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' 19. Fahmanß

Dienstag, den 2. August 1892.

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nackter Gesichtsfarbe. Sie entsprechen dem Urtypus einer Erzieherin durchaus nicht."

Es war unmöglich, ihrem lieblichen Antlitz, ibrem sonnenhellen Lachen und ihrer einschmeichelndeu Weise zu widerstehen. Margarita mußte unwillkürlich lächeln.

„Das bedauere ich unendlich," bemerkte sie.

„O, dazu ist gar kein Grund!" unterbrach Miß Cameron sie. „Ich brauche keine Erzieherin, liebe Miß Ayenel, sondern Jemand, der mir ähnlich ist, ich suche eine Gesellschafterin."

Und dann fuhr Miß Cameron m gesellschaftlicherer Weife fort: „Madame de Valmy, die eine Zeit lang bei mir war, hat kürzlich, ich muß in ihrem Interesse zu meiner Freude sagen, eine kleine Besitzung in Frank­reich geerbt. DaS einzig Bedauernswerthe dabei ist, daß sie dort leben und mich also verlassen muß. Ich denke mit großem Schmerz daran, weil ich sie herzlich lieb hatte. , m .

Margarita äußerte einige theilnehmende Worte, und Miß Cameron fuhr dann fort: „Ich habe lange da­rüber nachgedacht, wo ich einen E-satz sinden sollte. In dieser Woche nun habe ich viele Damen kennen gelernt, aber eS war keine einzige darunter, die mir gefiel, und die ich beständig um mich haben mochte. Sie, Miß Ayenel, haben nun meinen vollen Beifall, und ich glaube, daß wir recht glücklich mit emander

Während des Aufenthaltes habe er gesehen, daß Ar- ieiter sich an den Schienenköpfen beschäftigten. Statioris- vorstehcr Ackermann: Wagen seien öfter zum Werk zurückgebracht, weil auf dem Bahnhof nicht Einrich­tungen zur Entleerung solcher Lasten vorhanden seren. Die Ladung des Revisors Kettner wird befchlosserr- Zeuge Laubach konstatirt blindes Stempeln bei Schwellen durch Danebenhauen. Darüber entsteht eine ange Debatte der Sachverständigen und dann wird der Beschluß gefaßt, daß dem Gerichtshof morgen auf dem Essener Bahnhof Klopfversuche vorgemacht werden. Die Zeugen Husemann, Endres, Lange bestätigen ziemlich übereinstimmend fortgesetzte Betrügereien und Unterschiebungen. Abgefeilte Schienen seien denselben Kontrolleuren zwei und dreimal vorgelegt; warmge­flickte Schienen seien in Abwesenheit der Revisoren ge­stempelt und mit guten verladen. Diese Arbeiten wurden immer und nahezu ausschließlich Nachts gemacht. An­geklagter Grewe bestätigt, er habe einen Stempel der Ostbahn gemacht auf Befehl des Meisters und schon damals sei er im Zweifel gewesen, ob der Bochumer Verein zu diesem Nachmachen berechtigt gewesen. Zeuge Meister B»meister, noch jetzt auf dem Werk be­schäftigt, weiß nichts von den bekundeten Betrügereien. Mit Langes Verhör schließt die Sitzung. — 30. Juli: Das Zeugenverhör wird fortgesetzt. Baumeister Nie­meyer aus Magdeburg hat keine Uregelmäßigkerten entdeckt. Er habe Stempel auf dem Werke nie an­fertigen lassen und Stempel nicht auf dem Werke zurückqclassen. Er erklärt dies für grobe Pflrchtver- gefsenheit. — Baumeister Fränkel-Charlottenburg hat drei Verkittungen beobachtet, davon an eine untaug­lichem Material. Einmal habe er den Eindruck ge­wonnen, daß der Angeklagte Kirchner ihn bei der Ab­nahme von Radeisen habe hintergehen wollen. Das verleugnete Stück wurde von ihm sofort als untauglich erkannt. — Ingenieur Bohnert-Berlin depvnirt, er habe 1885 bei Privatproben drei gefälschte Stempel entdeckt, nachdem Tags zuvor Stücke derselben Art eme Schlagprobe nicht ausgehalten und von ihm verworfen worden. Der Direktor des Bochumer Vereins Leo, an den er sich sofort wandte, habe die Fälschung, die für ihn unzweifelhaft vorhanden war, nicht an­erkannt, aber eine Untersuchung versprochen. Ob diese eingeleitet worden, wisse er nicht. Dre Ver­suche mit Bering, die Fälschung auf natürlichem Wege zu erklären, siel negativ aus. Die folgenden Proben Böhnert's fielen fehl gut aus. Angeklagter B ering erinnert sich an nichts. Gremme und Loh­kühler versuchen Böhnert zu widerlegen; dieser be­streitet sie erregt. Sämmtliche Zeugen stellen sonst dem Material des Bochumer Vereins das beste Zeugmß ab. Eine Reihe Zeugen sagen Unwesentliches aus. Lüning hat Abfeilungen und wiederholtes Vorlegen derselben Schienen an die Revisoren beobachtet. Arbeiter Jamböck, noch jetzt auf dem Verein, konstatirt, daß Abfeilungen stattgefunden und Revisoren, darunter Kurtzenberger-Karlsruhe, wiederholt ihre Stempel in den Händen der Arbeiter zurückgelassen. Kurtzenberger speziell und andere haben das bestritten. Lüning

Deutsches Keich.

