(Weitere Mitrheilungen unter „Hanau, 25. Juli/ D. R.)
* Die vor ungefähr sechs Wochen an dieser Stelle erwähnte Verleihung des Königlichen Kronenordens zweiter Klasse an den seit April d. I. in unserer Stadt wohnenden Herrn Geh. Regierungsrath Tr. Anton Goebel wird erst jetzt vom ,Königl. Preußischen Staatsanzeiger' (Nr. 172) amtlich gemeldet.
* Kassel, 25. Juli. Die kaiserlichen Prinzen reisen morgen über Frankfurt nach Homburg zum Betuch der Kaiserin Friedrich.
* Marburg, 23. Juli. Der 30. VerbandStag hessischer Vorschuß- und Kreditvereine, der am Donnerstag und Freitag hier tagte, war außerordentlich stark besucht. Folgende Städte waren durch Abgeordnete vertreten: Alsfeld, Bad Nauheim, Biedenkopf, Butzbach, Dodenau, Friedberg, Fulda, Gießen, Grünberg, Hersfeld, Homberg, Kassel, Kredirverein Kaffel, Beamten-, Spar- und Darlehenskaffe, Kassel, Allgemeiner Borschuß-Verein, Lichtenau, Marburg, Melsungen, Neukirchen, Nordeck, Reichelsheim, Rotenburg, Wächtersbach, Wetzlar. In der am Donnerstag im Hotel Kaiserhof abgehaltenen Borversammlung wurde zunächst die Präsenzliste ausgestellt , worauf die Wahl des Bureaus und der Revisoren für die Verbandsrechnung erfolgte. Das Bureau bestand aus den Herren Verbands - Direktor Diehls - Kassel, als Vorsitzenden, Universttäts - Buchhändler Ehrhardt als 2. Vorsitzenden und Redakteur Gaebler und Amtsrichter Diehls-Homberg als Schriftführern. Als Revisoren wurden die Herren Köhler-Alsfeld und Dörr-Frieoberg gewählt. Nach Feststellung der Tagesordnung für dl« Hauptversammlung vereinigte man sich zu einem ge- müthlichen Zusammensein. Am Freitag früh von 7 bis 9 Uhr unternahmen die gesummten Herren unter Führung des Herrn Ehrhardt einen Spaziergang und besichtigten davei die HauptsehenSwürdigkesten unserer Stadt. Hierauf begann im Museum die Hauptversammlung. Zu Punkt 1 der Tagesordnung erstattete der Berbandsdireklor Diehls - Kassel Bericht über das letzte Geschäftsjahr, sowie über die von demselben vorgenommenen Revisionen und erläuterte nach einem ürrzen Rückblick über die Entstehung des im Jahre 1862 gegründeten Verbandes die Zwecke und Ziele desselben. Der Werth dec Genossenschafistaae bestehe vor Allem im Austausch der Meinungen der Vertreter der einzelnen Vereine. Der Jahresbericht über die dem Uineiverbände angehörenden Vereine lag gedruckt vor. Während des Jahres 1891 find 3 Vereme dem UnterDerbaF.be zugetreten, 2 abgegangen. Der Antrag des Berbandsdirektors, zu beschließen, „daß Genoffen- schäften, welche dem Unterverband erst in dem Jahre beitreten., in welchem sie zur gesetzlichen Revision verpflichtet sind, dir Gesammtkosten derselben zu tragen haben" wurde gegen eine Stimme angenommen. — Die Mittheilungen aus den einzelnen Vereinen, insbesondere: a) über die Erfahrungen, welche die Genossenschaften im Verkehr mit den Registerrichtsru gemacht, b) über die Erfahrungen der Genossenschaften, über die Stempelpflichtigkeit der Verträge und Beglaubigungen wurde wegen Mangel an Zeit nur theilweise erledigt. — Der Bericht über die Revision der Berbandsrechnung wurde zur Kenntniß genommen, die beantragte Entlastung ertherlt und der Voranschlag für das nächste Geschäftsjahr genehmigt. Die durch das Loos erfolgte Wahl der Städte., die Abgeordnete zu dem Genossenschaftstage in München zu entsenden haben, ergab die Städte Marburg und Hersfeld. Bei der Wahl des Verbands-Direktors wurde der bisherige Berbandsdirektor Diehls wieder-, Herr Dörr-Friedberg als dessen Stellvertreter neugewählt. — Die Wahl des Ortes für den nächsten Verbandstag fiel auf Hersfeld. Zu der bereits aufgestellten Tagesoid- nung war noch ein Antrag auf „Beralhung über die Ausbreitung des Genossenschaftswesens in Handwerker- kreisen in Horm von Rohstoffs-, Magazin- und Produktiv - Genossenschaften" eingegangen. Der Berichterstatter über diesen Punkt war Herr Ruetz-Caffel, der m einem ausführlichen Vortrag sich über die Handwerkerfrage aussprach und folgende Anträge stellte: 1) Die Einrichtung von industriellen Rohstoff- und Pro- duktiv-Genoffenschaften überall, wo ein Bedürfniß und bie geeigneten Kräfte dazu vorhanden find, nach Kräften W fördern und zu unterstützen. 2. An die Errichtung von Produktiv - Genossenschaften überall nur heranzu- beten, wenn das ausreichende Kapital beschafft werden kann, und wenn unter den Genossen das Maß von »msicht und Geschäftskenntniß, Thatkraft, FleH und Ausdauer vertreten ist, welches zur Ueberwindung der Schwierigkeiten des Gesammtbetriebes erforderlich ist. Die Versammlung erklärte sich mit dem Vortrage des Herrn Berichterstatters einverstanden und beauftragte nod) einer Besprechung, an der sich vor Allem die Herren Verbandsanwalt Schenk und Verbandsdirekior Diehls betheiligten, den ersteren, obige Anträge auf em demnächst inMünchen staltfindeiiden Allgemeinen erbandstage zu stellen und für denselben einzutreten.
