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JM 155

Sonntag, den 10. Juli 1892.

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sitzender. Rechtsanwalt Dr. Schmitt, II. Vorsitzender. Assistent Dr. Becker, I. Schriftführer. Rechtsanwalt Dr. Kuhn, H. Schriftführer. Kaufmann Joseph Krug, m. Schriftführer. Stadtverordneter Eugen Haffner, Rendant. Domdekan Erler, Vertreter des Domkapitels. Dekan Keller, Vertreter der Pfarrgeistlichkeit. Johann Falk III., Buchdruckereibesitzer. Landtagsabgeordneter Nicola Racke, Ehrenmitglieder.

Dr I M- Raich, Domkapitular. Dr. Ignaz Freuay, Rechtsanwalt. Adolph Hillebrand, Rechtsanwalt. Dr. Georg Mafferell, Stadtverordneter. Christoph Eckert, Kaufmann. Franz Bendix, Kaufmann. Jakob Mehlmer, Stadtverordneter. David Hänleiu, -Lchlosiermeister. Gabriel Gerster, Stadtverordneter. Joseph Lucas, Bischöflicher Baumeister. Joh. Aug. Metzler, Stadt­verordneter. Karl Wagner, Kaufmann. Michael Jul. Lindebner, Kaufmann. Georg Schiffmacher, Kaufmann. Jean Ring, Stadlverordneter. Philipp Stein, Kaufm. Dr. H. L. Müller, Stadtverordneter. Morrz Freiherr Gedult von Jungeufeld.

befruchtend und fördernd bis in die weitesten Kreise gewirkt.

Wofür einst Kettel er, unser großer, unvergeßlicher Bischof, umgeben von edlen, hochbegabten Männern, im Verein mit einem Moufang und Heinrich, unterstützt von dem Geiste und dem Wissen Desjenigen, der heute als sein Nachfolger den Bischofsstab führt, mit Begeisterung, mit rückhaltloser Hingebung und un­erschütterlichem Muthe gekämpft und geduldet hat, das ist nunmehr — zumal auf dem Gebiete der sozialen Frage — zum Programm für alle treuen Söhne der Kirche in Deutschland und selbst über Deutschlands Grenzen hinaus geworden. ,

So war Mainz, der altehrwürdige Sitz des heil. Bonifatius, von wo aus dieser Wohlthäter und Apostel der Deutschen in einer vielfach zerklüfteten, von Noth und Elend heimgesuchten Zeit das einigende Band des christlichen Glaubens um alle deutschen Stämme ge­schlungen und dadurch den Grund zu Deutschlands Macht und Größe gelegt hat, auch in unseren Tagen berufen, den Hauch eines neuen Lebens auszugießen über unser katholisches Volk und sammelnd und einigend, ermuth'gend und kräftigend zu wirken in den heißen Kämpfen der Gegenwart.

Auch in diesem Jahre sieht Mainz die Katholiken Deutschlands wieder in seinen Mauern sich versammeln in einer hochbedeutsamen Zeit. Der Kampf, auf dessen Verlauf wir trotz all der schweren Wunden, die er ge­schlagen hat, mit Dank gegen Gott zurückschauen, er ist noch keineswegs zu Ende. Schon drohen uns neue Kämpfe, fchwerer und ernster als alle, die wir bis jetzt bestanden haben. Der feste und treue Zusammen- fchluß aller Katholiken, ja Aller, die noch christlich denken und empfinden, ist deshalb nöthiger wie je.

Möge daher die diesjährige Generalversammlung eines zahlreichen Besuches aus allen Gauen Deutsch­lands sich erfreuen, entsprechend der großen und ernsten Aufgabe, die ihr gestellt ist.

Die Katholiken von Mainz werden Alles aufbieten, der erwiesenen hohen Ehre sich würdig zu erweisen. Und wir zweifeln nicht, daß das alte goldene Mainz mit seinen historischen Erinnerungen, mit den zahl­reichen Denkmälern einer großen Vergangenheit, mit seinen herrlichen landschaftlichen Reizen auch diesmal die fo oft bewährte Anziehungskraft ausüben wird.

So hoffen wir denn, daß die vom 28. August bis 1. September in den Mauern unserer Stadt tagende XXXIX. Generalversammlung der Katholiken Deutsch­lands der langen Reihe ihrer Vorgängerinnen sich ebenbürtig an die Seite stellen werde. Möge sie wirken gleich ihnen zur Kräftigung echt katholischen Lebens und zur Wahrung der unveräußerlichen Rechte unserer heiligen Kirche. Mögen ihre Arbeiten von Gott ge­segnet sein zu Seiner Ehre, zum Wohle unserer Kirche und zum Heile für das gesammte Vaterland!

Das Programm der Generalversammlung wird demnächst veröffentlicht werden.

