JM 127
Samstag, den 4. Juni 1892.
19. Jahrgang
Fuldaer M Zeitung
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Ordnung
fit die Nriiion M falt des hl. LmfM
am 7. Juni, 9 Uhr Morgens.
A. Vor der Prozession.
1. Heilige Messen werden gelesen im hohen Dom, in der Stadtpfarrkirche und den übrigen Kirchen der Stadt von 5 Uhr ab. (Die Kirchen sind von 4 Vs Uhr an geöffnet.)
2. Nach 8 Uhr wird der Dom geräumt. Die noch Anwesenden werden dringend gebeten, der Aufforderung hierzu bereitwillig Folge zu leisten. — Dann werden alle Thüren geschlossen bis zur Ankunft der Prozession. (Die Seiteueingänge werden erst geöffnet nach dem Einzug der Herren Bischöfe.)
3. In der Stadtpfarrkirche, welche gleichfalls vor Beginn der Prozession von den Nicht-Wallfahrern zu verlassen ist, wird ebenso um 8 Uhr der Haupt- eingaug geschlossen. — Die Seiteneingänge an der Nord- und Südseite bleiben geöffnet, jedoch nur für die fremden Wallfahrer (zuerst die Männer!)
b. Aufstellung zur Prozession.
1. Nur die fremden Wallfahrer versammeln sich nach 8 Uhr im Innern der Stadtpfarrkirche, eintretend durch die beiden Seiteuthüren. 12 Herren mit weiß-grünen Abzeichen werden die Plätze anweisen.
2. Die hiesigen kathol. Vereine mit ihren Fahnen nehmen Aufstellung außerhalb der Pfarrkirche, am nördlichen Eingang, — die Bürgerschaft gleichfalls außerhalb, am südlichen Eingang (an der Seite des alten Rathhauses).
3. Auf dem Platze vor der Pfarrkirche wird eine Ab- theilung der Feuerwehr, verstärkt durch Schutzleute, die Ordnung aufrecht erhalten.
c. Abgang der Prozession.
1. Nachdem in der Stadtpfarrkirche die Nachricht eingetroffen, daß der Dom frei ist, und sobald die mit den 9 Uhr-Zügen ankommenden Pilger in der Stadtpfarrkirche sein können, treten die Vereine durch den Nordeingang in die Kirche und beginnen, durch den Mittelgang gehend, unter Vorantragung des Kreuzes, die Prozession.
2. Reihenfolge der Prozession:
a. Jünglings-Kongregation.
b. Gesellen-Verein.
c. St. Josephs-Verein.
d. Winfridia.
(Erstes Musikkorps.)
e. Meister-Verein.
f. Die theilnehmenden Herren Geistlichen.
g. Die Pfarrgeistlichkeit.
h. Das Lokalkomitee.
i. Die auswärtigen Pilger.
(Zwischen ihnen das zweite Musikkorps.)
k. Die übrigen Männer, indem sie durch den südlichen Eingang eintretend sich anschließen.
Das verhängnisvolle Testament.
Nach dem Englischen von H. v. Remagen.
(5. Fortsetzung.)
In ihren Worten lag eine für ihre Jugend wunderbare Entschlossenheit, die ihn tief bewegte.
„Das dürfen Sie nicht thun," sagte er. „Sie dürfm Ihr ganzes Lebensglück unmöglich einer überspannten Idee opfern. Lord Rylestone war Ihr rechter Oheim, und wenn es sein Wunsch war, daß sein Vermögen Ihnen zufiel, so war er vollkommen berechtigt, es Ihnen zu vermachen, und der einzige Mißgriff war, daß er Ihnen eine lästige Bedingung dabei stellte. Ich erröthe bei dem Gedanken, daß Sie sich um meinetwillen die geringste Sorge machen könnten. Bedenken Sie stets, daß ich jung und kräftig bin und daß der Himmel mich hinreichend mit Gesundheit, Muth und Verstand ausrüstete, um mir eine Existenz zu schaffen. Zudem bleiben mir ja jährlich tausend Pfund; es wäre unmännlich, wenn ich unter diesen Umständen über mein Loos klagen wollte. Das Vermögen, daS ich mir selber erwerben werde, wird einen viel höheren Werth für mich haben, als ein verdienstlos ererbtes ihn hätte."
Ihr Herz schlug ihm mächtig entgegen, denn auf seinem Antlitze strahlte wiederum wohlthuender Sonnenschein. Er machte den Eindruck eines Mannes, der bereit war, siegesgewiß den Kampf mit dem Schicksal einzugehen.
3. Während des Zuges wird das Bonifatiuslied („Wie heilig hast du Gottesfreund"), dessen Text schon vorher vertheilt wurde, unter Musikbegleitung gesungen.
