Sonntag, den 12. Juni 1892.
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3MT Hierzu eine Beilage.
Wallfahrt der Katholiken Deutschlands ;um Grabe des hl. Konifatius.
(Fortsetzung statt Schluß des Festberichts.)
Die Schulfrage.
Rede des Herrn Reichstagsabgeordneten Nicola Racke aus Mainz gehalten in der Festversammlung vom 7. Juni.
Hochansehnliche Versammlung!
Der verehrte Präsident des Lokal - Komitee's glaubte am gestrigen Abend in den herzlichen Worten seiner Begrüßung an die Nachsicht der hierher geeilten Pilger appelliren zu sollen, an die Anspruchslosigkeit derselben, wie er sich ausdrückte. Ich bedauere, meinerseits ihm gestehen zu müssen, daß ich mit dieser Anspruchslosigkeit, die er vorausgesetzt, nicht hierher gekommen bin und ich glaube, alle Diejenigen, welche hier versammelt sind, auch nicht. Freilich, meine verehrten Herren, haben wir hier nicht rauschende Feste gesucht. Deswegen sind wir nicht gekommen. Pläsir gibt's überall. Darum brauchte ich auch nicht besonders von Mainz nach Fulda zu gehen. (Heiterkeit.) Aber ich habe mehr gesucht, und auch Sie haben mehr gesucht; reines, lauteres Gold wollten wir hier finden, das Gold treuer, katholischer Herzen. Und ich frage Sie, ob einer hier aus dieser Versammlung in dieser seiner Erwartung getäuscht worden ist? (Nein!) Ja, m. v. H., als ich heute früh diese glänzende Prozession der Tausende von Männern sah, die in den Dom Hierselbst zogen, da überschlich mich auch das Gefühl, dem mein verehrter Vorredner Ausdruck gegeben hat, und auch ich mußte mich angesichts dieser Thatsache fragen: Willst Du heute Nachmittag es noch wagen, Worte zu reden? Und doch bin ich froh, daß ich an dieser Stelle stehe und doch danke ich dem verehrten Komitee, daß es mich dazu eingeladen hat, und zwar aus einem doppelten Grunde. M. v.H., es war im Jahre 1877, als der Hochwürdigste Herr Bischof von Fulda noch Stadtpfarrer von Wiesbaden war, da hatte ich das Unglück, wenn Sie es so nennen wollen, eben in diesem Wiesbaden wegen Beschimpfung der katholischen Kirche von dem preußischen Staate zu 3 Wochen Gefängnis verurtheilt zu werden (allgemeine Heiterkeit), und nun dachte ich, ich wollte heute die Gelegenheit wahrnehmen, meine Reputatton etwas aufzubessern. Dann aber, und das ist das ausschlaggebende Moment gewesen, glaubte ich in der für mich so ehrenvollen Einladung des Komitee's eine Bethätigung des Wunsches erblicken zu dürfen, berauch in den Herzen des Fuldaer Volkes lebt, des Wunsches, daß die Verbrüderung zwischen Mainz und Fulda, welche der hl. Bonifatius ehedem angefangen, fortbestehe als heiliges Ver- mächtniß immerdar. (Bravo!) Man nennt Mainz die civitas aurea, die vera et specialis filia ecclesiae Romanae. Die goldene Stadt, die wahre und getreue Tochter der heil, römischen Kirche. Nun, es hat sich ja leider Manches verändert, seitdem Mainz diesen Ehrentitel sich erworben, aber wenn je das goldene Diadem das Haupt der Königstochter mit Recht umschlungen hat, dann gewiß damals, meine Herren! als die segenspendende Hand des heil. Bonifatius den herrlichsten, den strahlendsten Edelstein dieser Krone einfügte.
Wohlan, das sei unser Gelöbniß! Wohl durchdringt der innige, feste, starke Glaube nicht mehr so wie ehedem die Massen unseres Volkes; auch die alten Mainzer Geschlechter haben den Schicksalsschlägen, die im Laufe der Jahrhunderte über meine Vaterstadt hereingebrochen sind, nicht Stand gehalten; viele sind verzogen, viele ausgestorben, und nur die Geschichte noch nennt uns ihre Namen. Andere Geschlechter sind emporgewachsen und so werden auch täglich noch Fremde von den Wogen des Verkehrslebens in unsere Stadt getrieben und Tausenden von ihnen ist die rühm- und segensreiche Mainzer Geschichte ein unverständliches Räthsel.
