Einzelbild herunterladen
 

JV 177

Freitag, den o. August 1892.

19. Jahrgang

iilduerMZkitllug

..^etnt täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

LtertelMrllchcr Abonnementsprers ohne Bnngerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen^ in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig,

39. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands ;u Main;.

Die Arbeiten zur Vorbereitung der 39. General­versammlung der Katholiken Deutschlands zu Mainz gehen nunmehr zum großen Theil ihrer Vollendung entgegen.

Still und geräuschlos, aber mit rührigem Eifer und rastlosem Fleiß haben die einzelnen Kommissionen an der ihnen gestellten Aufgabe gearbeitet. Alle die manigfaltigen Hindernifse und Schwierigkeiten, welche bei solchen Gelegenheiten zu Tage zu treten pflegen, schwanden vor dem Opfermuthe und der Arbeitsfreudig­keit, mit der alle Betheiligten dem gemeinsamen Werke sich widmeten.

Wiederholt hatten die Herren des Lokalkomitees und des Vorstandes die hohe Ehre, den allzeit unermüd­lichen Kommissar der Generalversammlungen, Se. Durch­laucht Fürst Karl zu Loewenstein, in ihrer Mitte zu begrüßen und Hochdemselben persönlich über den Verlauf der vorbereitenden Arbeiten Bericht zu erstatten. Mit lebhafter Freude haben Se. Durch­laucht von dem erfteulichen raschen Fortgang der Ar­beiten Kenntniß genommen. Der Beifall, den die Maßnahmen des Vorstandes und der Kommissionen bei dem in diesen Dingen so sehr erfahrenen hohen Herrn fanden, war für das Komitee stets zugleich ein neuer Antrieb zu freudiger Ausdauer und unermüdeter Thätigkeit. So sind denn, Dank dem edlen Wetteifer, der die Kommissionen beseelte, binnen Kurzem alle Vor­bereitungen vollendet, um der diesjährigen 39. General­versammlung der Katholiken Deutschlands zu Mainz eine würdige, ihrer Bedeutung entsprechende Aufnahme zu bereiten. Und Gott sei Dank! Die Arbeiten des Komitees scheinen nicht vergeblich zu sein.

Nicht nur in Deutschland allein, auch in un­serem Bruderlande Oesterreich, in der Schweiz, in Belgien, im fernen Irland, in Amerika und — was besonders beachtet zu werden verdient — auch in dem mit uns Deutschen leider noch immer auf gespanntem Fuße stehenden Frankreich hat der Ruf von Mainz, die Einladung zur Theilnahme an der Katholikenverfammlung, ein begeistertes Echo gefunden.

Zahlreiche Zuschriften aus all diesen Ländern, wie aus allen Theilen Deutschlands geben dieser Begeiste­rung lebhaften Ausdruck und bekunden das hochge­spannte Interesse, welches man allerwärts den Ver­handlungen des herannahenden Katholikentages zu­wendet.

Mit Freude gewahrt man, wie das Bewußtsein von der gerade in gegenwärtiger Zeit so besonders hervorragenden Bedeutung der diesjährigen Katholiken­versammlung in die weitesten Kreise gedrungen ist.

Die täglich einlaufenden Anmeldungen und Zu­schriften lassen eine außerordentlich zahlreiche Bethei- ligung des Inlandes und des Auslandes erwarten. Besonders zahlreich wird die Presse und zwar die in­ländische wie die ausländische vertreten sein. Auch Se. Emin der päpstliche Nuntius zu München, Monsignore Agliardi, hat dem Vorstände des Lokal-

Was verhängnisvolle Testament.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(53. Fortsetzung.)

27. Kapitel.

Der Wechsel war eingetreten. Madame de Valmy war, in Thränen gebadet, unter Zurücklassung vieler guter Rathschläge abgereist, und Margarita Ay-nel hatte ihre Stelle eingenommen. Der herzliche liebens­würdige Empfang, den die junge Erbin ihr bereitete, war wirklich unübertrefflich.

„Sie müssen mein Haus nun ganz als Ihre Heimath betrachten", sagte sie, „und es sich so behag- lich dann machen, als ob Sie bei Ihrer Schwester

Margarita's Züge wurden bei diesen Worten sicht­lich erregter. „Sie sind wie der Sonnenschein, der jedes Herz erwärmt, das er berührt," versicherte sie.

„Ich denke mir, daß jeder Mensch sich in Ihrer Nähe glücklich fühlen muß."

Dann führte Miß Cameron sie in die eleganten Zimmer, welche sie für sie eingerichtet hatte. Später suchten sie einige von Margarita's Lieblingsbüchern aus, speisten dann und schickten sich endlich an, den ersten Abend mit einander zu verleben.

Margarita schlug einen Spaziergang vor, Adelaide

komitees bereits den Besuch der Versammlung in einem überaus liebenswürdigen Schreiben in Aussicht gestellt.

