ssamsp"
1
,®er Sonntag ist
In nomine patris et filii et Spiritus sancti.
Deus auribus nostris audivimus, patres nostri annuntiaverunt nobis opus, quod operatus es in diebus eorum et in diebus antiquis.
Ps. 43, 1—2.
„O Gott, mit unseren Ohren haben wir es gehört und unsere Väter haben es uns gemeldet, was Du ge- than hast in unsern Tagen und in jenen Tagen."
Hochwürdigster Herr Bischof! Andächtige zur heutigen Festfeier versammelte Zuhörer!
Als Josua im Kampfe um das gelobte Land die Schlacht gegen die 5 Könige der Amorhiter schlug, in welcher durch die vom Himmel gefallenen Steine mehr Feinde erschlagen wurden
*) Ein Separat ab druck der Festpredigt (Broschürenform) wird demnächst im Verlag der Fuldaer Aktiendruckerei erscheinen. *
Wallfahrt der Katholiken Deutschlands ;um Grabe des hl. Donifatius.
(Fortsetzung des Festberichts.)
Festpredigt*)
des
hochw. Herrn Stadtpfarrers Huhn aus München
im Dom zu Fulda
am 7. Juni 1892.
Wenn der hl. Bonifatius dem Papste gegenüber sich eidlich verpflichtete, die reine Lehre zu predigen, so war ihm eine Aufgabe zugedacht, die keineswegs so leicht war, wie es auf den ersten Augenblick scheinen mag. So weit es sich um die Einführung des Christenthums gegenüber dem Heidenthum, der Lehre von dem Einen Gotte gegenüber der Vielgötterei, der Lehre von der Menschwerdung Jesu Christi, der Kirche, der Sakramente u. s. w. handelte, war ja kein Zweifel möglich. Aber man muß in die Geschichte des hl. Bonifatius schon etwas tiefer hinein geschaut haben, um zu wissen, wie viele Zweifel trotz aller Klarheit der reinen Lehre dem Heiligen geblieben sind, Zweifel, die er in Rom vorlegte, um sie dort entscheiden zu lassen. Daß abergläubische Sitten und Gebräuche abgeschafft werden mußten, das war klar. Aber wie oftmals handelte es sich um Sitten und Gebräuche, die dem Volke lieb waren und von denen es zweifelhaft sein konnte, ob sie nicht ertragen werden konnten oder ob ihnen nicht vielleicht eine christliche Unterlage und christliche Deutung gegeben werden konnte, ähnlich wie man z. B. in Rom aus dem Tempel der Minerva den schönsten Marientempel geschaffen oder wie es der Heilige in seiner Heimath gesehen, wo aus einem heidnischen Tempel das Heiligthum von Kildare geworden war. Doch hierbei zu verweilen ist unsere Aufgabe nicht; das gehört in die Geschichtschreibung und kann in den Rahmen einer halben Stunde nicht eingeengt werden. Für uns wird es in dieser feierlichen Stunde fruchtbarer sein, wenn wir aus der reinen Lehre einige jener Punkte Hervorheben, deren Durcharbeitung dem hl. Bonifatius vor Allem am Herzen lag, die ihm auch die größten Schwierigkeiten bereiteten und bei deren Besprechung es uns anmuthen wird, als ob wir nicht vom 8., sondern vom 19. Jahrhundert redeten.
Ich nenne vor Allem die große Arbeit des hl. Bonifatius um die Einführung der Sonntagsfeier, um die er sich ebenso für Deutschland wie für England mühte. „Der Sonntag ist strenge zu halten und Niemand darf es wagen, an diesem Tage eine knechtliche Arbeit zu verrichten außer in soweit, als es uöthig ist, die Mahlzeit herzurichten. Wenn aus irgend einem wichtigen Grunde am Sonntage eine Reise uöthig ist, so mag man reiten, rudern ober in irgend einer Form reisen, immer jedoch vorausgesetzt, daß man zuvor die hl. Messe gehört hat. Der Sonntag ist der Tag, an welchem das Licht erschaffen wurde, an welchem den Israeliten das Manna gegeben uzurde, an welchem Christus von den Tobten auferstanden ist und der hl. Geist gesendet wurde." Dort im 8. Jahrhundert gilt es als allgemeine Regel, daß der Sonntag seine Vorbereitung haben muß, d. h. „daß er mit dem Vorabende beginnt und daß jeder christliche Mensch am Sonnabende sich mit einem Lichte versehen in der Kirche zum Abendgottesdienste einfindet, wobei streng darau zu achten ist, daß Alle friedfertigen Geist mitbringen und sich alles Streites und Zankes enthalten." Die ersten Christen in den deutschen wie in den englischen Landen wurden darüber nicht m Zweifel gelassen, was unter knechtlicher Arbeit zu verstehen sei. Sowohl den Männern wie den Frauen wurde dies sehr deutlich erklärt. Den Männern wurde gesagt, daß am Sonntag verboten sei der Feld- und Gartenbau, das Fällen der Baume, der Bau von Häusern und Mauern, das Brechen der Steine und das Graben von Teichen, während den Frauen gesagt ward, „daß
sie am Sonntag nicht weben, nähen, backen, brauen, nicht Wolle auskämmen, nicht Flachs brechen und nicht Schafe scheeren dürfen" Das war die heilige Sonntagsfreiheit, welche vom Sonnabende 3 Uhr bis Montag früh zur Morgendämmerung dauerte.