r ? ^chcmdlungen wohnten u. A. die Herren Land- arh Trott zu Solz und Oberbürgermeister Schicker Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegen- yeitei!, die sich bis gegen 3 Uhr hmgezogen hatte, sand gemeinschaftliches Wiltagessen statt, oas unter zahl- । ernsten und heiteren Trircksprüchen auf das au- 1
genehmste verlief. Nicht wenig trugen zu dem prächtigen Gelingen des gemächlichen Theiles die herrlichen Gesangsvorträge des Bärth'schen Männerquartettes, sowie die Instrumental - Vorträge der Herren Bärtsch und Werner bei, welche die Betheiligten mit größter Zuvorkommenheit zum Besten gaben. Küche und Keller des Herrn Museumwirthes waren wie immer vorzüglich. Nach dem Essen fand ein Spaziergang nach der Weintrautseiche statt, bei welchem Marburg sich den auswärtigen Herren in seiner vollen malerischen Schönheit anfthat. Der Abschiedstrunk wurde auf Lederers Terrasse eingenommen. Und immer und immer wieder gaben die Gäste ihrer hohen Befriedigung über den ausgezeichneten Aufenthalt hier Ausdruck. Möchten ihnen die Tage ihres Hierseins eine bleibende Erinnerung, für das von ihnen vertretene Genossenschaftswesen aber die Anregung zu frischer Begeisterung und neuer Arbeit sein. (O. Z.)
* Hanau, 25. Juli. Das Jmkerfest, welches der Verband der heffischen Bienenzüchter - Vereine unter Vorsitz des Herrn Pfarrer Hufnagel im Schwanengarten zu Kesselstadt abhält, ist bis jetzt aufs Glänzendste verlaufen. Bon den verbündeten Vereinen waren vertreten durch Delegirte Marburg, Hersfeld, Schlüchtern rc., äußerem hatten die benachbarten bayerischen and hessischen Vereine ihre Vertreter gesandt. Selbst Waldeck war durch drei Herren vertreten. Die Wahl des Ausstellungsplstzes erwies sich als eine äußerst glückliche. Dank des mit Eifer und Ausdauer durch- gefichrten Arrangements Seitens des Vorstandes und des Keffekstädter Ortskomitees hatte der Festplatz ein äußerst anmuthiges Gewand angelegt. Die Dekoration d«S AuAstellungSsaales, wie die Mannigfaltigkeit und Reichhaltigkeit der dort ausgestellten Gegenstände ans bemx Bereiche der Bienenzucht erregte Befriedigung selbst bet solchen, die mit den Geheimnissen der Jmker- kunst wenig ober gar nicht vertraut find. Die Fest- lichkeAen selbst nahmen ihren Anfang am Samstag j Abend. In höchst dankenswerther Weise hatten die hiesigen Gesangvereine „Concordia" und „Humor" unter der Leitung der Herren Lehrer Hamburger und K. Nuhn. sowie der Turnverein unter seinem altbewährten Turnwart Geibel, ihre Mitwirkung für diesen Abend zugesagt. Sonntag Mittag 12 Uhr fand die offizielle Eröffmmg des Festes durch eine kurze Ansprache des Herr Landtags - Abgeordneten Zimmermann ftatt, woran sich um 2 Uhr ein gemeinschaftliches Mittagessen aller anwesenden Imker und Btenen- •freunbe anschloß. Treffliche Reben, sowie ein ton Herrn K. Nuhn verfaßtes Festlieb trugen dazu bei, bie sestliche Stimmung bei allenAnwesenben zu erhöhen. Nachmittags 4 Uhr-nahm sobann das eigentliche Volksfest seinen i Anfang. Das Konzert bet Aschaffenburger Jägerkapelle bot einen künstlerischen Genuß. Emen recht schönen Abschluß des ersten Festtages bildete