Die Ausstellung für christliche Kunst, welche mit der General-Versammlung verbunden ist, hat einen Anklang gefunden, welcher alle Erwartungen weit über­trifft. Obschon man strenge an dem Grundsätze fest­hielt, nur Kunstwerke im wahren und eigentlichen Sinne des Wortes zuzulassen und Alles fernzuhalten, was in das Gebiet der Kunst-Fabrikate gehört, ist die Ausstel­lung dennoch so zahlreich beschickt worden, daß es der Ausstellungs-Kommission schwer fällt, die übersandten Gegenstände alle unterzubringen. Und doch stehen der Kommission die weiten, herrlichen Räume des kurfürst­lichen Schlosses am Rheine zur Verfügung.

Meisterwerke alter und neuer Zeit aus Deutschland und Oesterreich, aus Belgien und Luxemburg, wie aus anderen benachbarten Ländern, auch solche, die in Privat- Besitz stehen und bisher nur das Auge weniger Aus­erwählten ergötzten, wurden diesmal der General-Ver­sammlung zu Ehren in liebenswürdigster und entgegen­kommendster Weise zur Verfügung gestellt. Sie werden nunmehr, vielfach zum ersten und wohl auch zum ein­zigen Male, das Äuge des Kunstverständigen wie des Laien in gleicher Weise entzücken.

Daß auch die Redner-Kommission ihr Bestes gethan hat, um für einen glanzvollen und begeisternden Ver­lauf der öffentlichen Versammlungen zu sorgen, braucht wohl nicht erst besonders betont zu werden.

Die Äuswahl der Themata, welche in den öffent­lichen Versammlungen behandelt werden, ist derart ge­troffen, daß alle die großen Fragen, welche gegenwär­tig die Aufmerksamkeit der Katholiken, und besonders der Katholiken Deutschlands, in so hervorragendem Maße in Anspruch nehmen, eine allseitige, gründliche und zugleich auf praktische Maßnahmen abzielende Behandlung erfahren werden.

Der Rus der Redner, welche für die einzelnen Themata gewonnen find, bürgt uns dafür, daß das Jntereffe und die Spannung der Zuhörer bis zum letzten Augenblicke nicht erlahmen wird.

So ist denn, wenn nicht alle Anzeichen trügen, mit Sicherheit zu erwarten, daß die diesjährige 39. Gene­ral-Versammlung der Katholiken Deutschlands zu Mainz mit Gottes Hilfe zu einer der glanzvollsten und er­hebendsten sich gestalten wird, die in den letzten Jahr­zehnten gehalten worden find.

Deutsches Keich.

Berlin, 3. August.

* Daß es hinsichtlich der drohenden Cholera- Einschleppungsgefahr aus Rußland in deutsches Gebiet von großer Wichtigkeit ist, möglichst genaue Nachrichten über die Weiterverbreitung der Cholera zu erhalten, ist selbstverständlich, jede ungenaue Nach­richt hierüber aber kann wahrlich nicht zur Beruhigung der Bevölkerung beitragen, zumal dann nicht, wenn amtlichen Meldungen von Privatmeldungen wider­sprochen wird, und umgekehrt. Noch weiß man nicht genau, ob in Warschau Cholerafälle vorgekommen

hatte keine Lust dazu. Sie sah ihre Gesellschafterin lächelnd an. \

„Ich bin nicht gewohnt, zu weinen," sagte sie, „es kommt nur sehr selten bei mir vor; als Madame aber heute Morgen abreiste, habe ich sehr geweint und nun habe ich etwas Kopfweh davon. 'Deshalb bleibe ich lieber zu Hause. Vielleicht fingen Sie mir etwas vor; ich habe eine deutliche Vorstellung, wie Ihre Stimme beim Gesang klingen muß."

Margarita sah in ihrer Abendtoilette sehr schön aus. Sie trug ein Kleid von einfacher schwarzer Grena­dine, und als einzigen Schmuck hatte sie im Ausschnitt derselben und in den Wellen ihres schwarzen Haares je eine dunkelrothe Rose befestigt.

Adelaide sah sie lächelnd an.

„Sie müssen unbedingt spanischer Abkunft fein," Miß Ayenel," sagte sie. Und Margarita erzählte ihr, was sie einst auch Lord Rylestone mitgetheilt hatte, daß sie den südlichen Typus von einem spanischen Vor­fahren geerbt habe. .

„Wollen Sie jetzt etwas fingen?" fragte AdAaide, „das heißt, wenn Sie es gern thun. Wenn ich Sie jemals zu etwas auffordere, wozu Sie sich nicht auf­gelegt fühlen, bitte ich, daß Sie mir das immer ohne Rückhalt sagen."

sind, oder nicht; amtlicherseits wird's dementtrt, Privat- Nachrichten behaupten's. Nicht viel anders steht's mit der russisch - preußischen Grenzstation Sosnowice. Auch hier wurde ein Cholerafall konstatirt, während heute die ,Breslauer Ztg.' aus angeblich sicherster Quelle mitgetheilt wird, daß kein wahres Wort an der Sache sein. Wem soll man da glauben? Dergleichen Sachen müssen entschieden vermieden werden; das große Publikum hat ein Recht darauf, daß ihm in dieser Hinsicht reiner Wein eingeschenkt werde.

