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Warum wallfahrten wir nach Fulda?*)

Wir wallfahrten nach Fulda, um dem hl. Bonifatius unfere Verehrung darzubringen, ihm zu danken und ihm unsere Liebe zu beweisen. Der hl. Bonifatius ist der Apostel Deutschlands. Ihm ver­danken wir das Glück des wahren Glaubens. Um den Deutschen die frohe Botschaft von dem Reiche Gottes zu verkünden, verließ der Heilige Alles, was ihm theuer war auf Erden, wählte ein Leben voll un­säglichen Mühen, Entbehrungen, Verfolgungen, Leiden und krönte dieses Marterleben durch einen grausamen Martertod. O, wenn wir nach der Lehre unserer hl. Kirche alle Heiligen verehren und lieben müssen, weil sie Fürsten des Himmels und Freunde Gottes sind; wenn wir ihnen Dank schulden, weil sie uns auf Erden ein Beispiel der Nachahmung hinterlassen haben, welche Verehrung, welche Liebe, welchen Dank schulden wir dann dem hl. Bonifatius!

Wir wallfahrten nach Fulda, weil in Fulda seine hl. Gebeine ruhen. Von Anbeginn haben es in der Kirche Gottes die Gläubigen so gehalten, daß sie die Reliquien dec Heiligen, besonders die ge­marterten Glieder der Blutzeugen, in höchsten Ehren hielten und zu den Stätten, wo sie ruhten, in feier­lichen Bittgängen wallfahrteten. Schon in den Mar- tyrerakten des hl. Polykarp, des Apostelschülers lesen wir: „Wir nahmen seine Reliquien, die uns kost­barer sind als Edelsteine und werthvoller als Gold, und setzten sie bei an geziemendem Orte; dort wollen wir auch in Freude und Jubel uns ver­sammeln, um den Tag seines Martyriums als den Tag seiner Geburt für den Himmel zu feiern. In Freude und Jubel versammeln auch wir uns in Fulda, weil wir hier sehen das Haupt unseres Glaubensvaters, das sich zur Ehre Gottes für das Heil der Seelen dem Tode weihte, den Dolch, der es durchbohrte, das Evangelienbuch, das noch von seinem Blute geröthet ist.

Wir wallfahrten nach Fulda, um am Grabe unseres glorreichen Apostels zu beten für unseren hl. Vater Leo XIII. Was den hl. Bonifatius beson­ders auszeichnete, was auf seine Arbeiten einen so dauernden Segen des Himmels herabzog, war seine Ergebenheit gegen den apostolischen Stuhl, sein Be­streben, die neuen Christengemeinden mit der römischen Kirche auf das Engste zu verbinden. Wie ein goldener Faden zieht sich durch sein ganzes Leben die tiefste Ehrfurcht, die innigste Liebe und eine unverbrüchliche Treue gegen den Nachfolger des hl. Petrus. In unseren Tagen ist es gerade der Inhaber des Stuhles Petri, der in der größten Bedrängniß schmachtet. Die ewige Stadt sieht er in der Gewalt seiner Widersacher, in seinem Palast ist er wie gefangen, wohin er seinen Blick wendet: in der ganzen Welt sieht er die Mächte der Finsterniß im Kampfe gegen die hl. Kirche, steht er die Erde gleichsam überfluthet von Sünden und Lastern. Wie die Taube, die Noe bei der Sündfluth aus der Arche ließ, nirgends eine Stätte fand, wohin sie ihren Fuß setzen konnte, so findet auch der hl. Vater, wenn er über die Erde schaut, nirgends einen Ort, wo sein Auge mit Trost und Freude ruhen könnte.

Wir wallfahrten nach Fulda, um zu beten für unser eigenes theures Vaterland. Deutschland, für dessen Bekehrung der hl. Bonifatius so heldenmüthig sein Leben geopfert, sein Blut verspritzt hat, war ehe­dem mit das vornehmste Glied der ganzen Christenheit. Ihm war ja der hohe Ruhm beschieden, die Schutz­herrschaft zu führen über das Liebste, was Gott auf Erden hat, über seine hl. Kirche, die Braut seines Sohnes. Aber gerade dieses von Gott so hochgeehrte

*) Ist dem .Bonifatiusboten" entnommen und wird gleich­zeitig auch in auswärtigen katholischen Blättern zum Abdruck gebracht.

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Samstag, deu 26. anui 1892.

19. Jahrgang

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Volk sehen wir durch die unglückseligste Glaubens­spaltung zerrissen, zerrissen schon nahezu durch vier Jahrhunderte, und weit entfernt, daß die Verirrten nach so langer Spaltung, wie der verlorene Sohn im Evan­gelium, reumüthig in das Vaterhaus zurückkehren, wird der Riß immer größer, wie es scheint, unheilbar. Nach Tausenden und Abertausenden zählen die, welche jedes Jahr der Kirche verloren gehen und nicht zum gering­sten Theil anheimfallen dem förmlichen Unglauben. O, wie dringend bedürfen wir der mächtigen Fürsprache des hl. Bonifatius! Wie heiße Gebete müssen wir daher zu ihm emporsenden!

