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Deutsches Keich.

Berlin, 13. Juni.

* Man liest heute in der .Germania': „Die hochw. Herren Bischöfe Preußens werden sich, wie alljährlich, so auch in diesem Jahre am Grabe des hl. Bonifatius m Fulda zur gemeinschaftlichen Berathung versam­meln, voraussicktlich im Monat August. Schon jetzt darf, wie der ,Weftfäl. Merkur' erfährt, es als fest­stehend bezeichnet werden, daß jene Fragen, für die Herr Professor B. Schäfer zu Münster in seinem Schriftchen „(Einheit der Kirche in Liturgie und Dis­ziplin," zweite Auflage. Münster, Theissing) so nach­haltig eingetreten, einen wichtigen Gegenstand der Be- rathungen des hochw. Episkopates bilden und ihrer Lösung entgeqengeführt werden: möglichste Einheit der katholischen Kirche Preußens auf dem Gebiete der Fest­tage, der Fasten- und Abstinenz-Ordnung, Einführung des einheitlichen Katechismus und der biblischen Ge­schichte usw. für das Gebiet der preußischen Diözesen. Bereits ist vom Fuldaer Oberhirten die Weisung er­gangen, den Druck des Münster-Köln-Trier-Breslauer Katechismus vorzubereiten, sodaß derselbe gegen Ostern 1893 in die Hände der Schüler gelangt."

* Die heute wieder aufgenommenen parlamentarische« Berhandlunge« dürften sich dem Anschein nach nicht so glatt abwickeln, wie Seitens der Regierung geäußert wird. Die laufende Woche wird im Abgeordnetenhause, zumal der Donnerstag als katholischer Feiertag aus­fällt, mit der Berathung des Gesetzentwurfs über die Lokal- und Privatanschlußbahnen ausgefüllt werden. Das Herrenhaus wird in die Plenarberathung der wichtigeren Vorlagen erst am Mittwoch eintreten. Heute trat die Kommun al kommission des Herren­hauses zusammen, um zu dem aus dem Abgeordneten­hause gekommenen Mil itä ranw ä rte rgesetze Stellung zu nehmen. .Morgen, wird der Bericht iiter den Gesetzentwurf betreffend die Reichsunmiltelbaren festgestellt und die Kommission für den Gesetzentwurf betreffend das Diensteinkommen der Lehrer an den höheren nichtstaatlichen Anstalten ihre Arbeit beginnen.

* In der heutigen 73. Plenarsitzung trat das preußische Abgeordnetenhaus in die 2. Berathung des Gesetzentwurfs betr. die Bahnen unterster Ordnung. Zu 8 1 beantragt Abg. Jansen, anstatt „Lokalbahnen" zu setzen „Kleinbahnen." Abgg. Rickert und Dr. Krause verlangen eine Deklaration des § 6 der Gewerbeord­nung betreffs der Pferdebahnen. — Minister Thielen trat diesem Verlangen entgegen: Ein Zweifel über die Rechtsgrundlage der Vorlage sei nicht gerechtfertigt. Schließlich wurde der Antrag Jansen angenommen. — § 3 bestimmt, daß die Genehmigung zum Bau von Kleinbahnen auf Grund vorgängiger polizeilicher Prü­fung ertheilt wird. Diese Prüfung soll sich beschränken auf 1) die betriebssichere Beschaffenheit der Bahnen und der Betriebsmittel; 2) den Schutz gegen schädliche Einwirkungen der Anlagen und des Betriebes; 3) die

Das verhimgnißvolle Testament.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(12. Fortsetzung.)

Lord Rylestone fand sich pünktlich zur bezeichneten Stnnde ein, und Madame de Valmy mußte zugestehen, daß Miß Cameron in ihren begeisterten Schilderungen von ihm dnrchaus Nichts übertrieben hatte. Er hatte klassisch schöne Züge, ein edles Haupt, eine stattliche Gestalt und bewegte sich mit einer ihm eigenen unge­zwungenen Anmmh.

„Wie kann man es dem armen Kinde verargen, daß sie ihr Herz an diesen Mann verlor," dachte Madame.

Er sah bei seinem Eintreten bleich und abgespannt aus: so wie er aber die beiden Damen erblickte, eilte er auf sie zu, um sie zu begrüßen. Adelaide stellte Madame de Valmy vor, darauf wendete Lord Ryle­stone sich mit freundlichem Lächeln an das junge Mädchen.

„Es ist heute der letzte Abend, Miß Cameron, den wir miteinander in dem alten Schlosse verleben," sagte er. „Ich dachte mir, daß er uns angenehmer vergehen würde, wenn wir ihn gemeinsam verbrächten."

„Er ist ihr Freund," dachte Madame, als sie ihn scharf beobachtet hatte, „aber er liebt sie nicht. Er hat warmes Interesse für sie, aber sein Herz ist ganz frei."