4. Den Schluß des Zuges bildet die oben (B 3.) genannte Abtheilung der Feuerwehr.
5. Die zusehenden Gläubigen werden dringeud ersucht, auf den Straßen, durch welche die Prozefsion sich bewegt, hinreichenden Raum frei zu lassen.
». Eintritt in den Dom.
1. Bei Ankunft der Prozession wird blos das Hauptportal geöffnet. Die Seiteuthüren bleiben vorerst noch verschlossen.
2. Sämmtliche Bänke bleiben zunächst den Wallfahrern refervirt.
3. Eine vor dem Portale aufgestellte Mannschaft wird für Ordnung sorgen und ein vorzeitiges Eintreten von Nicht-Wallfahrern verhindern.
4. Die Prozession selbst bewegt sich nach dem Eintritt in den Dom durch das rechte Seitenschiff am Stur- mius-Altare vorbei zur Gruft hinab, am Grabe des heil. Bonifatius vorbei. Die Wallfahrer sind gebeten, nicht Halt zu machen, sondern sogleich wieder nach oben zu gehen.
5. In der oberen Kirche wieder angelangt, ziehen die Vereine am Benedictus-Altar vorbei, durch's linke Seitenschiff, wo sie nach dem Portal hin Aufstellung nehmen.
6. Die Plätze im Mittelschiff vertheilen sich also:
a) Das Presbyterium bleibt für die ministrirende Geistlichkeit reservirt.
b) Dem Presbyterium zunächst nehmen die Herrm Geistlichen Platz.
c) Di« folgenden Platz« nehnrsn dis noch üllrigon Wallfahrer ein.
7. Nach dem Eintritt der Prozession wird die am Schluffe marschirende Feuerwehr das Portal absperren und den Platz vor demselben freihalten zur Ausfahrt der Hochwürdigsten Herren Bischöfe.
In der Domkirche selbst ist deswegen der Mittelgang frei zu halten.
E. Das Pontifikal-Amt.
1. Zum Empfange der Herren Bischöfe nehmen das hohe Domkapitel, die Alumnen des Bischöflichen Priesterseminars und die ministrirende Geistlichkeit Aufstellung vom Mittelgang nach dem Portal hin.
2. Nach dem Einzuge der Hochwürdigsten Herren, nachdem das Responsorium „Sacerdos et Pontifex“ gesungen, werden die Seitenthüren geöffnet.
3. Darauf das Pontifikal-Amt mit Festpredigt. Den Schluß der Feier bildet die letzte Strophe des Bonifatius-Liedes („O Glaubensvater sieh' die Roth"). NB. Kinder mögen nicht zugelassen werden.
Vorstehende Bestimmungen hat der Hochwürdigste Herr Bischof genehmigt. Hochderselbe ersucht Alle, im Interesse der Ordnung und Erbauung, um genaue Eiuhaltung derselben.
Das Ordnungs-Komitee.
„Aeußerten Sie nicht vorhin, Lord Rylestone, daß es Ihnen unter allen Umständen unmöglich sei, Ihren Wohnsitz hier auf Waltoncourt aufzuschlagen?"
„Es ist in der That mit einer Jahresrente von tausend Pfund unmöglich," erwiderte er. „Ich wäre nach Ablauf des ersten Vierteljahres ein ruinirter Mann."
„Wollen Sie denn also die Herrschaft verkaufen?" fragte sie nachdenklich.
„Sie kennen die strengen Verpflichtungen nicht, die an einem erblichen Besitze hängen, Miß Cameron," versetzte er lächelnd. „Ich darf Waltoncourt nicht verkaufen, weil es, als ein Erbgut, vom Vater auf den Sohn, oder, wie in meinem Falle auf den nächsten gesetzlichen Erben übergehen muß. Wenn ich mich ver- heirathen und einen Sohn haben sollte, so müßte es ihm unter allen Umständen zufallen."
„Und im Falle Sie unvermählt blieben, Lord Rylestone?"
„Selbst dann würde sich ein gesetzlicher Erbe finden; aber ich sehe vorläufig noch keine Ursache, weshalb ich unvermählt bleiben sollte, und dadurch komme ich wieder auf den Ausgangspunkt unferer Unterredung zurück. Ich wollte Sie bitten, Miß Cameron, daß Sie sich, wenn Sie Ihre Zukunftspläne entwerfen, als Lord Rylestones unbestrittene Erbin betrachten und sich in keiner Weise mit Sorgen und Zweifeln über meine Person quälen. Unsere Lebenswege haben eine ganz
Deutsches Keich.
Berlin, 2. Juni.
* Der Kaiser begibt sich am Freitag nach Ober- Glogau, um der Vermählung des Fürsten Radolm mit der Gräfin von Oppersdorf beizuwohnen.
