nach Argentinien, 597 nach Afrika und 428 nach Australien und Polynesien einschifften. Die Zahl der Schützlinge des Vereins betrug 1891 insge- kammt 48,544. In fünfzehn Hafenstädten waren Vertrauensmänner. Herr Pastor P. Schlösser, der langjährige hochverdiente Vertrauensmann in Bremen ist am 1. Oktober 1891 aus Gesundheitsrücksichten zurückgetreten und durch dessen bisherigen Assi- stmten, Herrn Pfarrer Pracher, ersetzt worden. Der Kassenbericht verzeichnet leider ein ungünstiges Resultat. Den Einnahmen mit 12,447 Mark stehen Ausgaben mit 17,567 Mk. gegenüber. Das Defizit ist mithin von rund 2006 auf 5119 Mk. gestiegen. Das legt allen Katholiken die heilige Pflicht nahe, den so ungemein segensreich wirkenden Verein kräftiger zu unterstützen und überall Propaganda für ihn zu macken.
* In lateinischen Buchstaben sollen nach einer Verfügung des ReichspostamteS alle Telegramme niederge- fchrieben werden, die in fremderSprache abgefaßt werden. Im Falle von Zweifeln, ob Worte einer fremden oder der deutschen Sprache angehören, hat die Niederschrift mit lateinischen Buchstaben zu erfolgen. — Das Einfachste ist jedenfalls alle Telegramme in lateinischen Buchstaben zu schreiben.
* Erledigte Stellen im Bezirk des 11. Armerkarps. 13 Packetträger, bezw. Stadtpostboten bei verschiedenen Postämtern des Oberpostdirektionsbezirks Frankfurt a.M., je 700 M. Gehalt und den gesetzlichen Wohnungsgeldzuschuß. — Postschaffner beim Postamt Bockenheim, 900 M. Gehalt und 240 M. Wohnungsgeldzuschuß. — Hilfsarbeiter bei dem Oberbürgermeister der Residenz Kassel, 75 M. monatlich. — Lagerdiener beim Bekleidungsamt des 11. Armeekorps in Kassel, 700 M. jährlich an Löhnung und 180 M. Wohnungsgeldzuschuß. — 3 Kanzleigehilfen (Lohnschreiber) beim Amtsgericht Diez, Schreibarbeit nach Leistung pro Seite 5 bis 10 Pf. — Landbriefträger beim Postamt Driedorf (Wiesbaden) und Weilmünster, je 650 M. Gehalt und 60 M. Wohnungsgeldzuschuß. — Bureaugehilfe beim Magistrat in Bad Ems, 900 M. Gehalt jährlich. — 2 Postschaffner beim Postamt Franffurt a. M., je 900 M. Gehalt und 240 M. Wohnungsgeldzuschuß. — Wagenschreiber (provisorisch) in Hanau und Stationsdiener (provisorisch) in Höchst a. M., bei der Spezial- direktion der Hess. Ludwiqseisenbahn-Gesellschast zu Mainz, ersterer zunächst M. 1.75 pro Tag, letzterer zunächst M. 1.90 pro Tag. — Hospitaldiener bei der Hospitalverwaltung in Höchst a. M., 800 M. Gehalt nebst freier Wohnung und Heizung. — Waldwärter und Flurschütz beim Magistrat in Neheim (Westfalen), 750 M. Gehalt jährlich. — Schutzmann bei der Polizeidirektion in Wiesbaden, während der Probezeit eine Remuneration von jährlich 1000 M.
* Die Vogelfänger beginnen jetzt in der schönen Frühlingszeit wieder ihr verabscheuungswürdiges Treiben, und suchen die kleinen Sänger in ihrer Arglosigkeit zu überlisten. So heißt es, daß in Naumburg sich in diesem Jahre ihr räuberisches Handwerk ganz besonders bemerkbar gemacht. Der dortige Magistrat hat daher dem, der einen Nachtigallenfänger so bezeichnet, daß dieser zur gerichtlichen Bestrafung gezogm werden kann, eine Belohnung von 50 Mark versprochen. Wir bitten alle Naturfreunde unter unfern Lesern, im Interesse der gefiederten Sänger auch hier ein wachsameres Auge auf solche Feinde wie auf muthwillige Knaben zu haben, die die Nester der kleinen Vögel zerstören, um solchen Unfug nach Kräften zu verhindern.