Der Diener brachte den Thee, und Madame schickte

technische Befähigung und die Zuverlässigkeit der in dem äußeren Betriebsdienste anzustellenden Bediensteten; 4) die Wahrung der Interessen des öffentlichen Ver­kehrs. — Abg. Rickert sprach sich gegen Punkt 4, so­wie gegen die Prüfung auf die Zuverlässigkeit der Betriebsbeamten aus. — Nach längerer Debatte wurde die obige Fassung angenommen. — Die Berathung wurde bis § 12 geführt. — Weiterberathung morgen.

* Der König von Schweden ist heute Abend bald nach 8 Uhr in Berlin eingetroffen und sofort nach Potsdam weitergefahren, wo er vom Kaiser empfangen wurde. Morgen Nachmittag verläßt der König bereits Potsdam wieder.

* Der König hat mittelst Kabinets-Ordre vom Sonn­tag, an welchem Tage vor 100 Jahren König Friedrich Wilhelm II. den Rothe« Adlerordert erneuerte, bestimmt, daß dieser Orden mit der Königl. Krone, welche ihm damals beigefügt wurde, wieder ausgestattet werde. Das Ordenskreuz mit der Krone wird als besondere Aus­zeichnung in geeigneten Fällen verliehen.

* Abg. v. Bala« hat in Folge seiner Ernennung zum Polizei-Direktor von Potsdam sein Mandat zum Abgeordnetenhause niedergelegt.

* Hannover, 11. Juni. Die seit geraumer Zeit schwebende Untersuchung gegen Anhänger derWelfen - Partei scheint wieder um einen Schritt näher gerückt zu sein. Es wurde nämlich dieser Tage den betreffen­den Personen die Anklage zugestellt. Dieselbe umfaßt 91 Druckseiten und ist gerichtet gegen 32 welfische Klubs u. s. w. und 65 Personen, meist Vorstands-Mitglieder dieser Klubs. Sie sollen das Vereins-Gesetz vom 11. März 1850 übertreten haben. Die hiesige .Volksztg.' will wissen, die Verbindung der Klubs untereinander werde in der Hauptsache daraus gefolgert, „daß sie sich zu ihren Festen gegenseitig eingeladen hätten, daß solcher Einladung Folge geleistet sei und daß von Mitgliedern fremder Klubs Reden gehalten worden seien."

* Würzburg, 13. Juni. Ein ernster Gedenktag für dar königstreue Bayernvolk — schreibt das,Fränk. Volksbl.' — wird der 13. Juni bleiben. 6 Jahre sind nunmehr verflossen, seit sein unglücklicher König Ludwig II. den Tod in den Wellen des Starn­berger Sees gesucht und gefunden hat. Die allen Schmerz lindernde Zeit hat auch hier ihre Schuldig­keit gethan und die Zornesausbrüche über die vielen Sünden, die an dem irregeleiteten Monarchen begangen wurden, haben sich allmählich gelegt. Die ewige Ge­rechtigkeit, welche Jeden nach Verdienst belohnt oder bestraft, wird auch Diejenigen richten, welche durch Handlungen oder Unterlassung ihrer Pflichten jene ent­setzliche Katastrophe herbeigeführt haben. Unserem un­glücklichen Könige aber wollen wir am heutigen Tage ein stilles Gebet widmen für seine Seelenruhe, das ist der schönste Kranz auf sein Grabdenkmal.

Ausland.

* Prag, 13. Juni. In Pzribram erfolgte

sich an, die Honneurs zu machen, da Adelaide eS so deutlich ablehnte, die Pflicht der Dame des HauseS zu übernehmen, daß ihr keine Wahl blieb. Sie hatte allabendlich für den Lord auf demselben Platze den Thee bereitet, konnte sich aber nicht entschließen, es für seinen Nachfolger zu thun.

Es war ein besonders schöner Abend, und Adelaide dachte, als sie traurig die bunten Blumen und die rauschenden Bäume betrachtete, daß Walton sich nie mit größeren Reizen geschmückt hätte, als an diesem letzten Abend, den sie hier verleben sollte. Lord Ryle­stone befragte sie über alle ihre Pläne, sie überließ es Madame, ihm darüber Auskunft zu geben. Diese hatte ein leises Vorurtheil gegen ihn gefaßt, weil er gefühllos gegen die Schönheit ihres geliebten Zöglings geblieben war; aber jedes Vorurtheil, jede Abneigung schmolz vor dem Zauber seines Wesens. Es war un­möglich ihm nicht zugethan zu sein. Madame fühlte sich bald zu ihm wie zu einem alten Freunde hinge­zogen, sie vermochte seiner Liebenswürdigkeit nicht zu widerstehen. Er hatte ihre Zuneigung nicht allein durch sein hübsches Aeußere und sein offenes, freuno- liches Wesen, sondern mehr noch durch seine sympa­thische Anziehungskraft gewonnen, der nur Wenige zu widerstehen vermochten.

