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Dienstag, den 14. Juni 1892.
___________________________________ 19. Jahrgang
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Wallfahrt der Katholiken Deutschlands ;um Grabe des hl. Sonifatius.
(Schluß des Festberichts.)
Die Antwort des hl. Vaters auf das Huldigungstelegramm der in Fulda am 7. Juni versammelt gewesenen detttschenKatholiken,welcheunssoeben zur Veröffentlichung übergeben wurde, hat folgenden Wortlaut:
Libero Baroni Felici de Loe, Terporten. Nil dulcius, nil gratius ssm0 Domino nostro telegrammate nomine germanorum, qui ad sepulcrum s. Bonifacii nuper convenerunt, misso; precesque pro eins in columitate fusas Sanctitas sua rependit peramanter eis corumque familiis benedicendo.
. Card. Rampolla.
Zu Deutsch:
Nichts war unserem heil. Vater süßer, nicht« willkommener als da» Telegramm, welches Du Namens der kürzlich am Grabe des hl. Bonifatius versammelten Deutschen an ihn sandtest. Seine Helligkeit dankt für die Gebete, welche dort für Hochstderen Wohlfahrt verrichtet wurden und spendet den Theilnehmern, sowie deren Familien aus lrebevollem Herzen den Segen.
Kardinal Rampolla.
Die Sozialdemokratie.
Rede des Herrn Fabrikanten Mathias Wiese aus Werden a. Ruhr, gehalten in der Festversammlung vom 7. Juni.
Hochansehnliche Versammlung!
M. H.! Ich habe bis jetzt gemeint, wenn man wallfahrten wlll, dann verrichte man am Grabe des Heiligen, zu dem man wallfahrtet, seine Andacht, stärke sein Glaubensbewußtsein auf's Neue, fasse gute Vorsätze und ginge heim, um sie auszuführen. Daß man aber bei solchen Wallfahrten Versammlungen hält, ist mir neu, und daß ich nun da in dieser Versammlung, v. H.! im Auftrage des Komitees eine Rede halten soll über die soziale Frage, das ist mir noch viel neuer und ich muß gestehen, wenn ich je mir überflüssig vorgekommen bin, dann gewiß heute vor diesen glaubensstarken Männern, an denen wir uns heute Morgen in solcher Weise erbaut haben. Daß ich dieses thun kann, dafür bin ich zu unendlichem Danke verpflichtet dem Komitee, von dem ich hierhergerufen bin und zwar durch das Telegramm eines Herrn, der sich unterschrieb „Plagegeist", worüber ich weiter nichts zu bemerken habe. Aber vor diesen Männern soll ich eine Rede halten über die gegenwärtige Lage und die Aufgaben, die uns ihr Ernst vorschreibt? M. H.! Wenn ich meine Rede halten wollte nur vor Solchen, welche sie nöthig hätten, dann müßte sich der ganze Saal leeren und ich stände vielleicht allein hier und würde mir vornehmen „vielleicht ein nächstes Mal". Aber es ist mir einmal der Auftrag geworden und gehorsam im Dienste der Partei will ich ihm Folge leisten.
Wenn Einer m. H., im nächsten Jahrhundert eine Geschichte des 19. Jahrhunderts schreiben wird, so wird er diesem ohne Zweifel die Signatur aufdrücken, daß es das Zeitalter des Materialismus gewesen sei. Der Materialismus strebt die Herrschaft an und er hat sie leider auf weiten Gebieten schon errungen. Die Ideale, die frühere Jahrhunderte hindurch herrschten, sind aus ganzen Volksschichten, wie es fast scheint rettungslos verschwunden. Woher kommt das? M. H.! Das sagt uns in dürren und nicht unverständlichen Worten Dr. Rüdt, Abgeordneter in der badischen Kammer, der vor einiger Zeit in einer Versammlung gesagt hat: Was ich hier vorbrachte, das haben mich die vom Staate gut bezahlten Profesioren gelehrt und ich ziehe nur die Konsequenzen aus ihren Lehren und Grundsätzen. (Bravo.) Ja, m. H., das haben wir längst eingesehen und erkannt und nur widerwillig haben wir für diese Herren Professoren unsere Steuern mitbezahlt, weil wir da gleichzeitig wieder für ihre Bekämpfung bezahlen mußten. (Bravo.) Man zieht eben die Konsequenzen mit großer Energie und das scheuen die Herren Professoren und ihre höheren Vorgesetzten. Ein Beispiel finden wir hierfür im ,Booruit', dem Organ der holländischen Sozialdemokraten, worin gesagt ist: Darf man sich wundern, daß wir, nachdem wir unfern übernatürlichen Gott verloren haben, unsere Hände nach dem materiellen Gotte, den Kapitalien, ausstrecken? Wir wollen das zeitliche Glück, da wir ein anderes nicht kennen. Wir fordern unfern Antheil daran; wir wollen regieren, denn die Regierung