Anschauung zu hören gewohnt war. Hoffentlich hält diese neue günstige Anschauung bei unsern westlichen Nachbarn recht lange vor; dann wird auch das Säbelrasseln und Revanchegeschrei sich nicht mehr so aufdringlich bemerkbar macken,
* Der Kaiser hat, wie verlautet, angeordnet, daß ihm fortan über alle Reibungen zwischen Offizieren und Civilisten Vortrag unter genauer Darlegung des Sachverhalts gehalten werde.
* Nach der vom Bureaudirektor des Abgeordnetenhauses, Geh.-Rath Kleinschmidt aufgestellten Uebersicht sind im Abgeordnetenhause noch zu erledigen das Tertiärbahngesetz in 2. und 3. Lesung, der Antrag Kelch wegen Errichtung eines Amtsgerichtes auf Helgoland und Petitionsberichte. Im Hrrrrnhause harren noch der Erledigung die Vorlagen wegen Aufhebung der Sieuerfreiheitder Reichsunmittelbaren, die Landgemeindeordnung für Schleswig-Holstein, die Vorlage, betr. die Besetzung der Kommunalbeamtenstellen durch Militair- anwärter, der Gesetzentwurf betr. das Diensteinkommen der Lehrer an den nichtstaatlichen höheren Lehranstalten und der Nachtragsetat (Wasferversorgung des ober- fchlesischen Jndustriebezirks.)
* Dem Bundesrath ist das am 13. April d. I. in Berlin unterzeichnete Abkommen mit der Schweiz über den gegenseitigen Patent- Marken- und Musterschutz zur Beschlußnahme zugegangen.
* Das Reichspostamt hat die von der Posener Handelskammer beantragte Fernsprechverbindung Posen- Berlin abermals abgelehnt, weil die geforderte Bürgschaftssumme nicht aufgebracht wurde.
* Die Baugewerkszeitung theilt mit, daß die Regierung einen Gesetzentwurf plane, wonach ausschließlich Jnnungsmitgliedern gestattet sein soll Lehrlinge zu halten. Diejenigen Jnnungsmitglieder, welche Lehrlinge annehmen wollen, müssen ordnungsmäßig gelernt und ein Gesellenstück gemacht haben.
• Das Mitglied des preußischen Herrenhauses, Stadtrath Lambrck in Thorn, ist vergangene Nacht int Alter von 78 Jahren gestorben.
* In Osnabrück begannen am DienStag die Verhandlungen der 3. Generalversammlung des gelegentlich der Bochumer KatbolikerVersammlung gegründeten Verbandes katholischer Lehrer. Es waren Delegirte aus Rheinland, Westfalen, Osnabrück, Hannover, Schlesien, Nassau, Westpreußen und dem Ermland anwesend. In allen diesen Bezirken bestehen Provinzial- bezw. Diözesanvereine mit einer Gesammtmitgliederzahl von 3000 Lehrern und Geistlichen. In Schlesien und im Ermland ist die Mitgliederzahl zurückgegangen, während sie in den übrigen Bezirken zugenommen hat. Zu dieser Versammlung logen Begrüßungsschreiben von den Bischöfen von Münster, Köln, Breslau, Kulm u. s. w. vor, und auch die Centrumsabgeordneten Dr. Porsch, Graf Ballestrem und Rintelen hatten dem Verband ihre Sympathieen schriftlich bezeugt. Letzterer erklärte, an maßqebenster Stelle sei die srühere Abneigung gegen den Verband geschwunden, und die kleinen Stellen würden sich jetzt wohl bequemen müssen, nach- zuthun. An den Kaiser und den Kultusminister wurden Telegramme geschickt. In der Hauptversammlung sprach Seminardirektor Degen über den Radikalismus in der Pädagogik.
* Trier, 9. Juni. An Stelle des verstorbenen Professors Dr. Mosler ist, wie man der .Germania' von hier mittheilt, Dr. Disteldorf zum Professor der neutestamentlichen Exegese und an Stelle des Generalvikars Dr. Reuß Pfarrer Dr. Marx in Bettenfeld, ein Verwandter des verstorbenen Domkapitulars und Kirchenhistorikers Dr. Marx, zum Professor der Kirchengeschichte am hiesigen Prtester-Seminar ernannt worden.
* Köln, 8. Juni. Pater Aurelian hat, wie totr schon vor 8 Tagen undeuten konnten, die .Köln. Ztg.' wegen literarischen Diebstahls gerichtlich belangt. Die .Köln. Ztg.' berichtet darüber: „Einem der verantwortlichen Redakteure der .Kölnischen Zeitung' ist am Pfingstsonntag die Vorladung zur Vernehmung im Vorverfahren zugestellt worden. Tie Vernehmung hat heute stattgefunden. Der Redakteur lehnte ab, den Einsender des Aktenstücks zu nennen."