* Kassel, 20. Mai? In einem hiesigen Geschäft soll ein junger Mann eine schwere Veruntreuung begangen haben und flüchtig geworden sein. Bis jetzt ist es nicht gelungen, seiner h'abhast zu werden. — Bei den militärischen Uebungen, welche gestern früh auf dem großen Forste stattfanden, hat sich ein bedauerlicher Unglücksfall zugetragen. Der Rittmeister der 2. Eskadron Frhr. von Langermann - Erlenkamp stürzte nämlich oberhalb des Forsthauses mit seinem Pferde und zog sich durch diesen Sturz einen Schlüsselbeinbruch des linken Armes zu. Ein Sergeant ritt sofort zur Stadt und holte eine Droschke, welche den Unglücklichen nach dem Landkrankenhause zu Bettenhausen brachte, wo ihm ein Verband angelegt wurde.
* Marburg, 21. Mai. Seit einigen Tagen weilen in strengste,.. Inkognito mehrere hohe fürstliche Gäste in unserer Stadt. — Ende dieses Sommers wird der Herr Privatdozent Dr. Plate eine längere zoologische Forschunsreise nach Chile, unternehmen. Die Kosten bestreitet er aus dem ihm zugefallenen diesjährigen Reisestipendium der Humboldtstiftung, welches die mathematisch - naturwissenschafliche Klasse der Berliner Akademie zu ertheilen hat. Die niedere Thierwelt ist in jenen südamerikanischen Küstengegenden auffallend vielseitig, trotzdem aber wenig erforscht. Auch nur sehr wenige Probeexemplare, selbst der bekannteren Arten, stnd in europäischen Museen zu finden. Nach dieser Richtung dürfte denn Plate's Forschungsreise empfindliche Lücken der zoologischen Wissenschaft ausfüllen helfen.
* Fritzlar, 20. Mai. Morgen Mittag mit dem 3-Uhrzuge treffen 3 Kapuzinerpater aus Mainz und Ehrenbreitstein hier ein, behufs Erneuerung der Mission von 1890. Einer von den geistlichen Herren reist Samstag-Abend zu gleichem Zwecke nach der Nachbar
gemeinde Ungedanken. Die Mission dauert 8 Tage. Hier finden die Predigtm und Andachten Morgens 8 Uhr und Abends 7 Vs Uhr in der St. Petri-Stiftskirche statt.
* Eschwege, 18. Mai. Gestern wurde im Revier der Herren von Keudel zu Schwebda — Forstort Keudellsgraben — von Herrn Reg.-Asfessor von Keudell ein starker Wildkater auf dem Anstand geschossen. Derselbe weist, von der Ruthe gemessen, die Länge von 94 Ctm. auf. Die charakteristischen Eigenschaften der Wildkatze, als der gelbliche Ton in der Behaarung, der dicke Kopf, die buschige kurze Ruthe mit den 5 schwarzen Ringen, der schwarze Streifen längs des Rückgrates, endlich die sogen. Sohlenflecke an den Hinterläufen, sind sämmtlich vorhanden, sodaß an der Echtheit der Katze nicht zu zweifeln ist.
* Hanau, 20. Mai. Die f. Z. so viel besprochene Langenselbolder Gemeindekasse-Affaire hat eine für die Betheiligten günstige Erledigung gefunden. Wie das hiesige amtliche,Kreisblatt' heute mitzutheilen in der Lage ist, sind der frühere Gemeinderechner Ruth, ferner der frühere Bürgermeister Lehr bezüglich der ihnen zur Last «gelegten sStrafthaten, elfterer des Vergehens gegen § 350 des Strafgesetzbuches (Unterschlagung von in amtlicher Eigenschaft empfangenen Geldern), letzterer der Theilnahme an diesem Vergehen, bezw. § 348, 349 (falsche Eintragung amtlicher Gelder), Mangels hinreichender Verdachtsgründe auf Antrag der hiesigen Staatsanwaltschaft von der Strafkammer hiesigen Landgerichtes außer Verfolgung gesetzt worden.
* Hanau, 21. Mai. Der Kreistag zu Hanau hat zu Abgeordneten für den Landkreis Hanau die Herren Landrath Freiherr v. Oertzen-Hanau und Bürgermeister Stroh in Marköbel in den kurhessischen Kommunallandtag gewählt. — Die Verlegung des in Mühlhausen und Langensalza garnisonirenden Ulanen- Regiments nach Hanau, welche schon vor zwei Jahren uns bevorstand, ist gutem Vernehmen nach jetzt endgiltig beschlossen worden.