einer anderen Klasse ist uns schädlich. Ich denke, die Sozialdemokraten haben das Verdienst, daß sie uns mit hinreichender Deutlichkeit sagen, was sie wollen. (Sehr wahr!) Sie verfolgen ihr Ziel dadurch, daß sie an Stelle der Religion der Liebe die Religion des Hasses predigen. Wer, wie ich, von Ihnen gleichsam die Pflicht hat, täglich ihre offiziellen Zeitungen zu lesen, (eine saure Arbeit, m. H.!) der wird erstaunen darüber, wie der sittliche Schmutz mit besonderem Fleiße gesammelt wird, um ihn vor den Thüren der Besitzenden und der höheren Gesellschaft aufzuhäusen und dem armen Volke zu zeigen: iSeht, so gehts, persönlich wollen wir ja nichts aus me Leute werfen, aber das sind die Folgen unserer modernen Diltur, unserer so gepriesenen gesellschaftlichen Zustände. So stürzt man das arme Volk in dumpfe Verzweiflung, so daß schließlich der Unglückliche sagt: Wenn es auch Utopie ist, wenn 'ch auch nicht erreiche, was man mir vorgaukelt, so habe ich wenigstens die Befriedigung, daß die Besitzenden nicht haben, was man mir verweigert, da will ich mithelfen, tabula rasa ju machen. Deswegen kann Liebknecht auch, wie er auf dem «russeler Kongreß im vorigen Jahre gethan, sagen: „Wir halten 8-fllfientüch die Wunde der Gesellschaft offen." Ja, ich möchte lagen^ sie vertiefen sie und sie gießen in sie das Gift ihres dia- voiqchen Hasses hinein, um die Wunde unheilbar zu machen und ken 8anjen Körper zu vergiften. Deswegen reden sie auch über 0,e verdammte Bedürfnißlosigkeit der niedrigen Klassen, wie ein
sächsisches Blatt schreibt: „Zufriedenheit ist das schlimmste Laster; keine Dummheit, kein Branntweingeist, kein anderes Laster kann ein Volk so herunterbringen, als die Zufriedenheit!" Deswegen sagte auch Hasenklever schon in den sechziger Jahren: „Ein Lump spart." Ja, m. H., das ist natürlich; ein Arbeiter, welcher sich etwas erspart und ein kleines Besitzthum erworben hat, ist nicht zugänglich für die Lehren der Sozialdemokratie. Hugo Brentano, ein bekannter Bolkswirthschaftslehrer zu Leipzig, hat voriges Jahr vor den Studenten eine Rede gehalten, worin er sie in sehr warmen Worten warnt vor diesem Pessimismus, dieser Hoffnungslosigkeit, und worin er sie anfeuert, die soziale Frage und die Schäden der Gegenwart zu studiren, damit sie sich überzeugen könnten, daß auch aus der gegenwörttgen Gesellschaft heraus Heil und Rettung möglich sei. Ich acceptire diese Worte nur mit einem kleinen Beiwort. Ja, eine Rettung ist möglich aus der Gesellschaft heraus, aber nur aus der christlichen Gesellschaft heraus (Bravo) und zwar in Lfachem Sinne; einmal so, daß wir endlich Alle, hüben und drüben uns besinnen sollen auf das, was uns gemeinsam ist, und deshalb sage ich nicht „katholische", sondern „christliche Gesellschaft", damit die Protestanten uns die Hand reichen sollten, oder sie annehmen, die wir ihnen schon lange zum gemeinsamen Kampfe gegen den Unglauben, den Materialismus, ihr großgepäppeltes Kind, den Sozialismus, hin- gereicht haben; daß wir uns endlich auf das besinnen mögen und daß man nicht immer betone, was uns trennt; bei uns vermeidet man das. Ich bin in so unendlich vielen Katholiken- Versammlungen gewesen, aber nie habe ich ein Wort gegen Andersgläubige vernommen. (Sehr wahr!) Wir haben so unendlich viel mit uns zu thun, daß wir gar keine Zeit haben, uns um die Anderen zu bekümmern. Das Umgekehrte ist vielleicht bei ihnen der Fall. (Heiterkeit.) Und ich sage das nun in einer zweifachen Beziehung : daß nur die christliche Gesellschaft uns das verlorene Gebiet zurückerobern kann und nur dann, wenn die Kirche freigegeben ist und ich meine, unaufhörlich rufen zu sollen: „Nehmt doch endlich einmal ein Einsehen, ihr Könige und ihr, die ihr die Erde regiert. (Allgem. Beifall.) Wie anders wollt ihr dem Materialismus entgegentreten, als wenn ihr der erstaunten Welt wieder zeigt das Beispiel des Opfermuthes, der Selbstverleugnung und Entsagung? Wie wollt ihr die falschen Lehren bekämpfen, wenn ihr der wahren Wissenschaft die Thüren des Landes verschließt? Wie wollt ihr es verhindern, daß der Zorn Gottes auf die Erde herabkommt, wenn ihr ihn nicht lähmen könnt durch das Gebet frommer Ordensfrauen und -Männer? (Bravo.)
