19. Iahrgam
Dienstag, den 26. Juli 1892.
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Kede des Abg. Dr. Lieber, gehalten in derBersammlung derCentrumspartei in Neisse am 17. Juli.
Liebe Freunde! Ich sage zwar nichts Neues aber ich wiederhole es mit Bewußtsein: Der Tod des Dr. Windthorst hat zweifellos eine Lücke gerissen, die unausfüllbar ist (Lebhafte Zustimmung.). Ein Mann, wie Windthorst, wird überhaupt nicht ersetzt; darüber sind wir Alle einig. Darüber ist Niemand einiger als Diejenigen, die in erster Linie berufen waren und sind, die Fahne, welche seiner sterbenden Hand entsank, aufzunehmen und mit Gottes Hülfe weiter zu tragen; aber wir Katholiken haben einen gewaltigen Vorzug vor allen andern Parteien. Wir setzen unser Vertrauen nicht allein auf Menschen- traft und Menschengunst, wie wir auch unsere Arbeit nicht sowohl der Menschen als Gottes wegen thun (Lebhaftes Bravo!) und so ist Keiner unter uns, der unter der schweren Hand Gottes, die uns den Einzigen entriß, auch nur einen einzigen Augenblick das Vertrauen verloren hätte auf die starke Hand Gottes, die auch aus Steinen Kinder Abrahams erweckt. (Lebhafter Beifall.) Und so haben wir uns gesagt: Gewiß hat Windthorst im Plane der göttlichen Weltlenkunq seine Aufgabe
6t, und als diese Ausgabe erfüllt war, und nicht eine Se- e früher, hat ihn Gott von uns genommen, und wir haben uns bemüht, diese Aufgabe zu erkennen und darüber zur Klarheit zu kommen, ob es möglich sei, nach ihm sein Werk fortzu- setzen, und wir glauben sagen zu dürfen: Windthorsts Aufgabe bestand darin, dem herrschgewaltigen Manne gegenüber, die gejammte Kraft des katholischen Wollens und Könnens in einem Einzigen zu verkörpern (Sehr wahr!) und nachdem der einzige Widersacher gegangen worden war (Sehr gut!) da wurde der Einzige unter uns von uns entrückt. Nunmehr ist die Ausgabe, welche auf feiner Schulter allein lastete, auf viele Schultern ver- theilt, und das Bewußtsein, Mitträger an dieser Aufgabe zu sein, welche nicht die Aufgabe Windthorsts, sondern die Aufgabe Gortes ist, dieses Bewußtsein hat uns einiger gemacht, als wir je zuvor gewesen sind, und es gibt unter uns keine Eifersucht, es gibt unter uns kein „Sich Bordrängen" und „Andere zurück- drängen", nein, wir stehen Alle für Einen und Einer für Alle! Es ist ja gar kein Zweifel, daß wir im Augenblick in unferm Centrum noch mehr Kräfte haben, als irgend eine andere einzelne Partei, und wenn die Herren unter vier Augen mit Einem sprechen, so gestehen sie es sogar zu. (Heiterkeit.) Aber die Aufgaben find so große, so gehäufte, namentlich seit dem Ansturm der Sozialdemokratie, namentlich seit den stets neben «inander tagenden Parlamenten in Berlin, daß wir nicht Kräfte genug haben können, und ich habe es mir zur besonderen Aufgabe gemacht, hier in Neisse und, wie ich hoffe, weit über die Grenzen des Saales hinaus, es auszufprechen: die Jugend muß heran! Ich habe mich gesehnt nach diesem Tage in Neisse (Andauernder, stürmischer Beifall), um endlich vor Freund und Feind zu sagen, daß, wenn auch Keiner von uns Allen Windthorst ersetzen kann, wir doch Alle mit einander die Pflicht in uns empfinden und auch mit Vertrauen auf Gott den Muth in unfern Herzen, in gemeinsamer Arbeit die Aufgabe zu lösen, die er bisher allein gelöst hat.
