Einzelbild herunterladen
 

’W 142

Freitag, den 24. Juni 1892.

Fuldaer

Deutsches Keich.

' ■■■ k

[ an das Abgeordnetenhaus gehen. - Nächste Sitzung | Morgen. 9

* Die konservative Fraktion des Herrenhauses hat sich mit überwiegender Mehrheit für Abänderung des deutsch-konservativen Programms ausgesprochen, während ! in einer in Königsberg stattgefundenen Versammlung konservativer Delegirter und Vertrauensmänner die Mehrheit der Anwesenden der Meinung Ausdruck gab, daß zu einer solchen Aenderung eine Veranlassung nicht vorliege und die Aenderung speziell für Ostpreußen nur schädlich wirken könne.

* Geheimrath Professor v. Helmholtz bat an die französische Akademie der Wissenschaften anläßlich seiner Wahl zum auswärtigen Mitgliede derselben ein Dank­schreiben gerichtet, in welchem er betont, die Wahl sei für ihn eine Anerkennung seiner Bestrebungen, das Wohlwollen und die hohe Unparteilichkeit der Akade­mie hätten ihn tief bewegt.

* Die deutsche überseeische Auswanderung über deusche Häfen, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam betrug im Mai d. Js. 17,455 Personen, gegen 13,875 im Mai v. Js. Aus deutschen Häfen wurden außer 14,416 Deutschen noch 26,859 fremdländische Aus­wanderer befördert.

Dem soeben zur Ausgabe gelangten Korrespon­denzblatt der Akademischen Bonifatins-Bereine ent­nehmen wir Folgendes von allgemeinem Interesse. Der General-Vorstand des Bonifatius-Vereins hat bekanntlich feinen Sitz in Paderborn. In 32 Universitäts­und Bischofs-Städten Deutschlands und Oesterreichs bestehen akademische Bonifatius-Vereine, von diesen stehen 26 Vereine in engerem Verbände der sogen. „Einigung." Neu hinzugetreten ist im verflossenen Veremsjahre ein Verein für „Studirende Berliner Hochschulen." In Anregung wurde die Bildung eines Lokalvereins gebracht in Hannover, Karlsruhe, Wien und andere, leider bisher ohne Erfolg. Geradezu be­trübend aber ist der Bescheid, den die katholische Studentenverbindung „Aenania" zu München dem Vororte machen mußte. Derselbe lautet dahin, daß „alle Bemühungen in früheren Jahren um Errichtung eines Bonifatius-Vereins an dortiger Universität an dem Mangel jeglichen Entgegenkommens Seitens der akademischen Behörden gescheitert sind, und daß der Fortschritt derartiger, an einer eigentlich katholischen Universität unbegreiflichen Verhältnisse für unabsehbare Zeit jeden weiteren Versuch zum Vor­aus illusorisch machen muß." Im Uebrigen ist das Interesse ein reges und wachsendes. An mehreren Orten haben die Hochwürdigsten Herren Bischöfe an den Versammlungen Theil genommen, die schöne Sache gelobt und zu neuem Eifer angespornt. Der Mit­gliederzahl nach rangirt an erster Stelle Freiburg im Breisgau mit 267 ordentlichen Mitgliedern, an letzter Stelle Hildesheim mit 6 ordentlichen Mitgliedern. An Beiträgen zahlte die meisten Trier mit 630 M. und die wenigsten Hildesheim mit 37 M. Die Gesammt- zahl der ordentlichen Mitglieder aller Vereine (von einigen steht der Bericht noch aus) betrug 2077, außer­ordentliche 720 und Ehrenmitglieder 157. Die Gesammt- summe der Beiträge betrug 6544 M. 82 Pf. Zwei

liebte, vermag ich nicht zu sagen, da kein Wort es ge- I "irgend ausdrückt. Jetzt habe ich noch einen Bruder, Namens John, weit im fernen Indien. Auch ihn liebe ich, aber sonst kein lebendes Wesen."

„Desto besser für mich."

„AberSie verstehen mich nicht recht — ich fürchte mich vor meiner eigenen Kraft, zu lieben. Bedenken Sie wohl, daß meiner südlichen Natur auch die südliche Gluth und Ausdauer der Liebe anhaftet."