Aber Gott sei Dank! es gibt auch noch eine große Anzahl solcher, die sich mit Stolz als die Söhne des hl. Bonifatius betrachten. (Rauschender Beifall.) Und diese, — möchte selbst ihre Zahl, was Gott verhüten wolle, aus wenige Hundert zusammenschmelzen — werden es als die Aufgabe ihres Lebens betrachten, das Vermächtniß des heil. Bonifatius an uns hochzuhalten, unseren Glauben zu vertheidigen bis zum letzten Tropfen ihres Herzblutes. (Bravo!) M. H., eines Tages, — so erzählen uns die hl. Bücher, — als Moses in der Wüste die Heerden weidete und zum Berge Horeb kam, da vernahm er aus einem brennenden Dornenbusche die Stimme des Herrn: „Löse Deine Schuhe von Deinen Füßen, denn der Ort, worauf Du stehst, ist heiliges Land." Diese Episode der hl. Geschichte kam mir gestern lebhaft in das Gedächtniß, als ich, von Mainz kommend, mich dem Fuldaer Lande näherte. Zwölf Jahrhunderte sind verflossen — wir sind ja heute früh in jener herrlichen Predigt im Dome darauf aufmerksam gemacht worden — da durchzogen drei Gefährten, an ihrer Spitze der hl. Sturmius, die damalige Wildniß; der hl. Bonifatius hatte sie gewissermaßen als Quartiermacher vorausgeschickt für die Sendboten des Christenthums, um einen Ort zu finden, von wo aus den umliegenden germanischen Völkerschaften die Heilswahrheiten verkündet werden sollten. Hier in Fulda fanden sie diesen Ort und hier in Fulda, m. H., entstand die herrlichste segensreichste Schöpfung aller Schöpfungen des hl. Bonifatius, es war das Fuldaer Kloster und die noch berühmtere Fuldaer Schule. Ja, m. H., was Monte Casino für Italien, so hat mit Recht ein Geschichtsschreiber gesagt, St. Gallen für Süddeutschland und Corvey für Norddeutschland war, das war Fulda für Mitteldeutschland: die Pflanzstätte des Christenthums, die Wiege der Wissenschaft und Kunst, die Wiege aller Kultur und Civilisatton und, m. v. H., da soll ich als Deutscher nicht jagen: „der Ort, auf dem Du stehst, ist ein heiliger Ort?" O, meine Herren, wenn der alte Glaube noch so lebendig in unserem Volke wäre wie ehedem, wenn wir noch ein Verständniß hätten jür die wahre Größe und Vergangenheit unseres Volkes — der Ort, wo die Gebeine des Apostels von Deutschland ruhen, müßte ein Heiligthum der gesummten deutschen Nation sein. (Allgem. Zustimmung.)
Wenn es sich darum handelt, Bonifatius zu ehren, dann dürften unter den Pilgerschaaren auch Fürsten und Könige nicht fehlen, (Bravo!) dann dürfte sich auch der Gelehrte im Talar nicht schämen, wenn er diesem Manne seine Ehrfurcht darbringt (Beifall). Aber fteilich, da käme ich schlecht an bei den Herrn Professoren wenn ich diesen solch' einen Vorschlag machen wollte; den Herren gruselt es ja schon, wenn sie nur von Weitem Kirchenluft wittern und nun sollten sie gar eingestehen, daß der Grund zu all ihrem Wifferf und all ihrer Gelehrsamkeit durch jene gelehrten und doch so einfachen Mönche des Mittelalters gelegt wurde, (sehr gut) jene schlichten und einfachen Mönche, ohne deren emsige Arbeit in der Verkündigung des Glaubens und der Wissenschaft die Herren Professoren und Geheimräthe höchst wahrscheinlich nicht weit über die Bärenhaut und Büffelhörner ihrer Vorfahren hinausgekommen wären, (allg. Bravo!) Aher es ist so bequem, an der gut gedeckten Tafel zu sitzen und mit allen Händen zuzulangen und dabei schlechte Witze über die zu machen, welche die Tafel gedeckt haben.
„Der feine Knabe sagt unfeinen Dank, Der in den Brunnen spuckt, daraus er trank."
