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iilimer

Zeitung

Freitag, den 3. Juni 1892.

„Das glaube ich auch." versetzte Mr. Beate.

Sir William schüttelte aber bedenklich den Kopf.

„Mir scheint die Schwierigkeit auf der andern Seite zu liegen/ äußerte er. „Ich glaube, es liegt durchaus nicht m Lord Rylestone's Absicht, Miß Cameron zu seiner Gemahlin zu machen. Er sprach davon, als von etwas so ganz Unmöglichem, daß ich nickt darauf iit hoffen wage." ' 3

Lehrer thätig sind, wäre für den Verein gewiß ein großes und schmerzliches Opfer; indeß auch ein solches Opfer würde der Verein bringen müssen, um der großen Aufgabe gerecht zu werden, deren Lösung das katho­lische Deutschland von ihm erwartet.

Alles im Morgenlande unter dem Schutze Frank­reichs sich entwickelnde kirchliche Leben steht i m D i e n st e der französischen Politik. Was katholisch ist und nicht mitarbeitet an der Vermehrung der „gloire“ des „schönen Frankreich", wird stärker befeindet, als die Andersgläubigen. Wenn aber der durch Frankreich den Katholiken zu leistende Schutz seine Dienste thun soll, so versagt er wenigstens in manchen Fällen, und steht gar das „orthodoxe" Rußland dem „Beschützer" gegenüber, wie dies noch im vorigen Jahre am Oel- berg und in Bethlehem der Fall war, so ergreift derselbe mit „Löwenmuth" das Hasenpanier und läuft mit lautem Geschrei davon. Alle Nichtfranzosen tragen daher erklärlicher Weise mit äußerstem Mißbehagen an dem französischen Protektorat das, wie gesagt, keines­wegs der katholischen Kirche, sondern einzig und allein der Orient-Politik der Re­publik zu Statten kommt.

Der Rechtsgrund dieses Protektorates ist häufig angezweifelt und, wenn wir nicht irren, auch bereits von Deutschland bei Gelegenheit diplomatischer Konfe­renzen bestritten worden; es hat sich jedoch bis jetzt noch kein Speziallfall ergeben, der zu einer prak­tischen Lösung dieser Frage gedrängt hätte. Eine Prü­fung ganz gleicher Ansprüche dieser Macht in Bezug auf die in China lebenden deutschen Katholiken hat auf die Reklamationen des Bischofs Anzer bekanntlich dahm geführt, daß das deutsche Reich die Katholiken deutscher Nationalität in China fortan selbst beschützt.

Ohne Zweifel wird der Vorstand des Palästina- Berems das ©einige thun, um dieReichsregierung zu bewegen, nunmehr auch auf die Frage einzugehen: wie es sich mit der vertragsmäßigen des von Frank- reich beanspruchten Protektorates über alle katholischen Institute und Kleriker im Orient verhält. Das katholffche Deutschland hat allen Anlaß, die Entwicke­lung dieser Angelegenheit mit Interesse zu verfolgen, und es kann gewiß sein, daß der Vorstand des Palä- i stma - Vereins die nach verschiedenen Seiten hin hoch­wichtige Angelegenheit mit nachhaltiger Umsicht be­treiben wird.

„Nun, so ist er ruinirt ober er muß Waltoncourt verpachten," erklärte Mr. Beale. „Die Sache ist höchst traurig! Ich möchte den Herren noch einen Vorschlag machen, daß wir den ganzen Sachverhalt nämlich als tiefes Geheimniß bewahren, bis die zwei Jahre Bedenk­zeit abgelaufen sind. Der Ausgang läßt sich jetzt schwer absehen, und da scheint es mir das Beste, daß wir uns dahin vereinigen."

Sämmtliche Herren stimmten dem Vorschläge aus vollster Ueberzeugung bei und beschlossen, den Inhalt des Testamentes als tiefes Geheimniß zu bewahren.

„Vielleicht feiern wir nach Ablauf von zwei Jahren

„Ich hoffe, es wird sich Alles noch günstig lösen," meinte er. „Ich weiß selbst nicht, wie ich darauf komme, aber ich bilde mir fest ein, daß Miß Cameron hpm Pnrh in "

Sitzung der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger bei und hielt daselbst eine die Bestrebungen der Gesell­schaft anerkennende Ansprache.

* Der Kronprinz von Rumänien ist zum Besuch m Potsdam eingetroffen und hat bei seinem Bruder, dem Erbprinzen von Hohenzollern, Wohnung genommen.

Der Prinz von Wales wird, von Kopenhagen kommend, der Kaiserin Friedrich in Homburg einen Besuch abstatten.

* Die vor einiger Zeit gemeldeten günstigen russi- schen Saatenstands-Berichte haben sich erfteulicher Weise bis jetzt erhalten, so daß begründete Aussicht für Auf­hebung der Getreideausfuhr-Verbote vorhanden ist. Nach einer Meldung aus Warschau wird denn auch noch diese Woche die Getreide-Kommission unter dem Vor­sitze des Geh. Staatsraths Cabaza in Petersburg zu­sammentreten, um über die Aufhebung des Ausfuhr- Verbots von Weizen, Hafer und Gerste aus dem gan­zen Reiche endgiltig zu beschließen.

