J\£ 149
Sonntag, den 3. Juli 1892
iildaerMZeitiiiig
rung. Wir erheben Widerspruch dagegen. L und feierlich: wir stehen hinter dem Kanzler
Er entschied sich schließlich für ein kleines Dorf, Namens Marjeth, das tief im Herzen der grünen Berge von Surrey lag. Dicht vor dem Orte stand, halb von Bäumen verdeckt, eine hübsche Villa, von deren Garten aus man eine bezaubernde Aussicht auf eine der lieblichsten Landschaften Englands hatte. Diese Villa gefiel ihm ungemein. Er miethete sie und stattete sie mit Allem aus, was er für angenehm und wünschenS- werth für das Behagen seines schönen Weibes hielt, und sagte sich, daß er dort voraussichtlich die glücklichsten Jahre seines Lebens zubringen würde.
Freilich war die Villa sehr verschieden von seiner Heimath Waltvncourt, aber sie wurde ihm von Tag zu Tag theurer und schließlich liebte er sie mehr als Walton selbst. Er wünschte dort in Gemüthsruhe leben zu können, die elften Monate seiner Ehe sollten wenigstens nicht durch Schulden getrübt werden. Zuerst hatte er beschlossen, die Summe von viertausend Pfund, die ihm für die ersten zwei Jahre von dem verstorbenen Lord ausgesetzt worden war, nicht anzurühren, aber der Stolz wich dem Verstände. Es gelang ihm ohne Schwierigkeit, die ganze Summe im Voraus zu erheben, und nachdem er die Schuld von dreitausend Pfund, die so schwer auf seinem Gemüthe lastete, davon getilgt hatte, verwendete er den Rest auf die Einrich-
Frieden zu halten mit all' denjenigen, die nicht zu uns gehören, außer daß sie Deutsche und Preußen sind", und ging dann auf die weltliche Herrschaft des Papstes und die anderen Themata über, die er auch in früheren Versammlungen behandelt hatte.
Abg. Dr. Lieber über die Krise des Fürsten Kismarck.
Im Piusbau zu Köln wurde am Mittwoch Abend eine Versammlung der Centrumspartei nach dem Vorbilde der jüngsten Versammlungen in Berlin, Breslau, Trier und Crefeld gehalten. Als Hauptredner trat auch hier der Landtags- und Reichstagsabgeordnete Dr. Lieber auf, der als Einleitung seiner Rede die Stellungnahme der Centrumspartei zu der durch die Reise des Fürsten Bismarck geschaffenen innerpolitischen Lage in folgender Weise zeichnete:
Das verhäugnißvolle Testament.
Nach dem Englischen von H. v. Remagen.
(26. Fortsetzung.)
Allmählich wurde es Zeit, sich zu trennen.
„Kein Mensch soll etwas davon erfahren, selbst mein Bruder nicht", versicherte sie.
An diesem heiteren Junimorgen beschlich kein Zweifel ihre Seele. Er hielt es für das Gerathenste, zu hei- rathen, damit ihm der Trost ihrer Nähe und das Bewußtsein ihrer Liebe stärkend zur Seite stünden, und sie glaubte, ihm so am leichtesten den Schmerz der Enttäuschung, welche ja unabänderlich wie eine düstere Wolke sein Leben beschatten mußte, tragen zu helfen. Wie gesagt, es trübte kein Zweifel ihre Seelen — sie waren jung, hoffnungsselig und fürchteten die Zukunft, die so dunkel für sie wurde, keinen Augenblick. Sie schieden unter Lächeln und Thränen, indem sie sich immer wiederholten, daß es nicht auf lange wäre — bet fünfundzwanzigste August mußte bald herankommen. Die wilden Rosen winkten freundlich, die Hyacinthen schüttelten leise ihre Glocken, der Sommerwind flüsterte m den Zweigen und die Vögel schienen Lieder von unverwelklicher Liebe und Hoffnung anzustimmen.
So schieden sie.
°uf die ,Fuldaer Zeitung« WlTn IlHUrn für das 3. Quartal 1892 wer- -VS- fSS den fortwährend von allen Post
anstalten, den Boten und in der Expedition angenommen.
Erscheint täglich, Sonn« und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Ps., bei Wiederholungen cntsvrechender Rabatt.
Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
Wir haben zunächst unsere inner« und außerpolitische Stellung in Betracht zu ziehen, und uns klar zu machen, was für Anforderungen diese Stellung an uns Katholiken in Preußen und Deutschland stellt. Bevor ich an die Betrachtung unserer gesammten Lage gehe, habe ich das dringende Bedürfniß, zwei Sätze an die Spitze zu stellen. Ich will zuerst sagen: Nach wie vor dem Zedlitz'schen Schulgesetzentwurs sind die Katholiken Preußens und Deutschlands treue Anhänger von Kaiser und Reich, von König und Vaterland. (Lebhafter Beifall) Ich habe eine doppelte Veranlassung, diesen Satz heute Abend an die Spitze zu stellen. Noch hallen alle Zeitungen wieder von den Huldigungen, die dem früheren Reichskanzler gelegentlich der Fahrt zur Hochzeit und von der Hochzeit seines ältesten Sohnes im Süden unseres Vaterlandes und im befreundeten Oesterreich dargebracht worden sind. Es wird sich nicht umgehen lassen, daß hier in Köln im Piusbau Stellung zu diesen Kundgebungen genommen wird. Wir betrachten es als ein besonderes Glück für uns, daß wir hier in Köln gegenüber diesen Kundgebungen laut und feierlich erklären können: Unsere Stellung ist, mögen die Anderen treiben, was sie wollen, an der Seite von Kaiser und Reich, von König und Vaterland. (Stürmischer Beifall. Rufe: Hoch lebe der Kaiser! Lebhafte Hochrufe.) Das wird noch kommen. (Heiterkeit.) Wir werden gemeinschaftlich dem Kaiser ein Hoch rufen, daß die Säulen dieses Saales wackeln. Es ist wohl noch niemals erhört worden, daß ein Staatsmann, der durch den Willen seines Monarchen außer Dienst gestellt ist, sich in solcher Weise über die Regierung dieses Monarchen, und gar noch auf ausländischem Boden, geäußert hat, wie es nach zuver- läfligen Meldungen öffentlicher Blätter der frühere Reichskanzler in Wien und anderwärts gethan hat. Ich trage kein Bedenken, zu seiner Ehre anzuführen: wenn unter seiner Amtsführung ein Staatsdiener, und wenn es ein hoher Staatsmann gewesen wäre, dies gethan hätte, so säße er heute schon in Spandau. (Zurufe: Sehr richtig! Geffken! Arnim!) Fürst Bismarck mag an dem Grabe graben, in das er rettungslos versinkt, ich will ihn nicht daran hindern. Aber er soll die Hände lassen vom deutschen Reich und seinem Kanzler, der durch des deutschen Kaisers Wille seine Stelle einnimmt. Fürst Bismarck mag den Ruhm seines Lebens zerstören, ich kann und will ihn nicht daran hindern. Aber er soll die Hände lassen vom Ruhme deutscher Macht und Herrlichkeit. (Lebhafter Beifall.) Es ist unerhört, daß ein früherer Kanzler des deutschen Reiches deffen heutige Regierung dem Auslande denunzirt als eine schwache und charakterlose Regierung. Wir erheben Widerspruch dagegen. Wir bezeugen laut und feierlich: wir stehen hinter dem Kanzler, den kraft verfassungsmäßigen Rechts der deutsche Kaiser ernannt hat. (Lebhafter Beifall.) Wir stehen aber auch hinter dem Kanzler Caprivi wegen seiner persönlichen Verdienste um das Wohl des deutschen Reiches und um den Frieden Europas. (Beifall.) Wir haben uns leider viel zu sehr gewöhnt, die auswärtige Politik des Fürsten Bismarck als Inbegriff aller Welt, womöglich auf
Deutsches Keich.
Berlin, 1. Juli.
* In der offiziösen Bekämpfung der Bismarck'» sche« Fronde ist eine Art Waffenstillstand eingetreten. Caprivi hat in den beiden letzten Tagen gesagt, war er gegen den großen Nörgler zu sagen hatte, und man muß jetzt abwarten, ob dieser von Kissingen aus seine publicistische Thätigkeit fortsetzt und durch den Mund irgend eines gefälligen Interviewers oder in seinem Hamburger Leiborgan antworten wird. Dieses Hamburger Organ, das toegen der weiten Entfernung zwischen seinem Erscheinungsorte und dem Bade, in dem sich sein spiritus rector zur Zeit aufhält, ohne Anweisungen ist, schweigt wie schon gestern erwähnt, höchst bezeichnender Weise über den Kampf und theilt seinen Lesern — unglaublich, aber wahr — nicht einmal die Caprivi'schen Artikel der,Nordd. Allg. Ztg.'mit.