So singt der Dichter von Dreizehnlinden. Aber über solche Sentimentalitäten sind unsere Herren Professoren hinaus und ihrem Stolze schmeichelt es vielmehr, dem uralten Geschlechte derer von Orang-Utang und Schimpanse zugezählt zu werden, als irgend welche Beziehung zu den finsteren Kuttenträgern einzugestehen. Nun, meine Herren! ich glaube, gerade hier in Fulda, wo die Schule des hl. Bonifatius so wunderbar emporblühte, daß Karl der Große sie als eine der schönsten Perlen seines Reiches betrachtet, hier in Fulda, wo ein hl. Rhabanus Maurus, diese strahlende Leuchte der Wissenschaft, der wie in einem Brennpunkte alle Wissenschaft und Gelehrsamkeit seiner Zeit in sich vereinigte, hier in Fulda, wo im 9. Jahrhundert zur ersten Schule des hl. Bonifatius noch eine zweite große Schule der Kunst gegründet wurde, hier in Fulda, m. H., wo wir am Grabe des Apostels der Deutschen unsere Gebete für Leo XIII, dieses lumen de coelo, dieses Licht am Himmel der Wissenschaft, zum Himmel senden, hier in Fulda — scheint es mir, — da müssen auch wir so recht einmal die Frage erörtern, einmal untersuchen, wie es denn eigentlich mit der Qualifikation derjenigen beschaffen ist, die sich heute so sehr als die einzigen und wahren Erzieher unserer Jugend, unseres Volkes aufspielen. Gestatten Sie mir einige Worte hierüber:
Es ist in den letzten Wochen, m. v. H. die Frag«, ob der Staat'die alleinige Erziehung des Volkes, der Jugend mit Recht beanspruchen kann, so oft breit getreten und erörtert worden auf den Bierbänken, in den Parlamenten, daß es fast schließlich überflüssig geworden, jetzt noch darüber zu sprechen. Allein, wenn wir an die Ereignisse der letzten Wochen denken, wenn wir daran denken, daß die einzige Thatsache, der Versuch nämlich, einigermaßen die Freiheit des Unterrichts gesetzlich festzulegen und die Erziehung des Volkes auf christlicher Grundlage aufzubauen, daß dies einen solchen Sturm im feindlichen Lager herauf beschwor, dann läßt das, wie Sapor sagt, tief blicken. Die feindlichen Brüder Bennigsen und Richter reichten sich gerührt die Hände, die von Schurzfell und Kelle spielten auf zum Tanze und die alte rheinische Klapperschlange zu Köln ist ernstlich mit sich zu Rathe gegangen, ob sie sich wieder, einmal häuten wolle und in Flügelkleidung mit republikanischen und griechischen Mützen Extravorstellung im Nationalliberalen-Cirkus geben solle. (Allgem. Heiterkeit.) Manch treffliches Wort ist gesprochen worden, aber ich glaube, es mag auch hier, wo wir zusammen gekommen find, um ein Bekenntniß unseres Glaubens, unserer Grundsätze abzulegen, muß über diese Frage ein Wort gesprochen werden, und da möchte ich allen oben angedeuteten Phrasen, daß der Staat der alleinige Herr der Schule ist, drei Sätze entgegenstellen.
Das Staatsschulmonopol in Verbindung mit dem Staatsschulzwang ist erstens eine Verletzung der heiligen, von Gott gegebenen Rechte, es ist durch und durch Revolutton, die Verkündigung des Kommunismus auf geistigem Gebiete (allgemeine Zustimmung); es ist zweitens eine Verletzung der Gewissensfreiheit und es ist drittens, m. H., eine durch nichts gerechtfertigte Ueberhebung in Bezug auf die Qualifikation des Staates als Lehrer und Erzieher des Volkes.