* Der ,Staatsanzeiger' veröffentlicht die Liste der für die Jahre 1892 bis 1894 in den Landeseisrnbahn- rath berufenen Mitglieder und Stellvertreter. Zum Vorsitzenden wurde Ministerialdirektor Brefeld, zu dessen Stellvertreter Geh. Ober-Reg.-Rath Fleck er­nannt.

* In der 18. Plenar-Sitzung verwies am 1. Juni das Herrenhaus die Vorlage, betr. das Diensteinkom- men der Lehrer an den nichtstaatlichen höheren Schulen an eine besondere Kommission. Die Landgemeinde- Ordnung für Schleswig - Holstein wird mit 37 gegen 32 Stimmen en bloc angenommen, jedoch soll nach den Ferien eine 2. Schluß-Berathung stattfinden. Die Vorlage, betr. die Wasserversorgung Obeifchlessens, wird der Budget!-Kommission überwiesen. Nächste Sitzung unbestimmt. Schluß 33/< Uhr.

* Die Finanzkommission des Herrenhauses hat den Gesetzentwurf, betreffend die Befteiung von Personal- steuern gegen Entschädigung (der vormals Reichsim- mittelbaren) nach den Beschlüssen des Abgeordneten­hauses angenommen.

* Die deutsche ostafrikanische Plantagengesellschast gedenkt die Tabakskultur in größerem Umfange zu be­treiben. Sie läßt deshalb in Verbindung mit der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft einige Hundert chine­sische Tabaksarbeiter aus Sumatra bezw. Singapore als Lehrmeister für die Neger nach Ostafrika kommen.

* Bei der Biirseu-Euquete-Kommisfiou laufen zahl­reiche Schreiben ein, in denen über Schädigung des Privatpublikums durch Bankiers Klage geführt wird.

* Die Kommunal - Kommission des Herrenhauses hat die Laudgemeindeordnung für Schleswig-Holstein in der Fassung des Abgeordnetenhauses angenommen. Auf eine Interpellation, ob die Absicht bestehe, die Landgemeindeordnung auch auf die Provinz Hannover auszudehnen, erwiderte der Minister des Innern: Ein Bedürfniß, für die Provinz Hannover die ländlichen Gemeindeverhältnisse neu zu regeln, sei bisher noch nicht an ihn herangetreten. Zunächst sei lediglich eine

eine Vermählung, vielleicht auch nicht," bemerkte Mr, Beale; „jedenfalls ist es für den Augenblick das Ge- rathenste, über die Sache zu schweigen."

„Im Grunde bin ich der Ansicht," meinte Squire Segood mit wohlwollendem Lächeln, „daß unser seliger Freund gar nicht so Unrecht mit seiner scheinbar tyran­nischen Verfügung hatte. Schließlich wird sich Alles noch zum Guten wenden."

Sir William aber, der sich für einen tiefen Kenner des menschlichen Herzens hielt, versicherte:

„Wir dürfen auf keine Vermählung hoffen, Lord Rylestone und Miß Cameron werden nie Mann und Weib werden."

2. Kapitel.

Lord Rylestone und Miß Cameron erreichten schwei­gend den Salon. Sie glaubte, daß er sich sofort zu­rückziehen würde,, er bot ihr aber einen Sessel an und setzte sich auf einen Stuhl zu ihr.

„Ich bedauere unendlich, Miß Cameron, daß Sie sich einer so peinlichen Scene unterziehen mußten," sagte er. „Wenn ich nur die leise Ahnung von dem Inhalt des Testamentes gehabt hätte, so würde ich unter kei­nen Umständen zugegeben haben, daß Sie der Eröff­nung beiwohnten."

„Ich hätte ja doch immerhin den Inhalt erfahren müssen," erwiderte sie ruhig.

„Hätte es in meiner lNacht gestanden, so würde ich Ihnen die Kunde, aber allmählich und schonend beige-

. Squire Segood schien eine Art von Beileidsbe- zetgung in den Bart zu brummen, Lord Rylestone lachte hell darüber auf. uutl lu. uuuc ulu ,

., "O. nein," verfi tzte er, „glauben Sie ja nicht, daß dem Lord sehr gewogen ist lch mein Loos beklage. Zuerst stutzte ich allerdings, 1 - ' ' ' •' '

toet! mir die Enttäuschung zu unerwartet kam. Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Theilnahme, meine tmitjen Freunde, aber ich bedarf Ihrer nicht, ich hoffe auch so meinen Weg durchs Leben zu finden."

Er erhob das schöne Haupt mit einem so stolzen, whnen, hoffnungsvollen Ausdruck, daß er sich dadurch ~ Harzen aller Anwesenden gewann, und dann trat er an^Mlß Cameron heran.

