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Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Ps-, bei Wiederholungen entlvrechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der bellet rtaitckcn Lonntagsl>eilage ,Tterne «nd Blumen' in Fulda und auswor.s 1 Mark oU Psennig.

Programm bei Mrnitatn Scrfnmmlunatn, welche während der Dauer der XXXIX. General- Versammlung der Katholiken Deutschlands zu Mainz stattfinden.

Montag, 29. August:

Vormittags 11 Uhr: Generalversammlung der Präsides der Kathol. Männer- und Arbeiter­vereine im Kathol. Männer - Vereins- Haus, Emmeransstraße Nr. 12i/l0.

Nachmittags 2 Uhr: Generalversammlung der Präsides der Kathol. Lehrlings-und Jünglings­vereine im Katholischen Lehrlingshaus, Bauerngasse Nr. 8.

2 Uhr: Generalversammlung der Präsides der Kathol Gesellenvereine im Gesellen­haus, Spritzengaste Nr. 2.

2 Uhr: Generalversammlung des Akademischen Piusvereins im Kathol. Männer-Ver- einshaus, Emmeransstraße Nr. 12*/i0.

4 Uhr: Delegirtenversammlung der St. Vincenz- Vereine im Schulhaus am Holzthor.

Abends 8 Uhr: Kommers des Kathol. Studentenver­eins Unitas (Unitas-Coeten Bonn, Münster und Würzburg) im Restaurations- Saale des Frankfurter Hofes.

8 Uhr: Festversammlung des Kathol. Männer­vereins im Kathol. Männer - Vereins- Haus, Emmeransstraße Nr. 12Vio.

8 Uhr: Festversammlung des Kathol. Gesellen- vereins tm großen Saale des Frank­furter Hofes.

8 Uhr: Festversammlung des Kathol. Kaufmän­nischen Vereins und der Mariani- schenKongregation jungerKauf- leute im Concerthaus der Liedertafel, Große Bleiche Nr. 56.

Dienstag, 30. August:

Vormittags 9 Uhr: Generalversammlung des Kathol. Volks­vereins in der Stadthalle.

Nachmittags 2'/-Uhr: Geschlagene Generalversammlung des Kath.. Studentenvereins Unitas (Unitas- Coeten Bonn, Münster und Würzburg) im Schulhaus am Holzthor.

2*/* Uhr: Versammlung des Canisiusverins im Schulhaus am Holzthor.

2i/g Uhr: Generalversammlung des Akademischen Bonifatiusv ereins imKathol. Män- ner-Bereinshaus, Emmeransftr. Nr. 12i/i0.

4 Uhr: General-Versammlung der St. Vincenz- Vereine im großen Saale des Frank­furter Hofes.

Abends 8 Uhr: Kommers der Kathol. Studentenver­eine im großen Saale des Frankfurter Hofes.

8 Uhr: Festversammlung des Kath. L e h r l i n g s - Vereins imConcerthaus der Liedertafel, Große Bleiche Nr. 56.

9 Uhr: Kartellkommers der Kathol. Studenten­verbindungen in der Stadthalle.

Mittwoch, 31. August:

Bormittags 9 Uhr: Generalversammlung des St. Raphaels- Vereins (zum Schutze kathol. deutscher Auswanderer) tat großen Saale des Frank­furter Hofes.

9 Uhr: Generalversammlung des Kath. Juristen­vereins im oberen kleinen Saale des Frankfurter Hofes.

Nachmittags 2'/» Uhr: Versammlung der beim Katholikentage an­wesenden Kathol. Lehrer im großen Saale des Frankfurter Hofes.

Das verhängnißvolle Testament.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(56. Fortsetzung.)

„Sie ist mir darum nicht so besonders merkwürdig, weil ich mehr an die unverschämte Neugierde der Menschen gewöhnt 6ir, als Sie. Wenn ich eine solche Besitzung hätte, würde ich sie nie von Fremden betreten lassen, denn sie thun allerlei überflüssige Fragen. Viel­leicht war diese Dame eine Schriftstellerin, die einen Stoff suchte. Der einzige Weg, sich vor solchen Leuten zu schützen, ist, daß man das Schloß gar nicht zeigt."

„Aber warum", fragte Adelaide beharrlich weiter, „kam sie gerade hierher, wenn es wirklich den Grund hatte, den sie vermuthen?"

„Sie mußte sich doch irgend wohin wenden, warum sollte es nicht hierher sein? Wenn das Testament wirk­lich Außergewöhnliches enthalten hatte, so wäre das ein wunderbares Zusammentreffen gewesen."

Obgleich sie vollständig ruhig sprach, waren ihre Augen doch unablässig auf Adelaidens Antlch gerichtet. Sie sah, wie es erbleichte, und dachte dann bei sich:

„Ich bin auf der rechten Fährte. Schließlich werde ich meinem Gatten doch behilflich sein können. Sie weiß und fürchtet das Geheimniß deS Testaments."

