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unbedingt gedachte er dabei ihrer. In diesem Augen-

„Jch will eS versuchen," sagte sie matt.

»Es ist Alles zu unserm Besten", sprach er, „an dlesem tröstlichen AuSspruche müssen wir stets fest­halten. Ich verdanke dem Testamente eine segensreiche Erfahrung; ich habe dadurch die Uneigennützigkeit eines edlen Weibes kennen gelernt."

Er sprach diese Worte in Bezug auf seine Gattin, Adelaide aber glaubte, daß er sie damit meinte.

»Mir bleibt leider jetzt keine Zeit, Ihnen meine Geschichte zu erzählen," fuhr er fort; „ich wollte, ich hatte es früher gethan, aber Sie sollen sie hören, so­wie ich zurückkehre. Ich thäte Unrecht, zu behaupten, daß ich nur Unglück gehabt habe."

.Diese Worte durchzitterten sie mit einem seltsamen I

„Gott befohlen!" sagte er, „möge der Himmel Sie m seinen Schutz nehmen!"

Er konnte den Blick, mit dem sie zu ihm aufsah, nie wieder vergessen.

„Leben Sie wohl," sagte sie gefaßt, „Gott gebe Ihnen eine glückliche Heimkehr!"

Damit wendete fix sich um, und im nächsten Augen­blicke war er verschwunden. Sie lehnte sich über die steinerne Balustrade und versuchte das scheidende Licht auf den Baumwipfeln zu beobachten; aber eine ganze Zeit lang hatte sie gar kein Bewußtsein von dem, was um sie herum vorging. Selbst später wunderte sie sich oftmals darüber, daß Mr. Beale an jenem Abende das Haus, ohne sich bei ihr zu verabschieden, verlassen hatte. Sie hat nie erfahren, daß er auf den Balkon hinausgetreten war, um ihr gute Nacht zu sagen, und sich, als er das bleiche Antlitz mit dem schmerzlichen Ausdruck erblickte, leise und wortlos zurückgezogen halte.

„Das werde ich nie vergessen," versicherte er.

Da Plötzlich drang über die Baumwipfel hinweg der klare, volle Ton einer Thurmuhr, welche die

und Lord Rylestone wendete sich um, um in das Zimmer zurückzugehen.

„Bleiben Sie noch einen Augenblick hier," sagte sie. „Ich mag jetzt nicht ins Zimmer zurückkehren, ich möchte Ihnen lieber hier Lebewohl sagen."

Jetzt zum ersten Male fand er den Ton ihrer Stimme und ihr Benehmen eigenthümlich — worin bas aber lag, war ihm vollständig nnklar. Er ergriff die Hand, die sie ihm reichte. Mit einem leisen Auf­schrei ihres Herzens stieg ein Gebet um Kraft, ihr Geheimuiß auch in dieser Prüfungsstunde zu bewahren, zum Himmel auf.

„Es ist neun Uhr!" sagte Lord Rylestone. „Leider muß ich fort!"

Sie war außer Stande, sich mit gleichgiltiger Miene zu ihm zu wenden und irgend eine oberfläch­liche Bemerkung zu machen; sie vermochte nicht zu lächeln oder ihm die Hand zu reichen; sie war stumm, betäubt, geblendet von ihrem Schmerz.

„Mir kam heute ein Gerücht zu Ohren, Miß Cameron", äußerte er, „und wenn das, was es besagt zu Ihrem Glücke ist, so will ich herzlich wünschen, daß es sich bestätigt."

Sie hörte aber nicht, was er sagte. Eine große Schmerzenswelle hatte sie eingehüllt, das Brausen zahl­loser Wasser betäubte ihre Ohren. Erst allmählich kam sie zum klaren Bewußtsein des Ortes, wo sie sich be­fand, und dessen, was sie that. Lord Rylestone sagte ihr Lebewohl, ein glücklicher Tag ihres Lebens war vorüber, und er schied auf Jahre von ihr.