Aber, m. H., sind wir denn wirklich so weit gekommen? Wenn ich ein Jesuit wäre und in einer sozialdemokratischen Versammlung heute redete über die Schäden der modernen Gesellschaft und den Leuten diese eigenthümlichen Zukunftshoffnungen einredete, ich ginge frei nach Hause und würde vielleicht noch im Triumphe zum Bahnhof geleitet; wäre ich nun jetzt zufällig ein Jesuit und wollte hier reden, so würde jedenfalls der Bürger- meister dieser Stadt aufgefordert, mich auf andere Weise hinauszubefördern. Und das Ganze nennt man freie Kirche? — Also, m. H., immer und immer wieder werden wir die Freiheit für uns zurückfordern und sie kann uns nicht verwehrt werden.
Fragen Sie mich, was die Sozialdemokratie nun eigentlich will, so kann ich Ihnen da einige Worte von Bebel anführen der mit anerkennenswerther Offenheit es uns verräth in einer Rede, die er am 7. Juni 1877 im Reichstage hielt; „Ist erst die himmlische Autorität untergraben, so hört auch die irdische damit von selbst auf und die Folge muß sein, daß auf politischem Gebiete die Republik, auf ökonomischen der Sozialismus, auf dem Gebiete, das wir jetzt das religiöse nennen (für ihn existirt keine Religion mehr), der vollständige Atheismus eintritt." Und auf das Wort: „Hört, hört!" spricht er: „Nimmt Sie das Wunder, m. H. ? Wir haben diesen Satz schon längst verkündigt, in unserem Programm steht er und wir arbeiten kräftig darauf hin." Jawohl, sie arbeiten kräftig daran.
Also in erster Linie streben sie die Republik an. Allerdings ist es kein Glaubenssatz, der mir vorschreibt, eine bestimmte Regierungsform für die einzig wahre zu halten.
Aber, meine Herren, man sieht sich zunächst das an, was man hat und nimmt erst das Andere, wenn man es geprüft hat und so möchte ich sagen: Sind denn die Republiken, besonders die in den letzten Dezennien entstanden sind, so wunderbar verlockend ? Ist denn die Herrschaft eines Ehrsüchtigen, der sich durch Gewalt zum Präsidenten aufschwingt, um morgen einem Stärkeren zu weichen, so schön, wenn er vielleicht fürsorglich Einen bei Seite geschafft hat, zur größeren Sicherheit des Gemeinwohls und das wird doch auch wohl theilweise vom Schweiße des arbeitenden Volkes geschehen müssen. Ist denn das so verführerisch? (Nein!) Ich meine, m. H., wenn wir von vernünftiger Freiheit reden wollen, dann müssen wir sagen, daß ein einheitliches strammes monarchisches Regiment einem Volke größere Freiheit geben kann, als diese zweifelhaft unsicheren Erscheinungen von Republiken, namentlich wenn sie, wie in gegenwärtigen Zeiten auf Militärmacht gestützt, auf Wechsel gegründet sind, und deshalb meine ich, daß wir aus Ueberzeugung namentlich wir hier in Preußen, wo wir das Glück haben, ein zielbewußtes Königthum an der Spitze zu haben, an der angestammten Monarchie festhalten müssen, und zwar um des Gewissens willen und nicht deshalb allein, weil uns so die Nützlichkeit gebietet, sondern, weil wir aus vollster Uebe^eugung immer sagen und gesagt haben, daß wir uns zu einem Königthum von Gottes Gnaden bekennen (Stürmischer Beifall!) und zwar in guten wie in schlechten Tagen, vor dem 18. März und nach dem 18. März; denn wenn wir auch nicht so gute, nicht so feine, nicht so einsichtsvolle Patrioten sind, als welche die Kölnische Zeitung ich und ihre Gesinnungsgenossen schildert, (Heiterkeit) sind wir !wch nicht weniger Monarchisten, das weist die Geschichte des Kulturkampfes nach. Da, als man uns so sehr wehe gethan hat, da haben wir gehorcht, freudig gehorcht, um des Gewissens willen gehorcht und wir waren wahrlich nicht die schlechtesten Unterthanen. Die Sozialdemokraten wollen aber gerade wegen der geringeren Festigkeit diese sogenannten republikanischen Belassungen einführen; mit einem solchen Präsidenten, so hoffen ie," werden sie schon eher fertig und es ist mehr Aussicht, daß ein Bebel, Singer, Liebknecht Präsident der preußischen Republik
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als König des preußischen Königthums wird (Heiterkeit), wenn dies auch als Ideal noch sehr in der Ferne liegt.