* Frankfurt, 22. Mai. Ein schwerer Unglücksfall hat sich heute Nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr in dem Hause Waldschmidtstr. 97 ereignet. Der Weißbinder Hau „vergnügte" sich mit Spatzenschießen und traf dabei seinen 19jährigen Sohn, der ihm zufällig entgegenkam. Der Schwerverletzte, dem die Ladung die Lunge durchbohrt hat, wurde nach Anlegung eines Nothverbandes ins Spital verbracht.
* Wiesbaden, 20. Mai. Die Anwesenheit des Ministers des königlichen Hauses, Herrn v. Wedell, in Wiesbaden hängt mit dem schon seit 1888 besprochenen Plane zusammen, die königl. Provinzialhoftheater eingehen zu lassen. ES wird jetzt darüber verhandelt, die königl. Verwaltung der Hoftheater in Kassel und Wiesbaden mit dem Jahre 1895 aufhören und beide Theater in städtische Verwaltung übergehen zu lassen.
* Darmstadt, 21. Mai. Es verlautet, daß Prinz Wilhelm von Hessen sich mit der Absicht trage, seinen Wohnsitz außerhalb des Großherzogthums zu nehmen und seine auf der Rosenhöhe erst vor mehreren Jahren erbaute prächtige Villa zu verkaufen.
Vermischtes.
* lieber den kürzlich verstorbenen ungarischen JnsnrrektionS- General Georg Klapka schreibt die ,N. Fr. Pr.': Mit Klapka verschwindet einer der letzten und hervorragendsten Führer der ungarischen Bewegung des Jahres 1848. Er hat die Ereignisse seines Lebens selbst in einem Memoiren-Werke erzählt, ^welches 1886 in zwei Bänden in Wien in ungarischer Sprache erschienen ist und bis Ende der fünfziger Jahre reicht. Darin berichtet Klapka, daß er am 6. April 1820 in Temesvar als der Sohn des dortigen Bürgermeisters Joseph Klapka und seiner Gattin Julianne, geb. Kehrer, die im 20. Jahre ihres Lebens gestorben ist, geboren wurde. Seine Familie stammte aus Böhmen. Ein Stiefbruder des nun verstorbenen Generals lebte noch vor wenigen Jahren als pensionirter österreichischer General in Wien. Klapka war zuerst durch einen väterlichen Freund, den Domherrn Lebzeltern, zum Geistlichen bestimmt worden. Allein der Knabe zeigte nicht die geringste Lust für den geistlichen Berus. Er ging, um die ungarische Sprache zu lernen, von Temesvar, wo er nur das Deutsche und Lateinische lernte, nach Kecskemel auf das Gymnasium und absolvirte dort die humanistischen Studien, für die er aber gleichfalls nicht viel Neigung bekundete. Ihn zog es zum militärischen Beruf, für welchen er die erste Anleitung in der Militär-Realschule zu Karansebes erlangte. Klapka kam später in das Bombardier-Korps und wurde 1838 zum Lieutenant in der ungarischen adeligen Garde zn Wien ernannt. Einige Jahre später trat er in die Dienste des Königs von Lahore. Aber ehe er nach dem fernen Osten abreiste, wollte er seine in Siebenbürgen lebende Schwester besuchen, bei derer den ereigniß- reichen Winter 1847/48 verlebte. Den jungen Mann duldete es nicht länger in der ländlichen Einsamkeit. Er eilte nach Pest und er erhält von Batthyanyi die Mission, mit einer Proklamation der Regierung den Szekler Boden aufzusuchen. Bon dort wird Klapka alsbald nach Pest zurückberufen, und der Krieg nimmt seinen Anfang. Er avancirt binnen wenigen Monaten zum Obersten, um bald darauf zum General und stellvertretenden Oberstkommandirenden der ungarischen Truppen ernannt zu werden. Seine Theilnahme an den Gefechten bei Kapolna, Jsas- zegh, Nagy-Sarlo, sowie die Einnahme der Schanzen bei Uj- Szöni, die Schlacht bei Komorn hat er in einem Anhänge zu seinen Memoiren beschrieben. Am 12. Oktober 1849 verläßt Klapka über Berlin und Hamburg seine ungarische Heimath, die er bis 1867 nach der großen Amnestie nicht wiedergesehen hat. Im Exil blieb er mit den Koryphäen der ungarischen Bewegung in steter Verbindung und wurde der Freund Mazzini's und Gari- baldi's. 1868 wurden viele Offiziere der ungarischen Armee von 1848/49 in der Honved-Armee reaktivirt. Bei Klapka war dies ausgeschlossen, weil er bei der von Bismarck cingeleiteten Bildung
der ungarischen Legion im Jahre 1866 eine hervorragende Rolle gespielt hatte. Seither lebte er abwechselnd in Pest oder in der Schweiz bei seiner Gemahlin, oder er' befand sich auf Reisen im Orient, da er einer der ersten Konzessionäre der anatolischen und der Euphrat-Bahn war. Kurze Zeit war er Mitglied des ungarischen Abgeordnetenhauses; aber er ist politisch nie mehr hervorgetreten.