das durch Herrn Diebelius am Abend inszenirte Feuerwerk. Montag Morgen fattb dann die Besichtigung des Schlosses Philippsruhe statt, dessen Besuch Seitens des Herrn Hofmarschall von Strahl liebenswürdiger Weise gestattet worden ist. Heute Nachmittag nimmt das Fest seinen Fortgang. Es wird wiederum die Kapelle des Aschaffenburger Jägerbataillons konzertiren. Dec Besuch am Sonnabend und Sonntag darf als ein überraschend guter bezeichnet werden. Bis zum Sonntag Abend 6 Uhr waren an 1000 Eintrittskarten ausgegeben. Es wurden prämiirt mit ersten Preisen: Lehrer Geb-Dörnigheim, Lehrer Knöll-Bischofsheim, Landwirth Karl Heck-Bruchköbel, Kaufmann Kling-Ravolzhausen, Lehrer Frech-Großauheim und der Imker-Verein Hersfeld für gute Völker rc.; mit zwei len Preisen: Forstmeister Aumann-Hersfeld, Kaufmann Rechberg-Hersfeld, Bienenvölker, Lehrer Gerlach - Kefselstadt, Bienenvolk und Honig, Lehrer König-Schlüchtern, Bienenvolk, Kom- merzlenrath Zimmermann-Hanau, Lehrer Stoppel-Eichen, ' Lehrer Schön-Aschaffenburg, Landwirth Fladung-Spahl, Lehrer Fretz - Großauheim, Lehrer Pauli - Fechenheim, Pfarrer Schilling auf dem Berg bei Gelnhausen, Lehrer Gies - Unterrosphe, Förster Müller - Wachenbuchen, für Honig, Fabrikant Berta - Fulda für Kunstwaben, Pfarrer Gerstling- Osmanstädt für Literatur, Heinrich Keck-Nidda für reichliche Ausstellung von Bienenwohnungen und Jmker-Geräth, Weckfort-Eschbach für verstellbare Honigschleuder, Zimmermann - Laasphe für Honigschleuder, Nees-Frankfurt a. M. für verschiedene Imker-Werkzeuge und Literatur, Häckel-Schlath, für reichhaltige Ausstellung von Jmker-Geräthen rc., ebenso B roh m- Darmstadt, Meckel-Fulda für elektrische Schw arm» Anzeiger, Gühler-Treptow bei Berlin für Honig-Glaser.
* Mcinivgcn, 25. Juli. Die Herzogin ist in Villa Barletta schwer erkrankt.
* Die Ankunft des Fürsten Bismarck in Jem» erfolgt am Sonnabend, die Weiterreise von dort am Sonntag Nachmittag um 3 Uhr.
* Im Großhtzrzogthum Hessen bestehen zur Zeit 27 höhere, gastliche Schulen. Hiervon sind 8 Gymnasien, 4 Realgymnasien, 14 Realschulen und eine böuere Bürgerschule (Butzbach). Auf die Provinz Starkenburg kommen 11, auf Oberheffen 8 und auf Rheinhessen auch 8 höhere Lehranstalten. Am Ende des letzten Schuljahres waren besucht bie Gymnasien von 2494, bie Realgymnasien unb Realschulen von 4669, bie Butzoacher Schule von 123 Schülern. Von i diesen 7286 Schülern standen vor der MaturnälLp^lifung
in den Gymnasien 159, in den Realgymnasien 58 Schüler. Von je 100 Schülern dec höheren Lehranstalten, waren 67 Evangelische 21 Katholiken und 12 Israeliten. Im Lande kommen auf 100 Christen 3 Israeliten, in den höheren Schulen dagegen auf 100 Christen bereits 12 Israeliten; eine für die letzteren ungewöhnlich günstige Zahl. — An den hier in Betracht kommenden Anstalten wirken 370 wesentliche Lehrer und 65 Hülfslehrer. Unter diesen 435 Lehrern sind nur 6 über 60 Jahre alt und 42 zwischen 50 und 60 Jahren, also 387 unter 50 Jahren. Die Aussicht, nach dem 60. Lebensjahr noch im Dienste stehen zu können, ist in jedem anderen öffentlichen Dienste größer als an den höheren Lehranstalten.