29. Kapitel.

Margarita hatte sich noch bei einer anderen Ber-

Die Kartellversammlung der Kathol. Studenten­verbindungen zu Mainz dauert vom 26. August bis 31. August. Versammlungs-Lokal; Kötherhof.

Der Kongreß der Katholischen Kaufmännischen Vereine findet statt zu Frankfurt a. M. von Freitag, 26. August bis Sonntag, 28. August.

Eine Generalversammlung des Verbandes „Arbeiterwohl", sowie der Lehrlings- und Jünglingsvereine findet wäh­rend der Dauer der Katholikenversammlnng nicht statt.

Der Mainzer Katholikentag und die Schulfrage.

Keine Frage, selbst nicht die soziale Magen­frage, hat in den letzten Jahren und Monaten die Geister heftiger bewegt, als die Schulfrage. Zahlreiche Versammlungen haben im Laufe dieses Jahres, vor und nach dem verhängnißvolle« 18. März „unter dem Zeichen des (preußischen) Volksschulgesetzes" getagt, durch dessen jähen Fall die allgemeine Schulfrage selbst nur eine grelle Beleuchtung erhrelt. Man hat zwar mit Recht gesagt, daß die Katholiken den Fall des Zedlitz- schen Entwurfes nicht über die Maßen zu beoauern brauchen. Doch wird in gewissem Sinne auch die bevorstehende General - Versammlung der Katholiken Deutschlands unter dem Zeichen der Schulfcage stehen. Jedenfalls wird die Schulfrage, mit der sich alle bis­herigen Katholikentage befaßt haben, auf der 39. Ge­neralversammlung eine hervorragende Rolle spielen. Denn für's Erste dauern so ziemlich alle Mißstände, die den Katholiken seither zu Klagen Veranlassung ga­ben, noch immer fort. Man denke an die Simultan­schule in Hessen und anderwärts, an die Lage der ka­tholischen Diasporaschulen in Preußen, an die Ver­letzungen der Parität im höheren und niederen Schul­wesen, an die Zustände an den Mittel- und Hochschulen, auf die gewisse Vorkommnisse in Hessen, Baden, Bayern und Preußen so grelle Schlaglichter geworfen haben, an die das katholische Dogma und Gefühl verletzenden Lehrbücher u. s. w.

Sodann sind in den letzten Monaten unverhüllter als je die Tendenzen zu Tage getreten, die den christ­lichen Charakter unseres gesummten Schulwesens be­drohen, ja ernstlich in Frage stellen. War das ein wüstes Kesseltreiben gegen den Zedtitz'schen Schulgesetz­entwurf, der prinzipiell mit dem Christenthum Ernst zu machen begann!

Da ist zunächst die Loge mit ihren Plänen, die Schule zur — Loge der Kindheit zu machen. Durch Zertrümmerung der kirchlichen Autorttät, voll­ständige Trennung der Kirche von der Schule, Ab­schaffung jedes Religionsunterrichtes, Entchristlichung des Familienlebens soll — wie eine freimaurerische Schrift „Papstkirche und Freimaurerei" vor Jahres­frist entwickelt hat — dieses Ziel erreicht werden.

Da sind weiter — der Loge völlig dienstbar, aber einer besonderen Betrachtung werth — die sog. freien (b. h. liberalen und radikalen) Lehrervereine, deren Wortführer und Preßorgane (wir reden nicht von den Mitgliedern überhaupt!) eine Sprache führen, die Schauder erregen und mit Besorgniß erfüllen muß.

anlassung während ihres Aufenthaltes auf Walton­court in großer Verlegenheit befunden. Sie ging nämlich eines Tages mit der Haushälterin nach der Gemäldegallerie. Miß Cameron hatte gewünscht, daß ein dort befindliches Bild nach ihrem Zimmer gebracht würde, und Margarita gebeten, die Uebersiedelung zu überwachen, und die Haushälterin begleitete sie, um den Rahmen auszumessen und zu sehen, ob es auch an die von Miß Cameron bezeichnete Stelle paßte.

Als sie oben an der Treppe angelangt waren — der Vorfall ereignete sich wenige Tage nach Miß Camerons und Margaritas Ankunft — wendete sich Margarita unwillkürlich, in der Erinnerung an ihren ersten denkwürdigst,'« Besuch nach der Seite, der kleinen Thür, die auf den Flur führte, von wo man auf dem nächsten Wege zur Bildergallerie gelangte und die nur den Hausbewohnern bekannt war. Mrs. Grame sah ihr gespannt nach.

„Sie sind unbedingt schon früher einmal hier ge­wesen, Miß", sagte sie, „denn kein Fremder kennt diesen Eingang."

„Gewiß war ich schon einmal hier" , erwiderte Margarita, sich hastig umwendend, „denn ich begleitete Miß Cameron gestern Abend hierher."

„Mrs. Grame schwieg und schritt weiter, während sich Margarita in einer höchst unbehaglichen Gemüths- verfassung befand.

