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Mittwoch, den 25. Mail892.

19.IahrgW

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Deutsches Keich.

Berlin, 23. Mai.

* Das Zarenpaar mit dem Großfürst Thron­folger, dem Großfürsten Michael und den Großfürstinnen Xenia und Olga sind, wie ein Telegramm aus Peters­burg meldet, am Sonnabend Nachmittag mit der Kaiser-Dacht „Polarstem" nach Kopenhagen abgereist; es wird die Dauer der Abwesenheit der russischen Kaiserfamilie auf drei Wochen angegeben. Wenn auch über den Besuch des Zaren in Berlin offiziell noch nichts verlautet, so zweifelt doch Niemand mehr daran, daß er thatsächlich erfolgen wird. — Heute Nachmittag dürfte der Zar mit seiner Familie in der dänischen Hauptstadt bezw. in Schloß Fredensborg anlangen, woselbst die meisten Gäste zur Feier der goldenen Hoch­zeit des dänischen Königspaares bereits eingetroffen sind, unter ihnen am gestrigen Tage der König und die Königin von Griechenland.

* Die Ankunft der Königin-Regentin und der Königin der Niederlande-erfolgt am Montag, den 30. d. M Abends ip Potsdam, wo großer Empfang stattfindet. Am nächsten Tage ist große Parade in Berlin, Nachmittags großes Galadiner in- Potsdam und Zapfenstreich. Am 1. Juni findet in Potsdam Parade statt. Am darauf folgenden Tage erfolgt die Abreise.

* Der Reichskanzler Graf Caprivi ist heute aus Karlsbad hierher zurückgekehrt.

* Dr. August Reicheusperger hat auf die Glück­wünsche der Vorstände der Centrums-Fraktion im Deutschen Reichstag und im preußischen Abge­ordnetenhause zur goldenen Hochzeitsfeier zu Händen des Vorsitzenden der Centrums-Fraktion des Reichstages, Herrn Grafen Ballestrem, folgendes Dankschreiben ge­richtet:

„Hochgeehrte Herren und Altkollegen! Empfangen Sie, zu gleich mit den sehr geehrten Mitgliedern der Fraktionen, an deren Spitze Sie stehen, meiner Frau und meinen herzlichen Dank für die Kundgebung, womit Sie aus Anlaß unserer goldenen Hoch­zeit uns beehrt haben. Vergebens suche ich nach Motten, um auszudrücken, wie sehr der Inhalt dieser Kundgebung mich er­griffen, gerührt, aber auch zugleich beschämt hat. Das so gütige Andenken, welches meine früheren werthen Fraktions-Kollegen mir bewahrt haben, und die freundliche Gesinnung, welche die

* Auswärtige katholische Blätter bringen einen mit

Auf nach Fulda!

überschriebenen Artikel, der zwar seinem wesentlichen Inhalt nach unserem Leserkreise schon bekannt, aber mit Rücksicht auf die derzeitigen Umstände, die seine Veröffentlichung veranlaßten, gewiß Werth ist, auch in der .Fuldaer Zeitung' zum unverkürzten Abdruck zu gelangen. Der betr. Artikel lautet:

Vor einigen Tagen erschien in den Zeitungen ein Auftuf zu einer Wallfahrt der deutschen Katholiken nach Fulda zum Grabe des hl. Bonifatius, um dort für den hl. Vater und die Anliegen unserer hl. kathol. Kirche zu beten. In der That, kein anderer Ort scheint zu einem solchen Bittgang so geeignet wie gerade Fulda, das in seinem Dome die Ueberreste des großen Apostels der Deutschen birgt, und das von dem hl. Stuhle stets besonders ausgezeichnet wurde. War doch Fulda bis zum Ende des 18. Jahrhunderts eine sogn. exempte Abtei, die direkt unter dem hl. Stuhle stand.

Obgleich seit den ersten Tagen des Kulturkampfes und den alljährlich dort stattfindenden Versammlungen der deutschen Bischöfe viel genannt, dürste Fulda selbst im Allgemeinen wenig bekannt sein. Und doch ist es so sehr günstig gelegen, Knotenpunkt von fünf Eisenbahnlinien, von allen Seiten leicht zu erreichen. Kommt der Reisende mit der oberhessischen Bahn von Gießen und hat die letzte Station Großenlüder passirt, so bietet sich ihm ein Landschaftsbild von bezaubernder Schön­heit. Im weiten Hügelland, überragt von den blauen

hinzugekommenen Mitglieder mir zn Theil werden lassen, ist mir in besonders hohem Maße wohlthuend. Die Art aber, wie ihren Gesinnungen Ausdruck gegeben ist, stellt meine Person so dar, daß ich mich darin kaum wiederzuerkennen vermag. Was immer ich zu leisten vermochte, hat vorzugsweise dann seinen Grund, daß ich von Mitsttebenden mich gehoben, durch ihr Beispiel mich angespornt und gestärkt fühlte. Recht schmerzlich war es für mich, von den so werthen Kollegen mich trennen zu müssen; im Geiste bin ich ihrem Wirken stets gefolgt und habe mich da­von überzeugt, daß nach wie vor unter dem unfern alten Wahl­spruch führenden Banner mit stets sich gleich bleibender Geistes­kraft und Hingebung gekämpft wird. Möge Gott Ihrer Aller Mühen segnen und mit Erfolg krönen! In Verehrung Ihr ganz ergebenster Dr. A. Reicheusperger. Köln, den 9. Mai 1892. Mit meinem tiefgefühlten Danke sei noch der Ausdruck meiner Be­wunderung der prachtvollen, wahrhaft künstlerischen Ausstattung der Adresse verbunden, welche von der mir erwiesenen Ehre dauerndes Zeugniß ablegt."