Wir wallfahrten nach Fulda, um dem Bei­spiele zu folgen, mit dem uns unsere hohen Oberhirten, die Bischöfe Deutschlands jedes Jahr vorangehen. In Fulda, am Grabe des hl. Bonifatius haben sie das Band der Einheit geschlungen, das die Kirche Deutschlands unüberwindlich machte in dem Kampfe, der auf nichts Geringeres als auf ihre Vernichtung zielte. In Fulda hielten sie noch jedes Jahr ihre Versammlungen, um über das Wohl ihrer Diözesen zu berathen und der Fürbitte des hl. Bonifatius zu em­pfehlen.

Wir wallfahrten nach Fulda, um zu beten für die ganze Christenheit. Wir leben in der Gemein­schaft der Heiligen. Wie die Glieder eines Leibes einander dienen, einander helfen, einander ernähren, so thun dasselbe im geistigen Sinn die Glieder an dem Leibe der Kirche. In der wirksamsten Weise helfen sie einander durch das Gebet. So wahr es aber ist, daß wir überall beten können und beten sollen, so ge­wiß es ist, daß Gott überall unser Gebet hört und seiner Zeit erhört: so unzweifelhaft wahr und gewiß ist es auch, daß es Orte gibt, an denen wir besser beten können, an denen Gott geneigter ist, unser Gebet zu erhören, als an anderen Orten. Solche Stätten nennt man Gnadenorte. Ein solcher Ort war im alten Bunde der Tempel zu Jerusalem. Solche Orte sind im neuen Bunde vornehmlich jene, die da bergen die hl. Glieder eines Märtyrers. Wo aber birgt Deutschland die Glieder eines glorreicheren Märtyrers als in Fulda?

Wir wallfahrten nach Fulda, um uns selbst im Glauben zu stärken, in der Hoffnung zu befestigen und in unserem Herzen die hl. Liebe Gottes so zu entflammen, daß nichts im Stande ist, unsere Treue gegen Gott und seine hl. Kirche zu erschüttern. Ernst sind der Zeiten Zeichen. Die Wetterleuchten furchtbarer Katastrophen blitzen bald hier und dort am Himmel in blutigrothem Scheine. Wo könnten wir mehr mit Muth und Kraft uns ausrüsten als am Grabe unseres Märtyrers Bonifatius?

Wir wallfahrten nach Fulda um gemein« fam zu beten. Das Gebet, welches Gott am meisten wohlgefällt, das Gebet, welches er am sichersten erhört, das Gebet, bei dem er mitten unter den Betenden weilt, ist das gemeinsame. „Wo zwei ober b rei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Mit welchem Wohlgefallen wird der Heiland in der Mitte der Pilger weilen, die von Süd und Nord, von Ost und West aus ganz Deutschland kommen, um am Grabe seines großen Dieners Bonifatius gemeinsam zu beten für den hl. Vater, für unser deutsches Vater­land, für die ganze Christenheit; um ihren Glauben zu stärken, ihre Hoffnung zu befestigen, ihre Liebe zu entzünden und Muth und Kraft zu schöpfen für den eigenen schweren Kampf des Lebens in dieser ernsten Zeit!

Die Himmelskrone ist ein Siegespreis und muß in heißem Kampfe errungen werden. Heißer als je wird der Kampf in unseren Tagen, wo zu den vielen inneren Feinden so mächtige noch von außen kommen, um uns dieselbe zu entreißen. Da bedürfen wir der Stärke von oben und Führer, die uns durch ihr Beispiel voranleuchten. Beides finden wir in Fulda am Grabe des hl. Bonifatius. Der Anblick seines Marterhauptes beseelt uns mit Muth und seine mächtige Fürbitte, die wir erflehen, erwirkt uns über­natürliche Stärke.

Siehe da die Antwort auf die Frage: warum wir nach Fulda wallfahrten.

Deutsches Keich.

Berlin, 25. Mai.