* Die.Dresdener Nachrichten' veröffentlichen folgen» den Dank des Fürsten Bismarck:
„Kissingen, den 27. Juni 1892. Am Ziele meiner Reise drängt mich die Erinnerung an die mir unterwegs zu Theil gewordenen sympathischen Kundgebungen und an meine Unfähigkeit, dieselben nach dem Bedürfnisse meines Herzens im Einzelnen zu erwidern, zur öffentlichen Aussprache der dankbaren Gefühle, welche sie in mir Hervorrufen. Die ehrenvollen Begrüßungen in Dresden, München, Augsburg und auf der Bahnfahrt durch Sachsen und Bayern haben mich von Herzen erfreut, weil sie mir bewiesen, in welchem Umfange ich durch meine Mitarbeit an der Einigung des Vaterlandes die Anerkennung und das Wohlwollen meiner deutschen Mitbürger außerhalb meiner engeren Heimath gewonnen habe. Alle, die dazu mitgewirkt haben, mir nach dem Abschlüsse meiner arbeit- und sorgenvollen amtlichen Thätigkeit für den Rest meines Lebens diese wohlthuende und tröstliche Befriedigung zu gewähren, bitte ich, durch diese Veröffentlichung meinen warmen Dank freundlich entgegen zu nehmen, von Bismarck.
Die Nachricht, ein Antrag, dem Fürsten Bismarck das Ehrenbürgerrecht der Stadt München zu verleihen, sei vom Münchener Magistrat in geheimer Sitzung abgelehnt worden, ist aus der Luft gegriffen. Ein Antrag, wie der erwähnte, ist überhaupt nicht gestellt worden.
* Herr von Schlözer, der preußische Gesandte beim hl. Stuhl, wird nächstens auf seinen Wunsch in den Ruhestand treten. Herr v. Schlözer ist 71 Jahre alt.
* Rektor Ahlwardt wurde nach Erlegung von 50,000 M. Kaution aus der Haft entlassen.
* Offiziös wird eine Revision der Unfallversicherungs-Gesetzgebung in Aussicht gestellt.
* Ueber eine neue Militärvorlage gehen verschiedene Versionen durch die Presse. Wenn in ein und demselben Athem gesagt wird, daß eine neue Militärvorlage einstweilen ernsthaft noch nicht geplant wäre, und ferner, daß Entwürfe im Sinne einer wirksamen Ausnutzung der deutschen Bevölkerungszahl ausgearbeitet worden sind, daß man sich aber bis jetzt noch für keinen dieser Entwürfe entschieden habe, so ist das ein
den Knieen verehren. Ernste Politiker haben schon vor langen Jahren erkannt, daß Bismarck auch auf dem Gebiete der aus« wärtigen Politik ein sterblicher und verwundbarer Mensch sei wie alle andern. Es ist bedauerlich, daß die gegenwärtige Regierung aus Rücksichten, die wir ehren und achten müflen, nicht gesonnen ist, die geheimen Akten dieser auswärtigen Politik zu öffnen Wir würden wahrscheinlich erkennen, daß Bismarck am Ende vom Liede dahin gekommen war, unsere westliche Grenze nicht decken zu können und unfern östlichen Nachbar zu reizen. Was wir von diesem Manne halten, werde ich sogleich sagen. Wir stehen hinter dem Grafen Caprivi, weil wir wissen, daß er integer vitae scelerisque purus, was man nicht jedem Reichskanzler nachsagen kann (Beif.), weil er die auswärtige Politik, wie sie von seinem Vorgänger hinterlassen war, trotz aller ungünstigen Chancen bis heute in einer Weise geführt hat, die uns den Frieden sichert. Wir danken diesem Grafen Caprivi, wir schätzen seine staatsmännische Kunst um so höher wegen der Schwierigkeiten von einer Seite, wie sie bis dahin preußische Staatsmänner nicht gewohnt waren. Es ist ein trauriges Bild, wenn man den Fürsten Bismarck durch Deutschland und Oesterreich reisen sieht und er solche Reden führt, wie er sie geführt hat. Ein tieftrauriges Bild! Aber noch trauriger wird es dadurch, daß es Deutsche gibt, die dabei von einem Triumphzug des Fürsten Bismarck reden. Wem gilt dieser Triumphzug des Fürsten Bismarck? Ueber wen wird triumphirt oder soll triumphirt werden? Von ihm oder von denen, die ihm diesen sogenannten Triumphzug bereitet haben ? Man soll diese Fragen loyal beantworten. Ich beantworte sie nicht. Wir wissen alle, wer gemeint ist, wenn man von einem Triumphzuge spricht. Deswegen sprechen wir noch ein weiteres Wort: Schmach und Schande über jeden „Deutschen" — Deutschen