Graf Ballestrem brachte dieses Dankschreiben den Kollegen im Reichstage zur Kenntniß mit dem Bemer­ken, daß ein gleichlautendes Dankschreiben auch an die Mitglieder der Centrums-Fraktion des preußischen Ab­geordnetenhauses, zu Händen des Vorsitzenden desselben, Herrn Freiherrn v. Heereman, ergangen und von dem­selben in einer Fraktions-Sitzung mündlich zur Kennt­niß der Herren Kollegen gebracht worden ist.

* Die Börsen-Enquete-Kommisfisn, die heute ihre Verhandlungen fortsetzte, wird dieselben vom 25. d. M. bis zum 13. Juni unterbrechen. Vom 13. Juni an werden auswärtige Experten, namentlich aus Frankfurt, vernommen.

* Ein Komitee zur Aufbringung eines Garantie­fonds für eine Weltausstellung in Berlin hat sich heute hier konstituirt.

* In der 67. Plenarsitzung vom 23. Mai erledigte das Abgeordnetenhaus zunächst eine Reihe von Peti­tionen. Sodann wurde das Gesetz betr. die Kosten für Eintragung der Genossenschaften mit beschränkter Haftpflicht in das Handelsregister in 1. und 2. Lesung angenommen, - da der Antrag auf Kommissionsberathung abgelehnt wurde. Mit der Vorlage wurde ein Antrag Bödiker (Str.) angenommen, in dem § 1 der Vor­lage die in den derselben beigegebenen Mottven aufge­führten Gesetze, auf welche die Vorlage Bezug haben solle, aufzunehmen. Regierungsseitig war erklärt worden, daß man sich der Annahme und Ablehnung des An- ttags gegenüber neutral verhalte. Es folgt die 1. Lesung des Nachtragsetats durch welchen 286,000 M. für eine Wasserleitung in den oberschlesischen Grubenrevieren gefordert werden. Durch die Wasserleitung soll ver­schiedenen Orten das durch den Bergbau entzogene Wasser anderweit zugeführt werden. Seitens der Konser­vativen wird Verweisung an die Budgetkommission be­antragt, um dort die Frage zu prüfen, ob die Regierung zu einer solchen Art von Wasserversorgung rechtlich verpflichtet sei. Das Haus schließt sich dem Anträge an. Sodann erfolgt die 2. Lesung der Vorlage betr. die Geheimhaltung der Ergebnisse der Einkommensteuer- Vorlage. Dieselbe findet im Hause entschiedenen Wider-

Höhen der Rhön, liegt die vielthürmige Stadt, um­geben von schönen Bergen, die meist mit Kirchen und Klöstern gekrönt sind und gleich einer Festung des Himmels, die Stadt umschließen, wie Johannesberg und Frauenberg, Petersberg und Andreasberg, die über Fulda hinschauend sich gleichsam begrüßen und von denen ein alter Fuldaer Chronist schrieb: Virgo salutat virginem (die Jungfrau grüßt die Jungfrau: Frauenberg, Johannesberg), frater fratrem (der Bruder den Bruder: Petersberg, Andreasberg). In weitem Bogen führt die Bahn an der neuerbauten Bonifatiuskirche zu Horas und an dem auf der Höhe herrlich gelegenen Kloster Frauenberg vorüber zum Bahnhof. Ein Wagen bringt uns rasch nach den gast­lichen Räumen des als vorzüglich bekannten Hotels zum Kurfürsten'. Ein Blick aus dem Fenster unseres Zimmers läßt uns ahnen, daß wir uns in dem schönsten Theile der Stadt befinden.*)

Zunächst fesselt das Standbild des hl. Bonifatius unseren Blick, eine herrliche von Henschel in Kassel in Erz gegossene Figur, welche auf hohem Granitsockel den hl. Bonifatius mit dem Kreuz in der hoch erhobe­nen Rechten, den Heiden das Evangelium predigend, darstellt. Auffallenderweise trägt der Apostel der Deut­schen nicht das historische Kleid des hl. Benedikt oder das erzbischöfliche Gewand, sondern den Philosophen- Mantel. Die ganze Statue ist aber so schön, daß

*) Der im Verlage von Alois Maier in Fulda erfchieneen „Führer durch Fulda und Umgebung", von Dr. I. Schneider gibt über alles Wiffenswerthe gute Auskunft.