Berlin, 30. Juli.

* Der Kaiser hat heute früh nach herzlicher Ver­abschiedung von der Kaiserin seine Reise nach Eng­land angetreten und sich zunächst nach Wilhelmshaven begeben. Es bestätigt sich, daß die Abwesenheit des Kaisers nur 8 bis 10 Tage währen wird.

*s|3n weiterer" Ausführung der gegen die Ein­schleppung der Cholera angeordneten Maßregeln hat der Regierungspräsident von Oppeln im Einver­nehmen mit der Königlichen Eisenbahn-Direktion und der Polizeiverwaltung verfügt, daß die gesundheits­polizeiliche Controle aus den Bahnstationen Kattowitz Schoppinitz, Myslowitz, Pleß und Ratibor unverzüg­lich in Wirksamkeit treten soll. Für d,e Unterbringung sichtlich oder muthmaßlich kranker Reisenden sind Per­sonenwagen vierter Klasse zur Verfügung gestellt und mit der nöthigen Ausrüstung versehen worden. Ferner wurde die Aufstellung von Baracken und die Ein­richtung anderer, für die Aufnahme von Kranken geeigneter Räumlichkeiten eingeleitet. Bezüglich des Transports und der Desinfektion sind die schärfsten Bestimmungen ergangen. — Die Königliche Eisen­bahndirektion Breslau macht bekannt, daß der Wagen­durchgangsverkehr von Warschau wegen der Möglich­keit einer weiteren Ausdehnung Cholera-Epidemie auf­gehoben ist. ± .

* Der Verband deutscher Liqueurfabrikanten und Brantweinbrenner beschloß gestern in einer mit dem Verein der Berliner Großdestillateure gemeinschaftlich abgehaltenen Versammlung, die Regierung zu bitten, ohne weiteres Zögern die Erklärung zu erlassen: Dre 1. Berliner Weltausstellung wird am 22. März 1897, dem 100jährigen Geburtstage Kaiser Wilhelm L, des Gründers des deutschen Reiches eröffnet.

* Geheimer Ober-RegierungLrath von Woedtke wurde zum Vorsitzenden des Ober-Seeamts, Marrne- Ober-Baurath Schnncke zum Vorstand des Schiffs- vermessungsamts ernannt.

* Das große Komitee für die Sammlungen zu Gunsten Buschhoff's gibt bekannt, daß es bis heute 27 451 M. 50 Pf. eingenommen hat.

* Hamburg, 30. Juli. Einem Privattelegramm der .Hamburgischen Börsenhalle' zufolge ist in Poti am Schwarzen Meere die Cholera in heftiger Welse ausgebrochen. Die Arbeiter laufen davon, zahlreiche Dampfer liegen im Hafen und warten auf Beladung, so daß die Ablader durch die unter den Arbeitern ent­standene Panik in eine schlimme Lage gerathen sind.

* Thorn, 30. Juli. Der Regierungs-Präsident von Marienwerder ordnete den sofortigen Bau von Baracken in Schellno an für etwa eintreffende cholera­kranke Weichselfchiffer.

* Essen, 29. Juli. (Bochumer Stempelfalschungs- Prozeß; Fortsetzung.) Lokomotivführer Eisenhart: Mindestens dreimal zwischen 1874 und 1876 seien Wagen zwecks Entladung vom Bahnhof Bochum nach dem Werk zurückgebracht, nach der Umladung sei der Wagen mit Mafchine wieder auf den Bahnhof gefahren.

Das verhängnißvolle Testament.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(50. Fortsetzung.)

Sie war über die plötzliche Röthe, die das südliche Antlitz färbte, ein wenig erstaunt.

Ich glaube sehr streng an Sympathien und Antl- pathim," fuhr sie fort. „Theilen Sie meinen Glauben daran?"

„Ich bin mir darüber nicht klar," erwiderte Mar­garita. „Ich erinnere mich nicht, daß ich je eine so Plötzliche Zuneigung oder Abneigung gefaßt hätte.

„Hoffentlich," bemerkte Adelaide in ihrer lebhaften Weise, „werden Sie mich dann allmählich lieben lernen. Eigentlich beabsichtigte ich, mit Ihnen über eine Ge­schäftsangelegenheit zu sprechen, Miß Ayenel, nun ich Sie aber vor mir sehe, scheint mir daS Geschäft kaum Ihrer würdig. Nicht wahr, Sie waren früher Er­zieherin bei Lady Day nant?"

„Ja", erwiderte Margarita, „ich war als solche zwei Jahre lang in Lady Dayenants Hause."

Adelaide lächelte.