* Halle, 8. Juni. Gegenwärtig tagt dahier der 9. deutsche Lebrertag. Anwesend sind ca. 1800 Lehrer. An den Kaiser wurde ein Begrüßungstelegramm gerichtet, das folgenden Wortlaut hat: „Ew. kaiserl. Maj., dem obersten Schirmherrn des Reiches und obersten Schutzherrn der Schule, spricht der hier versammelte Lehrertag, der von 71.000 deutschen Volksschullehrern beschickt ist, die allerunterthänigste Versicherung unverbrüchlicher Treue aus und lebt der sesten Zuversicht, daß Ew. Maj. auch fernerhin das Wohl der Volksschule fördern werden."
* Der König und die Königin von Württemberg sind heute Vormittag in Karlsruhe eingetroffen und vom Großherzoge, der Großherzogin, dem Erb- großherzog, der gejammten Generalität, sowie von zahlreichem hohem Staatsbeamten am Batznhose empfangen worden.
Ausland.
* Budapest, 8. Juni. In der Garnisonkirche wurde heute Vormittag em feierlicher Gottesdienst durch den Fürstprimas Vaszary celebrirt, welchem der
Kaiser, die Erzherzoge, Erzherzoginnen, das diplomatische Korps und die Dünister beiwohnten. Nach dem Evangelium hielt der Fixrstprstnas eine kurze Festrede. Der Fürstprimas hob die seltenen Herschertugenden des Monarchen, dessen unverbrüchliche Treue gegenüber der Nation hervor und flehte den Beistand Gottes an, daß die Stephanskrone immerdar ihr Lickt in Frieden ausstrahle, aber wenn nöthig, dann treffe die Schärfe des tausendjährigen Schwertes die Feinde des Vaterlandes wie ein Blitz. Hierauf segnete der Fürstprimas den König, die Königin und das ganze Herrscherhaus und forderte die Nation auf, thren Glauben und ihre Traditionen zu erhalten.
* Rom, 8. Juni. Fürst Odcscalchi erhielt einen Brief, unterzeichnet mit „Die Todesgruppen der Dyna- mitarden", worin er aufgefordert wird, eine Million Lire an einem bestimmten Orte zu hinterlegen. Die Polizei hinterlegte ein Packet und nahm daselbst zwei mit Revolvern bewaffnete Individuen fest. Die Verhafteten sind Anstreicher, 19 und 20 Jahre alt und mehrfach vorbestraft wegen Theilnahme an Arbetter- unruhen; sie bekannten sich als intransigente Anarchisten und erklärten, ihre Komplizen würden das Palais Odescalchi in die Luft sprengen.
* London, 9. Juni. Nach einer Meldung des Bureau Rcuter" erhielt das Auswärtige Amt keine den Tod Emin Pascha's bestätigende Nachricht. Man bezweifelt die Wahrheit der Meldung von E min's Tod.
Stadt, Drovim und Dachdargebiet.
Fulda, 10. Juni.
* Unser Hochw. Herr Bischof wird feine Firmungsreise mit Ablauf dieser Woche fortsetzen und das hl. Sakrament kommenden Sonntag, den 12. ds., in Bocken- beim spenden. Wie von dort mitgetheilt wird, beabsichtigen der Bockenheimer Liederkranz und der katholische Kirchenchor Sr. Bischöfl. Gnaden am Samstag Abend vor dem katholischen Pfarrhause ein Ständchen zu bringen. Montags erfolgt die Weiterreise des Hrn. Bischofs nach Homburg.
* Man liest heute in der ,Köln. Volksztg.': „Das Neueste über die Fuldaer Wallfahrt finden wir in einem amerikanischen Blatt, .Deutschen Korrespondent' zu Baltimore. Unter dem 9. Mai wird demselben aus Berlin berichtet; „Die Kölnische Volkszeitung, ein Organ der Römisch-Katholiken und Klerikalen, veröffentlicht die Einzelheiten einer Pilgerfahrt, welche nach Fulda zur Anbetung des heiligen Bonifatius m Aussicht genommen ist." Nun wissen wir doch wenigstens, was die Pilger in Fulda thun. Freilich werden sie selbst erstaunt sein, zu hören, daß sie den hl. Bonifatius „anbeten", während sie immer glaubten, Anbetung gebühre nur Gott selbst. Sehr hübsch ist auch der Schluß des Berliner Briefes: „Sollte der R e i ck s- tag aufgelöst werden und eine Wahl in naher Zukunft stattfinden, so würde die Wallfahrt ohne Zweifel sehr zur Stärkung des Votums der Klerikalen beitragen."
