1
semiten, welche dem Fürsten den Schmerz zufügten, ihn gleichzeitig mit Schönerer hochleben zu lasten und „Nieder mit den Juden!" zu rufen. Eine weitere Unannehmlichkeit bereitete ihm ein Schloster, welcher em Packet mit Akten auf ihn warf, angeblich, weil der Fürst ihn geschäftlich schlecht behandelt hatte. Die Theilnehmer an den Kundgebungen und dem Lärm waren meist rugend- liche Personen, vielfach Studenten, welche wenig geschichtliche Schulung und patriotische Empfindung bekundeten, wenn sie Denjenigen, der jahrzehntelang der grimmigste Feind Oesterreichs war, als den Baumeister des Deutschen Reiches hochleben ließen, den Mann, welcher die Hauptschuld an der administrativen Schwächung der Monarchie durch den österreich-ungarischen Dualismus trägt, der durch seine Bemühungen um Rußlands Freundschaft, als er noch in der Macht war, Oesterreich sicherlich kein Gefühl der Sicherheit und des blinden Zutrauens eingeflößt hat. Doch das kümmert die blinde Menge nicht. Hebet Wien hat Fürst Bismarck sich sehr schmeichelhaft ausgelassen; will er etwa Berlin neidisch machen mit der Ankündigung, er werde bald wiederkommen? Vielleicht wird dort einmal ein Posten für den Grafen Herbert frei, und dafür mußte allerdings der Boden beackert werden. In Oesterreich ist ja fchon Manches möglich gewesen. Gegen die dem Fürsten Bismarck in München bereitete Ovationen protestirt das dortige „Fremdenblatt" zwmlich scharf. Die Centrumspresse tritt überhaupt den Maßlosigkeiten einiger liberaler Blätter entgegen, welche das ^aht1886 in Erinnerung brachten und Bismarck als den »bitter Bayerns" preisen, weil er eine Annexion der fränkischen Provinzen und den Verlust der Selbstständigkeit Bayerns verhindert habe. Die katholischen Blätter weisen darauf bin, daß Fürst Bismarck im Frieden zu Nikolsburg nicht aus Liebe zu Bayern die bayerischen Interessen geschont habe, sondern lediglich in der realpolitischen Erwägung, daß er zur Durchführung der Reichs- und Kaiser-Idee und zu dem damals bereits ttt der Lust liegenden EntscheidungSkampfe mit Frankreich Bayerns und Süddeutschlands Unterstützung nicht entbehren konnte.
* Die Kommission für Arbriterstatistik hat bei Anfstellung ihrer Geschäftsordnung u. A. befchlossen, daß den zu den Sitzungen der Kommifsion zuzuziehenden Arbeitgebern und Arbeitern nur berathende Stimme zustehe, also nicht auch das Recht der selbstständigen Äinragstellung. Die Erhebungen betreffs der Arbeitszeit im Bäckerei- und Konditoreigewerbe finden durch Fragebogen statt, deren Inhalt die Kommission em-
in Eiterfeld. _ ...
* Am Nachmittag des gestrigen Sonntags fererte die MarianischejBruderschast wie alljährlich ihr Titular- fest in der Klosterkirche auf dem Frauenberge. Die Festpredigt hielt der hochw. Herr Pater Custos. An die Predigt fchloß sich unter sehr zahlreicher Bethelst- qunq der Mitglieder der feierliche Umgang um die Klosterkirche. Nach dieser Feier wurde die Wahl emes neuen Sekretärs vorgenommen, als welcher an Stelle des Herrn Gymnasialpedellen Hirschfelder Herr Heinrich Schmidt aus Gläserzell als Gewählter vervorgmg. Die Bruderschaft zählt gegenwärtig 269 Mitglieder.
E Durch Erlaß vom 4. d. M. hat der Herr Kul-
* Bei der hiesigen Stadtbehörde sind bis jetzt 949 Anschlüße an die Wasserleitung angemeldet, während man ursprünglich nur auf etwa 500 Anschlüsse gerechnet hatte; ein Beweis, wie sehr diese neue Einrichtung den Wünschen der Bewohnerschaft Fuldas entspricht.
