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Freitag, den 1. Juli 1892
* Der Katholizismus fa Dänemark.
I Politik solle nach den Interessen des Landes, nicht etwa nach Neigungen und Sentiments geleitet werden. Das Blatt fügte dann noch hinzu: „der Regierung muß es überlassen bleiben, ob sie die öffentliche Anschuldigung widerlegen kann und will." Hierauf folgte in der ,Nordd. Allg. Ztg/ eine Entgegnung, worin die Veröffentlichung von Aktenstücken in Aussicht gestellt wird. Wenn es aber zur Veröffentlichung von Aktenstücken kommt, sind alle sonstigen Brücken abgebrochen, der Krieg steht bevor; so ungefähr hat sich Fürst Bismarck früher selbst geäußert. Er mag also aus der nunmehrigen offiziösen Drohung mit Veröffentlichung von Aktenstücken den Schluß zu seinen Beziehungen zur Regierung ziehen die Brücken sind abgebrochen, die Regierung ist bereit' den seit Jahr und Tag gegen sie von dem ehemaligen' Reichskanzler versteckt und heimtückisch geführten Krieg offen aufzunehmen. Ob das in Kissingen verstanden wird! Die Veröffentlichung von Aktenstücken hat in der ,Nordd. Allg. Ztg.' sogar schon begonnen, und Reichskanzler Graf Caprivi läßt durch seinen Kartellträger den Fürsten Bismarck auffordern,
* Der Kaiser wohnt morgen Vormittag mit dem Prinzen Heinrich der Segelregatta des kaiserlichen Nachtklubs im Kreler Hafen bei und tritt Abends an Bord des „Kaiseradler", welche Bezeichnung die kaiserliche Dacht „Hohenzollern" auf Befehl des Kaisers erhalten hat, die Reise nach Norwegen an. — Die Kaiserin übersiedelt am 11. oder 12. Juli vom Neuen Palais nach dem Marmorpalais, wo sie ihrer Entbindung entgegensieht. Die kaiserlichen Prinzen reisen um dieselbe Zeit zu mehrwöchigem Aufenthalte nach Schloß Wil Helmshöhe bei Kassel und begeben sich später auf einige Wochen nach dem Seebade Norderney.
* Die letzten Herzensergüsse des Fürsten Bismarck m Wien und München, seine gehässigen und hämischen Ausfälle gegen Kaiser und Regierung, speziell gegen
grenzende Herabsetzung der leitenden deutschen Staatsmänner und Discreditirung der von diesen geführten auswärtigen Politik dem Auslande gegenüber — so schreibt die .Germania' u. A. — scheinen die Lang- muth der Regierung erschöpft zu haben. Schon gestern Abend brachte die ,Nordd. Allg. Ztg.' einen offiziösen Artikel, der in Form einer Zurechtweisung der ,Nat.- Ztg.' indirekt dem Fürsten Bismarck eine überaus scharfe Verwarnung ertheilte, den Bogen nicht gar zu straff zu spannen. In ihrer Sonntagsnummer brachte nämlich die,Nationalztg.' einen „die Bismarckwoche" überschriebenen Artikel, der in die altgewohnte
Sie würde unbedingt glauben, daß sie ihm an seinem Glücke hinderlich sei und ihr Schicksal darum keinesfalls an das seine ketten. Davon war er so fest überzeugt, als ob ihre eigenen Lippen ihn deßhalb versichert hätten. Er wußte, daß sie sich trotz seiner leidenschaftlichen Liebe, wenn sie die geringste Ahnung von dem hätte, was er um ihretwillen aufgab, vor ihm verbergen und es ihm unmöglich machen würde, je ihre Spur aufzufinden. Damit hatte sie früher schon einmal gedroht. Jedenfalls mußte er ihr also bis nach ihrer Vermählung die Wahrheit verschweigen, dann hatte es seiner Ansicht nach nichts mehr zu sagen, wenn sie den wahren Sachverhalt erfuhr. Trotzdem er fest entschlossen war, ihr also die Wahrheit zu verbergen, wollte er aber seine Lippen dennoch nicht mit einer Lüge besudeln.
„Was soll ich Dir wohl verschweigen, Margarita," fragte er ausweichend. „Ich sage Dir ehrlich die Wahrheit, daß Lord Rylestone seiner Nichte sein Vermögen vermacht hat, und das ist im Grunde genommen nichts besonders Merkwürdiges, da sie die Tochter seiner einzigen Schwester ist. Ich habe gar keine Ursache, mich über seine Handlungsweise zu beklagen, als daß er mir, meiner Ansicht nach, längst offen seine Absicht hätte mitthellen müffen. Hätte er mir die leiseste Andeutung von der Art und Weise, wie er
guten Werke, der achte über einen Ablaßbrief, welcher für ein Lire von einem dänischen Handwerksburschen in Rom gekauft sein sollte, zur Erwiderung eines in der .Nationaltidende' gebrachten Angriffes. (Dieser Preis wird in Rom für das Formular des Bittgesuches bezahlt, welches man sich bei einem beliebigen Buchhändler kaust.) Der neunte und zehnte Borttag widerlegten die protestantische Glaubensregel, „die Schrift allein." Der elfte bewies, daß man die Sicherheit des Seelenheiles nur in der katholischen Kirche finden kann.