„Nach Brighton," wiederholte er, als Madame ihm das berühmte Seebad. als ihr erstes Reiseziel nannte. „Da haben Sie ja einen sehr angenehmen und beliebten Aufenthaltsort gewählt."

die Verhaftung dreier Bergleute, von denen einer, Bergmann Kriz, von seinem Kollegen Havelka beschuldigt wird, einen alten brennenden Docht in den Füllort geworfen zu haben, ohne rhn zu löschen, worauf er mit vier Kameraden ausfuhr. Weitere Verhaftungen fallen bevorstehen.

* Die russische Getreide-Kommission zur Berathung der Aufhebung der Getreideausfuhr - Verbote hat am Samstag die letzte Sitzung gehabt. Es verlautet aber nichts über die Ergebnisse der Berathung, da die Kom­mission beschlossen hat, ihre Beschlüsse bis zur Geneh­migung derselben geheim zu halten.

* Der Streik in Barcelona nimmt eine ernste Ge­stalt an; Zusammenstöße zwischen Truppen und Streiken­den sind an der Tagesordnung, so daß gestern der Belagerungszustand proklamirt ist.

Zur IV. Siikularseier der Entdeckung Amerikas 1492—1892.

Von überaus großer Bedeutung für die Entwick­lung des Erdballs war die Entdeckung Amerikas im Jahre 1492. Entdecker ist der edle Christoph Kolumbus.

Derselbe wurde zu Genua in Italien 1435 oder 1436 geboren. Frühzeitig ging er zur See. In ihm lebte die Idee von einem Lande im Westen und er ruhte nicht, bis er es entdeckt hatte. Vergeblich legte er seinen kühnen Plan seiner Vaterstadt, dem König Johann IV. von Portugal und auch dem König Ferdi­nand von Aragonien vor. Schon stand er im Be­griffe sich nach Frankreich zu wenden, da fanden seine Vorstellungen am spanischen Hof Gehör. Die Ueber- einkunft, welche ihm die erbliche Würde eines Groß- Admirals und eines Vicekönigs in den aufzufinden­den Ländern nebst einem Zehntel der Einnahmen zu- sicherte, wurde am 17. April 1492 zu Santa Fö unterzeichnet. Am 3. August 1492, an einem Freitage, verließ Kolumbus mit 121 Mann den Hafen von Palos, am Freitag den 12. Oktober landete er in der neuen Welt und pflanzte auf der Insel Quanahani, die er Salvator (Erlöser) nannte, das Kreuz und daS kastilische Banner auf. Das Te Deum und Salve Regina waren die ersten Gesänge, welche in der neuen Welt erklangen. Weiterfahrend entdeckte er am 27. Oktober die Insel Cuba und am 6. Dezember Haiti. Dann trat er die Heimreise an. In Palos, wo er am 15. März 1493 glücklich wieder landete, wurde er unter Glockengeläute eingeholt; seine Reise an den Hof von Barcelona glich einem Triumphzug. Kolumbus erhielt bald den Auftrag zu einer zweiten Reise.

Am 25. September 1493 lief er mit einer Flotte von 17 Schiffen aus dem Hafen von Kadix aus. Die Entdeckung weiterer Inseln, namentlich Maria Galanta, Santa Maria de Quadelupe und Jamaika, war das Resultat dieser Reise. Allerlei Beschwerden und Ver­leumdungen in Spanien veranlaßten ihn, im Frühjahr

„Werden Mylord in England bleiben?" fragte Madame de Balmy.

„Ich habe noch keinen entscheidenden Entschluß da­rüber gefaßt," erwiderte er. „Ich bin mir über die Zukunft noch vollkommen unklar. Gestatten Sie, Miß Cameron, daß ich Ihnen noch einiges in Betreff Ihrer geschäftlichen Angelegenheit mittheile?"

Sie warf ihm einen kurzen erstaunten Blick zu und sagte dann ruhig: „Ich bin gern bereit, Sie anzu­hören."

Und Madame hörte ebenfalls mit der größten Spannung zu:

„Vorerst möchte ich Sie um eine große Gunstbe­zeigung bitten, Miß Cameron," begann er. „Ich weiß, daß der selige Lord Rylestone Ihr treuester, liebster Freund, aber gleichzeitig auch ihr Vormund war. Wenn ich mich auch zu der ersteren Stellung nicht heranzudrängen wage, so möchte ich Ihnen doch wenig­stens meine Dienste 'anbieten. Sie halten es für einen Mann in meinem jugendlichen Alter vielleicht für ver- mesfen, sich Ihnen, die Sie nähere Bekannte haben, als Vormund anzubieten, und doch bitte ich Sie, mich als solchen zu betrachten. Schließlich stehen wir uns doch nicht ganz fremd gegenüber, und da sie Lord Rylestone's Nichte sind, werde ich Ihnen mit einem tieferen Interesse dienen, als irgend ein Anderer.

„Sie sind sehr gütig," sagte sie dann ruhig, aber ohne die geringste Spur von freudiger Erregung in ihrer Stimme zu verrathen.