„Desto besser für mich," wiederholte er.

„Die Liebe würde für mich nicht ein bloßer Zeit­vertreib sein, wie es bei Bielen der Fall ist," sagte sie, „sie wird zur» Axe meines Lebens werden, alle meine Gedanken und Träume erfüllen, und ich werde ihr alles Andere opfern, sie wird mir Alles in Allem sein."

„Das ist die Weise, wie alle edlen Frauen lieben, Margarita," sagte er freundlich.

„Sie haben so viel zu bieten," fuhr sie fort, „Sie haben Rang und Reichthum, oder werden es wenigstens später haben. Ich besitze nichts, als mein Herz nnd meine Liebe, und mit Ihnen würde ich mein Leben hmgeben; wie nun, wenn mein Herz sich täuschen würde, was bliebe mir übrig ? Nichts als Tod und Verzweiflung."

»Du wirst aber nie getäuscht werden, Margarita,

* Bei dem gestrigen Galadiner zu Ehren des ita­lienischen Kömgspaares im Neuen Palais zu Potsdam brachte der K a i s e r folgenden Trinkspruch aus:

„Der Besuch Eurer Majestäten hat Meine Frau und Mich nicht nur mit hoher Freude erfüllt, sondern mit Uns freut sich Mern gejammtes Volk. Daß Eure Majestäten die Gnade hatten von Ihrem schönen Baterlande her die weite Reise nicht zu scheuen, um Uns hier aufzusuchen, beglückt Uns und ruft Uns zum Dank auf. Nicht unbekannt ist Euren Majestäten die Halle

« ®teJler Schon einmal war es diesem Hause ver- « Eure Maiestäten hier zu sehen, als Sie Meinem unver- geßlichen Herrn Vater die freundliche Pflicht erfüllten, bei der Taufe Meiner jüngsten Schwester, und als seine jetzt schon sagen­umwobene Gestalt in der vollsten Fülle seiner Schönheit und Kraft ^hnen entgegenleuchtete - dieser selben jungen Prinzeß, deren Verlobung am heutigen Tage gerade bei der Anwesenheit ihrer hohen Pathen zu verkünden Mir eine besondere Freude ist. Ge­schwunden ist jener Held, geblieben jedoch sind die innigen Be- ^hungen der brüderlichsten Freundschaft und Anhänglichkeit zwischen Unseren beiden Häusern und Uns Beiden. Der Fubel ! der Bevölkerung, der Euren Majestäten entgegenschlägt und der morgen aus dem Munde Meiner Berliner Ihnen entgegenschla­gen wird, wird es bezeugen, wie dankbar das gesammte deutsche Volkes anerkennt, daß Italiens Majestäten sich hier eingefunden haben Die blonde Schwester Germania begrüßt ihre schöne Schwester Italia und durch Meinen Mund begrüßt sie die beiden ^^stäten. Mein Glas gilt Ihrer Gesundheit und dem Wunsche daß es Ihnen wohlergehen möge und daß der Segen Gottes au Ihnen und Ihrem schönen Lande ruhen möge, welches so vielen Meiner Unterthanen nnd Meiner Kameraden zu besonderer Freude wird, wenn es sie gastlich aufnimmt." Mit einem Hoch auf den ®önt9Jnb die Königin in italienischer Sprache schloß der Kaiser.

(Wir berichten nach dem Vorgang der ,@etmania' uni) anderen katholischen Blättern über die Empfanas- feierlichkeiten rein objektiv und enthalten uns dabei aus naheliegendem Grunde jeder Kritik. D R)

* Der italienische Minister des Auswärtigen, Brin, stattete gestern dem Reichskanzler, Grafen Caprivi einen nahezu einstündigen Besuch ab, den später Graf Caprivi m Potsdam erwiderte. Heute fand beim - brutschen Reichskanzler zu Ehren des Ministers Brin eine Fruhstückstafel statt, an der auch der Staats- sekretar des Auswärtigen, Frhr. v. Marschall, der deutsche Botschafter in London, Graf Hatzfeldt Mi­nisterpräsident Graf Eulenburg, die Gesandten deutscher Staaten rc. theilnahmen.