* Die ersten Fliegen machen sich bemerkbar, da heißt es bei Zeiten an ihre Vertreibung aus der Wohnung, aus Stube, Küche und Kammer, zu denken. Man räuchere die Räume, denen die Fliegen fernbleiben sollen, mit getrockneten Kürbisblättern, nachdem die. Fenster und sonstige Oeffnnngen mit Fliegensenstern versehen worden und die Thüren geschlossen sind. Der Geruch des Lorbeer-Oels ist den Fliegen gleichfalls sehr zuwider. Man menge einige Tropfen davon der Farbe, womit die betreffenden Räume gestrichen werden, bei. Die Aufstellung von Fliegenpapir läßt sich nur empfehlen, wenn dasselbe giftfrei und fomit für die Menschen, besonders Kinder, gefahrlos ist. Giftfreies Fliegenpapier fertigt man sich selbst an mit pulverisirtem schwarzen Pfeffer und Syrup, den man mit einem Pinsel auf Löschpapier streicht und eintrocknen läßt. Beim Gebrauch feuchtet man das Papier an und legt es aus einen Teller. — Auch die Mücken werden sich bald lästig erweisen, so wie nur die Sonne wieder etwas mehr auf ihren Schein besteht und man die Fenster öffnet. Um Mücken aus Zimmern zu vertreiben, setze man in dasselbe eine brennende Laterne, deren Scheiben mit durch Wein verdünntem Honig oder Syrup bestrichen sind. An der Laterne werden bald alle Mücken gefangen sein.
* (Schöne Gegend.) Der Förster klagt, daß im Walde viel Holz gestohlen wird. — Fremder: „Warum verbieten Sie denn das nicht durch eine Warnungstafel?" — Förster: „So, daß mir dieselbe auch noch gestohlen wird!"
* (Ausgerechnet.) Vater der Braut: „Dreitausend Mark, mehr kann ich augenblicklich meiner Tochter nicht mitgeben!" — Bewerber (Arzt): „Aber erlauben Sie gütigst, soviel könnte ich ja beinahe als Honorar für meine Besuche bei Ihnen beanspruchen !"
* (Im Zorn.) „ . . . Der nichtsnutzige Kerl soll sofort hereinkommen!" — Frau: „Aber warum denn?! Du bist ja ohnedies schon sehr aufgeregt!" — Mann: „Er soll nur hereinkommen, damit ich ihn hinausschmeißen kann!"
(Doktoren-Bankett.) Doktor Grünwitz: „. . . Und darum, meine Herren Kollegen, fordere ich Sie auf, die Gläser zu erheben und sie zu leeren auf die Gesundheit---" —
Alle (zusammen): „Das könnte uns gerade noch fehlen!"
(Ersatz.) Richter: „Es ist doch merkwürdig, daß ihr Bauern Euch alle Sonntage prügeln müßt." — Bauer: „Ja, Euer Gnaden, a Theater haben m'r halt net!"
(Das passeude Konto.) Buchhalter: „Unter welches Konto soll ich die Summe setzen, mit welcher der Kassirer Jäger durchgegangen ist?" — Rothschild: Setzen Sie es unter laufende Ausgaben!"________________
? Fulda, 21. Mai. Dem heutigen Schweinemarkt waren zugetrieben: 80 Läufer, 30—65 Mark. 250 Ferkel, 16—28 Mark. Handel wie immer.
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der hiesigen Wetterwarte.
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Letzte Beobachtung 10'/» Uhr Morgens.
Luftdruck = 741,9 mm., fällt! — Lufttemperatur — 16,0 C. — Luftfeuchtigkeit ---- 70°/g. — Wolkenzug aus o — Windrichtung — <51. ‘— Himmelsansicht heiter.
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