Sie wendete ihm ihr stolzes, bleiches Antlitz zu, und er erstaunte über seinen tiefschmerzlichen Ausdruck und dennoch bezog er ihn nicht auf sich; seiner Mei­nung nach konnte sie kein anderer Kummer als der über das Testament drücken. Plötzlich reichte er ihr seine Hand.

duftige Luft klar und deutlich herüber'trug, klang Miß Cameron wie der Spruch eines unerbittlichen Ver­hängnisses.

Sie hatte ihr Antlitz so empor gewendet, daß der milde Sternenschein gerade darauf fiel; er staunte über seine seltene Anmuth.

„Während ich fort bin, darfst Du nur frohe Ge­danken hegen, Margarita", sagte er. „Denke an unser glückliches Wiedersehen, und male Dir aus, wie herr­lich es sein wird, wenn ich der Welt zeigen kann, welche ein liebes Weib ich so glücklich war zu finden.

_____......... ................ Du, daß ich in der vorigen Nacht int Traum Gefühl. Unbedingt mußten sie sich auf sie beziehen m war und daß meine Gemahlin dort ein

V.v,v.„ ~ ,.J großes Fest gab? Mir war, als suchte ich eben eine blicke verkündete eine andere Uhr die neunte Stunde, toe*6e Camelie, um sie ihr ins Haar zu heften".

In Madame de Valmy's Charakter verband sich Herzensgüte mit feinem Taktgefühl. Sie wußte, was vorglng, als die Herren sich empfohlen hatten, und ehrte den stummen Schmerz des stolzen, jugendlichen . . v, . । Herzens. Endlich trat sie an den Vorhang, der den

ein Stielchen^ davon^wird | Balkon vom Zimmer trennte.

„Ich bin sehr müde, liebe Adelaide," sagte sie; „nicht wahr, Du verzeihst, wenn ich mich schon zurück- ztehe?"

„Du träumst, daß Du dort mit Deiner Gemahlin seiest? Sahst Du im Traume das Antlitz Derjenigen, die Du dafür hieltest?"

Sie that diese Frage sehr schnell und hastig und erwartete die Antwort mit geöffneten Lippen.

„Wessen Antlitz als das Deine sollte sie denn haben? Was ist Dir, Margarita, Du erschreckst mich! Welch seltsame Frage?"

„Ist sie so seltsam? Mir scheint, als hätte Dein - Fortgehen eine Anlage zur „Seltsamkeit" in mir ent« nnctelt 3dj habe jetzt oft eigenthümliche Ideen. Früher ytelt ich mich nicht für stark genug, um einen großen

Der Italiener, eine E-dechse, die sich in der Sonne wärmt und an Musik berauscht. Mehr hitzig als Enthusiast, rachsüchtig, undankbar. Der größte Künstler unter allen Völkern, aber nicht der Liebens­würdigste und Geselligste. Sehr hinterlistig und liefert gute Diplomaten; wenig ernst und am Hofe sehr ver­schwenderisch mit Weihwasser.

Der Rumäne, ein Franzose des Orients.

Der Bulgare, ein Bär, der sich ableckt, um nicht mehr nach dem Russen zu riechen, der aber immer nach dem Türken riecht. Schwerfällig, raubgierig, spar­sam, fromm und abergläubisch, versteht von den Kün­sten, mit Ausnahme jener, das Geld einzustecken, gar nichts. Ist an alle Knechtschaften gewöhnt und glaubt, jedesmal, wenn die Peitsche in eine andere Hand über­geht, frei zu sein.

Der Grieche stammt immer von den Siegern von Marathon ab. Gefügig gegenüber den Großen, arro­gant gegenüber den Kleinen, hat den Lehrsatz des Pytha­goras, sowie die Kunst, die Scheidemünzen in vier Theile zu zerschneiden, erfunden. Verjagt die Juden überall, wo sie ihm Konkurrenz machen. Ausgezeich- neter Matrose, verdienstvoller Geschäftsmann, geschick­ter Bankier und heldenmüthiger Soldat. Erwartet den Tod des Groß-Türken, um seinen Besitz zu übernehmen.

Der Spanier, ein Maulthier-Treiber, ein Torea­dor, em Verfasser von Pronunciamientos; ein Paar Castagnetten, ein Degen, ein Federnhut; tanzt den Bolero selbst auf einem Vulkan; sorglos und eitel arrogant und aufgeblasen; unermüdlicher Sprecher und faul mit wahrer Wollust.