spruch und wird als zwecklos und überflüssig bezeichnet, während sie von der Regierung vertreten wird. Nach längerer Debatte wird zunächst § 1, dann die übrigen §§ abgelehnt. Dafür stimmten die Freisinnigen und ein Theil der Nattonalliberalen. Das Haus erledigte nun­mehr Petitionen. Eine Petition betr. Abänderung von Bestimmungen des Gesetzes über die Vermögensver­waltung der katholischen Kirchengemeinden wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Im Verlauf der anstehenden Debatte erklärt der Minister, daß ein Gesetzentwurf ausgearbeitet sei, welcher die Forderungen der Petenten enthalte, jedoch wegen vorgerückter Session dem Hause nicht vorgelegt worden sei. Eine Petitton betr. Gewährung von Alterszulagen auch an die Lehrer in Städten von mehr als 10,000 Einwohnern, wird der Regierung zur Erwägung überwiesen. Nächste Sitzung: Dienstag. Tag.-Ordnung: Kleine Vorlagen. Schluß 21/« Uhr.

* Eine „internationale Silberkonserenz" haben die vereinigten Staaten von Nordamerika angeregt, zu der sie die europäischen Regierungen einzuladen be­absichtigen. DasDeutsche Reich soll wenig Neigung verspüren, an der Konferenz Theil zu nehmen. Be­züglich Oesterreichs berichtet das .Wiener Fremden­blatt', Seitens der Vereinigten Staaten sei dem Wiener Kabinete keine formelle Einladung zur Beschickung der Silberkonferenz zugekommen, sondern nur eine A n s r a g e, ob die österreichische und die ungarische Regierung ge­neigt wären, diese Konferenz zu beschicken. Das Aus­wärtige Amt habe beide Regierungen von dieser Anfrage in Kenntniß gesetzt, die Antworten der Regierungen seien noch ausständig, daher seien auch die Nachrichten von der Ablehnung Oesterreich-Ungarns vorläufig im» begründet. Bemerkenswerth sei, wie das Fremdenblatt hinzufügt, daß in der Anfrage der amerikanischen Re­gierung nicht einmal der Ort genannt werde, an welchem die Silberkonferenz zusammentteten solle. Von anderer Seite ist Brüssel genannt worden.

* In Hinsicht auf die betrübenden Nachrichten, die über Emin Paschas Zustand eingelaufen, und in An­betracht dessen, daß Dr. Parke, der die Stanley'sche Entsatz-Expedition begleitende Arzt, vor mehr als zwei Jahren sich dahin geäußert haben sollte, Emin würde innerhalb Jahresfrist völlig erblinden, dürste e8 von Interesse sein, zu erfahren, was Dr. Parks in seinem Werke über die Expedition sagt. Auf Seite 507 heißt es: „Als ich mich von Emin Pascha verab­schiedete, versicherte derselbe, daher mir jedenfalls mit dem nächsten, in einer Woche abgehenden Dampfer nach Kairo folgen werde. Ich bin überzeugt, er hatte da­mals die bestimmte Absicht, es zü thun. Sein Ge­sundheitszustand erlaubte es ihm sicherlich, und ich bin gewiß, daß er mit uns gekommen wäre, hätte ich nicht zu derselben Zeit krank darnieder gelegen. Emin wünschte den Staar von seinen Augen entfernt zu haben, da er auf dem linken Auge nahezu erblindet war. Wir

man gerne hierüber hinweg sieht. Dieselbe wurde am 17. August 1842 enthüllt, feiert also auch in diesem Jahre ihr 50jähriges Bestehen. Dem Bonifattus- Monument gegenüber liegt das jetzt landgräfliche Schloß, ein großartiger Bau im Palaststile des vorigen Jahr­hunderts, imponirt mehr durch seine Größe wie durch seine architektonischen Formen. Es wurde von dem Fürstabt Adalbert von Schleifraß erbaut. Zur Rechten des Denkmals erheben sich ebenfalls statt­liche Gebäude, in denen das freiadelige Stift Wallen­stein sich befindet. An das Schloß schließt sich der dem Publikum geöffnete Schloßgarten an, mit einem Prunk­bau der Orangerie, deren Mittelbau sehr hübsche Decken­gemälde zieren. Hier wird auch die Begrüßung der Gäste am Pfingstmontag stattfinden.

Den Schloßgarten entlang führt die schöne Paulus- Promenade, die durch das Paulusthor, geschmückt mit dem Standbild des hl. Paulus und des SimpliziuS und Faustinus, einen hübschen Abschluß erhält. Der Orangerie gegenüber, auf der anderen Seite der Paulus- Promenade liegt das'bischöfliche Palais; ein einfacher aber schöner Bau, von Gärten umgeben. An der bischöflichen Wohnung steht die Michaelsttrche. Sie ist die älteste Kirche Fulda's und eine der ältesten Kirchen Deutschlands, von dem Abte Eigil 820—822 im karo­lingischen Sttle gebaut. Ursprünglich war sie nur eine Rotunde mit einer Krypta. Das Langschiff und eine doppelte Apsis wurden später angebaut. In der Mitte der Krypta trägt eine Säule, die Christus bedeutet, den Rundbau, der selbst von 8 Säulen, die 8 Seligkeiten