Auch in Dänemark wurde, wie wohl in allen pro» testantischen Städten und Ländern, die katholische Religion seiner Zeit gewaltsam unterdrückt, und dem Volke ebenso gewaltsam der Protestantismus aufgedrängt. Auch in Dänemark sind in den letzten Jahrzehnten die alten, künstlich genährten Leidenschaften erloschen und haben einer ruhigen, oft sogar freundlichen Stimmung gegen den Katholizismus Platz gemacht. Derfelbe Umschwung ist ja bekanntlich auch in England, Holland, Schweden u. s. w. eingetreten. Während in dem lutherischen Schweden der Uebertritt zum Katholizismus noch vor wenigen Jahren mit Todesstrafe belegt war, erfreut sich nun die katholische Kirche daselbst großer Freiheit. Ebenso ist es in Dänemark. Schon im vorigen Jahre hielt der ftanzösische Kanzelredner Dominikanerpater Lange Aufsehen erregende Vorträge in Kopenhagen. Besonders zahlreich strömten Protestanten aus den höheren Ständen ihm zu. Auch in diesem Jahre riefen seine Kanzelvorträge eine gewaltige Bewegung hsrvor. Seine Fastenpredigten waren auch jetzt wieder vielfach von Protestanten besucht, und als der Pater schließlich im Kasino einen Vortrag über „Christenthum und Civilisation" hielt, wohnten nicht nur die Spitzen des protestantischen Adels und der ebenfalls protestan- üschen Bürgerschaft dem Vortrage bei, sondern auch , der Kultusminister und der kommandirende General, j Zu seinen Fastenpredigten hatte sich der Pater diesmal ganz direkt die Stteitpunkte zwischen dem Katholizismus und dem Protestanttsmus zum Gegenstand gewählt. | Die protestantischen Prediger waren ganz in Aufregung. Zuerst hatten dieselben eine scharfe Zeitungspolem'ik gegen chn angefangen und zwar in einer der größten Zeitungen .Nationaltidende' auf die ungebührliche I Missionspraxis des „jesuitischen" Paters aufmerksam gemacht. Der Pater beleuchtete seine Handlungsweise in dem nämlichen Blatte so, daß der betr. Prediger den Kürzeren zog. Die radikale, freidenkerische und sozia- listische Presse war auf der Seite des Paters. Der Pater wies darauf hin: das Prinzip des Protestantismus sei ja freie Forschung. Heber diese Prinzipien- frage entspann sich nun eine lange Diskussion zwischen dem Dominikanerpater und dem Professor der Universität, Petersen, in der „Nationaltidende." Radikale Blätter pflegen die spaltenlangen, ftanzösischen Artikel des Paters für ihre dänischen Leser zu übersetzen. Da .Nationaltidende' das Hoforgan ist und überhaupt in gebildeten Kreisen ihre Leser hat, bringt dieselbe nur den französischen Text. Das war eine gewaltige Reklame für den Pater, dessen Photographie in Tausenden von Exemplaren verbreitet wurde. So war auch die St. Ansgar - Kirche überfüllt, lange bevor er seine Konferenz am 6. März anfing. Sein erster Vortrag handelte über die Unveränderlichkeit der Kirche, der zweite über die Heiligkeit der Kirche, der dritte über | den Ablaß, der vierte über die Geschichte der Ablässe, der fünfte über die Intoleranz, die Inquisition und das Axiom: „Außerhalb der Kirche kein Heil", der I
über sein Geld verfügen wollte, gemacht, so wäre ich ja auf diesen Schlag vorbereitet gewesen."
„Es ist allerdings sehr grausam. Was sind nun aber Deine Zukunftspläne?"
„Ich komme eben, um sie mit Dir zu besprechen, denn wir haben jetzt im Leben ein und dasselbe Interesse; Du mußt mir nun rathen."
Sie lächelte bei dem Gedanken, daß sie, die arme Erzieherin, ihm, dem vornehmen Weltmanne, Rath er« theilen sollte.
»Ich kann unter keinen Umständen Walton selbst bewohnen, ich muß es also zuschließen oder verpachten und beabsichtige eigentlich das Letztere. So groß der Schmerz und die Demüthigung, die mir aus dieser Handlungsweise erwachsen müssen, auch sein mögen, so bringt sie mir doch sichtliche Vortheile."
„Es ist entsetzlich hart für Dich, daß Du dazu gezwungen bist," sagte sie, „nachdem Du Dein Leben lang an den Gedanken, einst dort zu leben, gewöhnt warst."
„Ich bedarf keines FürstenschloffeS, keiner reich galonnten Dienerschaar, keiner Juwelen und kostbaren Gewänder — ich bedarf nur Deiner Liebe!"
„So darf ich also hoffen, daß Du mich, da ich arm 6m, nicht weniger liebst?" fragte er.