in Gänsefüßchen —, der diese Reife benutzt hat, um gegen die höchste Spitze des Reiches zu demonstriren (Beifall), der die Reise dieses Mannes bejubelt hat in dem Augenblicke, wo es schon offenkundig war, welches Urtheil er über den Reichskanzler und die heutigen Einrichtungen in der auswärtigen und innern Politik gethan hat. Ich gehe nicht auf Einzelheiten ein. Es wäre ein Leichtes, die Haltung der deutschen Regierung in der Frage der Handelsverträge glänzend zu rechtfertigen, nicht bloß aus Erwägungen der auswärtigen Politik, sondern auch insbesondere aus Erwägungen unserer eigensten Wirthschafts-Politik. Ich sage nur, Schmach und Schande, daß es in der That in unserem Vaterlande Menschen gibt — ich kann nicht mehr sagen, Männer — die mit einem an Tollheit grenzenden Jubel diesem Manne auf seiner Reise zugejauchzt haben. Betrachten Sie sich diese Leute doch etwas näher. Sehen Sie sich den Herrn Abgeordneten Schönerer in Wien an, der seine deutsch - nationale Gesinnung und seinen Bismarck - Kultus beinahe bis zum Berrath an Oesterreich getrieben hat. Sehen Sie sich den Herrn Bürgermeister v. Widenmayer in München näher an. Wir wissen genug von dieser Koryphäe des bayerischen und speziell Münchener Liberalismus. Gehen Sie nach Augsburg und sehen Sie sich „meinen alten politischen Freund", den Oberbürgermeister v. Fischer an. Und sehen Sie die Haltung an, welche dieser Mann im Reichstage gegen alle Interessen der Katholiken eingenommen hat. Und sehen Sie die Männer an, die hinter diesen standen, und dann erlauben Sie mir das Wort: Das sind Kinder desselben Geistes, Fleisch von demselben Fleische, Bein von demselben Beine, denen zuliebe man in Preußen einen Grafen Zedlitz und einen Minister-Präsidenten Caprivi hat fallen lassen. (Stürmischer Beifall.) Dies ist derselbe Liberalismus, vor dessen Geschrei man die geschlossene Mehrheit für einen christlichen und konfessionellen Schulgesetz - Entwurf ohne ein freundliches Wort bei Seite geschoben und den Herren Liberalen von der Nothwendigkeit einer Verständigung süße Redensarten gemacht hat. Dies über Bismarck und seine neuesten Anhänger. Wir werden nicht unser Haupt in tiefer Trauer verhüllen über diese verehrten deutschen Brüder. Wir sind nicht sentimental genug dazu. Aber wir empfinden die Verpflichtung, am heutigen Abend einen scharfen Schnitt zwischen uns und diesen Leuten zu machen. (Beifall.) Wir Katholiken in Preußen und Deutschland haben mit solchen Menschen nichts gemein. (Lebhafter Beifall.) Ich bin Ihrer vollen Zustimmung sicher: wenn man uns noch zehn angenehme Schulgesetz-Entwürfe zurückzieht, wir werden niemals gegen Kaiser und Reich sein. (Lebhafter Beifall.)
Der Redner stellte dann als zweiten Leitsatz seiner Rede auf: „Ehrlichen, gerechten und wohlwollenden
„Das Leben der meisten Menschen verfolgt verschiedene Zwecke", sagte sie vor sich hin, „das meine soll nur einem einzigen gewidmet sein." Und sie hielt im späteren Leben mit furchtbarer Beharrlichkeit ihr Wort.
Lady Dayenant beobachtete an diesem Tage mehrmals mit Erstaunen den heiteren Ausdruck und das wunderbare Licht auf dem schönen Antlitz ihrer Erzieherin — es war das Leuchten eines heiligen edlen Entschlusses.
12. Kapitel.
Das Herrichten der Häuslichkeit, in die er das Weib, das er so innig liebte, als seine Gattin führen wollte, war für Allan Estconrt eine Quelle der Freude und der Zerstreuung. Es zog ihn von allen Grübeleien über seine Sorgen ab und bot ihm eine anregende, angenehme Beschäftigung. Aus verschiedenen Gründen härte er sehr gern in London gelebt, aber die Vorsicht gebot ihm, davon abzusehen, da das Leben dort zu iheuer für ihn war. Wenn er an einem Orte lebte, wo er gekannt war, so mußte er natürlich seinem Range gemäß leben; da er seine Verheirathung aber noch zwei Jahre lang geheim zu halten wünschte, war es für ihn wie auch für seine Gattin angenehmer, sich in einer ganz fremden Umgebung zu befinden.