»Ich fürchte, daß Sie hier schon übergenug des Un­angenehmen empfunden haben," sagte er, „gestatten Sie, oaß ich Sie in den Salon zurückführe?"

farat^ ^chelnd und verneigte sich leicht, aber erschrak, als das junge Mädchen ihr Antlitz ihm zu­wendete. Es war todesbleich, und ihre Züge schienen von schmerzlichen Gedanken umwölkt. Sie erhob sich schweigend und verließ mit ihm das Zimmer, während „Ls s^Ele'benden Herren die Köpfe zusammensteckten und lebhaft über das Testament hin und her bebattirten.

ist durchaus ungerecht," behauptete Sir Wil-

Berlin, 1. Juni.

* Ueber den Besuch des Zaren ist hier noch nichts Sicheres zu erfahren. Es wird nur angenommen, baß er erfolgt, unb zwar wahrscheinlich nicht in Berlin, ondern m Kiel. Die hiesige russische offiziöse .Reichs- korresponbenz' meint, oaß bie Begegnung bort am 5. ober 6. Juni stattfände.

. * ^inz Heinrich ist, wie aus Hamburg gentelbet wirb, heute früh bort eingetroffen, wohnte daselbst einer liam, „beim bie Besitzung kann unter 5000 Pfunb lährlich nicht unterhalten werben."

Squire Segoob blickte sehr weise und wohlwollmb barem.

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,RathgebL fü? L-udmWKLLu " ^ge erscheinenden Gratisbeilage

* Das französische Protektorat im Grient ist neuerbings, unb zwar in Folge ber burch bie ganze Presse gehenben Nachricht, baß bas ftanzösische Mini­sterium den Ordensgeneral der Lazaristen aufgeforbert habe, die deutschen Lazaristen von Jerusalem ab- zu beruf en, zur Diskussion gestellt.

Der Orden der Lazaristen ist einer der verbreitetsten Männerorden in Frankreich, auch in Deutschland besaß n der „Kulturkampfszeit" zahlreiche Niederlassun- gen- Der Generalsuperior desselben hat seine Residenz in Pans. Wie bie kirchenpolitischen Dinge zur Zeit in Frankreich liegen, wird ber Aufforberung des Mini­steriums von Seiten der Ordensleitung Folge ge­geben werden müssen; denn eine Weigerung würde für den Orden verhängnißvoll werden können.

. Es fragt sich aber, ob der Palästinaverein, m dessen Instituten bie beutschen Patres thätig sind, dem an ihn gestellten Ansinnen, bie Letzteren unter französischen Schutz zu stellen, wenn er bereu Aus­weisung verhüten wolle, zu entsprechen vermag. Ge­nannter Verein ist mit allen seinen in Palästina er­richteten Anstalten, Hospizen, Schulen rc. unter den Schutz des deutschen Reiches gestellt; noch im vorigen Jahre sind demselben die Rechte einer juri­stischen Person verliehen worden. Das deutsche Reich legt Werth auf dieses Protektorat, denn unter wesent­licher Mitwirkung desselben ist die Thätigkeit des Ver­eins zu einer höchst gedeihlichen Entwickelung gelangt. Die Geltung des deutschenNamens in dm verschiedensten Kreisen des Orients hat sich seitdem ganz erheblich ge­hoben. Was der Verein erstrebte, ist zum großen Theile bereits erreicht: nicht nur das protestantische, sondern auch das katholische Deutschland hat neben den I übrigen Faktoren, welche bei der Regenerimng Palä- stmas thätig sind, Einfluß, Macht und Besitz ge­wonnen. Das Bemühen, deutschem Wesen und deutscher Gründlichkeit, deutschem Fleiß und Frommsinn durch Beschaffung nationaler deutscher Werke Eingang in Palästina zu verschaffen und ber ausschließlichen Förderung französisch-nationaler Ansprüche em Gegen­gewicht zu bieten, hat bereits treffliche Erfolge ge­zeitigt und wird, wenn dieser Eifer ein nachhaltiger bleibt, zum' Segen der Kirche und unseres Vaterlandes sich in Zukunft noch reichlicher lohnen. Die französische Republik aber sieht dadurch ihren Einfluß in den ihr sonst allein zugänglichen Kreisen des Orients bedroht, und darum bringt sie jetzt in so rücksichtsloser Weise ihr vermeintliches Protektionsrecht zur Geltung.

Wir sind Überzeugt, daß der Palästinaverein seine gesickerte Stellung unter dem Schutze deS deut­schen Reiches niemals gegen das ftanzösische Pro­tektorat eintauschen wird. Wenn das französische Mini­sterium vernünftigem Rathe zugänglich sein sollte, läßt sich vielleicht die Verfügung an den Ordensgeneral der Lazariftm noch rückgängig machen. Der Verzicht auf die Mitarbeit der ausgezeichneten Männer, welche in dem deutschen Werke zu Jerusalem als Seelsorger und

Das vcrhmignikiiolle Testament.

Nach dem Englischen von H. v. Remagen.

(4. Fortsetzung.) ;