Beilage zu Nr. 155 der „Fuldaer Zeitung
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Und früher waren sie auch immer die „höchsten Herren" im Rhöngebiete, jetzt aber hat ihnen die gegenüberliegende große Wasserkistipe den Rang abgelaufen, da nach den neueren Messungen deren Meter, die des Kreuzberges aber nur 932 tragen soll.
vermischtes.
* Als Ersatz für Stahlfedern hat man neuerdings in Paris Federn aus Celluloid oder einer diesem ihnlichen Masse erfunden. Es werden zu dem Zweck )ünne Platten aus Celluloid hergestellt, aus diesen Stücke in Form der Federn auSgestanzt, diese alsdann erwärmt und in die Form der jetzigen Stahlfedern ge- ireßt. Nachdem sie noch mittelst eines scharfen Messers inen Spalt erhalten haben, ist die Feder fertig. Ob riefe neuen Federn, selbst wenn sie nicht theurer sein ollten als Stahlfedern, diese verdrängen oder sich auch nur neben ihnen halten werden, erscheint zweifelhaft. Als die Stahlfedern noch eine ganz neue Sache und reshalb sehr theuer waren, fertigte man Federn aus Gänsekielen in Fizrm der Stahlfedern an, welche zum Gebrauch ebenso wie die Stahlfedern in besondere Halter gesteckt werden mußten. Trotzdem sie damals nicht theurer waren als Stahlfedern, fanden sie keine Verbreitung; die Dauerhaftigkeit der Stahlfedern und )ie damit verbundene Bequemlichkeit trug den Sieg ravon. Ebenso wird es jetzt gehen; man kann die neue Celluloidfeder, wenn sie abgeschrieben ist, nachspitzen, aber das will jetzt Niemand mehr thun.
braven Gebirgsbewohner nie, auf dem östlichen Abhang! des Kreuzberges, dem sogen. „KilianShof", zusammel zu kommen, um zwischen Felsen und Wäldern uni unter der Wölbung des blauen Himmels Gottes Wort z! lauschen, welches alljährlich ein Priester an jener Stell! verkündet, wo vor nunmehr zwölfhundert Jahren ihr! Vorfahren es zuerst aus St. Kilian's Mund vernahmen! Ist diese Bergpredigt vorüber, dann zieht Alles mil Sang und Klang auf die grasreichen Hochmatten, tod die große Heuernte begonnen wird. Malerisch muthe! sie den Touristen an, wie ein fröhliches Volksfest, abed wie Höhl sagt, steckt hinter der poetischen Außenseit^ doch viel Plag' und Arbeit. —
Wie wir dann von dem alten, schon mehrmals abgebrannten Städtchen Bischofsheim, das seinen Nameft auf den hl. Kilian zurückführt, nach Neustadt an bd Saale weiter gepilgert und welche anmuthenden Eindrücke wir dort bei den großartigen Salzburgruinen empfingen, das gehört nicht in den Rahmen dieser Skizze. Denn nur die schöne, kirchliche Feier, deren Schauplatz zur Zett der ehrwürdigste Wallfahrtsort der Rhön ist, ließ es mir angemessen scheinen, sein Bild heute vorzuführen. Meiner Begleiterin aber, die jetzt in der Ferne mit tteuheimischer Sehnsucht der schönen Rhön gedentt, suchte ich vor Kurzem mit einigen flüchttg hingeworfenen Versen, die ich auf eine Photographie des Kreuzberges geschrieben, die Erinnerung an unsere fröhliche gemeinsame Krenzbergfahrt zurück zu rufen. Der Rhönttoubadour hätte sie freilich besser gemacht, aber meiner Freundin warm sie doch recht, — so recht, daß sie dieselbm sogar gedruckt sehen wollte. Und darum mögen sie hier einen Platz finden:
„Denkst Du noch des blauen Herbsttags, Der uns lockte in die Berge?
Ja, das war ein köstlich Wandern:
Ueber uns der Sang der Lerche.
Einsamstill die weiten Höhen
Und der Bergwald voller Schauer — Weißt Du noch, wie bang wir zagten Vor Banditen auf der Lauer?
Doch als aufging die ersehnte. Froh begrüßte Klosterpforte, Ei, da konnten wir wohl lachen An dem traulich — sichern Orte.
Wo uns Speis und Trank gespendet Ward vom guten Bruder Eustach, Der „Wenn's brav sind, dürfen's bleiben" Gnädig doch ein wenig scheu sprach.
Und wie süß die Rast im Garten,
Wo die rothe Nelke blühte.
Und wie hehr die Tempelstille, Wo die ewige Lampe glühte!
Sind die „via dolorosa“
Still betrachtend dann gegangen: Ave crux, du Baum des Lebens, Dran das Heil der Welt gehangen!
Ueber uns gen Himmel ragte Mächtig der Erlösung Zeichen: O wie ließ es gut sich beten Im erhab'nen Bergesschweigen! O wie ward uns weit die Seele Dort in schrankenlosem Schauen, Ob auch Nebelschleier hingen. Wo sonst fern die Berge blauen!
Hättest Hütten gern gebauet An dem hehren Ort der Gnade, Doch von dannen trieb's uns wieder Bald auf jähem Bergespfade.
Schreckensvoll der Abgrund gähnte In des Mondes Silberstrahle, Wandelnd in des Kreuzes Schatten Kamen sicher wir zu Thale.
Ave crux, du Baum des Lebens, Dran das Heil der Welt gehangen, Laß uns unter deinem Schatten Einst zum Himmel auch gelangen! —
ES wird erzählt, daß kürzlich einmal eine hier nicht unbekannte fürstliche Frau, die dem preußischen Königs- hause entstammt, unfern Berg besucht habe. Der Guardian soll sehr liebenswürdig die Honneurs gemacht und die hohe Frau in Betreff der entzückenden Aussicht, welche nicht nur die Thüringer Berge, den Spessart, Taunus und das VogelSgebirg umfaßt, sondern sogar bis Bamberg und bis zum Brocken reicht, genau orientirt haben. Als aber die bewundernde Besucherin gefragt, welches denn eigentlich der höchste Rhönberg sei, da soll seine Erwiederung halb wehmüthig, halb schalkhaft gelautet haben: „ Schauen'-, Königliche Hoheit, früher war unser Berg immer der allerhöchste in der Rhön, seitdem nun aber die Wasserkuppe da drüben preußisch geworden, da ist sie halt gleich ein Bissel höher geworden." —
Nachdem wir in der schmucken Klosterkirche gekniet und im säubern Garten behaglich geruht hatten, stiegen wir zum Gipfel, wo sich unter dem Kreuze die Rundschau am großartigsten entfaltet. Leider war sie — wie gewöhnlich hier oben — von grauen Nebeln ziem- lich verschleiert. Nach langem, langem Verweilen sagten wir Valet und eilten auf der sogn. „Kniebrech" zu Thale — einem jäh absinkenden Pfade, der sich durch kühlen Waldesschatten gen Bischofsheim windet. Der Mond beleuchtete den schwindelerregend schroffen Hang, an dessen Rand wir hart hinstreiften, und wir waren ftoh, als wir endlich das lange Dorf Hasselbach erreicht hatten. An einem heißen Sommertage hatte es mir ftüher beim Durchwandern schon einmal denEindruck gemacht, als ob es in verzauberter Märchenruhe den Sonntagnachmittag anträume und auch jetzt wieder lag das stille Rhöndorf wie ausgestorben, nur belebt von dem heimlichen Plätschern und Rauschen seiner zahlreichen SBrunnen. Viele Wasser rieseln ja vom hohen Kreuzberg herab, der damit verschwenderisch die ganze Gegend versorgt. Auch die Sinn entspringt auf ihm, jenes anmuthige Flüßchen, welches Clemens Brentano also besingt:
„Sinnreich bin ich, Sinna heiß' ich, Wandle durch den Erlenwald, Und vom Erlenkönig weiß ich Auch manch Lied, das rührend schallt."
An einem ber Brunnen in Hasselbach aber, ber mit einem Stanbbilb des hl. Kilian geschmückt unb im Bolksmunb den Namen „Heiland" führen soll, lasen wir im Mondschein die Inschrift: „Hier taufte um's Jahr 686 St. Kilian."