Mainz, Ende Juni 1892.

Der Borstand des Lokal-Komitees:

Dr. H. El. Geier, Bürgermeisterei-Beigeordneter, I. Vor- ein jährliches Einkommen von dreitausend Pfund für uns ist, stellt mir aber noch Besseres für die Zukunst in Aussicht. Der Graf von Barton ist ein sehr be­rühmter Mann, ich bezweifle, ob einer unserer Staats­männer ihn überragt; er hat einen sehr bedeutenden Einfluß, und die Sache ist eben die, daß, wenn ich ihm in dieser Angelegenheit willfahre, er später viel für mich thun kann."

„So wäre dies also als der Grundstein zu Deinem Glücke zu betrachten?" sagte sie bedächtig.

„Ja, mein Lieb, so fastest Du e§ ganz richtig auf." „Allan", flüsterte sie, „könnte ich Dich denn nicht dorthin begleiten?"

Ehe er ihr antwortete, dachte er einige Augenblicke nach und dann sagte er langsam und bedächtig: „Leider geht es nicht an, mein Herz; ich erinnere mich einer ähnlichen Expedition, die vor längerer Zeit abging. Ich war damals noch ein Knabe, aber ich hörte er­zählen, daß Lord Riversham um die Erlaubniß nach­gesucht habe, seine Gemahlin mit sich zu nehmen, und daß man sie ihm verweigert habe. Man muß bei dieser Sendung vielfach im Lande hin und her reisen, und da würde cs kaum möglich sein, ein angemessenes Unterkommen für eine Dame aufzufinden."

„Dann sind also gar keine Damen bei der Expe? bitten ?" fragte sie.

Berlin, 8. Juli.

* Der Kaiser setzte heute die Fahrt von Diger- mulen nach Hadseloe und Ostavagoe fort. ~te königlichen Prinzen übersiedeln am Montag zu mehr­wöchentlichem Aufenthalt nach Wilhelms höhe bei Kastel, wohin sie von der Prinzessin Amalie von Schles­wig-Holstein begleitet werden.

* Der Nachricht von einer tm August m Spala stattfindenden Drrikaiser-Zusammenkunst wird die Ehre eines offiziösen Dementts zu Theil. Die Nachrtcht war wohl nur für Börsenzwecke erfunden und hat auch, wenn auch nur für d,en Beginn der gestrigen Börse, ihren Zweck erfüllt.

* Die Einbringung einer neuen Volksschulvorlage in der nächsten Session des preußischen Landtages ist nicht zu erwarten. , a ,

* Die Reisen des Kriegsministers von Kaltenborn- Stachau nach Dresden, München und Stuttgart werden mit Verhandlungen über die neue Militärvorlage m Verbindung gebracht.

* Der Bundesrath verwies gestern dte Vorschrtften für Prüfung der Nahrungsmittel - Chemiker und eme elfaß - lothringifche Vorlage, betreffend Erhöhung der Rosinenweinsteuer, den zuständigen Ausschüssen, beschloß nach Anregung der bayerischen Regierung, die Durch­fuhr von lebendem Rindvieh aus Oesterreich-Ungarn unter gewissen Voraussetzungen zu gestatten und stimmte dem AuswanderungS-Gesetz, den Bestimmungen über dte Erhebung der Ernte-Statistik, über die Ermittelung der landwirtyschaftlichen Bodenbenutzung und über die Vteh- zählung zu. Dagegen wurde beschlossen, der Resolutton des Reichstags um Bewilligung von Diäten und Reise­kosten aus Reichsmitteln an die Reichstags-Abgeordneten keine Folge zu geben.

* Die Kommission für die 2. Lesung des bürger­liche» Gesetzbuches für das deutsche Reich hat sich bis zum 10. Oktober vertagt. Die Vorkommistion tritt

„Nein; ich bin fest überzeugt, daß die Gräfin von Barton ihren Gemahl nicht begleiten wird; sie hängt viel zu sehr an dem gesellschaftlichen Treiben in Lon­don, und natürlich müfsen alle Uebrigen dem Beispiele ihres Führers folgen. Aber was kümmert eS uns, wie die Andern das halten. Ich bleibe bei Dir. Selbst um den Preis, Generalgouverneur von Kanada zu werden, möchte ich Dein Antlitz nicht noch einmal er­bleichen und Deine Augen von Angst verdüstert sehen; nicht wahr, davon bist Du auch überzeugt?"

„Ja, ich bin eS", erwiderte sie.

Ich werde noch heute an Sir John schreiben und ihm "sagen, daß mich triftige Gründe veranlaßten, sein Anerbieten abzulehnen."

Sie legte ihm sanft die Hand auf den Arm. „Warte damit bis heute Abend, Allan," sagte sie. „Wir müssen die Sache Beide erst überlegen. Da es der Grundstein zu Deinem Glücke sein kann, dürfen wir uns nicht übereilen."

