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JW 157 Mttwoch, den 13. Juli 1892. 19. Jahrgang

FuldaerMZeitiiiig

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* Das Ausscheiden des Herrn von Schlözer aus dem diplomatischen Dienste weckt manche „Kultur­kampfs"-Erinnerung. Einer Gelehrten-Familie in Lübeck entsprossen und 8—10 Sprachen sprechend, hat Dr. Kurt vonSchlözer manches verdienstliche Werk geschrie­ben, so „Choiseul und seine Zeit" und die „Geschichte der deutschen Ostseeländer", „der Untergang der Hansa", wozu noch zwei Schriften zur Geschichte Friedrichs des Großen und seiner Zeit hinzukommen. 1850 trat er in den diplomatischen Dienst. Seit 1857 war er nach einander Legations-Sekretär in Petersburg, Kopenhagen und Rom, weiter Geschäftsträger in Mexiko. 1871 wurde er Gesandter des Reiches in Washington, wo er über 10 Jahre die deutschen Interessen wahrnahm. 1881 entsandte ihn Fürst Bismarck nach Rom, nach­dem auf desfen Antrag der preußische Landtag die wäh­rend des „Kulturkampfes" aus echt bismärckischer Ge­hässigkeit gegen Pius IX. und die preußischen Katho­liken aufgehobene preußische Gesandtschaft beim heil. Stuhle wiederhergestellt hatte.

In dieser Stellung nun hat Schlözer eine rege Thätigkeit entfaltet. Persönlich von einnehmendem Wesen, sprachgewandt, witzig und gesellig, ein kräftiger Pokulirer, wenn es ihm gefällt und wenn es sonst sein muß — „ein Lebemann im besten und vornehmsten Sinne", wie die ,Köln. Ztg.' von ihm sagte — ver­stand es Schlözer wie Wenige, die diplomatischen und selbst hohe Prälaten-Kreise (Galimberti) für sich zu ge­winnen. Unter dem Scheine einer unbegrenzten Frie­densliebe und Verständigungssucht diente er mit zäher Ausdauer, mit Schlauheit und Geschicklichkeit dem Plane des Fürsten Bismarck: den „Kulturkampf" zu versumpfen und möglichst viel von den „Kulturkampfs" - GefeHen zur Stärkung der diskretionären Gewalt desStaates und seiner Beamten zu retten. Herr von Schlözer war zu­gleich gegen die Rückberufung der verbannten Ordens- Genosfenschaften, insbesondere aber gegen die Jesuiten, thätig. Der Wunsch des Papstes, daß die Katholiken im Jahre 1887 für das Septennat stimmen möchten, war Schlözer's Werk. Er hatte — so wird allgemein angenommen — den Rathqebern des hl. Stuhles die für uns Deutsche unbegreifliche Ansicht beigebracht, das deutsche Reich werde zum Dank dafür sich ernstlich für die Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papst- thums bemühen! Zu geschmeidig, um sich der Ab­bröckelungs-Politik zu widersetzen, welche Fürst Bis­marck aus höheren politischen Berechnungen — nicht aus Gerechtigkeitsliebe für die Katholiken — dem System der Maigesetze gegenüber betrieb, hielt doch Herr von Schlözer möglichst lange an den staatsabsolutistischen Plänen der Kirche gegenüber fest. Er war wie ge­schaffen für die Konzessions-Politik des do ut des, und er verstand es, seine Beliebtheit — ja seine Kamerad­schaftlichkeit mit einzelnen Prälaten! — für diese Poli­tik wie für die Bearbeitung der Blätter von der Qua­lität des neuerdings zu so übler „Berühmtheit" gelan­genden Moniteur de Rome' auszubeuten, Fürst Bis­marck hatte vielleicht keine so brauchbaren Vertreter und

Das verhängnisvolle Testament.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(34. Fortsetzung.)

„Mag sie thun, was sie will", sagte er gleich- gülttg.

Da wendete sie sich zu ihm, richtete sich auf und sagte.

„Und das ist noch nicht Alles. In späteren Jahren würdest Du es Dir nimmer verzeihen , daß Du dem Rufe nicht gefolgt bist, und mir bittere Vorwürfe machen, daß ich Dich nicht dazu beredete. Wenn Du nach dem Verlauf von zehn Jahren noch denselben Kampf um das Dafein kämpfen müßtest, wie jetzt, und unbefriedigt und verlangend zusähest, wie andere den Preis erringen, dem Du eigentlich nachjagen solltest, so würdest Du Deinem augenblicklichen Mangel an Thatkraft schwer bereuen. Wenn Du aber im (Segen- theil nach zehn Jahren Deinen Namen unter den be­rühmtesten Männern Deines Vaterlandes nennen hörst und Dich in hoher Stellung befindest, die Du ganz Dir selbst zu danken hast, dann wirst Du mich dafür segnen, daß ich Dich jetzt in die Welt hinaustreibe."

Er war während dieser Worte erregt und nach­denklich geworden, und als sie ausgesprochen hatte, legte er ihr die Hand auf's Haupt.