So wird hier überall das Gedächtniß des großen Frankenapostels trendankba: lebendig erhalten, und an seinem Namenstag, am 8. Juli, uuterlassen es die
Jahrhundertfeier der Entdeckung Amerikas.
* Wie aus Madrid geschrieben wird, gehen die in Huelva, La Ravida und Palos aus Anlaß der Jahrhundertfeier der Entdeckung Amerikas in Angriff genommenen Bauten ihrer Vollendung entgegen. Die 60 m hohe Säule beim Hafen von Palos dürste Anfang September fertig werden. Am 3. August, also am selben Tage, wo vor 400 Jahren Columbus aus- lief, wird dort das Abbild der Caravelle „Santa Maria" nebst einem kleinen Geschwader vor Anker 9ehen. Die für Rechnung der Vereinigten Staaten herzustellenden beiden anderen Schiffe „La Pinta" und „La Nina" werden Anfang Oktober folgen. Im Oktober hat auch die Königin vor, nach Huelva zu kommen. Bei ihrer Ueberfühmng nach Amerika wer- ben bie genannten brei Schiffe wahrscheinlich auch bie Carrarischen Inseln anlaufen. — Was bie Ausstellung anbelangt, bie in brei Theile zerfällt, so finb bie für die historische Abtheilung bestimmten Schaukästen fast vollenbet. Der Papst soll versprochen haben, alle sich Vatikan befinblichen Schriftstücke, bie auf bie Ent- bedang ber neuen Welt Bezug haben, herzuleihen, herunter auch bie berühmte Bulle, worin bie Theilunc ber Erbe unter Spanien unb Portugal ausgesprochen. Bon Oesterreich unb Frankreich erwartet man ebenfalls viele interessante Gegenstänbe; bas französische Kolomalamt soll sich sogar mit einer Sonderausstellung MMigm. Auch bie übrigen europäischen Staaten mit Einschluß ber Türkei werben vertreten sein. Die Vereinigten Staaten haben zugesagt, ihr Möglichstes zur Erhöhung des Glanzes beizutragen, ebenso bie anberen amerikanischen Republiken. Mexico hat bas Beste aus feinen Museen angekündigt unb soll einen ßrebtt von 100,000 Duros bafür bewilligt haben. Von Cuba ftnb schon verschiedene Sendungen eingehoffen. 17 Domkapitel werden Kostbarkeiten ausstellen, die sonst nur selten zum Vorschein kommen, von denen manche vielleicht überhaupt noch nie öffentlich ausgestellt waren unb sozusagen unbekannt ftnb. Man rechnet auf bie Privatsammlungen ber Marquis von Castro- Sema unb Cerralbo. Auch ber Degen FerbinanbS be8 Katholischen, ben er bei der Eroberung Granadas trug, wird zu sehen sein.
± Der Kreuzberg in der hohen Rhön.
Ein Skizzenblatt von I. Gr.
(Schluß statt Fortsetzung.)
Nachdem wir genugsam Umschau gehalten hatten, zogen wir an der Klosterpforte die Klingel. Der Pförtner, Bruder Eustach, dem bereits auch die großen Bernhar- dmer unsere Ankunft durch lautes Bellen verkündet hatten, gewährte uns freundlichst Einlaß und führte uns durch den hallenden Kreuzgang in's kühle Fremdenzimmer, wo von der Wand herab das biedere Antlitz des Prinzregenten grüßte und hinter Glasscheiben eine für Kenner vielleicht interessante mineralogische Sammlung ausgestellt ist. Bald stand ein schmackhaftes Mittagsmahl vor uns und ein von den Mönchen Mbst gebrautes Bier erquickte von der Anstrengung des Wanderns. Die Brüder bedienen selber ihre Gäste und geben, waS sie in Küche und Keller haben, doch kann man, gemäß der Ordensregel, feine Schuld nur in einem freiwillig gespendeten Almosen abtragen. DaS Kloster »st eben kein WirthShauS, feine biedere Gast- ttchkett »st grundverschieden von der Prosa des modernen GasthoftrelbenS.