Das war aber auch eine der Grundlehren jener reinen Lehre, welche der hl. Bonifatius hier in diesen Thälern und auf diesen Bergen predigte. Halten wir einen Augenblick inne, um uns zu fragen, wie es mit diesem Vermächtnisse unseres Apostels jetzt nach fast 1OOO Jahren steht. Wie ist die Klage über die Entheiligung des Sonntags zu einer stehenden Klage unserer Oberhirten geworden! Wie hat der Fortschritt der technischen Erfindungen von den kleinsten bis zu den größten Maschinen furchtbar in die Sonntagsruhe eingegriffen und Hunderttausen- den die Sonntagsfeier fast unmöglich gemacht! Wie hat Handel und Verkehr in das Heiligthum des Sonntags eingegriffen! Wie hat noch vielmehr die Vergnügungssucht furchtbare Lücken m die Sonntagsruhe gerissen! Wie hat das Uebermaß von Verems- leben mit seinen zahllosen und fast ununterbrochenen Festen dem Sonntage seinen Nimbus als „Tag des Herrn" genommen! Wie ist selbst bis in abgelegene Dörfer hinein vielfach dem Sonntage der Charakter der Ausschweifung und der Liederlichkeit ausgeprägt worden! Und jetzt, da man nach langjähriger zersetzender Auflösung in maßgebenden Kreisen den Versuch macht, den Sonntag unter den Schutz des weltlichen Gesetzes zu stellen, wie erheben sich da die Schwierigkeiten thurmhoch und wie werden da selbst Stimmen laut, welche die Herstellung der Sonntagsruhe für eine Unmöglichkeit erklären! Man könnte versucht ein, solchen Stimmen eine Bedeutung beizumessen, wüßte man nicht, daß andere Länder, insbesondere die Heimath des hl. Bonifatius, obwohl sie im Handel und Verkehr uns weit voraus sind, ihren Sonntag heilig zu halten wissen. Für uns, meine lieben Zuhörer, handelt es sich heute darum, daß wir am Grabe des hl. Bonifatius nicht mit leeren Händen und Herzen erscheinen. Wir Alle, die Tausende, die heute hier versammelt sind, wollen die Noth der Zeit verstehen und wollen am Grabe des hl. Bonifatius das feierliche Gelöbniß ablegen, daß wir Jein Vermächtuiß der Sonntagsfeier heilig halten wollen. Woher Ihr auch sein möget, Ihr Tausende, die Ihr da vor meinen Augen stehet, ob aus Städten oder Dörfern, o gelobet heute, daß Ihr der Kirche Gottes in dieser schweren Zeit eine Hilfe und einen Trost bieten wollt durch die Heiligung des Sonntags. Habt eine Liebe für den Pfarrgottesdienst, d. h. für das am Sonntage zu feiernde feierliche Hochamt mit der dazu gehörenden Predig! und laßt die kürzere Form des Gottesdienstes, d. t. die stille hsiMessc denjenigen, die aus einem wichtigen Grunde diese aufsuchen müssen. Seid auch am Nachmittage zu haben für eine jener unserer herrlichen Andachten, in welchen die hl. Geheimnisse unseres Glaubens einen so wunderbaren Ausdruck im Gebete finden! Benützet die Sonn- und Festtage zum öfteren Empfange der hl. Sakramente! Helfet eindämmen jene ungemeffene Vergnügungssucht, welche ebenso der materielle wie der geistige Ruin unseres Volkes ist! Ihr Väter und Mütter seid in Betreff der Sonntagsfeier verantwortlich für Eure Familien, für Eure kleinen und großen Kinder, wie für Eure Dienstboten! Sorget dafür, daß Eure Kinder einstens sagen werden: „So haben wir es gehört mit unseren Ohren, so haben unsere Vater es uns gemeldet!" Heiliger Bonifatius höre dieses unser erstes Gelöbniß, das wir in Deine Hand vertrauensvoll niederlegen, damit Du es gleich jenen Nettesten am Throne Gottes, welche in goldenen Opferschalen die Gebete der Gläubigen darbringen, am Throne Jesu Christi niederlegest! Heiliger Bonifatius erhöre uns!