.Der Portugiese genießt einen veralteten Ruf, nicht immer lustig.

Der Schweizer verdient den ihm gemachten Ruf auch nicht mehr, denn er trinkt wenig — im Vergleich mit den Anderen. Spricht 3 Sprachen, trägt Kostüme °us komischen Opern, besingt den Bauch der Kühe. Liefert Europa ausgezeichnete Erzieher und den Eng- ^"derN' deren Spleen sie auf den Mont Blanc führt, verläßliche Bergführer.

Der Holländer, der moderne Kartagener, halb lichkeit' deutsch, bemerkenswerth durch seine Rein-

Der Schwede ein lustiger weißer Bär. Der Dane friedlich, verschlossen, gefaßt und voll Hoffnung.

Der Serbe unter allen Völkern Europa's am meisten Demokrat, hat niemals Aristokratie gekannt. nrnLUnb™f’e’tfam, k"n Künstler und sehr abergläubisch.

Der M o u t e n e g r i n e r ein Adler auf einem Felsen.

Das verhängnisvolle Testament.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(36. Fortsetzung.)

Er betrachtete sie, während er sprach. Das goldige Haar glänzte, das stolze, bleiche Antlitz auf dem dunklen Hintergründe des Laubwerkes war vollendet schön, die werßen Spitzen, die zarten Perlen, Alles trug dazu bei, dem köstlichen Bilde Reiz und Anmuth zu verleihen, und dennoch dachte er bei seinen Worten mehr an den herrlichen Abend, als an sie.

„Werden Sie wirklich daran zurückdenken?" fragte fie ruhig, „und werden Sie bann auch meiner gedenken ?"

Ihre Stimme zitterte, aber er beachtete es nicht Er hielt ihre Aeußerung nur für einen einfachen Wunsch, wie ihn ein Freund dem andern auslpricht.

„Ob ich an Sie denken werde? Gewiß, Miß Cameron, müssen wir nicht Freunde fein, da wir Lei­densgefährten waren?"

Die verschiedenen Völker.

,L'Arlcquin', ein seit Kurzem in Paris erscheinen­des illustrirtes Wochenblatt, hat einen Preis ausge­schrieben, der Demjenigen zufällt, welcher die haupt­sächlichsten Charakterzüge eines jeden der Völker Europa's am besten darlegt. Der Preis fiel einem Herrn Damä zu, der sich seiner Aus­gabe folgendermaßen entledigte:

Der Franzose ist Plauscher, Prahler, Lärm- macher, streitsüchtig, doch „bon enfant“, eigensinnig und gutherzig, Optimist und Illusionist, niemals Aus­beuter und häufig das Opfer seiner Illusionen, versteht besser die Gleichheit als die Freiheit, künstlerisch sehr veranlagt, thut Alles auf der Straße, verschwenderisch und dennoch sparsam, sehr lustig und sehr Enthusiast ereifert sich leicht, trägt jedoch keinen Groll nach.

Der Engländer, verschlossen, Egoist, Berechner, spricht wenig, handelt schnell, gibt sich keinen Illusio­nen hm, ist immer Ausbeuter und niemals der Be­trogene, bewundert die Freiheit, gibt jedoch die Gleich­heit nicht zu, hat einen Spleen und macht seine ganze Umgebung traurig.

Der Deutsche, Feinschmecker, umständlich, Knau­ser, Philosoph in der Theorie, sehr praktisch in der Wirklichkeit, wüthender Berechner, versteht nichts von der Freiheit noch von der Gleichheit, nicht lustig und ohne Enthusiasmus, sehr rachsüchtig und neidisch, liebt die Musik und gehorcht blind der Disziplin, liefert ausgezeichnete Soldaten, unermüdliche Freier und sehr gute Gatten.

Der Belgier ist eine Nachahmung des Deutschen und des Franzosen.