Agenten mehr wie den Herrn von Schlözer und den Botschafter beim Quirinal, den Herrn v. Keudell. 1888 hatte Herr von Schlözer die hohe Ehre, den deutschen Kaiser zum Vatikan und zum hl. Vater zu führen; an dem Manöver, durch welches der hierbei mit thätige Graf Herbert Bismarck die Beschleunigung der Audienz erzwang, hatte Herr vonSchlözer, der von Hause aus eine feine Natur war, wohl keinen Antheil.

Nun tritt er im 71. Lebensjahre und nach zehn­jähriger Wirksamkeit in Rom aus dem diplomatischen Dienste aus, um fortan der Ruhe zu pflegen. Als nächste Ursache dieses Rücktritts wird die dreibundfeind- liche Haltung einflußreicher vatikanischer Kreise angegeben.

Deutsches Keich.

Berlin, 11. Juli.

* Der Kaiser, der am Sonnabend von den Lofoten kommend, in Bodö eingetroffen war, hat am Sonntag Abend die Reise nach Tromsö fortgesetzt. Von Bodö aus besuchte der Kaiser Saltenström. Die Ankunft in Tromsö erfolgte heute (Montag) Nachmittag.

* Der ,Staatsanzeiger' veröffentlicht folgenden Er­laß des Kaisers vom 18. v. Mts. an den Kultus­minister: „Nachdem der durch Meinen Erlaß vom 29. Dezember 1890 zur Vorbereitung der Reform des höheren Unterrichtswesens eingesetzte Ausschuß seine Aufgaben in der Schlußsitzung vom 1. ds. Mts. zu Ende geführt hat, will Ich die Auflösung desselben hiermit verfügen. Ich vermag dies nicht zu thun, ohne der hingebenden Treue zu gedenken, mit welcher der Ausschuß selbst wie jedes einzelne Mitglied des­selben bei der Durchführung Meiner Intentionen auf diesem Gebiet in ernster und anstrengender Arbeit thätig gewesen ist und wesentlich zur. Erreichung des avge- strebten Zieles beigetragen hat. Ich beauftrage Sie, dem Ausschuß Meine volle Anerkennung und Meinen wärmsten Dank auszusprechen".

* Einem Wiener Telegramm zufolge fänden zwischen den Kabinetten von Wien, Berlin, Rom und Brüssel, d. h. zwischen jenen Monarchieen, welche die jüngsten Handelsverträge abgeschlossen haben, ein Ideenaustausch bezüglich ihrer Stellung zu der von Frankreich pro- jektirten Weltausstellung im Jahre 1900 statt. Man glaubt, daß diese vier Kabinette in dieser Frage gemein­sam vorgehen werden.

* Bochum, 10. Juli. Bischof Simar von Pader­born begrüßte heute Nachmittag die katholischen Vereine in einer langem Ansprache in der Marienkirche. Sich zu den anwesenden Tausenden katholischer Arbeiter wendend führte er aus: der Geist der katholischen Arbeitervereine der Mark erfülle sein Herz mit frohen Hoffnungen für die Zukunft; derselbe werde die Stürme der Zeit überdauern, im Glauben an Christus und in Liebe und Gerechtigkeit das Neuheidenthum überwinden und das Antlitz der Erde erneuern.

* Dürru, 9. Juli. Hier trug man sich schon seit einigen Jahren mit dem Plane, dem Fürsten Bis­marck ein Denkmal zu errichten und einige größere Summen waren auch bereits für dasselbe eingegangen.

„Du hast Recht, Margarita", sagte er. „Du hast immer Recht."

Dann schwiegen Beide einige Augenblicke lang. Endlich unterbrach er die Stille.

„Aufrichtig gestanden, gehe ich, was mich anlangt, sehr gern; es schmerzt mich nur, Dich hier so allein zurückzulassen."

„Daran mußt Du gar nicht denken", erwiderte sie. „Wir sind während der letzten Monate unaussprechlich glücklich gewesen, fortan müssen wir von der Erinnerung zehren, dis wir wieder vereint sind."

„Wäre es Dir lieber, wenn ich die Nachricht von unserer Vermählung noch vor meiner Abreise veröffent­lichte, Margarita?"

Sie athmete tief und schwer, während er diese Frage that. „Vor meiner Abreise!" Also hatte er ihr Opfer ohne Widerrede angenommen!

„Um meinetwillen nicht", verfitzte sie, „aber es kommt dabei ganz auf Dich an. Ich sehe freilich nicht ein, welchen Vortheil Dir die Veröffentlichung bringen könnte, im Gegenrheil möchte Dir eher Nachtheil er­wachsen."

„Inwiefern? Ich verstehe Dich nicht."