* DaS Personal unserer Aktiendruckerel benutzte den gestrigen arbeitsfreien Tag (Sonntag) zur alliähr- lich wiederkehrenden Feier des sogen Johannlsfestes (Namenstag des Altmeisters der Buchdruckerkunst Johannes Gutenberg). Dieselbe bestand diesmal ln.emer Rhönpartie nach der Milseburg und Schloß Bieber- stein, an welcher sich auch die nächsten Familienangehörigen betheiligten. Bel der kurz nach 8 Uhr erfolgten
wie Eltern, zur Genüge, daß es der Herr Minister mit der neuerdings eingeschärften Strenge gegen das Verbindungs-Unwesen sehr ernst zu nehmen
schien ktar, die Vögel sangen, als wollten siemit» einander in der Schönheit und Länge ihrer Lieder wetteifern, die wilden Rosen blühten m den grünen Hecken, der wilde Thymian blickte neugierig aus dem Grase hervor, das ftischgemähte Heu lag duftend aus den Wiesen, die Kastanienbäume standen m vollster BlÜthenpracht und Thauperlen schmückten Strauch und Rasen. Er sah sie bereits an dem kleinen Gitter, daS in den Wald führte, harrend stehen, die Sonne beschien ihr schönes Antlitz und übergoß die glanzenden Wellen ihres dunklen Haares mit goldenem Lichte.
„Mein Liebling!" rief er, als er ihre Hande gefaßt.
Sie schwieg, ihr Glück war zu groß für Worte.
Ihre Hände ruhten unbeweglich in den semen, die sie innig umschlossen, während er ihr Worte des Willkommens zuflusterte. Plötzlich blickte er sich um.
Denkst Du woht daran, Margarita, sprach er lächelnd, „daß es heute das erste Mal ist, wo wir tm Sonnenschein auf thauigem Rafin unter bunten Blumen allein find? Bisher haben wir uns nur bei Kalte und Schnee gesehen." ..
Ich bin es mir wohl bewußt,' erwiderte sie.
Mit einem fröhlichen Lachen warf er fern Haupt
gehend erörtert.
* Zum Präsidenten des Reichs-Patentamts wurde Geh. Rath v. Könen ernannt. ,
* Dortmund, 25. Juni. „Es ist unglaublich — schreibt die .Tremonia' — „was die nationalliberalen Blätter aus Anlaß der Affaire FuSangel znsammen- lügen. Das gestrige Abendblatt der ,Köln. Ztg.' enthält folgende Korrespondenz: „Ultramontane Gesinnungsgenossen des Herrn Fusangel aus Bochum und Dortmund, mit ihnen der Redakteur der ,Tremonra, Herr Lensing, haben neulich den Versuch gemacht, den Freiherrn v. Schor l em er bei seiner letzten Anwesenheit in Münster zur Theilnahme an der Kundgebung für Fusangel zu gewinnen. Herr v.Schorlemer wies aber dieses Ansinnen weit von sich. Er könne, so führte er aus nicht für einen Mann eintreten, der Jahre lang in schmachvoller Weise Kaiser und Reich beschimpft habe und die Centrumspartei dürfe sich nicht mit entern Menschen identifiziren, der die kirchlichen Behörden Bay-rns und das bayerische Centrum mit Schmutz beworfen habe. Diefe bündige Antwort foll die Herren nicht wenig verblüfft haben." — Selbstverständlich ist die ganze Miltheilung von A bis Z erfunden."
aufgegangen; dorthin konnte er ihr, so oft er irgend wollte, schreiben; denn er war sicher, daß Niemand ihre Korrespondenz überwachte. Er besuchte sie aber nicht, da sie ihm daS Versprechen abgenommen hatte, nicht eher zu kommen, bis das Kind ganz wiederher- aestellt sei. Margarita blieb während des März und April am Strande und fühlte sich unaussprechlich glücklich durch Allans Liebe.
Das Ende des Mai war herangekommen, als der Arzt endlich einwilligte, die kleine Maud nach Hause zurückkehren zu lassen, und selbst da beschloß Margarita, noch eine kurze Zeit — wenn auch nur acht bis vierzehn Tage — mit ihrem Abgang, zu warten, weil sie fürchtete, daß das Kind den Abschied von ihr noch nicht ertragen könnte.
Allan wurde allmählig aber sehr ungeduldig. Zu Weihnachten hatten sie sich verlobt, und nun war es bereits Juni. Er schrieb ihr am zehnten Juni und theilte ihr mit, daß er ihr nur höchstens eine Woche Bedenkzeit geben könne, bis dahin müsse sie Lady Dayenant unbedingt von ihrer Absicht unterrichtet haben. Sein Brief enthielt eine genaue Darlegung aller seiner Zukunstspläne; er sagte ihr, daß sie sich bei Mrs. Ferguson aufhalten foüte, und daß er sie von dort aus heimzuführen beabsichtige.