* Die kaiserliche Antwort auf das Telegramm der Magdeburgischen Katholiken-Versammlung ist ein Höflichkeits-Akt als Erwiderung eines Huldigungs-Aktes, und es liegt uns fern, ihm politische Bedeutung beizumessen. Immerhin wird er gewisse Herren arg verschnupfen. Weshalb? mag die in diesem Falle unparteiische ,Franks. Ztg/ fragen. Den National- Liberalen, schreibt das demokratische Blatt, hat die politische Verzückung, in die sie bei ihrem Eisenacher Fest-Jubel der Dank des Kaisers für die telegraphische Huldigung versetzte, manche ernste Rüge und reichlichen Hohn und Spott eingetragen, denn für zurechnungsfähige Politiker mußte die Fructifizirung eines Aktes der Höflichkeit einen starken Beigeschmack von Komik haben. Beiden meisten nationalliberalenBlättem folgten dem Rausche alsbald auch die bekannten Nachwehen, und sie schwiegen zum Tadel wie zu dem Gelächter, nur eins wagte aufzutrotzen und blieb dabei, daß das kaiserliche Telegramm der Partei gegolten habe und sie herrlichen Tagen entgegensühren werde. „Mögen doch einmal," so brüstet sich dieses Organ, „die Schwarzen oder die Rothen, wenn sie versammelt sind, eine Huldigung an den Kaiser senden, dann werden sie schon darüber belehrt werden, wie man sie schätzt!" Die Rothen werden diesem Rathe schwerlich Folge leisten, bei den Schwarzen aber, denen man in Eisenach mit vru XSutlvu. „Für. Vu9 ’SupviUgUiltb tcluc Schonung", ewige Fehde angekündigte hatte, muß er auf guten Boden gefallen sein; denn als sie am Himmelfahrtstage in Magdeburg versammelt waren, sandten sie an den Kaiser folgende Depesche: „Eurer kaiserlichen und königlichen Majestät bringen 4000 zu Magdeburg versammelte Katholiken der Provinz Sachsen ihre allerunterthänigste und ehrfurchtsvollste Huldigung dar mit dem Gelöbniß unverbrüchlicher Treue." Nun schwelgten die Herren Ultramontanen in Magdeburg nicht, wie die Herren Nationalliberalen es in Eisenach gethan hatten, in harmlosen Erinnerungen an ihre einstigen Großthaten, sondern verrichteten ernste politische Arbeit, die man richtig als Probemobilmachung für neue Kämpfe bezeichnen konnte. Herr v. Schorlemer hatte dazu das Stichwort gegeben, indem er ausführte, es sei wieder nothwendig geworden, daß die Katholiken sich enger zusammenschließen. Es war ein Kampfprogramm in aller Form, auch gegen die Regierung. Und was geschah nun? Am 28. Mai erhielt Herr von Schorlemer - Alst folgendes Telegramm: „Seine Majestät der Kaiser habe den telegraphischen Huldigungsgruß der versammelten Katholiken mit Befriedigung entgegengenommen und lassen für diesen Ausdruck treuer Anhänglichkeit freundlich danken. Auf Allerhöchsten Befehl v. Lucanus." Wie wird der national
verschiedene Richtung; dennoch können Sie mich aber als Ihren zuverlässigsten Freund betrachten."
„Sie sind sehr gütig," erwiderte sie, und ihm war, als hätte der Ton iher Stimme einen tief ernsten, schmerzlichen Klang.
„Ich würde Sie bitten, hier in Walton zu bleiben, wenn ich Mr. Grundy nicht dabei zu Rathe ziehen müßte," sagte er. „Was für Pläne haben Sie für die Zukunft?"
„Ich möchte Walton am liebsten sofort verlassen," erwiderte sie. „Glücklicherweise hält sich Madame de Valmy, meine frühere Erzieherin, augenblicklich in England auf. Sie will nicht mehr Unterricht ertheilen, und da beabsichtigte ich, sie zu fragen, ob sie zu mir kommen und als meine Gesellschafterin und Beschützerin bei mir leben will."
„Das ist ja ein vortrefflicher Plan," sagte er. „Und wo wollten Sie dann Ihr Domizil auffchlagen?"
„Zuerst dachte ich eine Zeit lang an der See zu leben, weil ich sie unendlich liebe. Ich will heute Abmd noch an Madame de Valmy schreiben und sie sofort hierher einladen, dann können wir mündlich das Nähere verabreden und Waltoncourt zu Ende der nächsten Woche verlassen."
„Ich freue mich ungemein, daß Sie einen fo verständigen Entschluß gefaßt haben, und hoffe, Ihnen in keinerlei Weise hinderlich zu fein, da ich gleich morgen