Unsere Gegner sehen mit wachsendem Neide auf das, was wir Katholiken in Sachen der Bolksverf ammlungen auf die Beine bringen. Entweder sind sie ehrlich genug, das anzuerkennen und zu sagen: „Sehet hin, wie's dieses Centrum anstelll, seit der Schulgesetz-Entwurf Zedlitz' gefallen ist! Jeden Sonntag mindestens eine gewaltige katholische Kundgebung." „Was thut Ihr?" so fragen sie ihre Leute, „schlaft Ihr, um vielleicht niemals mehr zu erwachen?" Wir wollen's ihnen wünschen. (Große Heiterkeit.) Oder aber sie schimpfen über die „Bolksverhetzung". Das kath. Volk läßt sich nicht verhetzen; das sollten unsere „guten Freunde" aus der Kulturkampfszeit fchon längst gelernt haben. Wir wollen durch unsere Versammlungen dem Ausdruck geben, was in Folge der neuen Lage, in die wir gebracht worden sind, in unser Aller terzen lebt und nach Ausdruck verlangt! Die Redner, die der ufgabe obliegen, diesen Ausdruck zu finden, die „Hetzen" nicht etwa, sondern sie werden gehetzt. (Zustimmung.) Ich glaube, ich habe ziemlich für jeden Sonntag eine Rede zugefagt bis zum Wiederbeginn der Verhandlungen der Parlamente, und ähnlich geht es gewiß vielen meiner Freunde. Man hat geglaubt, man
Das verhängnisvolle Testament.
Nach dem Englischen von H. v. Remagen.
(45. Fortsetzung.)
Dann fiel ihr noch etwas Anderes ein; um Lady Dayenants Wohlwollen zu erhalten, mußte sie sich wiederum bei ihrem Geburtsnamen Ayenel nennen. Sie hatte die Lastonabtei unter dem Vorwande, nach Hause zurückzukehren, als Miß Ayenel verlassen. Wo dieses „zu Hause" war, bezeichnete sie damals zwar nicht näher, aber sie hatte auch jetzt nicht den Wunsch, Lady Dayenant davon zu unterrichten. Sie wollte ihr nur mittheilen, daß sie sich zu Hause nicht wohl fühle, und wieder eine Stellung anzunrhmen beabsichtige. Sollte Lady Dayenant ihr dann die Rückkehr in ihre eigene Familie anbieten, so brauchte sie nur zu sagen, daß sie sich augenblicklich zum Unterrichten nicht kräftig genug fühlte, sondern eine Stellung als Gesellschafterin bei einer einzelnen Dame suche.
, Der ganze Plan schien sich allmählich von selbst in ihrem Geiste zu entwickeln. Eme innere Stimme sagte ihr, daß sie die Stellung unbedingt erhalten werde, und dann bedurfte es nicht langer Zeit, um das Ge- heimniß des Testaments ausfindig zu machen. Jedenfalls mußte sie ihr Vorhaben aber bald ausführen, denn sie hatte keine Zeit zu verlieren, jeder Tag konnte
könne mit uns Katholiken selbst dann zur Tagesordnung übergehen, wenn wir die Regierung des Landes unterstützen, und wir sind so frei, zu erklären: Wir lassen mit uns zur Tagesordnung nicht übergehen, wenn wir in dev" Opposition sind, aber noch viel weniger, wenn wir auf Seiten der Regierung stehen. (Lebhafte Zustimmung.) Ihr habt geglaubt, die Mehrheit, die ihr hinter euch hattet, ohne ein freundliches Wort verabschieden zu können, und der Minderheit, die euch das Leben sauer gemacht hat, süße Worte widmen zu müssen. Darauf antwortete das katholische Volk: Süße Worte brauchen wir nicht. Dankesworte verlangen wir nicht, aber Achmng fordern wir. (Stürmische Zustimmung.) Und wir werden diese Achtung, die wir fordern, uns auch durch unsere Haltung zu verdienen wissen! Das katholische Volk will keine Opposition, um Opposition zu machen. Wenn es aber nöthigt, in die Opposition zu treten, so wird es in jedem Augenblick nach» jeder Seite hin Front zu machen bereit sein. Das katholische Volk trägt in sich das unausrottbare Bewußtsein, daß es viele treue Untertanen des Kaisers und Königs, viele begeisterte Söhne des Vaterlandes giebt, daß aber an Untertanentreue und Vaterlandsliebe Niemand das katholische Volk übertreffen kann (Lebhafte Zustimmung.) und in diesem stolzen Bewußtsein spricht das katholische Volk gelassen das Wort aus: „Was nicht widersteht, stützt auch nicht." Ist es denn schon so weit gekommen, daß wir uns zu einem neuen Widerstand rüsten müssen? Ich sage nicht „nein"! Ich sage aber auch noch weniger „ja"! Ich sage nur: alle meine Freunde sagen es mit mir dem Grasen Ballestrem in Breslau nach: „Wir haben kein Vertrauen mehr, daß es nicht dazu kommt, und darum sammeln wir uns bei Zeiten." (Lebhaftes Bravo.)