Eine zweite Sache, für die sich der hl. Bonifatius zur Bewahrung der reinen Lehre in wahrhaft wunderbarer Weise abmühte, war der Unterricht der Jugend. Gekommen aus einem Lande, wo die Pflanzstätten der Heiligkeit zugleich auch die Pflanzstätten der Wissenschaft waren, hat er die Ueberlieferung seiner Heimath in Deutschland treu bewahrt. Es hatte daheim schwere Kämpfe gekostet, bis der Baier den Knaben zur Ausbildung in ein Kloster gab und der Knabe hat dieses Kloster nur deshalb mit einem anderen Kloster vertauscht, weil in dem letzteren Gelegenheit zu weiterer Ausbildung gegeben war für den fo hoch begabten fleißigen Knaben. Hier aber machte Boni. satius, oder wie er damals noch hieß, Winfried solche Fortschritte in der Grammatik, im prosaischen und poetischen Stil, unO in dem Studium der hl. Schriften, daß er seinen Mitschülern zum Lehrer gegeben wurde, während er selbst zugleich zu den Füßen der Meister immer weiter lernte. Es ist im Leben unseres Heiligen eine sich immer wiederholende geradezu wunderbare Sache, wie an der Flamme seines Geistes sich andere Flammen entzünden, sei es, daß man an jenen Knaben Gregor denkt, den er auf feiner Reise nach Deutschland am Lesin erkannt hatte und der dann einer seiner treuesten Begleiter wurde, ober an den hochbegabten Sturmius aus Bayern, der auch als Licht vom Licht sich entzündete oder an jene hochgebildete heilige Fran Lioba, die mit unjerm Heiligen ebenso durch die Baude der Frömmigkeit wie durch die der Wissenschaft verbunden war und die es verstanden hat, apostolische Briefe in goldenen Lettern $ l'^Wie war es doch für einen so hochgebildeten Mann selbstverständlich, daß er überall hin die Wissenschaft trug Ihn müssen wir vor Allem nennen den Apostel der Volkssprache.
Kannst du das Gelesene in deiner Muttersprache erklären / so hatte der Heilige jenen Knaben Gregor gefragt und als dieser die Frage verneinte, filtg Bonifatius an, zu dem Knaben in der Muttersprache zu reden, so daß dieser durch die Mutteriprache an den Heiligen so gefesselt wurde, daß er erklärte, wenn man ihm kein Pferd gebe, fo werde er zu Fuß dem Heiligen folgen. Die Erklärung des Credo und des Vaterunser verlangte der Heilige von jedem Priester und zwar in der Muttersprache, nicht in der Form, wie böswillige Ausleger es zuweilen gethau, daß sie sagten, Bonifatius habe von seinen Priestern nichts an« deres als die Kenntniß des Glaubensbekenntnisses und des Vaterunser verlangt, sondern die Fähigkeit hat der Heilige von all seinen Priestern verlangt, daß sie beides in der Muttersprache der Jugend und dem Volke erklären können. Der hl. Bonifatius hat sodann in Uebereinftimmung mit seiner ganzen Zeit d
«terteijaqiiiajer m o o u v ,R<-thgebcr für LandwiNhschaft, Gartenbau und Hauswesen' in Fulda und auswärts l Mark nO Mennig._______
als durch das Schwert der Israeliten, da fühlte er, wie es galt, den Sieg auszunützen und den Feind bis in feine letzten Schlupfwinkel zu verfolgen: da richtete er vom Thale Gabaon sein Auge zur Sonne und sprach jenes gewaltige Wort: „Sonne bewege Dich nicht von Gabaon." Unter einem solchen Eindrücke stehe ich in dieser Stunde. Ach, es gibt Augenblicke im menschlichen Leben, die man festhalien möchte, Tage, an denen man das Himmelsgewölbe in seiner Bewegung aufhatten möchte, damit es lange Tag sei und damit wir den Segen eines Tages ganz ausnützen könnten, „ne defrauderis a die bona et parti- cula boni doni non te praetereat — damit du um einen guten Tag nicht gebracht werdest und daß auch kein Theilchen des Guten, das man dir schenkt, an dir vorübergehe." O rote schön ist ein solcher Tag in Fulda am Grabe des hl. Bonifatius, wo Tausende aus allen Gegenden Deutschlands zusammengeströmt sind um für die Gnade des christkatholischen Glaubens Gott dem Herrn zu danken, um das Grab des glorreichen Apostels der Deutschen zu verherrlichen und um heilige und unvergängliche Gelöbnisse zu erneuern! Unsere Herzen erzittern in heiliger Freude, unsere Augen leuchten in heiligem Glanze und unser Mund spricht es aus in heiliger Begeisterung, daß wir überaus glücklich sind, an diesem Tage hier sein zu dürfen und stände es in unserer Macht, wir würden der Sonne besehlen, inne zu Balten in ihrem Laufe, auf daß dieser Tag uns verlängert werde. Doch die Zeit flieht und wir müssen geizen mit jeder Minute, um wenigstens das Nothwendigste vollbringen zu können.