I .. * Vor einigen Tagen ging eine Meldung durch baß der Kaiser von Oesterreich zu den ! russischen Hofjagden eingeladen werden würde. Welcher I Spaßvogel sich dies ausgedacht, ist nicht zu ermitteln gewesen. Jedenfalls ist die Nachricht völlig unbeqrün- °et. da m der hiesigen russischen Botschaft von einer solchen Einladung auch nicht das Mindeste bekannt ist

Das Herrenhaus Grieth das Gesetz über die Kleinbahnen. Die Kommission hat die vom Abgeord­netenhause aufgenommenen Bestimmungen beseitigt wonach der Staat die Kleinbahnen nicht selbst übernehmen kann, sobald sich der Unternehmer dem Elseubahngesetz von 1838 unterworfen hat, wonach die ange setzten Beförderungsreise gleichmäßig für alle Personen und Güter Anwendung zu finden haben. Auf Antrag Graß wurde die letztere Bestimmung bei- behallen mit der Modifikation, daß Ermäßigungen der Beforderungspreise, welche nicht unter gleichen Be­dingungen Jedermann zu Gute kommen, unzulässig ™'°rreit Übrigen wurde nach der Kommission beschlossen. Die Vorlage muß somit noch einmal

leiseste Hoffnung gäbest, daß auch Dein Herz mir einst gehören wird." 1

_. ."Aber, Mr. Estcourt, wie heftig, wie stürmisch sind Sie! Sie haben mich zweimal gesehen und wollen mich nun schon zu Ihrem Weibe machen?"

„Heute ist es bereits das dritte Mal, daß ich Dich sehe, Margarita, und ich habe Dir schon einmal gesagt, daß die Liebe keine Zeitrechnung hat, sie zählt nicht nach Tagen und Stunden."

Sie sah ihn immer noch voller Erstaunen an.

„Ueberdies wissen Sie gar nichts weiter von mir," sagte sie, „vielleicht bin ich Ihrer Liebe ganz unwerth."

„Nimmermehr, Theuerste. Einen so großen Miß­griff macht die Natur nicht; sie hat in Deinen Zügen Reinheit, Herzensgute und Seelenadel ausgeprägt, und ich habe ihre Unterschrift deutlich daraus gelesen." . „Aber ich habe viele und große Fehler,'" sagte das junge Mädchen.

„Und dennoch liebe ich Dich und werde um Deinet­willen auch Deine Fehler lieb gewinnen, Margarita. Hast Du mir kein Liebeswort zu sagen?"

„Ich fürchte mich fast," erwiderte sie zögernd.

„ Und vor wem fürchtestDu Dich, Theuerste ?" fragte er.

„Vor mir selbst. Ich habe seit dem Tode meiner Mutter feinen Menschen mehr geliebt; und wie ich sie

Das verhängnisvolle Testament.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(19. Fortsetzung.)

„Margarita nun ja, der paßt zu Ihnen. Es ist em stolzer, würdevoller Name. Margarita! Du müßtest m Venedig auf hohem Balkone stehen, und der Mond, der auf das Wasser herniederstrahlt, müßte diese Krone von dunklem Haar beleuchten. Margarita! Es ist dies kein englischer Name."

„Ich ererbte ihn von einer meiner spanischen Ahn­frauen," erklärte sie.

„Darüber wundere ich mich nicht weiter. Ich sagte mir immer, daß Dir etwas von dem Feuer und der Poesie des Südens inne wohnte. Glaubst Du, Mar­garita^ daß ich Dich liebe?"

„Ich bin nahe daran, es zu glauben," versetzte sie.

„Und willst Du meine Liebe erwidern und mein Weib werden?"

selbst im bleichen, grauen Dämmerschein des ratten Winterabends, wie sie erbleichte.

lick, r Ist Ihre Liebe für mich denn wirk-

"ch so groß?" fragte sie. ,

sie ist's! Ich glaube, ich würde halb wahn- Ilnmg vor Freude fein, wenn Du mir heute nur die

Berlin, 22. Juni.

