhard, Geistl. Rath. Johann Diefenbach, Jn- fpekror. Joh. Georg Hilpisch, Direktor. D. Kunst, Kaplan. I. PH. Allinger-La Roche, Wcinhändler. A. Bernhard, Rechtsanwalt. Carl Bolongaro, Fa­brikant. A. C. Bolongaro-Crevenna, Fabrikant. Th. Geis, Lehrer. H. F. Grimm, Schriftgießerei­besitzer. Sixtus Hartung, Kaufmann. Franz Hass­lacher, Patent-Anwalt. H. Hisgen, Kaufmann. C. L. Ibach, Kunstgärtner. Christ. Jaeger, Kaufmann. Jak. Koelfch, Kaufmann, Gg. Krug, Lehrer. Jos. Mack, Architekt. Ant. Matti, Weinhändler. Max Meckel, Dombaumeister. E. Milani-Siesmayer, Kaufmann. P. Ramroth, Gerichts-Sekretär. A. Schmorl, Kaufmann. Paul Schotte, Buchhändler. Hermann Stadler, Kaufmann. Math. Thyffen, Kaufmann. Jakob Walter, Kaufmann. Andreas Weber, Kaufmann. Kaspar Weiß, Bildhauer. M. Willmar-Doetsch, Privatier.