„Verzeihen Sie mir, Miß Ayenel," sagte sie, „aber daS klingt ganz unglaublich. Sie gleichen dem echten Silbe einer Erzieherin gar zu wenig. Man denkt sich darunter immer eine etwas gedrückte Erscheinung von

wird heute nochmals vorgerufen. Er erinnert sich wegen der Länge der Zeit nicht mehr der Verbringung falscher Stempel in Lehmkuhls Keller. QuantruS hält seine Aussage aufrecht. Lüning depomrt, mit Bering einen Zusammenstoß gehabt zu haben der Stempel wegen. Bering weiß von nichts. Lüning wird vereidigt. Lüning konstatirt Abfeilungen bereits gestempelter Schienen. Pick ar t h weiß nichts. Damit ist der heutige Zeugenvorrath erschöpft. Von den kom­menden Zeugen sind viele allerseits gestrichen, der Präsident glaubt, der Schluß der Beweisaufnahme könne Dienstag Mittag stattfinden. Ein Aktenstück des Ministeriums sür Handel an den Präsidenten wird verlesen, es enthält eine Zusammenstellung der Aus­künfte der Eisenbahndirektionen über das vom Bochumer Verein gelieferte Material. Eine ganze Anzahl, da­runter Frankfurt, macht keine Ausstellungen, einige, darunter Breslau und Elberfeld, konstatiren Schienen­brüche, die weit unter dem Durchschnitt aller Schienen­brüche bleiben; das Gesammturtheil ist ein durchaus gutes. Ein Schreiben der Elberfelder Direktion erklärt, daß die im Ostselder Tunnel vorgekommenen Schrenen- brüche mit der Fabrikation nichts zu thun haben. Die Sachverständigen erklären, daß durch Schienenbrüche noch nicht oder höchst selten Entgleisungen herbeigefuhrt wurden, und daß gute Schienen ebenso gut brechen können, als schlechte. Der Ingenieur Freudenberg erklärt auf die Aufforderung zahlreicher Kollegen, die im Auslande Schienen abgenommen, daß die deutschen Werke am sorgfältigsten arbeiten und stellt dem Boch­umer Verein ein besonders gutes Zeugniß aus. Das Gleiche thut der Holländer Banruth. Sitzungslchluß um 1 Uhr. Fortsetzung Montag früh 9 Uhr. (Frkf. Z.)

* Die diesjährige General-Versammlung des Volks-Vereins für das katholische Deutschland findet während der Katholiken-Versammlung am Diens­tag, den30. August, zu Mainz statt. Auf derselben wird der ausführliche Bericht über Stand und Thattg- keit des Volks-Vereins gegeben werden. An die Ge­neral-Versammlung soll sich eine Besprechung der an­wesenden Vertrauensmänner anschließen. — Der vom 20. bis 30. September d. I. im St. Josephshause (bei Herrn Fabrikbesitzer Fr. Brandts jun.) statthabende praktisch-soziale Kursus findet allerseits größten Beifall. Bereits sind von 12 Hochw. Herren Bischöfen äußerst huldvolle Anerkennungs-Schreiben eingegangen; fast alle melden schon Geistliche als Teilnehmer an. Auch aus Studenten- und Beamtenkreisen werden täglich Gesuche um Auskunft an die Central-Stelle des Volks- Vereins gerichtet. Es ist den Bemühungen des engeren Vorstandes gelungen, 14 auf dem sozialen Gebiete wissenschaftlich und prakisch bewährte Fachmänner (Geist­liche wie Laien), als Vortragende zu gewinnen. Das Verzeichniß der Vorlesungen kann in nächster Zeit ver­öffentlicht werden.

Ausland.

* Auch in Frankreich tritt die Cholera immer erneut wieder auf. So find in der Irrenanstalt zu Bonnemain 12 neue Cholerafälle vorgekommen. Einer sein könnten. Darf ich Ihnen also die Stellung an­bieten? Wollen Sie meine Gesellschafterin werden?

Es entstand eine Pause. Margarita's Gewissen regte sich. Wie konnte sie einem Weibe, das ihr nut so großrnüthigeni Vertrauen, mit so fester Zuversicht und so offen ausgesprochenem Wohlwollen entgegenkam, heimlich den Krieg erklären? Ihr Weg lag nicht mehr so klar, als kurz vor dieser Unterredung, vor ihr. Miß Camerons Züge nahmen fast einen Ausdruck von Furcht an.

„Sie zögern, Miß Ayenel," sagte sie. „Hoffentlich komme ich mit meinem Anerbieten nicht zu spar.

Nein," erwiederte Margarita, „ich überlege nur. Ich glaube, daß ich eine recht brauchbare Erzieherin war, denn ich gab mir die er sinnlichste Mühe mit der Ausbildung und dem Unterrichte meiner Zöglmge, von den Pflichten einer Gesellschafterin habe ich keine Ahn­ung und weiß daher nicht, ob ich ihnen auch genügen kann." ,

„Dieser Ausspruch ist ein Beweis großer Aufrichtig­keit. Wenigstens in diesem Falle ist die Stellung aber durchaus nicht mit besonders schweren Pflichten ver­knüpft. Ich habe im Leben einen tiefen Schmerz er­dulden müssen. Obgleich ich nun vielleicht glücklich und froh erscheine, so kommen doch Zeiten, wo sich meiner