„Ich halte er für keine Uebereilung, wenn ich bei meinem Weibe bleibe," sagte er lachend.

„Mir scheint eS aber übereilt, wenn man ein Jah­res-Einkommen von dreitausend Pfund zurückweist," er­widerte sie und versuchte zu lächeln. „Beantworte den Brief keinesfalls vor heute Abend. Ich will jetzt gehen

Einladung

zur

39. General-Uersammlung der Katholiken Deutschlands;u Main;.

Im Einvernehmen mit Sr. Durchlaucht Karl Fürst zu Löwenstein wird die diesjährige XXXIX. Generalversammlung der Katholiken Deuschlands in den Tagen vom 28. August bis 1. September zu Mainz abgehalten werden.

Mit froher Erregung sieht die gesammte katholische Bevölkerung unserer Stadt diesen Tagen entgegen und Männer aus allen Kreisen der Bürgerschaft sind eifrig bemüht, der Versammlung eine würdige Aufnahme zu bereiten.

Bereits zum vierten Mal hat Mainz die Ehre, dte Versammlung in seinen Mauern gastlich zu begrüßen.

In den stürmischen Tagen des Jahres 1848 er­scholl von Mainz aus der Ruf zur Sammlung und Einigung an alle Katholiken deutscher Zunge:

„Katholisches Volk! Wir rufen Dich auf zu Deiner Selbst- ermannung, Dir zum Trost und zur Ehre unter den Völkern der Erde! Einige Dich zu einem großen, das ganze Vaterland umschließenden Vereine. Bete, wache und kämpse unter dem Zeichen jenes Kreuzes, von welchem vor acht­zehnhundert Jahren das Blut der Erlösung herniederrann in die ihm entgegenseufzende Menschheit; in diesem Zeichen wirst Du siegen!"

Dieses Wort, wie hat es Wiederhall gefunden in allen Gauen unseres Vaterlandes! Welche Begeisterung hat es entfacht in den Herzen aller treuen Katholiken! Sie, die sich selber noch nicht kannten in ihrer Kraft,' sie wachten auf zum Bewußtsein der Macht ihres Glaubens und zur Erkenntniß ihrer Aufgabe. Fester denn je hat sich seitdem das katholische Volk um den Felsen seiner Kirche geschaart, und mächtiger denn je ist die Ueberzeugung in immer weitere Kreise gedrungen, daß nur das C hristenthum, und zwar allein das von der Kirche, dieser Säule und Grund­feste der Wahrheit, getragene und gehütete Christent hum int Stande ist, die der Gesellschaft drohenden Gefahren zu beschwören.

Und als die Wirren des Kulturkampfes heran­nahten, als man, berauscht von äußeren Erfolgen, die geheiligten Rechte des katholischen Volkes und seiner Kirche anzutasten versuchte, da war es wiederum Mainz, wo auf dem Katholikentag das ruhmreiche Banner des Centrums entfaltet, wo zuerst der Kampf für Wahrheit, Freiheit und Recht im Vertrauen auf Gottes Hilfe mit Zuversicht ausgenommen wurde.

WaS so aus kleinen, unscheinbaren Anfängen sich entwickelte, das ist heute, gefestigt durch die Stürme der Zeit, zu einer großen, das ganze katholische Deutsch­land umfassenden Bewegung geworden. Vom Segen des Himmels begleitet, haben die Generalversamm­lungen der Katholiken Deutschlands von Jahr zu Jahr großartiger sich entfaltet und anregend und belehrend,

Das verhimgnißvolle Testament.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(32. Fortsetzung.)

„ES war thöricht von mir, daß ich mich so er­schreckt habe," räumte sie ein, „aber sei um meinet­willen ganz außer Sorgen. Warum sollte ich mich denn fürchten selbst wenn Du von mir gingest?" Sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter, um so die geister­hafte Blässe ihres Antlitzes zu verbergen.

„Jetzt bin ich wieder vernünftig, Allan", sagte sie mühsam, „sage mir nur, was der Inhalt des Briefes eigentlich bedeutet."

„Es kommt gar nicht weiter auf seine Bedeutunc an, da er Dich so in Schrecken versetzt hat. Ich will gar nicht weiter darüber nachdenken."

„Aber ich bitte Dich, daß Du mir seinen Inhalt erklärst", flehte sie.

„Er enthält die Nachricht, daß der Graf v. Barton nach Kanada geht und Jemand sucht, der ihn dorthin begleitet, um ihn dort nöthigenfalls vertreten zu können; verstehst Du das?"

„Ja, ich verstehe", erwiederte sie mit seltsamer Ruhe-

„Wie Sir John meint, ist die Stellung nicht sonderlich einträglich, er ahnt nicht, Margarita, waS