Der ganze Kulturkampf hat begonnen mit einem Schulgesetz und wurde von Seiten der preußischen Regierung beendigt, so weit er überhaupt für beendigt gelten kann, mit der Erklärung des damaligen Minister-Präsidenten: „Ich werde den Kampf aus der Kirche in die Schule verlegen." Wenn wir also den Liberalismus als Sieger hervorgehen sahen in einem Feldzuge, den nicht wir, sondern die Staatsregierung selbst im Interesse der christlichen, konfessionellen Schule eröffnet hat, dann verstehen wir wenigstens die Zeichen der Zeit. Darüber ist kein Wissender .im Zweifel: Gegenüber dem Kampfe um die christliche Schule war der ganze Kulturkampf nur ein Borpoftengefecht. Man soll nicht glauben, daß mit der einfachen Zurückziehung des Entwurfes dieser Kampf aus der Welt geschafft fei. Es wird nicht eher Ruhe, Frieden und Segen in unferm Vaterlande einkehren, als bis er zu Gunsten der christlichen und konfefsionellen Schule entschieden ist (Stürmischer Beifall); und wir sagen nicht etwa: Wenn ihr den Zedlitz'schen Gesetzentwurf wieder einbringt, werden wir wieder mit euch gehen, das werden wir uns recht sehr überlegen. Aber das sage ich: Die christliche konfessionelle Schule wird auf unferm Programm fo lange stehen, bis sie in unserer Gesetzsammlung steht. (Rauschender Beifall.)
Wir haben aber noch allerhand andere Schmerzen, warum wir uns versammeln. Man muß zwar vieles, was man schon anderwärts gesagt und verlesen hat, wiederholen ; es schadet aber gar nichts, ich denke da immer an den würdigen Pfarrherrn, der allsonntäglich dieselbe Predigt hielt. Ein pfiffiger Bauer sagte ihm: „Aber wann halten Sie uns ein Mal eine andere Predigt?" Darauf hat der Pfarrer geantwortet: „Wenn ihr nach der ersten lebt." (Große Heiterkeit.) So machen wir es auch. Wir stellen unsere Forderungen fo lange immer wieder auf, bis sie erfüllt sind. (Zustimmung.) Diese Forderungen des katholischen Volkes sind überall dieselben; obenan steht überall die Freiheit unserer heiligen katholischen Kirche. Was ist diese ohne den Papst, und was ist ihre Freiheit ohne Freiheit des Papstes! Niemals und nirgends, so lange er seiner territorialen Unabhängigkeit entbehrt, wird in den deutschen Landen eine Versammlung von Katholiken stattfinden, ohne daß die Forderung der Herstellung der territorialen Unabhängigkeit des Papstes immer dringender erhoben wird. Es muß ein einziger Aufschrei der ganzen katholischen Welt werden: Herstellung der territorialen Unabhängigkeit des Papstes (Bravo!), und in diesem Ausschrei haben die Katholiken Deutschlands die erste und gewaltigste Stimme geführt. (Sehr richtig!) Die sogen, katholischen Völker, Italiener, Franzosen und Spanier, wo sind sie denn mit solchen Versammlungen und Resolutionen, wie das katholische Deutschland sie seit Jahren gehalten und gefaßt hat?
ihr Nachtheil bringen. Sie ließ ihre beiden Mädchen sofort rufen und sagte ihnen, daß sich augenblicklich Verwandte von ihr im Seebade aushielten und daß sie diese dort zu besuchen beabsichtige. Sie konnte das HauS ruhig in ihrer Obhut lassen. Sie erhielten von ihr eine gewisse Summe von ihrem Lohne im Voraus und sie gab ihnen sehr genaue Anweisungen darüber, daß sie>-alle für sie eingehenden Briefe sofort an das General-Postamt St. Martin-le-Grand weiter befördern möchten.