'* Im Verlag der A. Maier'schen Buch- und Kunsthandlung bierselbst ersckien vor Kurzem unter dem Titel „Die Milseburg, die Perle der Rhön" ein hübsch ausgestattetes, handliches Büchlein, welches den als Verfasser ähnlicher Schriften bekannten Präsidenten des Rhönclubs, Herrn Dr. Justus Schneider, Dirigent des hiesigen Landkrankenhauses, zum Verfasser hat. Das Büchlein erscheint gerade jetzt zur rechten Zeit auf dem Büchermarkt und wird Touristen und Naturfreunden als „Wegweiser und Gedenkblatt" hochwillkommen sein. In sinniger Weise folgt hinter dem Titel- und Widmungsblatt ein lieblich anmuthendes Gedicht „Die Perle der Rhön" von L. Höhl. Sitte photographisch aufgenommene Ansicht der Milseburg, eine Wegkarte ihrer Umgebung und eine Uebersicht der Zugverbindungen nach der Milseburg bilden sehr zweckentsprechende Beigaben. Der Preis für das elegant kartonirte Büchlein beträgt 75 Pfg. und ist nicht zu hoch gegriffen. ,
(*) Wir versäumen nicht, nochmals aus das am kommenden Sonntag, den 12. Juni, abzuhaltende Rsd- fahrersest hinzuweisen. Wie aus dem Programm (siehe Annoncentheil) ersichtlich ist, bietet der Fuldaer Radfahrer-Verein „Ueber Berg und Thal" alles aus, dem Publikum ganz außerordentliche Leistungen der Rad- fahreikunst vorzusührm und wird dem Besucher des Schloßgartens an diesem Tage für wenig Geld in der That viel geboten. Wir machen noch ganz besonders auf die vortheilhaften Tageskarten ä 75 Pfg. erhältlich in den VorverkaufSstelleu (siehe Programm) aufmerksam. Die Inhaber dieser Karten haben freien Zutritt zu sämmtlicken Festlichkeiten mit Ausnahme des Festballes. Am Vorabende des Festes, Sonnabend den 11. Juni von Abends 8lh Uhr ab, Kommers im Vereinslokale „Alte Post".
* Dem Vernehmen nach beabsichtigt das Ministerium des Innern, da ein staatltckes Interesse für die fernere Beibehaltung der Königs. Polizei-Verwaltungen in Fulda, Marburg und Hanau nickt vorhanden fei, die Ortspolizei-Verwaltung den städtifchen Verwaltungen zu übertragen und ist deshalb mit Letzteren in Verbindung getreten. m ,
* Hur Befeitung etwaiger Zweifel über dte Behandlung von Berufungen gegen die Einkommensteuer-
Veranlagung derjenigen Steuerpflichtigen, welche nach erfolgter Veranlagung ihren Wohnsitz in einen anderen Veranlagungsbezirk verlegt haben, hat der Finanzminisier folgendes bestimmt: 1) Berufungen der bezeichneten Art, mögen sie vom Vorsitzenden der Veranlagungskommission oder vom Steuerpflichtigen eingelegt sein, unterliegen der Erörterung und Entscheidung durch die für den D>t der Veranlagung zuständigen Kommissionen und Behörden. 2) Berufungen, welche etwa nach dem Umzuge des Steuerpflichtigen bei dem Vorsitzenden der für den neuen Wohnort zuständigen Veranlagungskommission eingehen, sind von diesem mit einem Vermerk über den Tag des Einganges dem Vorsitzenden des Veranlagungsortes zu übersenden. Die Beruiungsfrist gilt in einem solchen Falle als gewahrt, wenn die Berufung auch nur bei dem Vorsitzenden des neuen Wohnortes innerhalb der Ausschlußstist eingegangen war. 3) Wird behufs Erörterung der Berufung die persönliche Verhandlung mit dem verzogenen Steuerpflichtigen erforderlich, so sind zu diesem Zwecke die Behörden des neuen Wohnorts um ihre Vermittlung zu ersuchen, insofern der Steuerpflichtige sich nicht ausdrücklich zur persönlichen Verhandlung vor den Behörden des früheren Wohnorts berklärt. 4) Die im Berufungsverfahren ergangene Entscheidung ist alsbald nach ihrem Eingänge (Artikel 66 Nr.
3 der Anweisung vom 5 August 1891) dem Vorsitzenden der für den neuen Wohnort zuständigen Veranlagungs- kommission mitzuth eilen.