9. och ehe ihn aber die Antwort erreichte, war Lord Rylestone erkrankt, gestorben und begraben, und diesen
findet, wie man uns von dort mittheilt, Abends zu Ehren Sr. Bischöflichen Gnaden im großen Saale deS Palais-Restaurant ein Festmahl statt, wozu die Spitzen der Behörden geladen sind und an welchem sich im Ganzen etwa 200—300 Personen betheiligen werden.
* Mit dem 1. Juli ist Herr Kaplan Golbach, seither Kaplan in Hattenhof, nach Eiterfeld vnsetzt; an seine Stelle kommt Herr Kaplan Lecher, seither
nehmet, welcher sich in seinen Mußestunden mit Brief- taubenzucht beschäftigt, drei junge Tauben zum ersten Male auffliegen. Statt nach Fulda zuruckzukehren, schlugen sie die entgegengesetzte Richtung em, bis sie über den um Hilders liegenden Rhönkuppen dem Auge entschwanden. Wie uns jedoch.heute früh mitgetheilt wurde, hatten sich zwei der gefiederten Probekandlda- tinnen um 9 V» Uhr auf dem heimatlichen Dache wieder einaefunden, während die dritte erst tn den Nachmittagsstunden dortselbst bemerkt wurde. Letztere hatte wahrscheinlich das allmählige Verschwinden des Nebels ab- gewartet, um sich in den höheren Regionen besser orientiren zu können. Dem Frühschoppen rm Nudlmg - schen Gasthause, welcher durch einige Freunde der Gesellschaft mit hübschen Musikvorträgen gewürzt wurde, olate der Aufstieg zur Milfeburg, während mittlerweile im genannten Gasthause daS gemeinschaftliche Mittagessen vorbereitet wurde. Während desselben brachte der ankommende Bahnzug die ebenfalls auf der Fahrt nach der Milseburg begriffene Turngemeinde Fulda, so daß es anfing, an Raum zu mangeln Doch bald änderte sich die trotzdem ganz gemuthliche Situation, indem man nach entgegengesetzter Richtung das Ziel deS Ausflugs weiter verfolgte, um sich des Abends 8 i Uhr in dem stark besetzten Zuge auf Bahnhof Bieber- i stein zur gemeinsamen Heimfahrt wieder zusammenzu- I finden Bei der Ankunft am Bahnhof Fulda konnte man sehr rasch die Heberzeugung gewinnen daß die Ausflügler Dank der unerwartet großen Gunst des
Ausland.
* DK radikal-demokratische Partei der schweizerischen Bundesversammlung hat folgendes neue Programm angenommen: Vereinheitlichung des Straf- und Cwil- rechtes, Verstaatlichung des Eifenbahnwefens, Ausbau des Berstcherungswesens durch den Staat, Errichtung einer Bundesbank mit Notenmonopol, Zündhölzer- und Tabakmonopol, Ausbau der Arbeiterschutzgesetzgebung fowie Wiederaufnahme der Bemühungen um eine internationale Fabrikgesetzgebung.
* Der österreichische Valutaausschuß hat die Ablehnung der Nickelprägung beschlossen und die Verhandlungen bei § 11 wieder eröffnet.
* Die französisch-italienische Liga m Toulon hat die Initiative zu einem großen gegen die Tripelallianz gerichteten Protestmeeting ergriffen, welches Ende dieses Monats stattfinden soll. Verschiedene italienische und französische Deputirte haben bereits Einladungen erhalten. — „Der arme Dreibund!"
“A«« »»er. bi- ««--»!- iE-pMrm w-A
derLandeSvertheidigung dadurch drohen, daß d Ausicktteßunq bestrafter Primaner an keiner höheren
nationale Navigations-Kongreß, J fiäfen Schule der Monarchie wieder ausgenommen werden darf,
f»«. »ach «■»•«* - D,1° M-ir-A b-w°ist d-n MtMigt-», Schül-r»
nehmern des Navigations-Kongresses 53 Deutsche, 10 Oesterreicher und 5 Italiener befinden. — Man wird hoffentlich über diese Interpellation zur Tagesordnung
ubergehen.n^a, 3uni- Der König Humbert und die Königin Margherita sind heute früh 8 Uhr 23 Minuten, begleitet von dem Minister des Auswärtigen Brin und dem Gefolge hier wieder eingetroffen. ‘Sie wurden am Bahnhofe von dem Präfekten von Mailand, den Spitzen der Civil- und Militär - Behörden, sowie von hervorragenden Persönlichkeiten der Stadt empfangen und von einer zahlreichen Menschenmenge begrüßt. Der Weg vom Bahnhose zum königlichen Schloß, sowie die Stadt waren beflaggt.
* Die schwedische Regierung hat durch besonderen
Beschluß ihre Generalpostverwaltung ermächtigt, mit i 0 V ^^bo^Milfebura M einer'bet Theil- der deutschen Reichspostverwaltung eme Hebereinkunft | Ankunft Rries-
darüber zu treffen, daß bei der Versendung von gewöhnlichen Packeten zwischen Schweden und Deutschland vom 1. Juli d. I. ab der Maximalbetrag von Postvorschüssm auf eine Postvorschußabgabe aus 360 Kronen oder 400 Reichsmark erhöht wird.
* Gegenüber der Behauptung russischer Blatter, die Werbung des Fürsten Ferdinand von Bulgarien um die Hand einer englischen Prinzessin sei kläglich gescheitert führt die Berliner ,Kreuzzeitung' an, der Zar selbst habe sich in England einen Korb für seinen Erden geholt, weil die Mutter der erstrebten Braut und diese selbst von einem Glaubenswechsel nichts wissen wollten.
* Der Wahlaufruf Gladstone's an seme Wähler in Midlothian ist vorgestern erschienen. Derselbe bezeichnet als die wichtigste Frage, die es zu entscheiden gut, die irländische Frage und enthält u. A. folgende Punkte. Berbefserung der Lage der Arbeiter durch Herabminderung der Arbeitsstunden und Verbefferung der Lage
Fuße. Statt daß er seine schöne Margarita nun als Herrin nach Waltoncourt führen und dort mit allem Luxus, den Geld zu verfchaffen im Stande ist, über» | schütten konnte, war er ein armer Mann, der den Gedanken, auf seiner Besitzung zu leben, ganz ausgeben mußte. Ja, er mußte sich sogar sagen, daß seine Mittel ihm gar nicht erlaubten, zu heirathen, und daß er ein Anrecht beging, wenn er es that; denn bet der äußersten Einschränkung war es mit seiner jetzigen Einnahme kaum möglich, vor dem Ablauf mehrerer Jahre feine Schulden zu tilgen. , , ..
Nach langem, reiflichem Heberlegen beschloß er, sie um eine Zusammenkunft zu bitten, er konnte ihr dann mündlich das Geschehene viel leichter als schriftlich mit» theilen. Er jagte sich, daß er ihr in einer Stunde des Beisammenseins unendlich viel mehr auseinander setzen könnte, als in hundert Briefen, und schrieb ihr also, daß er ihr etwas sehr Wichtiges mitzutheilen habe. Da sie ihr Geheimniß noch vor Lady Dayenant zu bewahren wünschte, schien es ihm nicht gerathen, nach der Lastonabtei zu kommen; er wollte sich also nach dem Städtchen Loston begeben und dachte, sie, wenn sie am dreißigsten Juni Morgens dort int Walde spazieren ginge, zu treffen und ihr den ganzen Sachverhalt bar» ^Es war ein Heller, schöner Morgen, unb die Uhr hatte noch nicht sechs geschlagen, als er sich auf den «n.___2 sm-,1h» nnn 9 iftnn mncküe. Die Sonne
®UIUSn diesem Augenblicke sah man ihm durchaus nicht an daß er ein ruinirter Mann sein könnte. Sie hatt ihn nie heiterer und hoffnungsvoller gesehen.
(Fortsetzung folg:.)___
der Bergarbeiter. „ ,
* Das englische Oberhaus hat die irische Unter» richtsbill in dritter Lesung angenommen.
Stadt, ProvW Md Uachbargebiet.
Fulda, 27. Juni.
* Hebermorgen, am Feste Peter und Paul, tmtb unser Hochwürdigster Herr Bischof in der katholischen Kirche unserer Provinzialhauptstadt Kassel baS heil. Sakrament der Firnmng spenden. Aus oiesem Anlaß