„Wollen Sie unS aber nicht lieber Ihre Adresse zurücklassen", fragte das HauSmädchen, „damit wir Sie sofort benachrichtigen können, wenn etwas Besonderes vorsällt?"
Sie stutzte einen Augenblick und sah dann lächelnd auf.
„Natürlich werde ich Euch meine Adresse senden, aber wenn ich Cowes, wohin ich zuerst gehe, — verlasse, kann ich Euch keine weitere Adresse geben, da ich nicht weiß, wohin wir dann reisen werden."
Die beiden Dienstmädchen fanden durchaus nichts Auffallendes in der Thalsache, daß ihre schöne, junge Herrin ihr Haus während der Abwesenheit ihres Gemahls einsam und langweilig fand und eS darum vorzog, erst zu ihren Verwandten ins Seebad und dann in ihrer Gesellschaft auf Reisen zu gehen; es erschien
Nun sagt man uns: Wenn ihr diese Forderungen erhebt fo könnt ihr keine Freunde des Vaterlandes fein, weil ihr keine Freunde des Dreibundes seid; und auf der anderen Seite: Wenn ihr Freunde des Dreibundes fein wollt, fo könnt ihr keine ehrlichen Freunde der territorialen Unabhängigkeit des Papstes sein. Wir haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, treue Söhne unseres Vaterlandes zu fein (Stürmisches Bravo!) und wenn unser Vaterland nicht sicher und der europäische Friede nicht gewahrt sein kann ohne einen Völkerbund wie den Dreibund, so haben wir auch das Recht und die von Gott gegebene Pflicht, diesem Dreibund ehrlich anzuhängen. (Lebhafte Zustimmung.) Weit entfernt davon, dem Dreibund einen Prügel zwischen die Beine werfen zu wollen, sind wir überzeugt, daß es keine bessere Gewähr des europäischen Friedens, keine bessere Festigung des Dreibundes geben kann, als die Herstellung der territorialen Unabhängigkeit des Papstes. (Lebhaftes Bravo!) Auch außerhalb des Dreibundes und ohne denselben ist die territoriale Unabhängigkeit des Papstes von keiner maßgebenden Macht zu erwarten. Soll man sie erwarten von der Republik, die damit umgeht. ihr ganzes lumpiges Kultusbudget, das noch da ist aus der Beraubung der einst so reichen französischen katholischen Kirchen, auszustreichen; von dem Patriarchen des Nordens, der seine Katholiken mit Gewalt der Waffen, Frauen und Kinder nicht ausgenommen, zu Schismatikern macht! Wir sind überzeugt, daß, wenn überhaupt, ein in sich befestigter und nach außen siegreicher Dreibund im Interesse des Königsreiches Italien so gut wie in unferm römisch-katholischen Interesse im Stande sein wird, die territoriale Unabhängigkeit des Papstes zu ermöglichen und zu gewährleisten. (Bravo!)