Wenn ich zum 1. Punkte übergehe, so kostet es mich fast einige Ueberwindung, so zu sagen, denn so klar und selbstverständlich ist diese Sache; aber was bleibt denn anderes übrig, wenn die Gelehrten trotz ihrer patentirten Gelehrsamkeit immer wieder von Neuem verkünden 2 Mal 2 ist 5, als daß wir ihnen entgegentreten und sagen! Mit Verlaub, meine Herren, 2 Mal 2 ist nicht 5, sondern 4. Und so sage auch ich: Das eigentliche, ureigentliche Recht auf die Erziehung der Kinder und der Jugend haben die Eltern und nicht der Staat. Es ist eine Lüge, daß der Staat der alleinige Herr unserer Erziehungsanstalten sein soll (Zustimmung); ein Recht haben diejenigen, die von Gott die Pflicht erhalten haben, die Kinder zu erziehen, die Eltern. (Beifall.) Das haben früher ehrliche Liberale offen bekannt, nnd noch im Jahre 1880 ist auf dem liberalen Lehrertage zu Hamburg von dem damaligen Referenten wörtlich gesagt worden: Der Staat hat "zunächst die Erziehung der Jugend den Eltern zu überlassen und ein Uebergriff des Staates in die geheiligten Rechte des Familienlebens wäre eben so verderblich wie widerrechtlich. Die gesunde Vernunft ist es ja, die einen Jeden lehrt, daß die Eltern von Gott zum Herrn ihrer Kinder gesetzt sind u. auch die einzigen seien, die darüber zn entscheiden das Recht und die Pflicht haben, wie ihre Kinder erzogen werden sollen. (Sehr wahr.) Dieses Recht ist nicht übertragbar, diese Pflicht kann von ihnen nicht abgelehnt werden und deswegen, m. H., ist es Aufgabe, ich sage nicht eines jeden Christen, sondern eines jeden anständigen Menschen, der noch einen Funken von Ehrgefühl und Sinn für seine Menschenwürde in sich trägt, entgegenzutreten und zu streiten, bis dieses entwürdigende Staats» Monopol aufgehoben ist. (Bravo.) Nur diejenigen können sich für dies Monopol erwärmen, welche entweder ä la Hegel in dem Staate den sich uns repräsentirenden Gott erblicken oder überhaupt die Gottesidee aus der Welt geschafft wissen und an deren Stelle das Recht des Stärkeren setzen wollen. Da gilt allerdings der Spruch Danton's: Die Kinder gehören erst der Re
publik und dann erst Euch, den Eltern. Meine verehrten Herren! Ich möchte, daß meine Stimme in alle Familien bringen könnte, und da zu sagen: Christlicher Vater, der Du Gottes Stelle an Deinen Kindern vertreten sollst, christliche Mutter, die Du denjenigen, die du unter Deinem Herzen getragen, die Du mit Deinem Blute genährt, als Schutzengel zur Seite stehst, bis im Tode Dein Auge bricht, haltet Euch zusammen, Pflanzt Euch auf vor dem Heiligthum Eurer Familien, um es zu hüten mit dem flammenden Schwert des Cherubins, und erklärt der Welt laut und feierlich: Die Kinder sind unser, uns, den Eltern, und wir lassen sie uns nicht nehmen von keiner Macht der Erde. (Rauschender Beifall.) '
Bon allen Seiten erfolgt in unfern Tagen der Appell an die verschiedensten Parteien, sich zusammenzuschaaren in dem Kampfe von dem Ihnen mein verehrter Vorredner gesprochen hat, in der Bekämpfung der Sozialdemokratie. Wie übrigens dies Zusammenwirken von den Nationalliberalen und Gesinnungsgenossen gedacht wird, das haben wir, nebenbei erwähnt, in den letzten Zeiten gesehen. Am Rhein, glaube ich, war es, wo ein sehr gebildeter Bürgermeister die Katholiken als Hallunken bezeichnete und in Eisenach ist die Parole ausgegeben worden: Keine Schonzeit für das Schwarzwild und ich darf da auch an die Vorkommnisse in der badischen Kammer erinnern und vor Allem an die Unverschämtheiten, welcher sich gewisse Herren anläßlich der Todesfeier des Herrn von Forckenbeck nicht schämten, weil die katholische Kirche sich von der vornehmen Leiche eines Oberbürgermeisters von Berlin nicht hatte imponiren lassen (Heiterkeit) und konsequent ihren Grundsätzen, — andere wissen vielleicht nichts von Grundsätzen (Heiterkeit) — ihre Segnungen nur denen gewährt, denen sie allein zukommen, ihren Kindern, oder sie müßte ihre Vorschriften selbst als eitel Lug und Trug, als Komödie betrachten. Ich habe das nur ei wähnt, m. H., um zu zeigen, was wir von gewissen,' Leuten zu erwarten haben, trotzdem man natürlich hie und da das Bedürfniß fühlt, an unser patriotisches Gefühl zu appelliren, namentlich, damit, wenn sie den Karren in den Dreck geschoben haben, wir ihn wieder herausholen. (Bravo!) Dann habe ich aber auch daran erinnern wollen, um zu zeigen, daß es eigentlich ein sonderbarer Anachronismus ist, wenn Diejenigen, die sich für das Schul- monopol begeistern, sich als Kämpfer gegen die Sozialdemokratie bezeichnen wollen.