Geimß mag Mancher schon, der in dieser Berg- Idylle Emkehr gehalten, die freundlichen Klosterherren um den Reiz ihrer friedlichen Heimstätte beneidet haben. Hier oben die frische, reine Gebirgsluft zu trinken, wahrend das Ange sich immer an den entzückendsten Fernsichten und reizvoll wechselnden Naturschauspielen ^cgötzen kann, das ist auch in der That beneidenswerth. Natürlich aber hat man dabei immer ben Sommer im ©inne, wo in ber luftigen Halle beS Refektoriums ber herbei geleitete Bergquell so erquickend in's Becken plätschert unb in der Abendkühle sogar eine Kegelbahn im musterhaft bebauten Gemüsegarten zu froher Unterhaltung einladet, denn das sind alles Annehmlichkeiten, die ein aus der dumpfen Enge der Stadt Kommender wohl zu würdigen weiß. Doch denke man sich auch einmal den Winter hier oben, der ja sprüchwörtlich in der Rhön von endloser Dauer ist, man stelle sich das in ungeheure Schneemassen fast ganz vergrabene Kloster vor, in dem die von allem Verkehr abgeschnittenen Insassen nichts vernehmen, als das schaurig-wilde Lied des Sturmwindes — und diese St. GottharbS-Romanttk wird dann wohl Keiner theilen wollen mit den mnthigen Mönchm, die mit eiserner Willenskraft dem Grimm der Naturgewalten Trotz bieten.
Aber diese wetterfesten Männer, welche zu allen Jahreszeiten, bei sibirischem Frost oder sengender Hitze, immer dasselbe härme Gewand tagen, sie sind auch innerlich mit einem unerschütterlichen Gleichmuthe gegen
Sonntag, den 10. Juli 1892.
alle Widerwärtigkeiten des Lebens gewappnet und niemals geht ihnen der Humor aus. Von ihrer erhabenm Warte lächeln sie über die Thorheiten, welche die Kinder der Welt oft mit zu ihnen hinauf tragen. Und köstliche Anekdoten könnten sie erzählen von manchen Besuchen, die da in ihre Einsamkeit gekommen sind, auc| weist ihr Fremdenbuch viele klingende Namen auf. Die schönsten poetischen Einträge desselben hat der unter dem Namen „Rhöntroubadour" weithin rühmlichst bekannte, sangesfrohe Pfarrherr von Ebern, Herr Leopold Höhl, gespendet. Wie sehr er mit jeder Faser seines Herzens an seiner schönen Rhönheimath hängt unb wie genau er sie kennt, das bekundet besonders auch sein soeben in 2. Auflage bei Leo Woerl in Würzburg erschienener „Rhönspiegel" — ein mit ganz wunderbarer Gernüthsfrische geschriebenes Buch! Auch Franz von Dingelstedt weilte gern auf dem Kreuzberg. Ebenso ist Joseph Viktor von Scheffel, „der Dichter des ftöhlichen Wanderns und harmlosen Genießens", mehrmals au dem heiligen Kreuzberg gewesen. „8tat crux dum volvitur orbis,“ hat er bei einem Besuche am 19. Juni 1877 voll edler christlicher Begeisterung in's Fremdenbuch geschrieben, während er ein anderes Mal feiner warm empfundenen Dankbarkeit für die freundlichen Wirthe Ausdruck leiht mit dem Wortspiel: „Gastfreundschaft — Frmnd' schafft." —
Und da wir gerade von Dichtem reden, so wollen wir auch noch eines Kreuzbergverehrers gedenken, der sich gern zu diesen zählte. Es war kein Geringerer als König Ludwig I. von Bayern. So oft er in feinem Lieblingsbade Brückenau weilte, das er auch mehrfach in seinen etwas seltsamen Versen besungen hat, unterließ er nie, den hohen Kreuzberg zu erklimmen und bei dessen frommen Bewohnern einzukehren. Echt bayerische Landeskinder sind auch diese letzteren, unb vielleicht mag sich ihr heimathtteuer Sinn ein wenig barüber ärgern, daß feit dem Prager Frie- den am 30. August 1866 die schwarz-weißen Grenzpfähle auch in ihr Bergland vorgedrungen sind.