Nun noch ein Wort gegen ein Blatt, das die Kühnheit hat, dem Frhrn. v. Schorlemer-Alst, der in dieser Frage nichts anderes gesagt hat, als was wir Alle sagen und denken, und dem gesummten Centrum den Vorwurf zu machen, wir seien abgefallett von der Politik Windthorsts in dieser Frage. Es wird so viel Mißbrauch mit dem getrieben, was dieses Blatt schreibt, weil es in Rom erscheint und den Namen Moniteur de Monte' trägt, daß es angezeigt erscheint, auch hier zu erklären: wir stehen ganz und in allen Punkten auf dem Programm des Centrums, das Windthorst glänzend formulirt und vertheidigt hat. Mit beinahe denselben Worten, wie ich, hat Windthorst zu Freiburg die Frage der territorialen Unabhängigkeit des Papstes und die unserer Bündnißtreue gegen den Dreibund behandelt, und diese Ausführungen haben mit allen übrigen Reden und Beschlüssen der Versammlung die ausdrückliche, Billigung des hl. Vaters gesunden. Erschwere man uns unsere ohnehin schon schwer bestellte Lage nicht noch unnöthig. (Bravo!) Es ist ja auch nicht unser hl. Vater, der im Moniteur' es wagt, uns zu beschimpfen; es ist französisches und irisch-nordamerikanisches Gold, welches den Redakteuren des Moniteur' die Feder lenkt, wenn sie gegen die deutschen Katholiken Schmähungen aussprechen. Die Freiheft unserer Kirche verlangt die vollständige Aufräumung aller Reste der Maigefetzgebung. Wenn man mit dem Fürsten Bismarck aufgeräumt hat, fo räume man auch mit dem letzten Rest seines Werkes, der Maigesetzgebung, auf (Beifall); wenn er auch selbst Hand angelegt hat an die Zerstörung dieses Werkes, that er dies nicht im Dienste der Gerechtigkeit. Er hat es offen ausgesprochen : ich verlege den Kampf aus der Kirche in die Schule. Lasse man insbesondere den katholischen Orden die Freiheit. Welche Kräfte wären mehr geeignet, den Umsturzbewegungen gegenüber rettend und erhaltend einzugreifen als die Träger des großen christlichen Gedankens, des freiwilligen Gehorsams, der freiwilligen Keuschheit, der freiwilligen Armuth? Weg mit allen erbärmlichen konfessionellen Voreingenommenheiten. Wem es ernst ist um die Erhaltung des Christenthums, der muß Alles, was christlich ist, auf den Plan rufen. Nur fo und nicht anders können wir uns noch vor dem Zusammenbruch retten. Wenn wir die Freiheit der Orden fordern, so thun wir es gewiß, weil wir gute Katholiken sind, aber auch, weil wir treue Söhne unseres Vaterlandes sind! (Beifall.)
Neben diese Forderung der Freiheit unserer Kirche stellen wir die Forderung der bürgerlichen Freiheit. Es wird so oft gefügt: da taste Niemand mehr daran! Auf der anderen Seite fagen uns die Umsturzmänner: Was kaufe ich mir für alle euere bürgerlichen Freiheiten; ich werde nicht fatt davon. Wir werden in unseren Bolksvereinen für das katholische Deutschland
ihnen das so Überaus natürlich, daß sie gar nicht darüber sprachen. Wahrscheinlich mißfiel ihnen die Aussicht auf eine monatelange Ruhezeit bei guter Bezahlung auch nicht gerade, denn sie gingen höchst bereitwillig auf alle Anordnungen ihrer Gebieterin ein. Alle Briefe sollten an „Mrs. Estcourt, General-Postamt St. Martin - le - Grand in London" adressirt werden.
„Gleichviel in welchem Theile von England icb mich befinde", sagte sie sich, „daß ich in jedem Monat mindestens auf einen Tag nach London fahren kann, ist überall zu ermöglichen."
Sie ging sogleich daran, ihre Vorbereitungen zu treffen. Zuerst packte sie die nöthigen Kleider ein und legte die schönen kostbaren Gewänder, in denen Lord Rylestone sie so gern gesehen hatte, sorgfältig bei Seite. Auf die Reise nahm sie nur ganz einfache Toiletten und keinerlei Schmuck mit. Diesen wollte sie nur unter seinen Augen tragen, und wenn er nicht zugegen war, um sich ihrer Schönheit zu freuen, so wollte sie sich auch nicht so besonders schmücken. Sie hatte sich reichlich mit Geld versorgt und an dem Hellen Sommertage, wo sie die freundliche 93iUa verließ, bedrückte nicht der geringste Zweifel ihr Gemuth, lagerte kein Schatten von Furcht auf ihrem schönen Antlitze und ihr Herz war frei von jeder böten Ahnung.