* Kisfingcn, 24. Juli. Die Kissinger haben heute brillante Geschäfte gemacht und ihr Enthusiasmus für Bismarck ist daher wohl begreiflich. Diekxtra- züge brachten ca. 3000 Menschen und was sonst noch von Neugierigen herbeigeströmt war, dürfte wohl an 2000 Personen betragen. Mittags 1 Uhr ordnete sich der Zug zur Saline. Bankbirektor Eckart-Mannheim, ein alter Freimaurer, verbammte bie Politik seit Bismarcks Weggang. Gegen die Art von Belehrung und Volkserziehung, wie sie uns aus dem Norden zu Theil werbe, lege er energischen Protest ein. Bismarck bankt für bie Ovation. Er habe vom Anfang an den deutschen Einheitsgedanken im Auge gehabt, dieser aber fei älter als er. Die Kriege, die geführt wurden, seien nothwendig (!?) gewesen. Ich habe mir manche erbitterte Gegner geschaffen und diese sind mir treu geblieben. Wenn sie mir jetzt mlle gut wären, wäre das für mich keine Befriedigung. Die erbitterten Feinde habe ich im Norden. Wenn ein Vorredner gesagt hat, der Norden habe den Verstand, der Süden das Herz, so sage ich, daß der Verstand ohne Leitung des Herzen häufiger irrt als er selber annimmt. Der Süden habe immer die wärmsten Vertreter der nationalen Ideen gezeitigt. Uns Deutschen schreibt die äußere Politik strenges Zusammenhalten vor, wozu wir allerdings weniger Anlage als Franzosen, Italiener und Russen haben. Aber wir müssen zusammenhalten, wenn wir nicht verloren gehen wollen. Rußland hat Asien, Frankreich das Meer als Rückendeckung, wir haben keine, wir müssen Rücken an Rücken stehen, wir sind von allen Seiten bedroht. In der inneren Politik sollten wir die Unterschiede der bürgerlichen Parteien verwischen, die doch bloß künstlich durch die kleinlichen Parteiführer existiren. Die Gebildeten sollten da zu» sammenstehen, denn von unten herauf kann doch keine Regierung gemacht werden. Ich will weder eine katholische, noch eine protestantische Kirchenherrschaft, die über dem Staate steht. Die Unterschiede zwischen den christlichen Konfessionen sind doch wahrlich für die Laien nicht so groß, um nicht die Schaffung einer großen politischen Partei zu ermöglichen. (Bismarck hat danach von positiver Religion keine blasse Ahnung.) Der Reichstag büßt durch den Mangel an Selbstständigkeit in neuerer Zeit bedenklich ein, das darf nicht so bleiben. Meine Gegner verlangen, ich sollte den Mund halten, ich halte ihn nicht, ich kaffe mir ihn nicht verbieten. Ich trenne mich von der Politik nicht, ich kann das gar nicht, ich darf es nicht, ich rede, weil ich das für meine Pflicht halte. Die Gegner, auch die Regierungsfedern vergessen, daß das Gift, das sie gegen den thätigsten Mitarbeiter eines großen Werkes ans- spritzen, auch auf das Werk selber zurückspritzt. Bismarck schließt mit einem Toast auf Kaiser unb Reich, boch in dem Sinne, daß er alle deutschen Fürsten und freien Städte unb ben Reichstag einschließt. Thorbecke- Mannheim toastirt auf Herbert Bismarck unb seine Gemahlin, das verkörperte Bündniß zwischen Deutschland und Oesterreich. Zum Schluß machte Bismarck einen Rundgang durch die Menge.
Getreide-Cours.
4- Frankfurt a. Di., 25. Juli 1892.
Weizen hiesiger (Sommerweizen) . . . 19—V« “t
„ Red-winter I. Qualität .... 19—V« "7
„ „ Steamergrade . . . 188/« 1° §3
Roggen hiesiger.........18 18 "5*
„ französischer........— IgSg
Gerste neue ..........15'/-—16'/zl 82
Hafer je nach Qualität.......ll'/a—15‘/J
Raps . ..........24 'm
Mais, mixed pr. März verzollt. ... 12 , --Z
Mais, ungarischer prompt.....— /=L°S
Malzkeime ..........9'/,—10 | ~J? =
Spelzspreu ..........2—2'/«
Getrocknete Biertreber.......— i S 3'S
Weizen russischer ........— IS'fS
Roggenkleie..........10'/,—11 Z
Weizenkleie..........9 ,a£
Mais (La Plata)........— i
Weizen träge; Rgggen weichend; Gerste verlassen; Hafer rührig; Raps coulant verkäuflich; Malzkeime fester; Roggen- und Weizenkleie unthätig. — Raps ab Fulda M. 23'/«.
Bei An- und Berkaus von Getreide halte mich bestens empfohlen. Joseph Stranes, Agent.
Wasserwärme der Fulda.
Gestern Abend 7 Uhr 16" R. Heute Morgen 6 Uhr 14','-" 8.
* ♦ k M. K direkt au» der Fabrik von
von kltsn & Keussen, Crefeld, WllVlllHVni also aus erster Hand in jedem Maaß zu
Man verlange Muster mit Angabe des Gewünschten.