Man denke, um nur das Neueste zu erwähnen, an die von dem Wormser städtischen Schulinspektor vertretene und von Lehrertagen wie von der gesammten liberalen Lehrerpresse mit frenetischem Beifall begleitete Forde­rung: der konfessionelle dogmatische Reli­gionsunterricht sei aus der Schule ganz zu beseitigen, weil er — man höre und staune! — dieQuelle desMaterialismus und sozialen Atheismus sei! Frühere Katholikentage haben es abgelehnt, gegen die von infernalem Haß eingegebenen Hetzreden eines Dittes und Genossen eigene Protest­resolutionen zu fassen. Mtt Recht; auch jetzt wird man vermuthlich Herrn Scherer ausWorms nicht mehr Ehre anthun als ihm gebührt. Aber zu den radikalen Ten­denzen muß Stellung genommen und den Pädagogen dieser Art ein kräftiges katholisches „Hands off!“ zu­gerufen werden. Denn — man täusche sich nickt — diese von der Loge gehegten, wohlorganisnten freien Lehrervereine mit ihrer Presse bilden eine Macht, die ihren unheilvollen Einfluß auf die öffentliche Meinung, die gesetzgebenden Faktoren und bislang auch noch auf einen großen Theil der katholischen Lehrerschaft geltend zu machen weiß, zumal da die letzten Ziele nicht überall so deutlich ausge­sprochen, vielmehr unter dem Aushängeschild „Ver­tretung der gemeinsamen Standesinteressen" und unter einem Schwall von hohlen Phrasen mehr oder minder geschickt verhüllt werden. Die überzeugungstreuen katho­lischen Lehrer in Bayern, in den gemischten Provinzen von Preußen, speziell in Nassau (von Hessen ganz zu schweigen) wissen ein Lied zu fingen von dem Terroris­mus und dem aller katholischen Ueberzeugung Hohn sprechenden Gebühren dieser unheimlichen Macht.

Dazu kommt endlich der rothe Sozialismus, der sich zu all den freisinnigen und ktrchenfeindlichen Reden in's Fäustchen lacht und schmunzelnd das Sieb» knecht'sche Wort wiederholt: Die Schulmeister beseitigen die Religion. „So ist's recht" sagte noch vor Kurzem das sozialistische .Offenbacher Abendblatt' zu den Ver­handlungen eines bayerisch-hessisch-preußischen Lehcer- kränzchens, bei denen ein, wenn wir nicht irren, noch ganz jugendlicher Pädagoge zu Gunsten der Simultan­schule und der Trennung von Schule und Kirche und gegen das historische Recht der Kirche, sowie die hierarchischen Gelüste des Klerus sich ausgelassen hatte. Das läßt in der That tief blicken und der Umstand, daß die Regierungen solch' liberal-sozialistischem Treiben sorglos, wenn nicht freundlich lächelnd zuzuschauen scheinen, nöthigt die Katholiken geradezu, ihre warnende und mahnende Stimme immer und immer wieder zu erheben.

Voilä l’ennemi! Die Generalversammlungen haben den katholischen Standpunkt kräftig und klar zum Aus­druck zu bringen, den Gegnern zur Wehre, den Mäch­tigen zur Lehre und den Schwachen im eigenen Lager zur Stärkung. In keiner anderen Frage ist das so nothwendig wie in der Schulsrage, und wenn sich be­stätigt, daß das vorbereitende Komitee dieser Frage bei dem bevorstehenden Katholikentag eine ganze

„Wenn ich ihr verdächtig erscheine, so wünschte ich, daß sie es gleich ohne Weiteres äußerte", dachte sie, damit ich mich sofort vertheidigen könnte."

Welchen Verdacht Mrs. Grame aber auch hegen mochte, sie äußerte keine Silbe darüber, und Mar­garita büeb völlig im Unklaren, ob es der Fall war ober nicht. Das Einzige war, baß wenn sie mit Margarita in Berührung kam, sie bieselbe unablässig beobachtete unb stets nur mit Bitterkeit und Zurück­haltung vor ihr sprach.

Margarita konnte den Tag nie vergessen, als sie zum ersten Male mit Miß Cameron in das Speise­zimmer ging, wo Lord Rylestones Bild hing. Sie blieb an der Thür zurück, weil sie sich ihm zuerst gar nicht zu nähern wagte; aber Adelaide trat an das Bild heran unk blieb schweigend vor ihm stehen. Dieses Schweigen war aber so beredt, daß Margarita es nicht zu ertragen vermochte. Sie unterdrückte ihre Be­wegung und ging vor und stellte sich neben sie. In Miß Camerons schönen Augen erglänzten Helle Thränen, als sie sich zu ihr wendete.

„Dieses ist Lord Rylestones Bildniß", belehrte sie Loid Rylestones Gemahlin. „Waltoncourt gehött ihm, und ich bin nur seine Pächterin."

„Warum bewohnt er es nicht selbst?" fragte Mar­garita kurz. Der ganze alte Haß gegen das junge blonde Mädchen, das sich zwischen ihren Gemahl und