* Betreffs der diesjährigen Ernteausfichten treffen von allen Seiten recht erfreulich lautende Berichte ein. Wenn auch kein Ergebniß allerersten Ranges zu er­hoffen ist, so dürfte doch die diesjährige Ernte sowohl quantitativ, wie namentlich auch qualitativ den Ertrag ihrer letztjährigen Vorgängerinnen nicht unwesentlich übertteffen.

* Der Plan einer Weltausstellung in Berlin ist, tote von allen Seiten berichtet wird, als endgiltig aufgegeben zu betrachten. Die Zustimmungser­klärungen laufen jetzt sehr spärlich ein, um so mehr aber häufen sich die Ablehnungen. Daß auch die badische Regierung einen abschläglichen Bescheid bezüg­lich des Berliner Weltausstellungsprojektes ertheilt habe, erklärt die badische Correspondenz für unrichtig, da eine Beschlußfassung noch nicht erfolgt sei. Gegen die Berliner Weltausstellung haben sich neuerdings auch der Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirthschaft- schaftichen Interessen der Saar-Industrie und die Süd­westliche Gruppe deutscher Eisen- und Stahl-Industrieller ausgesprochen, und zwar auf Vorschlag des Vorsitzenden Frhrn. v. Stumm und mit folgenden Erwägungen: Mit der Veranstaltung seien bedenkliche Schädigungen in nationaler und sozialer Beziehung verknüpft. Fehler­haft und unzweckmäßig sei es, ein fast aufgegebener Unternehmen wieder aufzuuehmen und durchsetzen zu wollen, weil Frankreich inzwischen sich bemühe, dasselbe zu durchkreuzen. Ein allgemeines Bedürfniß liege nicht vor: dagegen müsse eine bedenkliche Schädigung unserer sozialen Zustände von der Ausstellung befürchtet »eiben. Ein ablehnendes Gutachten liegt aus Oesterreich vor, und zwar von dem Abg. Peetz, Präsident des Clubs österreichischer Industriellen. Derselbe veröffent­licht im.Neuen Wiener Tagblatt' einen Artikel, welcher eine Anregung der Dreibundmächte zu einer Ausstellung verwirft und die Veranstaltung der Weltausstellung in Paris und nicht in Berlin befürwortet.

• Der Minister des Innern hat folgende Ver­fügung an die Regierungspräfidenten erlassen: Nachdem der Reichstag bei einer Wahlprüfung für erwiesen erachtet hat, daß in mehreren Orten während der Wahlhandlung für den Reichstag Ver­trauensmänner der sogenannten Arbeiterpartei, welche sich int Wahllokale eingefunden hatten, ohne in dem Wahlbezirk wahlberechtigt zu sein, aus diesem Grunde ausgewiesen worden sind, ersuche ich Ew. Hochwohl­geboren ergebenst, derartigen mit der Bestimmung über die Oeffentlichkeit der Wahlhandlung im § 9 des Wahl­gesetzes vom 31. Mai 1869 nicht vereinbaren Vor­kommnissen in Zukunft durch entsprechende Anweisung

„Das Singen ist stets meine Lieblingsunterhaltung," versicherte Margarita, als sie zu dem Flügel trat.

Das Licht des Himmels erblaßte allmählich, die untergehende Sonne warf noch einen goldigen Schein über die Fluthen, die Luft war vom süßen Wohlge- ruche der Blumen durchduftet. Margarita setzte sich an den Flügel, der sanfte, ttäumerische Geist der Stunde theilte sich ihr mit — die Musik, die sie den Tasten entlockte, war weich und schwermüthig. Sie sang mit weicher, klater Stimme von Gefühl und Leidenschaft, ihr Lied sprach so innig klagend von Liebe und Trm- nungsschmerz, daß Adelaidens Augen feucht wurden. Wie, wenn sie geahnt hätten, daß die Musik dieselbe Sprache zu Beidext sprach, daß sie die Gedanken einer [eben über bie See trug, baß ihre Trauer unb ihr Sehnen demselben Gegenstanbe galt!

Als Abelaibe es nicht länger ertragen konnte, sagte te freundlich: „Sie machen mich ganz schwermüthig — mir ist, als wäre mir Alles, was mir je theuer war, mit einem Male verloren. Welche unsagbare Macht hat doch die Musik!"

„Vielleicht hören Sie lieber heitere Sieber ?" sagte Margarita.

„Im Allgemeinen nicht, aber heute finb mir bie Sieber, welche Sie fingen, zu melancholisch. Miß Ayenel, haben Sie je eine Ballabe von Browning, bie