* Der Kaiser begab sich heute früh mit dem Kontge von Italien von Potsdam nach Jüterbog, um Schießübungen be,zuwohnen; hier wurde auch in einem «Ate das Frühstück eingenommen; Die Tafel umfaßte 116 Gedecke. Das Gefechtsschießen eröffnete um 101/, Uhr die Fußartillerie-Schießschule. Eine Batterie schoß aus Mörsern, eine andere aus Ringkanonen auf 2400

Dann folgte ein Schießen aus 4,5 Zentimeter- Schnellfeuergeschützen in Panzerthurmlafetten mit Kar­tätschen auf anrückende Sturmkolonnen. Jedes Geschütz gab in etwa 5 Minuten 100 Schüsse ab. Die Uebnng wurde auf ein neuerbautes aus massiven Gebäuden bestehendes Zieldorf ausgeführt. Später feuerte eine Batterie der Fußartillerie - Schule im Kostüm der Artillerie Friedrichs des Großen ans 8 glatten sechs- pfundigen Geschützen mit Vollkugeln und Kartätschen gegen Infanterie, Kavallerie und Artilleriescheiben worauf etne moderne Batterie mit Geschützen C 73/91 gegen verschiedene Ziele schoß. Ein Parademarsch schloß die Uebung ab. Um 2 Uhr verließen die Majestäten den Schießplatz und begaben sich mit der Anhalter- Bahn nach Berlin, woselbst die Ankunft um 3 Uhr erfolgte. Hier waren kurz vorher die Kaiserin und die Komgin von Italien eingetroffen. Der Straßenzuq, durch welchen die Herrschaften ihren Weg nahmen, war reich geschmückt; überaus effektvoll nahm sich besonders die Dekoration der Straße „Unter den Linden" und I der Schloßbrücke aus, während das Schloß selbst dies- i mal ohne Schmuck war. Das nach Tausenden und Abertausenden zählende Publikum, welches zu beiden Selten des ganzen Weges vom Anhalter-Bahnhof bis rum Kouigsschlossr Aufstellung genommen harte, be­grüßte die erlauchten Gäste unseres Kaiserpaares mit Hochrufen König Humbert, wie Königin Margherita waren sichtlich erfreut Über die Sympathiekundgebungen der Berliner Bevölkerung und grüßten unermüdlich. Am Brandenburger Thor hatte eine städtische Abord­nung mit dem Bürgermeister Zelle an der Spitze Auf- stellung genommen. Letzterer begrüßte den König Namens der Bürgerschaft Berlins. „Gleiche Geschicke," sagte er „verbinden das Volk Italiens und das deutsche Volk zur herzlichen Sympathie. Beide Nationen haben, unter Der Führung ihrer hochherzigen Fürsten nach langen und schweren Kämpfen ihre Einheit errungen. Ew. Majestät sind ein treuer und wahrer Freund unseres Herrschers, ein mächtiger Verbündeter unseres Kaisers. Jnmge Freude zreht durch alle Gemüther, so oft Ew Majestät den deutschen Boden berühren. Daß diese F^ude und jene Sympathie in der Hauptstadt des deutschen Reiches besonders lebhaft sind, dürfen wir ehrfurchtsvoll versichern." Der König dankte freundlich i für dleftll Gruß und nahm von einer jungen Dame em prachtvolles Bouquet von Rosen und Kornblumen entgegen. Unter den Klängen der „marcia reale“ er« folgte die Einfahrt in das Schloß. Später besuchte das Kaiserpaar mit seinen erlauchten Gästen eine An­zahl Sehenswürdigkeiten. Abends fand im Schlosse Fami- llentafe^ln^Mttt Galavorstellung im Opernhause statt. |

Vierteljährlicher Äbonr?em'entspreis Ane B?mg"rlohn°u^°Bestellgeld' mit° der^lle'dche^S^ S?e'r^"un? Bl" M ^Verholungen entsprechender Rabatt.

........ ... Mathgeber für Landwirtschaft, Gartenbau und'ALe^ M La "n Menn"" 14 W *enben Gratisbeilage