„Wenn Du mich als Mrs. Estcourt zurückläßt, so kann ich ruhig und einfach hier in der kleinen Villa, die mir fo unendlich lieb geworden ist, weiter leben;

In letzter Zeit hörte man von der ganzen Sache fast gar nichts. Jetzt aber hat man in Düren den Denk- rnalsplan fahren lassen und zweckmäßig beschlossen, daß das vorhandene Geld für die arme, vorn Hagelschaden so schwer geschädigte und wenig unterstützte Nachbar­gemeinde Morschenich verwendet werden soll.

* München, 7. Juni. Im neuesten Heft der Jnns- bmcker theologischen Zeitschrift ist eine auch weitere Kreise interessirende Nachricht über Döllinger ent­halten, die nämlich, daß der verstorbene Stiftspropst Schritte gethan habe, um sich der römisch-katholischen Kirche zu unterwerfen. Diese fast ganz und gar un­bekannte Thatsache sei nichtsdestoweniger beglaubigt. In der Münchener Allgem. Ztg.' war darüber das Folgende zu lesen: „Einer der ersten Aegyptologen der Gegenwart, welcher vor dem 18. Juli 1870 die päpstliche Unfehlbarkeit bekämpft hatte und auch nach­her noch mit Döllinger in freundschaftlichen persönlichen Beziehungen geblieben war, stellte ihm vor, das vati­kanische Konzil habe nicht die persönliche, sondern die amtliche Unfehlbarkeit des Papstes definirt, wenn er ex cathedra spreche, d. h. als Oberhaupt der Kirche deren Glauben bezeuge. Döllinger erklärte sich bereit, auf diese Interpretation hin das Vatikanum anzuerkennen und sich mit Rom auszusöhnen. Als jener Aegypto- loge im Herbste 1889 nach Rom reiste, besuchte er Döllinger unterwegs, welcher mit ihm eine Unterwer­fungs-Formel aufzeichnete und ihn wiederholt bat, die Sache ja angelegentlich zu betreiben. Der Beauftragte ward aber in Rom vom Fieber ergriffen und mußte unverrichteter Sache von dort zurückreisen. Bald darauf starb bekanntlich Döllinger."

* Der Fürst von Reich j. L., Heinrich XIV. feierte heute sein 25jähriges Regierungsjubiläum.

Ausland.

* Die Hinrichtungdes Anarchisten und Dynamitarden Rav ach ol ist heute (Montag) früh kurz nach 4 Uhr auf dem Gefängnißplatze in Montbrison vollzogen worden und ohne Zwischenfall verlaufen. Bei der Fahrt zum Richtplatze, auf einem zweirädrigen Wagen sitzend, rief Ravachol wiederholt Verwünschungen auS. wie er auch jeden Zuspruch des Geistlichen zurückgewiesen hatte. Auf der Richtstätte bat er, sprechen zu dürfen und rief noch im letzten Augenblicke, er habe noch etwas zu sagen. Er fand aber kein Gehör und unter dem Rufe „es lebe die Republik!" vollzog der Henker die Hinrichtung.

* Der an anderer Stelle von uns bereits erwähnte Zwischenfall, der in einem Safe in Leipzig von dem französtschk« Generalkonsul für Sachsen, Jacquot, pro- vocirt worden war, hat vorläufig und voraussichtlich endgiltig darin seine Erledigung gefunden, daß Herr Jacquot von seinem Posten abberufen worden ist. Die französischen Chauvinisten find nun wieder um die Hoffnung, aus dem „Fall Jacquot" Kapital schlagen zu können, ärmer geworden.

* Die .katholischen Missionen' in Lyon veröffentlichen neue Einzelheiten über Uganda. Williams habe Mwanga einen Vertrag vorgeschlagen, der zu Stande kommen wenn ich aber Lady Rylestone geworden bin, so muß ich diesen Ort verlassen und standesgemäß leben, was doch ein bedeutender Nachtheil wäre. Ueberdies würde ich mich nicht einmal wohl fühlen, denn ich müßte der Kritik, dem Erstaunen und Gerede der großen Welt ganz schutzlos die Stirn bieten. Laß mich ruhig und im alten Geleise hier."

„In dem, was Du sagst, liegt sehr viel vernünftige Ueberlegung", bemerkte er. „Ich finde es sehr be­greiflich, daß Du Dich hier an dem Orte, wo wir mit einander lebten, viel glücklicher als irgend wo anders fühlst, und wenn ich heimkehre, werde ich mich in einer ganz anderen Lage befinden. Dann bin ich kein armer Mann mehr und ich hoffe, die ersten Stufen der Leiter, die zu unserem Glücke führt, erklommen zu haben. Dann bin ich hoffentlich im Stande, meinem guten Weibe eine feiner würdige Heimath zu bereiten."

Während die dunkle Abendröthe allmählich am west­lichen Himmel erbleichte, sprachen die Beiden von der Zukunft, die sich so tragisch gestalten sollte, vom Trennungsschmerze und der Freude des Wiedersehens, und malten sich aus, wie sie in ferneren Tagen den nmthigen Entschluß, sich jetzt zu trennen, segnen würden.

„Ja, ich glaube, daß wir das Rechte beschlossen haben", sagte Lord Rylestone; „je mehr ich darüber