„Gute Nacht," erwiderte eine so dumpfe Stimme, daß Madame sie kaum wieder erkannte. Sie begab sich auf ihr Zimmer und dankte Gott, als sie über die Vereinsamung dieses jungen Herzens nachdachte, daß sie selbst nicht mehr jung genug war, um wie sie zu neben und zu leiden.

Als Lord Rylestone von London nach Hause zurück- fuhr, beschlich ihn keinerlei böses Vorgefühl. WaS ihm rn Miß Camerons Benehmen als ungewöhnlich aufgefallen war, schrieb er ihrer übergroßen Peinlichkeit in Bezug auf das Testament zu. Er war einigere maßen über ihre große Barmherzigkeit erstaunt und belächelte das Borurtheil, das er sich über sie gebildet hatte.

Seine Zeit war sehr gemessen; in vier Tagen sollte er Englands Küste verlassen und sich von dem treuesten Herzen losreißen. Die ernste Erinnerung an diese vier letzten Tage verließ ihn sein Leben lang nicht wieder — das traurige, sauste Antlitz seines Weibes mit den dunklen Augen voll unsagbaren Schmerzes, die beben­den Lippen, das schwermüthige Lächeln, das sich in einen Seufzer auflöste, ihre Bestrebungen heiter zu scheinen, die Art, wie sie eine Melodie zu singen be- um ihm zu zeigen, daß sie nicht gar so un­glücklich sei, und die schmerzliche Weise, in der der Gesang erstarb und nur Wehmuth zurückließ, standen ihm immer vor der Seele.

Es kamen Stunden, wo sie muthlos war und sich schweigend zu seinen Füßen niedersetzte, und er las m ihren Zügen, daß ihr Herz mit der Verzweiflung rang. Aber dennoch unterlag ihre Willenskraft nie ganz. Sie vermochte ihm Muth zuzusprechen, obgleich ihr Antlitz vor der Leidenschaft ihres eigenen Schmerzes erbleichte. Am vorletzten Abend vor feiner Abreife saßen sie wiederum beisammen und beobachteten die Sterne und das matte Dämmerlicht, das in seltsamer Weise zwischen Himmel und Erde zu verweilen schien.

„Schließlich sind wir nicht die einzigen Gatten, die voneinander scheiden müssen, Allan", sagte sie mit einem tiefen Seufzer, „und doch ist es, als ob man eine lebende Seele auseinanderreißt. Ich glaube, es gibt keinen größeren Schmerz, als diesen".

„Das glaube ich auch", versetzte er.

„Versprechen Sie mir", sagte er, „daß Sie dieses abscheulichen Testaments nicht mehr gedenken wollen."

Die Hand, die er ergriff, war so eisig, daß er da­rüber erschrack.

„Ich besitze nur sehr wenig Freunde," bemerkte sie, „und ich würde mich glücklich schätzen, wenn ich einen recht guten Freund im fernen Kanada hätte."

„Den sollen Sie haben. Wie lieblich ist dieser Resedazweig; in meinen Gedanken werden Sie unzer­trennlich von Reseda fein; ein Stielcheu davon wirb mir stets dieser Balkon, das sanfte Licht der Sterne und Ihre Züge lebhaft vor die Seele führen."

„Und werden Sie sich, wenn Sie meiner gedenken, auch stets sagen, daß ich das Unrecht, das ich Ihnen ohne mein Wissen zufügte, aufrichtig beklage und daß ich jedes Opfer bringen möchte, wenn ich es dadurch ungeschehen machen könnte?"

Der Oester re ich er ist ein lustiger Deutscher, fElch, gesellig und trägt keinen Groll nach, hätte . — , .... uie

gewiß den Walzer und den Milchkaffee erfunden, wenn neunte Stunde verkündete. Jeder Schlag, den die milde beide nicht schon existirt hätten. 1 ° "-------*■ ..... - •

Der Russe. Ein Kosak, der sich civilisirt. En­thusiastisch, abergläubisch und patriotisch, Trinker und Spieler, verschwenderisch und von gehirnloser Tapfer­keit. Träumt von der Eroberung der Welt und ist stets bereit, einen Kreuzzug zu unternehmen. Verachtet die Deutschen und die Juden und verehrt die Franzosen.

Der Ungar, ein chauvinistischer Barbar.