Das mchängnißvolle Testament.
Nach dem Englischen von H. v. Remagen.
(24. Fortsetzung.)
„WaS veranlaßte den seligen Lord eigentlich zu dieser Handlungsweise?" fragte Margarita. „Wenn er Dlch stets in der Hoffnung hielt, daß Du sein Unitier« ial - Erbe werden solltest, warum vermachte er dann schließlich das Vermögen doch einem Andern?"
„Wahrscheinlich war er der Ansicht, daß seine Richte die nächsten Ansprüche darauf hätte," versetzte er; seine Stimme und seine Weise drückten bei diesen Worten aber eine gewisse Rückhaltung aus, ihnen fehlte die gewohnte Offenheit und Treuherzigkeit.
„Ist das, was Du mir sagst, auch wirklich die volle Wahrheit, Allan," sagte sie, „und verschweigst Du mir sicher Nichts?" 9
Die Frage setzte ihn in Erstaunen, sie blickte ihn dabei so bittmd an.
. "P.> sage mir Alles," flehte sie, „und verschweige mir keine Silbe!"
? ch^ Frage beantwortete, dachte er einen Augenblick nach. Seiner festen Heberzeugung nach würde Margarita me ernwilligen, sein Weib zu werden, wenn iie die im Testamente enthaltenen Bedigungen kannte.
Die protestantischen Prediger engagirten einen der Tüchtigsten aus ihrer Mitte, Henry Hs sing, um in der Garnisonskirche, welche St. Ansgar nahe gelegen ist, jeden Dienstag Gegenvorträge gegen P. Lange zu halten und forderten von sämmtlichen Kanzeln zum Besuche dieser Vorträge auf. Am 15. März hielt I Ussing, der einige Tage zuvor dem Pater einen zweistündigen Besuch abgestattet hatte, die erste Rede m gemäßigtem Tone: er wolle das Gute an der katho- s°wie die schlechten Seiten der prote- , ullu ™u gegen
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änderlichkeit der Kirche zu entkräften. Die Garnisonskirche war mit Zuhörern überfüllt; fast sämmtliche Prediger hatten sich daselbst eingefunden. Am 13. April schloß Hssing seine Gegenvorttäge mit einem fast zweistündigen Vortrag über Luther, den er mit Saulus
| verglich und über das Schriftprinzip, meinte jedoch, ! man könne auch ein Glaubensleben in der katholischen Kirche führen. Er schloß mit einem Gebete für die katholische Kirche und meinte, diejenigen, welche katho- । lisch werden wollen — er sehe zwar keinen Grund
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$““^Wtmnel! Beräucherung des Altreichskanzlers auslief und speziell . NachAbschlußsemersturkesuchten Fastenkonferenzen zu den angeblichen Amßerungen des Fürsten über unser in St. Ansgar hielt der berühmte, ftanzösische Kanzel- Berhältniß zu Rußland meinte, dttse Bemerkungen redne^ der Dominikanerpater H. Lange, eingeladen seien unzweifelhaft eine Mahnung zur Wachsamkeit für 8°nl9m',rftmtbQ; beS Kopenhagener Sprachvereins und die öffentliche Meinung, denn die auswärtige der Alliance Fransaise eine anderthalbstündige Kon- 1 =-*<- - - 9 «- - - * 1 .l9e
ferenz im Casino über die Civilisation und das Christenthum. Der geräumige Saal war ganz mit festlich gekleideten Damen und Herren gefüllt. Zugegen waren Se. bischöflichen Gnaden, der apostolische Vikar Msgr.
I. von Euch, der Pfarrer von St. Ansgar, I. Braun, der kommandirende General der Kopenhagener Garnison, Se. Excellenz Tvermoes mit seiner ganzen Familie, der österreichische Gesandte Baron von Trautten- berg mit Familie, die russische Gesandtschaft Graf und Gräfin von Türkheim, der französische Militärattache de Villaire, mehrere Prediger, Se. Excellenz der Kultusminister, sowie sein Vorgänger im Amte mit Familie, mehrere Professoren der Kopenhagener Universität, die Spitzen des Adels und der vornehmen Bourgoisie u. s. w. Vor dieser auserlesenen Versammlung hielt der Pater seinen Vortrag. Er wies schlagend nach, wie die Geschichte der Civilisation die Geschichte des Christenthums sei. In moralischer, intellektueller allein^ ^ber I Äolische^KttcheÄÄett^civttifirtt'^Rauschende^s
En^der^siebente^ber die Rechtfertigung und die | Beifallsklatschen dankte dem beredten Dominikaner nach
Lierteljährlicher^A^b o^nn'e^m eritäp rUen^^oeb^aSrt^qerTo^^m^ne^ mit Zeile oder derm Raum 15 Ps„ bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
_________ P 9 e Bringerlohn und Bestellgeld mit der bellerristiicheu Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen- in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
________________________ 19. Jahrgang
ildoekWZkMg
dem Schluffe seiner unter lautloser Spannung gehörten Konferenz.
Deutsches Keich.
Berlin, 29. Juni.