* Die Leichenverbrennungs - Frage wurde heute in der Petitions-Kommission des Abgeordnetenhauses ver­

handelt. Ueber die interessante Sitzung geht der .Ger­mania' folgender Bericht zu: Der Kommission lag eine Petition des Apothekers Friederici in Friedenau u. A. vor. Die Bittsteller wollen, daß es in Preußen män- niglich gestattet sein solle, sich antiseptisch, nämlich durch Feuer, bestatten zu lassen. Sie hatten es für über­flüssig gehalten, ihre Wünsche zu begründen und es vorgezogen, den weit bequemeren Weg zu wandeln und eine Anzahl Nummern des Organs ihrer Gesinnungs­genossen, der,Flamme', beizulegen, aus welchen es dem Referenten Dr. Krause überlassen blieb; das betreffende Material herauszusuchen. Dieses eigenthümliche Vor­gehen fand die gebührende Würdigung durch den Abg. Pleß. Der Referent betonte ebenfalls, daß hier eine gewisse Bequemlichkeit vorliege. Jndeß erklärte er auch, die Gefühle der Bittsteller zu theilen, und so beschränkte er sich, zu sagen, daß die Verbrennung nur dem freien Willen Vorbehalten bleiben solle, daß sie auch kein reli­giöses Gefühl verletze — wie schon dadurch bewiesen werde, daß in Gotha, wo ein Ofen solchen Leuten zur Verfügung stehe, schon Geistliche bei der Bestattung zugegen gewesen — daß sie, wenn sie en gros erfolge, auch den Vorzug der Billigkeit habe, daß sie also keines­wegs als unchristlich gelten könne, daß sie dem Gesetze der Aesthetik entspreche, daß sie nicht viel Raum er­fordere und also für die Wohnungsfrage der Lebenden berücksichtigenswerth fei, und endlich, daß die Zahl der Anhänger der Verbrennung stetig steige. Die Kommissare der Minister des Kultus, des Innern und der Justiz sprachen sich gegen die Bittsteller aus. Wenn auch kein christlicher Älanbensatz, werde doch das christliche Ge­fühl dadurch verletzt. Nachtheile für die Gesundheit entständen durch die Beerdigung nicht; dagegen sei durch die Beerdigung ein Mittel gegeben, selbst nach dem Tode ein Verbrechen festzustellen. Dies letztere wurde durch Anführung mehrerer Thatsachen aus letz­ter Zeit bewiesen. — Wir wollen gleich bemerken, daß die protestantischen Mitglieder Jacobs und Lückhoff vom Standpunkte des Christenthums die Bittsteller bekämpf­ten, letzterer auch dem vom Abgeordneten Pleß geltend gemachten Standpunkt des apostolischen Glaubens­bekenntnisses zustimmte, während bie' Abgeordneten Czwalina und Dr. Graf den Referenten unterstützten. Der Gang der Erörterung war der folgende. Nachdem der Referent die Sache vorgetragen und die Regierungs- kommiffare gesprochen, stellte ersterer den Antrag, die Wünsche der Bittsteller der Regierung zur Berück­sichtigung zu überweisen. — Alsbald beantragte Frhr. v. Eynatten Uebergang zur Tagesordnung. Die Feuer­bestattung sei wesentlich heidnischer Natur, wie ein Blick auf das heidnische Alterthum erkennen lasse. Um­gekehrt gehe die christliche Anschauung von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart dahin, daß der christliche Leib der Erde wieder übergeben werde, woher er gekommen sei. Das sei besonders für jeden katholischen Christen nach der Lehre seiner Kirche feststehend. — Der Abg. Pleß bemerkte ungefähr Folgendes: Die Behauptung, daß christliche Märtyrer eines gewaltsamen Todes auch durch Feuer gestorben seien, beweise doch nur dann etwas, wenn man glaube eine Zeit herbeiführen zu können, wo man zu einer Verbrennung gezwungen werden solle. Wenn man sage, die Beerdigung könne Nachtheile für die Gesundheit herbeiführen, so halte er das für einen überwundenen Standpunkt. ES gebe geistige Jrrthürner, mit welchen man sich eine Zeit lang Herumschleppe, ehe man sie als Jrrthum erkenne. Auch die Wisfenschast könne sich davon nicht frei halten, er erinnere nur, daß vor 50 bis 70 Jahren die Heil­kunst den Aderlaß hoch gehalten habe, den sie heute verwerfe. Daß katholische Geistliche in Amerika den Standpunkt der Bittsteller theilen, müsse als eine Be­hauptung angesehen werden, die die Bittsteller gewiß bewiesen haben würden, wenn sie gekonnt hätten. Wenn in Gotha Geistliche vorhanden gewesen, so sei daran zu erinnern, daß es Christen gebe, die den Christen­glauben so lange kritisirten, bis nichts mehr davon übrig sei, als ein paar' hohlklingende Redensarten. Zu der christlichen Anschauung passe die Verbrennung nicht. Es würde geradezu eine Prämie für gewisse Verbrechen geschaffen werden, wolle man die Spuren eines solchen durch Feuer vernichten. Die Angabe, daß in den ersten christlichen Zeiten einzelne Christen durch Feuer bestattet seien, sei unrichtig. Die Petitionskom­mission beschloß gegen fünf Stimmen, F. ifinn und Nationalliberale, Uebergang zur Tagesordnung. Auch hier darf man sagen, daß die Geister sich ge­schieden haben.