M. H. der schwingende Punkt bei der ganzen Sache ist, daß den Sozialdemokraten die Vaterlandsliebe vollständig abgeht. Sie schwärmen für Universalrepublik. Ich könnte Ihnen das beweisen aus einem Volke mit klassischen Beispielen. Nur eins: Zur Zeit des deutsch-sranzösischen Krieges haben die Sozialdemokraten die Mittel im Reichstage verweigert; das Vaterland haben sie also, io viel an ihnen war, wehrlos gemacht; wenn wir nun mit ihnen gestimmt hätten und Sozialdemokraten gewesen wären, so würde uns das sehr wenig geschützt haben, wenn wir gesagt hätten: Liebe Franzosen, lhut uns doch nichts, wir haben ja dem Staat die Mittel verweigert! (Heiterkeit.) Aber es ist System in ihren Sachen. Wenn sie Vaterland, Heimath, Privateigenthum, Mutterheerd abschaffen wollen, so ist das volle Konsequenz; wenn mir der Reiz der Heimath fehlt, wenn mir die süßen Erinnerungen der Kindheit fehlen, dann sage ich allerdings: übi bene, ibi patria! Wo ich Geld verdienen kann, da ist meine Heimath! Aber wir haben einen höheren Gesichtspunkt und deshalb bekämpfen wir die Sozialdemokratie aus diesem Gebiete mit aller Energie, und das Königthum, namentlich das preußische möchte sich wohl auch nicht so kurzer Hand absetzen lassen; wer möchte es verantworten, die Greuel einer Revolutton heraufzubeschwören mit dem sehr zweifelhaften Ausblick eines sozialdemokratischen Reichspräsidenten in Berlin?
Der zweite Punkt ihres Programms ist der: Sie bekennen sich zu Sozialismus oder Kollektivismus, d. h. Bereinigung aller Produktionsmittel in der Hand des Staates und Leitung der gestimmten Produktion durch den Staat, kurz Abschaffung des Privateigenthums. Das sind ein paar knappe Gesetze und doch ist die Sache noch ganz außerordentlich dunkel und obschon sie sich in ihrem Programm bemühen, möglichst kurz daran vorbeizugehen, so zwar, daß sie in ihrem allerneuesten Programm vom vorigen Jahre erklärten, nur die Verwandlung des kapitalistischen Privateigenthums an Produkttonsmitteln in gesellschaftliches Eigenthum, und die Umwandlung der Waarenproduktton in sozialistische, für und durch die Gesellschaft betriebene Produktion kann es bewirken, daß der Großbetrieb und die stets wachsende Ertragsfähigkeit der gesellschaftlichen Arbeit für die bisher aus- gebemeten Klassen aus einer Quelle des Elends und der Unterdrückung zu einer Quelle der höchsten Wohlfahrt und allseitiger harmonischer Bervollkommung werde.
Trotzdem haben tpir das Recht zu fragen, wie stellt ihr euch das vor und wie macht ihr es? Darüber ist so viel gefragt worden, daß ihnen das unbequem wurde und daß sie diesen allgemeinen Satz in ihrem neuesten Programm niedergelegt haben, während im früheren Programm knapp bestimmt war, die Arbeit gehört der Gesellschaft, d. h. allen ihren Gliedern, das gesummte Arbeitsprodukt bei allgemeiner Arbeitspflicht, nach gleichem Recht, Jedem nach seinem vernunftgemäßen Bedürfnisse. Die Befreiung der Arbeiter erfordert die Verwandlung der Arbeitsmittel in Gemeingut der Gesellschaft und die genossenschaftliche Regelung der Gesammt-Arbeit mir gemeinnütziger Verwendung und gerechter Vertheilung des Arbeits-Vertrages. Es ist traurig, daß in diesen beiden Sätzen drei krasse Widersprüche sich befinden: „Nach gleichen Rechten." Also doch, Jedem gleich viel; dann sprechen sie von gerechter Vertheilung, d. h. doch, wer viel arbeitet, bekommt viel, wer wenig arbeitet, bekommt wenig; „Jedem nach seinem vernunftgemäßen Bedürfniß", d. h. eine dritte Art der Vertheilung, die sie nöthig haben, und zwar vernunftgemäß. Wenn ich nur wüßte, wer mir die Vernunft beibringen sollte! (Heiterkeit.) So bewegen sie sich in großen Widersprüchen. Im vorigen Jahre las ich im ,Borwärts' in großen Lettern die Ankündigung einer epochemachenden Schrift von einem Oswald Köhler, „der soziale Staat", mit den Worten: wir werden auf diese höchst interessante Schrift nach den ersten Lieferungen zurückkommen. Die erste erschien; der Unglückselige hatte das Unglück gehabt, sich zu sehr zu detailliren, wie der Uebergang werden sollte; er hatte also die Frage angeschnitten: Da man nicht vertheilt, da man wegnimmt, in welcher Weise man Privatbesitz und die Sparkassen entschädigen solle. Darüber Heller Zorn. Dieser unsinnige Mensch hatte noch nicht das ABC der Sozialdemokratie erforscht und vermaß sich, eine Schrift zu verfassen, wann er in's Detail hinein sich mit dieser Frage befaßte. Es wird den Sozialdemokraten schrecklich unbequem, wenn man über die letzten Ziele und überhaupt über Realisirung ihres Programms spricht, und das ist wohl zu begreifen. Die Arbeitspflicht soll sein, und zwar für Jeden; aber weil Zwang erfhört, weil wir alle Herrscher sind, Ordner aber da sein müssen, ,o bin heute ich einer, morgen ein Anderer, übermorgen mein Nachbar, dann ein zweiter Nachbar, dann wieder ein anderer. Weil kein Zwang da ist, geschieht Alles frei; freiwillig, natürlich freiwillig unterziehe ich mich den niedrigsten Arbeiten, freiwillig arbeite ich heute auf dem Revisions - Bureau und protokollire Rechnungen, morgen steige ich freiwillig in die Bergwerke, um am folgenden Tage die Straßen zu kehren, Kloaken zu reinigen, Holz zu spalten, dann wieder den Professor auf dem Katheder abzugeben, denn die allseitige Ausbildung ermöglicht dies (Heiterkeit), um es dann als eine angenehme Erholung zu betrachten, einige Wochen zum Schuster zu gehen. So steht es zu lesen in Bebel: Die Frau in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ich rathe Ihnen nicht, sich dieses Buch anzuschaffen; denn es ist wirklich zu theuer für die paar Mark, was darin steht. Aber man muß es gclesen haben, um zu glauben, daß man der Denker-Nation so etwas bieten darf und daß man da noch wagte, zu reden von der Verdummung, in der die Pfaffen das arme Volk halten. Ja, das katholische Volk ist so klug, daß es auf solchen Leim nicht geht. (Bravo!) Und wie will man das wirklich machen, überall gleiche Lebensbedingung, ja, wenn man sie nur schaffen könnte, wenn man in Grönland und in Sibirien dieselbe Fruchtbarkeit Herstellen könnte wie im Rheinland. Aber die Grönländer und wir Alle wären Narren, wenn wir nicht in Schaaren kämen und an den Rhein zögen, und wir Alle wären Narren, wenn wir nicht in die großen Städte zögen, wo uns sich Alles bietet, wo uns aller Komfort, Theater, Bibliotheken, weiß Gott, was Alles zur Verfügung steht, wo die gedeckten Tische nur so vor uns stehen, wo wir dem Kellner nur zu befehlen haben, um morgen der geheischte Kellner selbst zu sein (Heiterkeit), oder zum