Wir Kinder des 19. Jahrhunderts versetzen uns heute lebhaft in das 8. Jahrhundert zurück. Wie wir es gehört haben mit unfern Ohren, wie unf’re Väter es uns verkündigt haben — das Werk, das Gott in ihren Tagen — in alten Tagen — gethau hat, das steht heute lebendig vor unferm Geiste. Dort im Anfänge liegen die Wurzeln unserer Kraft und indem wir auf diesen Anfang zurückgehen, machen wir keinen Rückschritt, sondern wir stellen nur aufs Neue unsere heilige Sache auf das alte unveränderliche und unvergängliche Fundament, wie es per hl. Bonifatius gelegt hat. Dieses heilige Vermächtuiß des Apostels der Deutschen an Deutschland soll heute feierlich von uns aufs Neue angenommen und mit heiligen Gelöbnissen besiegelt werden. . m
Als der hl. Bonifatius bei feiner zweiten Romreise vom Papst Gregor II. am 30. Nov. 733 zum Bischof für Deutschland geweiht wurde, verpflichtete sich der Heilige durch einen feierlichen Eid zu 2 Dingen:
1) daß er den reinen Glauben lehre;
2) daß er die kirchliche Einheit bewahre.
In diesen 2 Sätzen ist die Lebensaufgabe unseres Apostels enthalten — in ihnen liegt auch das Vermächtuiß, das er uns hinterlassen hat. Lasset uns mit dem Beistände des hl. Geistes und unter Anrufung des glorreichen hl. Bonifatius bei der Betrachtung dieser 2 Sätze verweilen!
I.
oo Die Festfeier in Fulda, cad
Hoch von der Warte, wo wachend die Ersten und Besten Stehen, die heiligen Güter des Volkes zu schützen, Scholl es durch's Land mit feurigem Klange: „Auf! ihr Brüder, zum Grab des Apostels der Deutschen! Auf! ihr geistigen Söhne des rastlosen Helden!" Und von Osten und Westen, von Süden und Norden Kamen wir einig und sahen und staunten bewundernd, Priesen den Herrn und dankten ihm freudigen Herzens, Daß er der Brüder so viele vereinet in Fulda. O, wir durften es schauen mit trunkenen Augen, Wie sich Schaaren und Schaaren von gläubigen Männern Nahten in Demuth und Andacht dem Tische des Lebens, Wie an der Seite des schlichten, des ärmlichen Mannes Kniete der Reiche, der Held des Wortes, der Feder. Heiliger Glaube, göttliches Feuer der Wahrheit! Du vermagst die Herzen der Menschen zu einen, Sie zu entzünden in Liebe zu Gott und dem Nächsten. Sahen wir's nicht und riefen's nicht alle die Fahnen Flatternd uns zu: „O sehet, was Glaube und Liebe Schaffet!" — Ja, euch Söhnen des lieblichen Fulda Sei es zum Lobe gesagt: Wir waren erschüttert!
Freude und Rührung ergriff uns im innersten Busen, Als wir in stattlichem Zuge zum Dome hinwallten Durch die Straßen, prangend im herrlichsten Schmucke. Durften wir ahnen, daß solches wir könnten bewundern? Wahrlich, ihr wurdet ein leuchtendes Muster für Alle. — Auch euch, die ihr von Nah und Ferne her kämet, Hier am Grabe des großen Apostels zu knieen, Sei es gedankt in herzlicher Liebe und Freude.
Schwerliche Wege, Beschwerden und Fährten der Reise Scheutet ihr nicht in Liebe zum Vater der Deutschen, Ihn zu bestürmen mit brünstigem Flehen und Bitten, Daß er die Kirche beschütze, den heiligen Vater. Sorgenden Herzens habt ihr am Grabe gestehet, Denkend der Stürme, der Noch der geknechteten Kirche. Sei's euch zum Tröste gesagt: Wir dürfen nicht zagen! Kräftige Zeichen wirkten die Hände der Allmacht: Männer entflammten wider die Feinde der Kirche, Männer bestürmten den Himmel um gnädige Hilfe, Männer gelobten an Sankt Bonifatius Grabe Liebe der Kirche und Treue dem heiligen Petrus. Und sie werden beharren und kämpfen und streiten, Bis ein herrlicher Sieg sie krönet und zieret.
Ja! wir dürfen es hoffen, wir sahen die Zeichen! Sagt! und rief nicht das saftige Grün der Guirlanden: „Hoffet, o hoffet! es kommen bald bessere Tage!" Sehr.