Nein, m. H., wer den Kommunismus auf geistigem Gebiete zugiebt, der kann ihn auch zulassen auf dem materiellen (Sehr wahr!), Denn ich glaube, das Geistige steht doch noch immer über dem Materiellen oder es müßte Menschen geben, die da behaupten, das Recht der Eltern auf ihre Kinder sei weit weniger werth, als das Eigenthum auf den Kaffeesack oder das Petroleumfaß. Allein, sagt man uns, der Staat hat doch ein gewisses Interesse daran, daß eine gute Volksbildung und Erziehung vorhanden und gesichert ist. Ich will das Interesse gor nicht näher untersuchen, m. H.; ich frage nur, haben die Eltern vielleicht kein Interesse an der Erziehung ihrer Kinder. Haben die Eltern kein Interesse daran, daß Diejenigen, welche sie' während ihrer ganzen Minderjährigkeit gehegt und gepflegt haben, für die sie gelitten und gestritten, eine solche Erziehung erhalten, welche sie stärkt, daß sie den Kampf um die Existenz zu bestehen vermögen? Und glauben Sie, daß dieses Interesse, das nur durch die Liebe getragen wird, schwächer ist, als das Interesse des Staates mit seinem Polizeisystem, seinen Gens- darmen und Unteroffizieren? Und wem, m. H., soll der Satz gelten, daß das Interesse au einer Sache auch die Beschlagnahme dieser Sache rechtfertigt? (Sehr wahr!) Ja, m. H., der bekannte Millionendieb Jäger hatte auch ein großes Interesse an den Banknoten seines Chefs (Sehr gut, Heiter!.) Warum denn nun den Herrn beim Kragen kriegen? Oder glauben Sie, daß das Recht der EKern von Millionen Kindern, daß die Seelen der Kinder von abermals Millionen Elter.i weniger schutzberechtigt find als der Geldbeutel von Anselm Rothschild? M. H., bevor der Staat da war, hat die Familie existirt, und es wäre eine Versündigung gegen die Weisheit Gottes, anzunehmen, daß er in jener Zeit nicht für die Erziehung der Kinder gesorgt hätte. Nein, m. H., die Familie ist denn doch in unseren Augen noch etwas mehr als eine Suppenanstalt und deswegen wollen wir den Charakter, die Rechte und Freiheit unserer Familie uns wahren und wollen kämpfen, so lange wir noch einen Arm zum Kämpfen haben.
Gestatten Sie mir, m. H., einige Worte zur zweiten These, die ich ausgestellt habe: Das Staatsschulmonopol ist eine Verletzung der Gewissensfreiheit. Ich sage, daß dieses Staatsschul- Monopol dazu führen muß, entweder die religiöse Erziehung der Kinder aus der Schule zu beseitigen, oder aber die Religion unter die Omnipotenz des Staates zu drücken. Das scheint mir doch nun sonnenklar; und zum Ueberfluß haben es, m.H., unsere Staatsweisen dies ganz offen ausgesprochen. Das ist bei Ihnen in Preußen geschehen und das ist noch viel deutlicher bei uns in Hessen geschehen. Es war am 3. Oktober 1874, da hat das hessen-darmstädtische Ministerium in einem Reskript folgenden Satz aufgestellt: Zwar besitzt neben der weltlichen auch die geistige Behörde die Mitaufsicht, aber der Lehrer hat lediglich im Auftrage des Staates und nicht im Auftrage einer kirchlichen Behörde den Religionsunterricht zu ert(jeden. M. H., ich frage Sie, ist das nicht offene Auflehnung gegen die Anordnung Gottes? (Sehr wahr). Gestatten Sie mir, m. H., Sie einige Augenblicke in die Zeit zurückzuführen, da Christus noch auf Erden wandelte. Wir sehen uns nach Galiläa versetzt, auf einem Berge sind die Jünger des Herrn versammelt; da tritt der Heiland unter sie und spricht zu ihnen die bedeutungsvollen Worte: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet nun hin und lehret alle Völker, — alle ohne Ausnahme, Gebildete und Ungebildete, Erwachsene wie Kinder, ja ganz besonders die Kinder, diese Kinder, die Lieblinge des göttlichen Heilandes — denn ich bin bei Euch bis ans Ende der Welt.
M. H.! Konnte Gott in klarer und unzweideutigerer Weise bei Ertheilung dieses Auftrags diejenigen bezeichnen, von denen er die Wahrheit gelehrt reiften wollte. Nehmen Sie einen Augenblick an: Ein neuer Bischof soll geweiht werden, er soll eintreten in die Schaar der Nachfolger derjApostel, er soll Hirt, Lehrer