* Das Befühigungszeugniß für den rinjährig-ftti- willigen Militärdienst wird nach einer generellen Verfügung für alle Schulen im Herbst 1892 noch einmal ohne Abschlußprüfung erlangt werden, können. Es werden also Untersekundaner, falls sie in diesem Herbst die vorgeschriebene Zeit (ein Jahr) die Untersekunda mit Erfolg besucht haben, die Berechtigung ohne Prüfung erwerben.
* Die III. Wandervcrsammlung des Verbandes Hessischer Bienenzüchtervereine nebst Ausstellung soll vom 23.-26. Juli l. Js. zu Hanau stattfinden./ Die Mitglieder der Verbandsvereine sind berechtigt, Bienenvölker, Honig, Wachs rc. auszustellen und werden zu regster Betheiligung eingeladen. Aussteller von Jmkergeräthschaften, Wachsfabrikaten rc. brauchen nicht BerbandSmitglieder zu sein und sind willkommen. Standgeld oder Ausstellungskosten werden nicht erhoben. Bei der Verloosung kommen al« Gewinne in Betracht: Pavillons, Stöcke, lebende Völker, gefüllte Waben, Honig, Wachrfabrikate, Jmkergeräthe rc. Den Ausstellern darf lohnender Absatz, namentlich auch für Honig, in sichere Aussicht gestellt werden. — Aus- stellungSplatz im Schwanengarten zu Hanau Kesselstadt, nahe dm Westbahnhof der Ludwigsbahn, in herrlichster Lage neben Schloß Philippsruhe. Näheres auf Wunfch durch den Vorort des Verbandes, Bienenzüchterverein Hanau, zu Händen des Herrn Vorsitzenden Pfarrer Hufnagel in Kesselstadt.
* Am 10., 11. und 12. d. M. findet zu Frankfurt a. M. der 11. Deutsche Kongreß für erziehliche Knaben-Handarbeit statt. Mit diesem Kongreß wird eine größere internationale Ausstellung von Erzeugnissen des Handarbeits-Unterrichts in den Räumen des Kunstgewerbe-Museums verbunden sein, die vom 10. bis 20. Juni dauert und eine besonders reichhaltige zu werden verspricht.
* Nach Mittheilung des königlichen Grneral-Kom- mandoö des 11. Armeekorps in Kasscl gehen demselben in letzter Zeit zahlreiche Gesncke um Beurlaubung von Mannschasren zur Disposition der Truppentheile direkt zu. Solche Gesuche können indeß nicht berücksichtigt, müssen vielmehr den Bittstellern zurückgegeben werden. Nur diejenigen Gesuche haben Aussicht auf Berücksichtigung, welche durch Vermittelung des Landrathsamtes in der Zeit vom 15 Juni bis 15. Juli eingereicht werden.
* Frankfurt a. M., 9. Juni. Der König von Griechenland ist gestern mit der Prinzessin Marie und dem Prinzen Andreas von Griechenland hier angekommen und im „Englischen Hof" abgestiegen. Heute Morgen statteten die Mitglieder der griechischen Kömgs- famiüe der Landgräfin von Hessen einen längeren Besuch ob. — Jäger's erste Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter dauerte heute Morgen mehrere Stunden. Die Klotz ist, weil sie sich leidend fühlt, in einer Krankenzelle des Polizeigefängnisses, einem verhält- nißmäßig elegant ausgestatteten, geräumigen Zimmer, untergebracht. Ihr Aussehen ist in der That em kränkliches. Heute Morgen so» wieder eine weitere Verhaftung vorgenommen worden sein, bei der es sich wieder um ein früheres Dienstmädchen der Familie Jäger handelt.
* Limburg, 8. Juni. Gestern Nachmittag kam ! Fürst Löwenstein, welcher an der Wallfahrt m ! Fulda tbeit genommen, hier durch und weilte bei unserem Hochw. Herrn B i s ch o f einige Stunden zu Besuch. Nach Besichtigung des Domes und der Ruhestätte oes hochseligen Bischofs »Peter Joseph fuhr Hochderselbe Abends gegen 7 Uhr wieder von hier ab. (Nass. B.)
* Zum Kapitel der „Tierquälerei" schreibt man uns von zuverlässiger Seite aus Schlitz: Gestern traf ich ein Hundefuhrwerk, dessen hier aus der Nähe stam-
i mender Hund mir zufällig bekannt war. Derselbe ist erst halberwachsen, jetzt 7 Monate alt, ganz schlank und ! schwach. Ich frag daher den aus dem preußischen ! Städtchen H. stammenden Besitzer, ob es nicht strafbar sei, ein so junges Threrchen an den Wagen zu spannen. Darauf zeigte mir derselbe ein Attest, worauf stand: